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Fallada ein tragisches Genie
Wenn jemand über die Alkoholsucht, Suizidgedanken, Gefängnisse und Sanatorien schreiben kann, dann Hans Fallada (geb. Rufolf Wilhelm Friedrich Ditzen im Jahre 1893). Um den Wert dieses spannenden Romans in vollem Ausmaß zu begreifen, muss sich dem bewegten Leben des Autors zugewendet werden. Einen solch tragischen persönlichen Hintergrund habe ich um ehrlich zu sein noch bei keinem Autor zuvor entdeckt. Was zur Hölle?! Ich zitiere im Folgenden Wikipedia: „Mit seinem Freund und Mitschüler Hanns Dietrich von Necker beschloss er am 17. Oktober 1911, gemeinschaftlich Suizid zu begehen. Das wechselseitige Töten sollte in Form eines Scheinduells erfolgen. Bei dem Schusswechsel starb von Necker; Fallada überlebte schwerverletzt. Er wurde wegen Totschlags angeklagt und war von Februar 1912 bis Juli 1913 Patient in der Pflegestätte für Psychiatrie und Neurologie Tannenfeld. Wegen Schuldunfähigkeit wurde die Anklage fallengelassen. [...] Wegen Alkoholkrankheit und Morphinismus verbrachte er die Zeit zwischen 1917 und 1919 hauptsächlich in Entzugskliniken und Sanatorien [...] Zur Finanzierung seines Morphin- und Alkoholkonsums beging er Unterschlagungen, die 1923 zu einer dreimonatigen Haftstrafe führten; 1926 folgte eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs". „Der Trinker" verhandelt folgende Fragen: Welche Leerstelle besetzt der Alkohol im Leben eines Menschen? Inwiefern steht Alkohol einer gesunden Selbstreflektion im Wege? Wie werden Süchtige ob ihres geschwächten Zustands ausgenutzt und somit tiefer in den Sog der Sucht hereingezogen? Wie schuldfähig ist ein Alkoholiker oder ein alkoholisierter Mensch? Welche Dynamiken entfalten sich im Spannungsfeld von Bürgertum und Alkoholismus?(immerhin ist der Alkoholkonsum doch Gang und Gebe auch im Bürgertum - wehe aber einer verfällt dem Kulturprodukt Alkohol mal zu sehr) Ist der Alkohol Auslöser, Motor oder Folge für/von Erwin Sommers gescheiterter Ehe? Zudem liest sich die Geschichte über Erwin Sommer wie eine Anklage an die Medizin und den therapeutischen Umgang mit alkoholkranken Menschen. In der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt wird sich nicht mit seinem Krankheitsbild auseinandergesetzt, sein Aufenthalt dort ist das Absitzen einer Strafe, die sich nur in drei Punkten von einem Gefängnisaufenthalt unterscheidet: 1. Die Länge des Aufenthalts wird nicht im Vorhinein kommuniziert - kann also durch die Willkür des psychatrischen Gutachters verlängert werden. 2. Die hygienischen und psychohygienischen Umstände sind umso schlechter. 3. Nach Verlassen der Anstalt stünde er umso sozial geächteter dar, weil er als Geisteskranker abgestempelt wäre. Das Buch lässt sich schnell runterlesen. Die Sprache Falladas geht ins Ohr und bleibt im Kopf.
25. Juli 2025
Fallada ein tragisches Genie
Wenn jemand über die Alkoholsucht, Suizidgedanken, Gefängnisse und Sanatorien schreiben kann, dann Hans Fallada (geb. Rufolf Wilhelm Friedrich Ditzen im Jahre 1893). Um den Wert dieses spannenden Romans in vollem Ausmaß zu begreifen, muss sich dem bewegten Leben des Autors zugewendet werden. Einen solch tragischen persönlichen Hintergrund habe ich um ehrlich zu sein noch bei keinem Autor zuvor entdeckt. Was zur Hölle?! Ich zitiere im Folgenden Wikipedia: „Mit seinem Freund und Mitschüler Hanns Dietrich von Necker beschloss er am 17. Oktober 1911, gemeinschaftlich Suizid zu begehen. Das wechselseitige Töten sollte in Form eines Scheinduells erfolgen. Bei dem Schusswechsel starb von Necker; Fallada überlebte schwerverletzt. Er wurde wegen Totschlags angeklagt und war von Februar 1912 bis Juli 1913 Patient in der Pflegestätte für Psychiatrie und Neurologie Tannenfeld. Wegen Schuldunfähigkeit wurde die Anklage fallengelassen. [...] Wegen Alkoholkrankheit und Morphinismus verbrachte er die Zeit zwischen 1917 und 1919 hauptsächlich in Entzugskliniken und Sanatorien [...] Zur Finanzierung seines Morphin- und Alkoholkonsums beging er Unterschlagungen, die 1923 zu einer dreimonatigen Haftstrafe führten; 1926 folgte eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs". „Der Trinker" verhandelt folgende Fragen: Welche Leerstelle besetzt der Alkohol im Leben eines Menschen? Inwiefern steht Alkohol einer gesunden Selbstreflektion im Wege? Wie werden Süchtige ob ihres geschwächten Zustands ausgenutzt und somit tiefer in den Sog der Sucht hereingezogen? Wie schuldfähig ist ein Alkoholiker oder ein alkoholisierter Mensch? Welche Dynamiken entfalten sich im Spannungsfeld von Bürgertum und Alkoholismus?(immerhin ist der Alkoholkonsum doch Gang und Gebe auch im Bürgertum - wehe aber einer verfällt dem Kulturprodukt Alkohol mal zu sehr) Ist der Alkohol Auslöser, Motor oder Folge für/von Erwin Sommers gescheiterter Ehe? Zudem liest sich die Geschichte über Erwin Sommer wie eine Anklage an die Medizin und den therapeutischen Umgang mit alkoholkranken Menschen. In der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt wird sich nicht mit seinem Krankheitsbild auseinandergesetzt, sein Aufenthalt dort ist das Absitzen einer Strafe, die sich nur in drei Punkten von einem Gefängnisaufenthalt unterscheidet: 1. Die Länge des Aufenthalts wird nicht im Vorhinein kommuniziert - kann also durch die Willkür des psychatrischen Gutachters verlängert werden. 2. Die hygienischen und psychohygienischen Umstände sind umso schlechter. 3. Nach Verlassen der Anstalt stünde er umso sozial geächteter dar, weil er als Geisteskranker abgestempelt wäre. Das Buch lässt sich schnell runterlesen. Die Sprache Falladas geht ins Ohr und bleibt im Kopf.
25. Juli 2025







