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Blutbuch

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Über das Buch

Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem Schweizer Vorort, lebt sie nun in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie. Dieser Roman ist ein stilistisch und formal einzigartiger Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten. Kim de l’Horizon macht sich auf die Suche nach anderen Arten von Wissen und Überlieferung, Erzählen und Ichwerdung, unterspült dabei die linearen Formen der Familienerzählung und nähert sich einer flüssigen und strömenden Art des Schreibens, die nicht festlegt, sondern öffnet.

Editionen (3)

ISBN9783832182083
VerlagDuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum19.07.22
Seitenzahl336

Merkmale

2 Bewertungen

NachdenklichLangsamKomplexPoetischUngewöhnlichInformativ

Rezensionen & Bewertungen

598 Bewertungen

101 Rezensionen

3,6

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  • caglas.pov
    caglas.pov

    148 Follower

    0,5

    Einfach ne

    Blutbuch hat mich zunächst völlig in seinen Bann gezogen. Die ersten Seiten sind sprachlich kraftvoll, roh und kompromisslos ehrlich. Umso größer ist meine Enttäuschung darüber, wohin sich dieser Roman entwickelt. Ich bin durchaus offen für provokante, unbequeme und grenzüberschreitende Literatur. Doch hier hatte ich zunehmend das Gefühl, dass Grenzüberschreitung nicht mehr einem erzählerischen Zweck dient, sondern zur Selbstinszenierung wird. Die Sprache verliert sich oft in einer soooo so derben und exzessiven Direktheit, die irgendwann einfach nicht mehr schockiert oder berührt, sondern schlicht ermüdet und anstrengt. Gleichzeitig wirkt der Roman auf mich erstaunlich unfokussiert. Familiengeschichte, Identität, Sexualität, Queerness, Kindheit und akademisches Milieu werden ständig gegeneinander ausgespielt, statt sich gegenseitig zu vertiefen. Viele interessante Ansätze bleiben dadurch oberflächlich oder verlaufen im Nichts. MEIN GRÖSSTES PROBLEM sind jedoch die Inhalte, die meiner Meinung nach viel zu wenig reflektiert werden. Sexualisierte Gewalt wird geschildert, ohne dass eine ernsthafte kritische Einordnung erfolgt. Hinzu kommen rassifizierende Fantasien, sexualisierte Exotisierung sowie Passagen mit misogynen und homophoben Untertönen, die der Text reproduziert, ohne sie ausreichend zu hinterfragen. Kunst darf provozieren und verstören. Sie darf schwierige und hässliche Themen verhandeln. Aber sie sollte problematische Bilder nicht einfach reproduzieren, ohne sie kritisch zu beleuchten. Gerade weil Blutbuch so stark autobiografisch wirkt, hätte ich mir hier deutlich mehr Selbstreflexion gewünscht. Das Frustrierende ist, dass in diesem Roman eigentlich eine wichtige und notwendige Geschichte über Identität, Herkunft und familiäres Schweigen steckt. Dieses Potenzial ist (hin und wieder) spürbar. Für mich wird es jedoch von fragwürdigen Darstellungen und mangelnder kritischer Distanz überschattet. Deshalb bleiben am Ende nicht Bewunderung oder Erkenntnis zurück, sondern vor allem Ernüchterung und Wut.

    Einfach ne

    9. Juni 2026

  • carmen86
    carmen86

    105 Follower

    3,0

    Kunst, psychische Selbsthilfe oder ein Roman?

    Ich kann die Frage nicht klar beantworten. Falls es Kunst ist, ist es Geschmacksache und, bis auf einige Aspekte nicht ein zu mir sprechendes „Werk“. Ich umreiß die Gesamtheit nicht. Falles es psychische Selbsthilfe ist, gebührt ihm mein Respekt und ich bin vielleicht niemand, der sich in diesen „Schmerz“ versetzten kann, aber ich denke das Buch hilft denen, zu denen es spricht. Falls es ein Roman ist: Ich hab mich durch Kapitel 1-3 „gekämpft“; Teil 4 war außergewöhnlich und ich hab es gerne gelesen. Teil 5 ist der für mich wichtigste Part des Buches. Er erklärt, er lässt verstehen, er umklammert die ganze Geschichte. Wer das Buch liest sollte mE in diesem Fall wirklich bis zum Schluss versuchen durchzuhalten.

    14. Feb. 2026

  • santerisummer
    santerisummer

    127 Follower

    5,0

    Ein Buch, das fordert, das Grenzen sucht und überschreitet. Eine schreibende Suche nach der eigenen Sprache, Identität, Familiengeschichte. Es erzählt eine non-binäre Stimme mal poetisch in wunderschönen Bildern, mal derb, roh und mit aller Vehemenz nicht linear, sondern spiralförmig in die Tiefe blickend von dem, was es heißt, keinen Platz zu haben in der Heteronormativität. Das ist neu, außergewöhnlich und faszinierend für Lesende, die Gegenwartsliteratur lieben.

    2. Nov. 2025

3 von 101 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 5015%
isabellvedere
isabellvedere2. Feb. 2026

Wow, ich bin begeistert. Der Einstieg fiel mir unheimlich leicht und mich berühren sehr viele Sätze bislang, die auch lange nachhallen. Ich habe das Bedürfnis langsamer zu lesen, um mehr aufzunehmen 😊 Die Sprache ist wirklich so durchdacht, queer und gleichzeitig so weich 🪶

Autorin / Autor

Über Kim de l'Horizon

KIM DE L’HORIZON, geboren 2666 auf Gethen. Vor ›Blutbuch‹ versuchte Kim mit Nachwuchspreisen attention zu erringen – u. a. mit dem Textstreich-Wettbewerb für ungeschriebene Lyrik und dem Damenprozessor. Heute hat Kim genug vom »ICH«, studiert Hexerei bei Starhawk und textet kollektiv im Magazin DELIRIUM. ›Blutbuch‹ wurde 2022 mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung sowie dem Deutschen Buchpreis und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Der Roman wird in 17 Sprachen übersetzt und für di

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