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Schmerz, Verarbeitung, Sehnsucht, Verstehen und Loslassen auf 89 Seiten.
Annie Ernaux schreibt in ,Eine Frau‘ wenige Tage nach dem Tod ihrer Mutter deren Leben nieder. Die Echtheit der Gedanken einer trauernden Tochter bricht das Herz. Ein Kind, das aufschaut, anklagt und sich wehrt. Gegen die Mutter, gegen die Armut und gegen die eigene Herkunft. Vor allem aber gegen sich selbst. Bildung scheint dabei der einzige Ausweg. Doch entkommen kann sie kaum, denn das Leben eines Kindes kann nie losgelöst von den Eltern betrachtet werden. Die Last oder das Privileg „Kind von“ zu sein bestimmt unsere Realität. Beim Schreiben ringt Ernaux nicht nur mit ihren Erinnerungen und ihrer Geschichte, sondern auch mit der Frage nach dem Wie. Während sie Worte sucht und behutsam anordnet, lässt sie uns teilhaben am Prozess des Schreibens. Diese Offenheit macht den Text so eindringlich. Rückblickend stellt sich mir sogar noch eine viel größere Frage: Was geben unsere Eltern und Großeltern uns an Wissen, Lebensweisheiten und Haltung mit? In einer Zeit, in der man alles googlen und sich von Kl erklären lassen kann - reden wir überhaupt noch miteinander? Trotz aller Befangenheit formuliert sie so reflektiert und nüchtern, dass ich als Leserin ständig zwischen Anschuldigung und Mitleid schwanke. Noch zwei Monate nach dem Lesen schießen mir beim bloßen Durchblättern der Seiten die Tränen in die Augen. Ihre Sätze sind auf den Punkt gebracht. Kein Wort zu viel, aber auch keines zu wenig. Das ist Kunst! 📖 übersetzt aus dem Französischen von Sonja Fink

9. Jan. 2026
Schmerz, Verarbeitung, Sehnsucht, Verstehen und Loslassen auf 89 Seiten.
Annie Ernaux schreibt in ,Eine Frau‘ wenige Tage nach dem Tod ihrer Mutter deren Leben nieder. Die Echtheit der Gedanken einer trauernden Tochter bricht das Herz. Ein Kind, das aufschaut, anklagt und sich wehrt. Gegen die Mutter, gegen die Armut und gegen die eigene Herkunft. Vor allem aber gegen sich selbst. Bildung scheint dabei der einzige Ausweg. Doch entkommen kann sie kaum, denn das Leben eines Kindes kann nie losgelöst von den Eltern betrachtet werden. Die Last oder das Privileg „Kind von“ zu sein bestimmt unsere Realität. Beim Schreiben ringt Ernaux nicht nur mit ihren Erinnerungen und ihrer Geschichte, sondern auch mit der Frage nach dem Wie. Während sie Worte sucht und behutsam anordnet, lässt sie uns teilhaben am Prozess des Schreibens. Diese Offenheit macht den Text so eindringlich. Rückblickend stellt sich mir sogar noch eine viel größere Frage: Was geben unsere Eltern und Großeltern uns an Wissen, Lebensweisheiten und Haltung mit? In einer Zeit, in der man alles googlen und sich von Kl erklären lassen kann - reden wir überhaupt noch miteinander? Trotz aller Befangenheit formuliert sie so reflektiert und nüchtern, dass ich als Leserin ständig zwischen Anschuldigung und Mitleid schwanke. Noch zwei Monate nach dem Lesen schießen mir beim bloßen Durchblättern der Seiten die Tränen in die Augen. Ihre Sätze sind auf den Punkt gebracht. Kein Wort zu viel, aber auch keines zu wenig. Das ist Kunst! 📖 übersetzt aus dem Französischen von Sonja Fink
9. Jan. 2026







