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Romane

Weiches Begräbnis

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Über das Buch

„Fesselnd wie ein Opiumrausch.“ Le Monde

Wer China verstehen will, sollte diesen Roman lesen: In ihrem zuerst gefeierten, dann verfemten Roman rührt Fang Fang an die Traumata der chinesischen Seele.

Als Weiches Begräbnis 2016 in China erscheint, wird der Roman als wichtigstes chinesisches Werk der letzten Jahrzehnte gefeiert und mit dem renommierten Literaturpreis Lu Yao ausgezeichnet. Doch als bei einer Parteizusammenkunft der Roman mit dem Vokabular der Kulturrevolution als „Giftpflanze“ verbrämt wird, verschwindet das Buch vom Markt. Denn Fang Fang rührt darin an ein unverarbeitetes Trauma der chinesischen Gesellschaft, die Landreform nach 1948, als Millionen Chines*innen hingerichtet und in „weichen Begräbnissen“, d.h. ohne Sarg, verscharrt wurden.

In einem kleinen Dorf wird eine junge Frau halbtot aus einem Fluss gezogen, sie erinnert sich an nichts. Der Dorfarzt Dr. Wu rettet ihr das Leben, und sie beginnt ein neues: Sie wird Haushälterin des KP-Kaders vor Ort, heiratet ihren Retter Dr. Wu, und sie bekommen einen Sohn. Doch im Laufe der Jahre löst sich der schützende Kokon des Vergessens. Sie sind verdammt zu schweigen, denn das Schweigen schützt die Familie: auch dafür steht „weiches Begräbnis“, die Erinnerung so tief zu begraben, dass gefährliches Wissen für immer verlorengeht. Im Schatten dieses Traumas wächst ihr Sohn auf – doch alles ändert sich, als er beginnt, die Vergangenheit zu erforschen.

Editionen (2)

ISBN9783455011036
VerlagHoffmann und Campe
Erscheinungsdatum01.04.21
Seitenzahl448

Rezensionen & Bewertungen

33 Bewertungen

7 Rezensionen

4,3

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  • shades.of.paper
    shades.of.paper

    55 Follower

    4,0

    Ein Stück chinesische Vergangenheit

    Schon eine ganze Weile stand "Weiches Begräbnis" der chinesischen Autorin Fang Fang auf meiner Liste! Das Buch wurde groß besprochen und nachdem mir ihr zweites in Deutschland verfügbares Buch (Wütendes Feuer) ausgesprochen gut gefallen hat, habe ich endlich nicht mehr gewartet 😄 "Weiches Begräbnis" ist sehr komplex, eine Geschichte, die sich ihrem Leser erst nach und nach öffnet und bei der auch zwischen den Zeilen vieles geschrieben steht. Es ist ein Buch, das sehr konzentriert gelesen werden will, im Idealfall hat man ein gewisses Vorwissen (oder Interesse) an China, seinen Menschen und seiner Kultur. Anders als "Wütendes Feuer" lebt "Weiches Begräbnis" auch von seinen leisen Tönen, manchmal entwickelt sich die Geschichte gar ein bisschen langsam, ächzt beinahe unter ihren vielen Bildern und Metaphern. Man sollte schon in der Stimmung sein, sich auch dieses Buch einzulassen. Dann erwartet den geneigten Leser allerdings weit mehr, als einfach ein spannender Roman über eine Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat. Die Aufarbeitung eines gesellschaftlichen Traumas ist davon ebenso Teil, wie eine heute noch berechtigte Kritik an der chinesischen Geschichtsschreibung. Mir hat das Buch sehr gefallen und vor allem einen besonderen Eindruck hinterlassen. Ein Roman, den man nicht vergisst! Von mir gibt es 4 🌟

    Ein Stück chinesische Vergangenheit

    6. Sept. 2022

  • eharz
    eharz

    12 Follower

    3,0

    Chinesische Geschichtsaufarbeitung in eine langatmige und komplizierte Erzählung verpackt

    Mein erstes Buch einer chinesischen Autorin lässt mich etwas erschöpft zurück. Ich hatte mir ein besseres Verständnis der jüngeren chinesischen Geschichte erwartet, über die ich zugegebener Maßen nicht viel weiß. Das habe ich bekommen. Aufgerollt wird das Kapitel der kommunistischen Bodenreform 1949-1952, bei der laut offizieller Erzählung "reiche und skrupellose Großgrundbesitzer" gewaltvoll enteignet wurden, um deren Besitz unter den mittellosen Kleinbauern aufzuteilen und die Millionen Todesopfer nach sich zog. Die genauen Hintergründe und Schachzüge des kommunistischen Regimes werden aber erst im Nachwort der Übersetzung dargelegt, so viel sei schon mal verraten. Die Geschichte spielt sich einerseits in einer tranceähnlichen Erinnerungswelt einer alten Frau ab und andererseits in der Jetzt-Zeit, in der ihr Sohn versucht ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Was sich anfangs für mich nach einem interessanten Konzept angehört hat, entpuppt sich jedoch schnell als sehr langwierig und langatmig. Die Autorin schildert Szenen sehr minutiös, das macht die Erzählung langsam und fühlt sich oft nach Redundanz an. Dazu kommen die Besonderheiten der chinesischen Sprache, die die Lesbarkeit und Verständlichkeit am Anfang sehr schwierig für mich gemacht haben (die Namen der handelnden Personen klingen und lesen sich sehr ähnlich). Ab der Hälfte des Buches habe ich das Ende sehr herbeigesehnt, war aber dennoch nicht bereit es vorzeitig abzubrechen. Alles in allem ein möglicher Einstieg in die chinesische Literatur, aber kein Must-Read für mich, höchstens aus der Motivation heraus, dass das Buch in China selbst zwar nicht offiziell verboten ist, aber mittlerweile vom Buchmarkt verschwunden ist (warum wohl?).

    Chinesische Geschichtsaufarbeitung in eine langatmige und komplizierte Erzählung verpackt

    22. Feb. 2026

  • kira.98
    kira.98

    21 Follower

    5,0

    Das beste Buch der Autorin

    Fang Fang schreibt so wortgewaltig in so leisen Tönen. Die Protagonist*innen kommen einem durch ihren Erzählstil sehr nahe, auch wenn man ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen kann. Die verschiedenen Erzählperspektiven und Zeitebenen lassen einen sehr dunklen Teil der Geschichte Chinas lebendig werden. Eine Geschichtsstunde in der schönsten Form, ohne dass der Leser am Ende verloren zurückbleibt. „Weiches Begräbnis“ konnte mich von ihren Büchern mit Abstand am meisten begeistern.

    7. Juli 2025

3 von 7 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Fang Fang

Fang Fang ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Chinas. Sie wurde 1955 geboren und lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in Wuhan. Ihr 2020 auf Deutsch erschienenes Wuhan Diary stand wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Zuletzt erschienen von ihr bei Hoffmann und Campe der vielfach gefeierte Roman Glänzende Aussicht (2024) sowie Blume Vollmond (2025).

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