Blick ins Buch

Romane

Good Girl

3,8(253)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

In alten Kellerhallen, in denen der Techno die noch von der Gewalt des letzten Jahrhunderts gezeichneten Wände zum Beben bringt, trifft die 19-jährige Nila auf Gleichgesinnte. Man legt die Lines, während man den Sozialismus predigt, und für Nila ist dieser dunkle Massenkörper der Ausweg aus dem Berliner Plattenbau, in dem wie sie nur Geflüchtete leben, wo die Toiletten von Silberfischen befallen und die Wände mit Hakenkreuzen beschmiert sind.

Nur im Rausch entkommt sie der Erinnerung an die tote Mutter, einst große feministische Revolutionärin, heute nur noch ein letztes Aufblitzen in den Augen des lebensmüden Vaters. Für jeden, der sie fragt, ist ihre Familie griechisch, nicht afghanisch.

Und dann lernt Nila den amerikanischen Schriftsteller Marlowe Woods kennen, der ihr, die immer schreiben wollte, eine Welt von Mäzenen und Festivals eröffnet. Marlowe teilt großzügig, doch schon bald folgen Gegenforderungen und Ansprüche, die die Grenzen des Erträglichen für Nila weit überschreiten.

GOOD GIRL von Aria Aber ist ein ekstatisch wummerndes Loblied auf die verlorenen Intimitäten der Jugend. Ein virtuoser Debütroman und das erschütternde Porträt einer jungen Künstlerin, die in einen Strudel von Sex, Drogen, Gewalt, aufbrechender Freundschaft, sich verlierender Familie und Trauer gerissen wird.

Editionen (1)

ISBN9783546100960
VerlagClaassen
Erscheinungsdatum27.02.25
Seitenzahl400

Merkmale

2 Bewertungen

GlaubwürdigPoetischEntwickelndNachdenklichVerstörendSympathisch

Rezensionen & Bewertungen

253 Bewertungen

32 Rezensionen

3,8

Tippen zum Filtern

  • bea777
    bea777

    482 Follower

    4,0

    Jede Familie hat einen Fluch, und der Fluch meiner Familie bin ich. Zitat

    Aria Aber hat ein schmerzhaftes Buch mit dem Berliner Sound der 2000er Jahre geschrieben. Wir begleiten die Protagonistin Nila dabei, wie sie sich in Partys, Drogen und der toxischen und gewalttätigen Beziehung zu einem viel älteren Mann verliert. Nilas Eltern stammen aus Afghanistan, waren Ärzte und sind dort für Freiheit und Rechtstaatlichkeit auf die Straße gegangen. In Deutschland, in Berlin, in der Gropiusstadt waren sie nichts. Berufsabschlüsse wurden nicht anerkannt, Träume auf ein erfülltes Leben zerplatzten, was zählte war das Ansehen in der Familie und Nachbarschaft. Geld war kaum vorhanden und dennoch schafften sie es, Nila auf eine Schule in Niedersachsen zu schicken - in der Hoffnung, dass sie es einmal besser hat und Juristin oder Ärztin wird. Dann stirbt Nilas Mutter plötzlich und mit dem Schulabschluss und der Rückkehr in die Gropiusstadt wird das Partyleben von Nila noch exzessiver. Der Konsum von Drogen nimmt überhand und man fragt sich, wie ein Körper das aushalten kann ohne bleibende Schäden. Spannend geschildert fand ich den inneren Konflikt, den Nila mit sich aufträgt. Die Scham der eigenen Herkunft, die Angst, als Afghanin ständig mit den Anschlägen von 9/11 in Verbindung gebracht zu werden, die Scham über das arme Leben in der Gropiusstadt. Aria Aber stellt auch immer wieder aktuelle politische Bezüge her, die am Ende die NSU-Morde thematisieren. Eine Leseempfehlung für ein Buch, dass weh tut, aber wichtig ist.

    Jede Familie hat einen Fluch, und der Fluch meiner Familie bin ich. Zitat

    24. Jan. 2026

  • va.ne.ss.a
    va.ne.ss.a

    61 Follower

    3,0

    Hart, toxisch und verstörend..

    Es geht um unsere Protagonistin, die sich für ihre Herkunft schämt. Sie verliert sich in Drogen in Berliner Techno Bunkern und verliebt sich in einen älteren Mann der ihr absolut nicht gut tut. Der Tod ihrer Mutter prägt sie sehr und sie fühlt sich zerrissen in ihrem ganzen Sein. Das Buch tut weh und ist absolut toxisch. Drogen, Missbrauch, eine toxische Beziehung und andere schlimme Themen ziehen sich durch das Buch. Die innere Zerrissenheit hat schon irgendwie was mit mir gemacht und dennoch war es kein Buch für mich.

    14. Mai 2026

  • secretbasement
    secretbasement

    42 Follower

    4,0

    Ein sprachgewaltiger, düsterer Coming-of-Age-Roman über Identität, Verlust und das verzweifelte Suchen nach einem Platz.

    "Good Girl" ist für mich ein Roman, der nicht unbedingt gefallen will und genau das macht ihn so stark. Aria Aber erzählt roh, intensiv und mit einer Sprache, die gleichzeitig hart zuschlägt und dann wieder fast poetisch schimmert. Schon nach wenigen Seiten war klar: Das wird keine leichte Geschichte, aber eine, die hängen bleibt. ⚡ Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die zwischen Herkunft, Erwartungen, Verlust und dem Wunsch nach Selbstbestimmung taumelt. Berlin wird dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zu einem vibrierenden, düsteren Raum voller Reizüberflutung, Fluchtimpulse und innerer Zerrissenheit. Die Atmosphäre ist dicht, exzessiv und manchmal kaum auszuhalten, aber genau darin liegt auch die Wucht dieses Buches. 🌃 Besonders beeindruckt hat mich, wie eindringlich Themen wie Identität, Klassismus, Rassismus, Trauer und weibliche Verletzlichkeit verarbeitet werden. "Good Girl" zeigt, wie schmerzhaft es sein kann, sich selbst finden zu wollen, wenn man gleichzeitig vor so vielem davonläuft. Das ist unbequem, intensiv und emotional oft ziemlich schonungslos. 🖤 Sprachlich fand ich den Roman wirklich stark. Kraftvoll, bildhaft und mit vielen Sätzen, die sich festsetzen. Gleichzeitig muss man sagen, dass dieses Buch nichts für nebenbei ist. Die Geschichte bewegt sich durch toxische Dynamiken, Selbstzerstörung und emotionale Abgründe - das muss man aushalten wollen. ✍️ Für mich war "Good Girl" deshalb kein perfektes, aber ein sehr eindrucksvolles Leseerlebnis. Manche Passagen hätten für mich etwas straffer sein können, trotzdem überwiegt am Ende ganz klar der Eindruck eines mutigen, klugen und atmosphärisch starken Romans, der sich mit wichtigen Themen auseinandersetzt. ✨ Fazit: Ein sprachgewaltiger, düsterer Coming-of-Age-Roman über Identität, Verlust und das verzweifelte Suchen nach einem Platz in der Welt. Intensiv, verstörend und definitiv nicht für jeden, aber absolut lesenswert. 💥

    2. Mai 2026

3 von 32 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Aria Aber

Aria Aber ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und lebt derzeit in Los Angeles. Ihr erster Gedichtband Hard Damage (2019) gewann den Prairie Schooner Prize. Die ehemalige Stegner-Stipendiatin, Empfängerin des Whiting Award 2020 und derzeitige Doktorandin an der USC veröffentlichte ihre Gedichte unter anderem in The New Yorker, New Republic, The Yale Review, Narrative und POETRY.

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