Blick ins Buch

Romane

Fünf Leben

4,4(47)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Eine junge Chinesin kämpft in den 1880ern im amerikanischen Westen um ihren Platz im Leben

Die junge Daiyu muss die Heimat und die Zukunft, die sie sich erträumt hatte, aufgeben, als sie entführt und über den Ozean von China nach Amerika geschmuggelt wird. Über die folgenden Jahre muss sie sich beständig neu erfinden, um zu überleben. Von einer Kalligraphieschule in China über ein Bordell in San Francisco bis zu einem kleinen Laden, versteckt in den Bergen Idahos gelegen, versucht Daiyu verzweifelt, der Tragödie zu entkommen, die sie verfolgt. Aber dann geht eine Welle von Rassismus durchs Land, die sich gegen Einwanderer aus China richtet, und führt zu unsäglicher Gewalt und Lynchmorden. Daiyu muss all ihre Stärke aufbringen, sich zurückerinnern an alle Rollen, die sie schon ausgefüllt hat – um endlich ihren eigenen Namen und ihre Geschichte zurückzuerobern.

Editionen (2)

ISBN9783753000572
VerlagEcco Verlag
Erscheinungsdatum24.05.22
Seitenzahl448

Rezensionen & Bewertungen

47 Bewertungen

12 Rezensionen

4,4

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  • laura1mue
    laura1mue

    152 Follower

    5,0

    "Auf der Liste von Dingen, die ich verloren habe, füge ich mich selbst hinzu."

    Großartig. Ein absolut mitreißendes Buch. Schrecklich und trotzdem unglaublich berührend. Der Schreibstil ist bemerkenswert. Er zieht einen sofort in die Geschichte und trägt mit scheinbarer Leichtigkeit durch die Seiten. Man merkt gar nicht, wie beim Lesen die Zeit vergeht. Dennoch musste ich auch immer mal innehalten und das gelesene sacken lassen. Denn Daiyus Schicksal ist auch furchrtbar mitzuverfolgen. Gerade wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass dieses, in eine semi-fiktionale Geschichte eingewobene Leben, stellvertretend steht für das tatsächliche reale Leben so vieler anderer. "Ich befand mich in einer Tonne, die mit Kohle und meinem eigenen Urin gefüllt war, und in meinem Magen war nichts, in meinem Kopf war nichts, in meinem Herzen war nichts. Es war nicht der glorreiche Anfang, den ich spürte, wenn ich am Meer stand, sondern eine Leere, die keine Chance hatte, gefüllt zu werden." Und dass soll nur der Anfang sein. Doch die Autorin zeigt dem Leser auch immer wieder die beeindruckende innere Stärke von Daiyu, die es schafft trotz allem (Entführung, Verlust der Familie und der eigenen Identität, Gewalt, Erniedrigung...) bis zum Schluss nicht an ihrem Schicksal zu zerbrechen. "Ich kenne Geschichten von Unsterblichen, die vom Himmel herabsteigen, von Drachen, die sich in Wärter verwandeln und menschliche Gestalt annehmen. Von jenen, die Leute wie mich, wie uns alle beschützen. So jemand will ich jetzt sein." Große Empfehlung!

    6. Dez. 2024

  • leselicht78
    leselicht78

    201 Follower

    5,0

    Erschreckender Roman über Rassismus in den USA Ende ees 19. Jahrhunderts

    Gleich vorab: dieser Roman hat bei mir Suchtwirkung ausgelöst. Eine spannende Geschichte, poetisch und brutal, ausdrucksstark geschrieben und eine Protagonistin, die dem Leser einiges an Emotionen abverlangt! Daiyu lebt in den 1880ern in China, als sie entführt, verschleppt und an ein Bordell in San Francisco verkauft wird. Getarnt als Wäscherei müssen die Mädchen hier tagsüber die Wäsche in kochend heißem Wasser waschen und anschließend bügeln. Nachts jedoch verkaufen sie ihren Körper an Weiße. Wagt eine aufzubegegren, wird sie geschlagen oder entsorgt. Dort gelingt Daiyu nach Monaten die Flucht und sie gelangt nach Idaho, wo sie in einem chinesischen Gemischtwarenladen arbeitet. Ihren Traum, zurück zu ihrer Familie nach China zu gelangen, gibt sie nie auf. Ein weiterer Punkt findet in diesem Roman Aufmerksamkeit: der Chinese Exclusion Act, ein Bundesgesetz der Vereinigten Staaten, das vom US-Kongress am 6. Mai 1882 verabschiedet wurde. Zuvor kam es in vielen Teilen des Landes zu Hasskampagnen und Lynchmorden gegen Chinesen. Diesen Teil der amerikanischen Geschichte kannte ich bisher nicht. Vorangegangen war eine große Migrationswelle von chinesischen Einwanderern Mitte des 19. Jahrhunderts, einer darauf folgenden Wirtschaftskrise und massivem antichinesischem Rassismus. Durch das Gesetz wurde die Migration limitiert. Der Roman von Jenny Tinghui Zhang ist für mich absolut lesenswert. Toll beschrieben fand ich, wie sich die Protagonistin während der Verschleppung und der Zeit im Bordell selbst entfremdet und einen Teil ihrer Persönlichkeit abspaltet. Anonymität, Entwurzelung und fehlende Identität sind wichtige Kernpunkte dieses Romans. Ich habe auch viel über chinesische Schriftzeichen und Kalligraphie gelernt. Anders als in der westlichen Sprache kann ein chinesisches Zeichen ein ganzes Wort bedeuten und die Haltung desjenigen widerspiegeln in der Art und Weise, wie das Schriftzeichen getuscht wurde. Das Buch war erschreckend und ich musste beim Lesen manchmal wirklich schlucken. Trotzdem große Leseempfehlung!

    3. Sept. 2024

  • 4,5

    Dieses Buch wurde mir ganz zufällig vorgeschlagen, ein glücklicher Fund inmitten vieler Geschichten.

    Ein Buch, dass nicht nur gelesen, sondern durchlebt wird. Dabei begleitet man Lin Daiyu, einer chinesischen jungen Frau, die über fünf verschiedene Leben hinweg mit der Geschichte von Verschleppung, Verlust und Identität ringt. Die Erzählung spielt sich zwischen der kolonialen Geschichte Amerikas und den kulturellen Wurzeln der Protagonistin, deren Schicksale von Kolonialismus und Gewalt geprägt ist, ab. Ich war gefesselt von der Spannung, die nicht durch laute, dramatische Wendungen, sondern durch kaum wahrnehmbare Wendepunkte, mich in den Bann gezogen haben. Besonders berührten mich die historischen Aspekte, mit der die Autorin das kolonialisierte Amerika zeichnet. Zum einen die erschütternden Themen wie die Verschleppung von asiatischen Mädchen. Zum andere die Beschreibung eines Landes dass sich selbst als Verheißung ausgab, während es andere Völker ausradierte oder sich einverleibte. Wieder einmal sind es die Weißen, die nehmen, was nicht ihnen gehört, während die Stimmen der anderen nur leise im Hintergrund klagen dürfen. Doch diese Geschichte gibt diesen Minderheiten eine Stimme, Raum und Respekt. Faszinierend hat mich auch, wie Lin Daiyu die chinesischen Zeichen erklärt. Sie führte mich nicht nur in ihre Formen ein, sondern zeigte die tiefere Bedeutung jedes Zeichens. Jedes Zeichen wurde zu einem lebendigen Ausdruck der Kultur, das weit mehr ist als nur eine visuelle Darstellung. Wenngleich mich das Buch in vielerlei Hinsicht tief berührte, hätte ich mir von manchen Nebenfiguren noch mehr Tiefe gewünscht . Denn es war zu spüren, dass sie Geschichten in sich tragen, die zu erzählen sich gelohnt hätten. Das Ende — ach, das Ende 🥲. Ohne zu viel zu verraten: unfassbar tragisch, ja, aber auch voller Würde. Eine Geschichte, die zu Unrecht noch viel zu wenig beachtet wird. Ich hoffe, dass noch viele diese wunderbare, erschütternde Erzählung entdecken✨.

    10. Mai 2025

3 von 12 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Jenny Tinghui Zhang

Jenny Tinghui Zhang ist eine chinesisch-amerikanische Autorin. Sie wurde in Changchun, China, geboren und ist in Austin, Texas, aufgewachsen, wo sie auch heute lebt. Sie hat an der University of Wyoming studiert, in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht und für ihr Schreiben mehrere Stipendien erhalten. Ihr Debütroman Fünf Leben war für den Chautauqua-Preis, den Dublin Literary Award und die Carnegie Medal for Excellence in Fiction nominiert.

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