Blick ins Buch

Romane

Institut für gute Mütter

3,7(322)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Bin ich eine schlechte Mutter?

Frida ist überfordert: Ihr Baby Harriet schreit und schreit und alles, wonach sich die alleinerziehende Mutter sehnt, ist eine halbe Stunde Ruhe und etwas Zeit für sich. Als sie das kleine Mädchen für eine Stunde unbeaufsichtigt zu Hause lässt, ruft ein Nachbar die Polizei. Was dann folgt, ist der Albtraum einer jeden Mutter: Frida verliert das Sorgerecht und wird in eine Besserungsanstalt gesteckt. Im Institut für gute Mütter soll sie mithilfe einer KI-Puppe lernen, was es heißt, eine gute Mutter zu sein. Ein Jahr totaler Überwachung, Strafen und unmenschlicher Lektionen nimmt seinen Lauf.

Eines von Barack Obamas Lieblingsbüchern 2022!

»Empörend aktuell« The New York Times Review

»Ein bemerkenswerter, mitreißender Roman« Vogue

»Wer diesen dystopischen Antibildungsroman gelesen hat, wird nie wieder schlecht über Mütter sprechen oder ihnen ungefragt Erziehungstipps geben. Ein furioses Debüt.« Welt am Sonntag

Editionen (2)

ISBN9783550201332
VerlagUllstein Buchverlage
Erscheinungsdatum30.03.23
Seitenzahl432

Merkmale

1 Bewertungen

MittelVerstörendHerzerwärmendTraurigNachdenklichSpannend

Rezensionen & Bewertungen

322 Bewertungen

82 Rezensionen

3,7

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  • greenwitchthinks
    greenwitchthinks

    161 Follower

    4,5

    Wenn Mutterliebe zum Prüfstein wird

    Das Buch, tut weh beim Lesen. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es so unbequem ehrlich wirkt. Es greift viele kritische und gesellschaftskritische Themen auf und zeigt auf erschreckende Weise, unter welchem Druck Frauen und besonders Mütter stehen können. Von Anfang an liegt ein dauerhafter Druck auf der Hauptfigur. Sie ist dem System vollkommen ausgeliefert, wird beobachtet, bewertet und ständig daran gemessen, ob sie „gut genug“ ist. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins zieht sich durch die gesamte Geschichte und macht das Lesen stellenweise richtig beklemmend. Besonders eindrucksvoll fand ich den Gegensatz zwischen Muttersein und Kindsein. Die Verzweiflung der Mutter ist deutlich spürbar – ihre Angst, ihr Kind zu verlieren, und ihr verzweifelter Wunsch, alles richtig zu machen. Gleichzeitig wird klar, wie sehr auch Kinder unter solchen Systemen leiden. Was dabei jedoch immer spürbar bleibt, ist diese endlose Mutterliebe, die selbst unter extremem Druck nicht verschwindet. Die künstlichen KI-Kinder haben bei mir ein richtig unheimliches Gefühl ausgelöst. Sie wirken kühl, kontrolliert und fast wie eine beängstigende Vorstellung davon, wie „perfekte“ Kinder aussehen sollen. Sehr stark sind auch die Geschichten der anderen Frauen im Institut. Jede bringt ihr eigenes Schicksal mit, ihre eigenen Fehler und Ängste. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild darüber, was es bedeutet, eine Frau in einer Gesellschaft zu sein, die ständig Erwartungen stellt und bewertet. Für mich ist dieses Buch vor allem eines: eine eindringliche, fast erschreckend real wirkende Warnung darüber, wie schnell Fürsorge in Kontrolle umschlagen kann.

    11. Apr. 2026

  • allesisterleuchtet
    allesisterleuchtet

    199 Follower

    3,0

    Dystopie einer Welt, in der Mütter wenig Rechte haben - insbesondere nicht-weisse und arme Mütter

    Grundsätzlich fand ich die Story und das Setting gut: Frida lässt ihr Kind alleine und soll in einer Umerziehungsschule für Mütter beweisen, dass sie verdient, ihre Tochter zurück zu bekommen. Das Institut erweist sich als grausamer und hoffnungsloser als gedacht. Vorneweg: ich habe schon sehr viele Dystopien gelesen und fand in diesem Buch viele Parallelen. Die Idee des Buches ist super. Auch die - berechtigten - feministischen und anirassitischen Bluckwinkel des Buches fand ich gut. Aber für mich war das Buch nicht mitreissend. Mit der Hauptfigur konnte ich mich nicht identifizieren und auch die anderen Figuren blieben seltsam plakativ. Das Buch hat mich teilnahmslos und verwirrt zurück gelassen.

    8. Apr. 2026

  • 4,0

    Nun ist es schon einige Jahre her seit meine Kinder aus dem gröbsten, sprich Kleinkindalter heraus sind, aber dieses Buch hat in mir tatsächlich so viele Emotionen hervorgerufen, die ich als Mutter mit Kleinkindern noch sehr gut in Erinnerung habe. Chan schreibt in ihrem Debüt über Frida, eine alleinerziehende Mutter, die zu Beginn des Romans an ihre Belastungsgrenzen gerät. Um Unterlagen, die sie bei der Arbeitsstelle vergessen hat, für das Homeoffice zu holen, lässt sie ihre knapp zweijährige Tochter Harriet "kurz" allein. Aus der kurzen Fahrt zur Arbeitsstelle werden dann knapp zwei Stunden. Währenddessen informieren Fridas Nachbarn, die die Tochter schreien hören und mitbekommen haben, dass Frida das Haus verlassen hat, die Polizei. Nun beginnt für Frida ein Albtraum, denn es wurden neue Gesetze verabschiedet, die Fridas Handeln als Vergehen ahnden und ihr das Sorgerecht ihrer Tochter entziehen.  Frida wird auf "Vernachlässigung und Aussetzung" verurteilt und erhält als Auflage die Einweisung in das "Institut für gute Mütter", eine Besserungsanstalt, in der Mütter lernen sollen, sich adäquat um ihre Kinder zu kümmern und in den Augen des Staates eine gute Mutter zu werden. Frida durchläuft hier ein fast einjähriges Programm, in dem sie tagtäglich bewertet wird. Diese Bewertungen werden die maßgeblichen Entscheidungsgrundlage des Gerichts bilden, ob Frida das Sorgerecht zurück bekommt. Trainiert wird anhand einer KI-Puppe, die Frida durch die Monate täglich begleitet. Die Puppe ist angepasst an das Alter und das äußere Erscheinungsbild ihrer Tochter. Schon bei der Einführung wird den Müttern mantramäßig der Satz "Ich bin eine schlechte Mutter, aber ich lerne, eine gute zu sein." eingebläut. Es beginnt eine Zeit der absoluten Überwachung und Bewertung. Neben Nervenzusammenbrüchen, Flucht aus der Anstalt, aber auch gegenseitiger Unterstützung versuchen die Mütter die Zeit zu überstehen, denn nur wer das Trainingsprogramm durchhält, hat eine Chance darauf, sein Kind wiederzusehen... Jessamine Chan hat hier einen dystopischen Roman geschrieben, in dem sie einen totalen Überwachungsstaat über Mutterschaft und Kindeswohl thematisiert. Das Thema hat sehr viel in mir ausgelöst, insbesondere der Umgang mit Mutterschaft sowie die Bewertung, wie eine "gute Mutter" zu sein hat und welche menschenverachtenden Maßnahmen ergriffen werden. Frida, die Protagonistin, empfand ich zunächst als stark bagatellisierend und abwehrend bezüglich ihrer "Tat", was sich irgendwann komplett in das Gegenteil umzukehren schien und sie von Schuldgefühlen regelrecht zerstört wirkte. Im großen und Ganzen kam ich ihrem Charakter aber nicht nahe. Insgesamt fand ich den Roman und insbesondere das Thema sehr spannend, wobei zwischendurch die Zeit im Institut meiner Meinung nach ein wenig zu sehr ausgeschmückt wurde. Das hätte für mich auch etwas kürzer sein können und dafür intensiver auf die Zeit danach eingegangen werden können. Trotz alledem kann ich den Roman durchaus empfehlen - insbesondere wenn ihr euch für Dystopien interessiert.

    28. März 2026

3 von 82 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Jessamine Chan

Jessamine Chan studierte an der Columbia University und arbeitete bei Publishers Weekly. Ihre Kurzgeschichten erschienen in Tin House und Epoch. 2017 erhielt sie das Literaturstipendium der Elizabeth George Foundation für die Fertigstellung ihres Debütromans, der in den USA für über eine Million Dollar verkauft wurde. 2022 erschien er bei Simon & Schuster. Chan lebt mit ihrer Familie in Chicago.

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