Blick ins Buch

Romane

Der Trinker

4,5(26)
Nicht lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Untergang eines Kleinbürgers In gut zwei Wochen, bis zum 21. September 1944, schrieb Fallada seinen persönlichsten Roman nieder. Zu der Zeit lebte er auf richterlichen Beschluss für dreieinhalb Monate in der Strelitzer Landesanstalt. Vorangegangen war ein Streit mit seiner geschiedenen Frau, bei dem Fallada einen ungezielten Schuss aus seinem Terzerol abgab. „Solange ich schreibe, vergesse ich die Gitter vor dem Fenster“, teilte er seiner Mutter in einem Brief mit. Umgeben von kranken Kriminellen, Wärtern und Pflegern, selten ungestört, schrieb Fallada nicht nur den Roman, sondern noch fünf Erzählungen und seine Sicht auf die Nazizeit nieder. Um das Manuskript zu schützen, tarnte er es durch Unleserlichkeit: fertige, eng beschriebene Manuskriptblätter stellte er auf den Kopf und schrieb in den Zwischenräumen zurück. Mitunter wiederholte er den Vorgang, so dass die Seiten wie mit einer Geheimschrift bedeckt erschienen. In monatelanger Entzifferungsarbeit wurde der Roman nach Falladas Tod im Aufbau-Verlag rekonstruiert. In dieser Fassung erschien er als Lizenzausgabe 1950 im Rowohlt-Verlag, 1953 im Aufbau-Verlag. „Ein zeitloses Dokument über die Abgründe einer Sucht.“ Nürnberger Nachrichten „Indem Hans Fallada das Leiden Sommers beschrieb, legte er auch Zeugnis von sich selbst ab.“ Der Tagesspiegel

Editionen (20)

ISBN9783841200792
VerlagAufbau digital
Erscheinungsdatum10.08.10
Seitenzahl291

Rezensionen & Bewertungen

26 Bewertungen

5 Rezensionen

4,5

Tippen zum Filtern

  • thopsel
    thopsel

    57 Follower

    5,0

    Fallada ein tragisches Genie

    Wenn jemand über die Alkoholsucht, Suizidgedanken, Gefängnisse und Sanatorien schreiben kann, dann Hans Fallada (geb. Rufolf Wilhelm Friedrich Ditzen im Jahre 1893). Um den Wert dieses spannenden Romans in vollem Ausmaß zu begreifen, muss sich dem bewegten Leben des Autors zugewendet werden. Einen solch tragischen persönlichen Hintergrund habe ich um ehrlich zu sein noch bei keinem Autor zuvor entdeckt. Was zur Hölle?! Ich zitiere im Folgenden Wikipedia: „Mit seinem Freund und Mitschüler Hanns Dietrich von Necker beschloss er am 17. Oktober 1911, gemeinschaftlich Suizid zu begehen. Das wechselseitige Töten sollte in Form eines Scheinduells erfolgen. Bei dem Schusswechsel starb von Necker; Fallada überlebte schwerverletzt. Er wurde wegen Totschlags angeklagt und war von Februar 1912 bis Juli 1913 Patient in der Pflegestätte für Psychiatrie und Neurologie Tannenfeld. Wegen Schuldunfähigkeit wurde die Anklage fallengelassen. [...] Wegen Alkoholkrankheit und Morphinismus verbrachte er die Zeit zwischen 1917 und 1919 hauptsächlich in Entzugskliniken und Sanatorien [...] Zur Finanzierung seines Morphin- und Alkoholkonsums beging er Unterschlagungen, die 1923 zu einer dreimonatigen Haftstrafe führten; 1926 folgte eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs". „Der Trinker" verhandelt folgende Fragen: Welche Leerstelle besetzt der Alkohol im Leben eines Menschen? Inwiefern steht Alkohol einer gesunden Selbstreflektion im Wege? Wie werden Süchtige ob ihres geschwächten Zustands ausgenutzt und somit tiefer in den Sog der Sucht hereingezogen? Wie schuldfähig ist ein Alkoholiker oder ein alkoholisierter Mensch? Welche Dynamiken entfalten sich im Spannungsfeld von Bürgertum und Alkoholismus?(immerhin ist der Alkoholkonsum doch Gang und Gebe auch im Bürgertum - wehe aber einer verfällt dem Kulturprodukt Alkohol mal zu sehr) Ist der Alkohol Auslöser, Motor oder Folge für/von Erwin Sommers gescheiterter Ehe? Zudem liest sich die Geschichte über Erwin Sommer wie eine Anklage an die Medizin und den therapeutischen Umgang mit alkoholkranken Menschen. In der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt wird sich nicht mit seinem Krankheitsbild auseinandergesetzt, sein Aufenthalt dort ist das Absitzen einer Strafe, die sich nur in drei Punkten von einem Gefängnisaufenthalt unterscheidet: 1. Die Länge des Aufenthalts wird nicht im Vorhinein kommuniziert - kann also durch die Willkür des psychatrischen Gutachters verlängert werden. 2. Die hygienischen und psychohygienischen Umstände sind umso schlechter. 3. Nach Verlassen der Anstalt stünde er umso sozial geächteter dar, weil er als Geisteskranker abgestempelt wäre. Das Buch lässt sich schnell runterlesen. Die Sprache Falladas geht ins Ohr und bleibt im Kopf.

    25. Juli 2025

  • seitenoscar
    seitenoscar

    134 Follower

    5,0

    📝 „Auch das Streiten scheint wie ein Gift zu sein, an das man sich rasch gewöhnt und ohne das man bald nicht leben kann.“ (S.10) 📝 „Aber der Mensch gewöhnt sich an alles, und ich fürchte beinahe, er gewöhnt sich am raschesten, in einen Zustand von Erniedrigung zu leben. (S.13) 📝 „Es war eine sehr einfache Suche gewesen, die Flasche leer zu trinken, aber ich hätte vorher daran denken sollen, wie schwierig es sein würde, den Zustand wie vorher herzustellen.“ (S.22) 📖 Hans Fallada erzählt die Geschichte von Herrn Sommer in den Fängen des Alkohols. Dieser durchlebt während seiner Sucht alle Gefühlswelten. Ein Roman über die Flucht vor einem selbst und die still wachsende Besessenheit von einem Nervengift. Der ursprüngliche ehrliche Herr Sommer verliert im Laufe des Geschehens immer mehr an Ehrlichkeit - vor allem sich selbst gegenüber - und verstrickt sich in ein Netz der Ausreden. 💭 Unkomplizierter Schreibstil über schockierende Handlungen und Gedanken einer hilfsbedürftigen Person. Dem Autor ist es aus meiner Sicht eindringlich gelungen darzustellen, wie der Protagonist von seinen Problemen davonläuft und wie ihm der Mut und die Kraft fehlt, sich seinen eigenen Fehlern zu stellen. Fallada gibt die Sucherfahrungen detailgetreu wieder, indem er aufzeigt, welch vollendetes Glück Herr Sommer im Moment des Trinkens erlebt und wie schutzlos er dem Alkohol ausgeliefert ist. Empfindungen wie Reue, Erschrockenheit vor einem selbst und Aggressivität des Protagonisten werden ebenfalls gelungen beschrieben. Das Buch blieb mir nach dem Lesen noch eine längere Zeit im Kopf. Allein deswegen halte ich es für ein lesenswertes Werk:).

    31. Juli 2024

  • blackybru
    blackybru

    101 Follower

    5,0

    Der Blick in die Seele eines Trinkers. Es ist schon sehr Besonders, den Niedergang so beschreiben zu können. Mich hat dieser Roman sehr berührt und gleichzeitig auch sehr schockiert.

    11. März 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Hans Fallada

Rudolf Ditzen alias HANS FALLADA (1893–1947), zwischen 1915 und 1925 Rendant auf Rittergütern, Hofinspektor, Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 Adressenschreiber, Annoncensammler, Verlagsangestellter, 1920 Roman-Debüt mit "Der junge Goedeschal“. Der vielfach übersetzte Roman "Kleiner Mann – was nun?" (1932) machte Fallada weltberühmt. Sein letztes Buch, „Jeder stirbt für sich allein“ (1947), avancierte rund sechzig Jahre nach Erscheinen zum internationalen Bestseller. Weitere Werke u. a.: »Bauern, Bonzen und Bomben« (1931), »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« (1934), »Wolf unter Wölfen« (1937), »Der eiserne Gustav« (1938).

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick