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Grenzenlose Grenzenlosigkeit
Teresa ist 32, verhütet nicht und nimmt Folsäure ein. Eigentlich eine klare Sache. Doch als sie von ihrem Partner Erk schwanger wird, ist ihr schnell klar, dass sie abtreiben möchte. In der Klinik beschließt sie schließlich, das Kind doch zu behalten. Als Leser:in wird durch häufige Rückblenden in Teresas Kindheit und Jugend sowie durch die Begegnung mit Teresas Eltern schnell klar, weshalb sie mit ihrer Mutterschaft hadert: Schläge, Zwang und Unterdrückung waren an der Tagesordnung. Hat Teresa die Kraft, aus ihrer Vergangenheit auszubrechen und ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein? Das Buch hat mir einiges abverlangt, jedoch durchaus im positiven Sinne: Die Darstellung der Eltern und Schwiegereltern lassen einem als Leser:in die Haare zu Berge stehen. Man hat ständig Mitleid mit Teresa, die durchgehend herablassend und respektlos von der Elterngeneration behandelt wird. Ihr Partner Erk ist dabei der Prototyp des schwachen Mannes, der sich nicht von den Eltern emanzipieren kann und lieber des Friedens Willen immer wieder nachgibt, als seine Partnerin zu verteidigen. Auch das Klinikpersonal behandelt Teresa während der Geburt despektierlich. Auch hier greift Erk nicht ein. Die ganze Geschichte hindurch herrscht eine schwelende Atmosphäre und man fragt sich als Leser:in, wann es aus Teresa herausbricht, wann sie sich endlich wehrt, wann sie es schafft, Grenzen zu setzen. Julia Friese schafft es, die Schroffheit, das Holzschnittartige und Karikaturhafte der Figuren in der Sprache widerzuspiegeln. Sie erzählt in kurzen, abgehackten und assoziativ wirkenden Sätzen und es wird schnell klar, dass sie eine absolute Sprach-Virtuosin ist. Eine meiner Lieblingsstellen ist: „Denn wer hält schon ohne Bier die eigene Familie aus. Den Weihnachtsbaum, ja. Aber doch niemals den Stammbaum.“ (S. 291). Der Roman ist absolut lesenswert!
26. Aug. 2024
Grenzenlose Grenzenlosigkeit
Teresa ist 32, verhütet nicht und nimmt Folsäure ein. Eigentlich eine klare Sache. Doch als sie von ihrem Partner Erk schwanger wird, ist ihr schnell klar, dass sie abtreiben möchte. In der Klinik beschließt sie schließlich, das Kind doch zu behalten. Als Leser:in wird durch häufige Rückblenden in Teresas Kindheit und Jugend sowie durch die Begegnung mit Teresas Eltern schnell klar, weshalb sie mit ihrer Mutterschaft hadert: Schläge, Zwang und Unterdrückung waren an der Tagesordnung. Hat Teresa die Kraft, aus ihrer Vergangenheit auszubrechen und ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein? Das Buch hat mir einiges abverlangt, jedoch durchaus im positiven Sinne: Die Darstellung der Eltern und Schwiegereltern lassen einem als Leser:in die Haare zu Berge stehen. Man hat ständig Mitleid mit Teresa, die durchgehend herablassend und respektlos von der Elterngeneration behandelt wird. Ihr Partner Erk ist dabei der Prototyp des schwachen Mannes, der sich nicht von den Eltern emanzipieren kann und lieber des Friedens Willen immer wieder nachgibt, als seine Partnerin zu verteidigen. Auch das Klinikpersonal behandelt Teresa während der Geburt despektierlich. Auch hier greift Erk nicht ein. Die ganze Geschichte hindurch herrscht eine schwelende Atmosphäre und man fragt sich als Leser:in, wann es aus Teresa herausbricht, wann sie sich endlich wehrt, wann sie es schafft, Grenzen zu setzen. Julia Friese schafft es, die Schroffheit, das Holzschnittartige und Karikaturhafte der Figuren in der Sprache widerzuspiegeln. Sie erzählt in kurzen, abgehackten und assoziativ wirkenden Sätzen und es wird schnell klar, dass sie eine absolute Sprach-Virtuosin ist. Eine meiner Lieblingsstellen ist: „Denn wer hält schon ohne Bier die eigene Familie aus. Den Weihnachtsbaum, ja. Aber doch niemals den Stammbaum.“ (S. 291). Der Roman ist absolut lesenswert!
26. Aug. 2024








