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Vater unser

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Über das Buch

Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychiatrische Abteilung des alten Wiener Spitals. Nun erzählt sie dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammenleben mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten. Das behauptet sie zumindest. Denn manchmal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge selbst für den Leser nicht zu unterscheiden. In ihrem fulminanten Debüt lässt Angela Lehner eine Geistesgestörte auftreten, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ.

Editionen (3)

ISBN9783446288966
VerlagHanser Taschenbuch
Erscheinungsdatum06.10.26
Seitenzahl288

Rezensionen & Bewertungen

120 Bewertungen

26 Rezensionen

3,7

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  • tom.blabal
    tom.blabal

    189 Follower

    4,0

    Na so a Schmäh

    Eva Gruber wird in eine psychiatrischen Klinik in Wien gebracht, weil sie behauptet, eine Kindergartengruppe getötet zu haben. Dort angekommen, "erwartet" sie bereits ihr kleiner Bruder. Eva ist narzisstisch, manipulativ, aber gleichzeitig unglaublich unterhaltsam, mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh. Ihre Dialoge haben mich von der ersten Seite an gepackt und es mir ehrlich gesagt ziemlich schwer gemacht, sie nicht zu mögen. Denn eines muss man sagen: Sie tut sich schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder einfach mal die Wahrheit zu sagen. Gleichzeitig hat sie aber eine Mission, nämlich sich um ihren Bruder und seine Essstörung zu kümmern. Das Buch ist ein wilder Ritt. Freche Dialoge in Therapiesitzungen, kleine Abenteuermomente und immer wieder diese bruchstückhaften Erinnerungen, die einem Hinweise darauf geben, wie die wahre Familiengeschichte aussieht. Bei all den Lügen versucht man ständig, Frau Gruber zu durchschauen, fast so, als wäre man selbst ihr Psychologe (Props to Dr. Horn, ihr Psychotherapeut im Spital, der sie ganz gut im Zaum hält - meistens 😉). Das ganze ist wie ein gemeines Puzzle: Was stimmt und was ist einfach nur eine ihrer Geschichten? Ich hatte wirklich großen Spaß beim Lesen und habe mich auch gefreut, mal wieder ein bisschen Österreich-Feeling zu bekommen (ich habe ja ein paar Jahre dort verbracht). Auch die Sprache und ihre Gedankengänge sind gleichzeitig provokant und ziemlich amüsant. Hier ein paar Beispiele: "In jemandes Arschabdruck zu sitzen ist eine intime Sache, ein wenig so, als würde man sich durch den Mensch hindurch auf das Möbelstück setzen und am Ende säße man gar nicht mehr in der eigenen Haut, sondern in einer fremden." "Vielleicht ist sie ja in ihrer Seele ein Regenwurm. Dann könnte man sie mit einem Spaten in zwei Teile stechen und so zur exponentiellen Dumbovermehrung beitragen." 🪱🪱🪱 "Warum sollte was für Lebensmittel gilt, nicht auch für Menschen gelten? Wer wollte nicht eine frische Familie haben, wenn die alte abgestanden war, ihr Ablaufdatum überschritten hatte?" Alles in allem ein gelungener, kurzweiliger Roman mit mehr Tiefe, als man auf den ersten Seiten vielleicht erwartet.

    12. Apr. 2026

  • herrkarlinger
    herrkarlinger

    52 Follower

    4,0

    „Ich bin nicht verrückt. Ich bin aus Kärnten“

    Dieses Buch stand sieben Jahre ungelesen in meinem Regal. Ich wusste immer genau, wo ich es gekauft hatte: in einer kleinen katholischen Buchhandlung in einer österreichischen Kleinstadt. Vielleicht war es genau diese Umgebung, die mich damals schon spüren ließ, dass VATER UNSER ein Thema berührt, das mir zu nah geht. Ich begann zu lesen, legte es aber schnell wieder weg – mein eigenes Leben war zu dieser Zeit ein Strudel, und ein Roman über emotionalen Missbrauch in einer streng katholischen Familie der 80er-Jahre war einfach zu viel. Mir viel schon vor Jahren auf dass ich immer zu Büchern griff - gleich ob Buchhandlung oder in meinem Regal - welche aktuell mein Leben streifen. Erst jetzt, nachdem mein Buddy-Reader Tom das Buch gelesen hat und ich zufällig auf READO gesehen habe, dass er mittendrin war, habe ich wieder dazu gegriffen. Und ich bin froh darüber. Angela Lehner schreibt in diesem typisch österreichischen Tonfall, den ich so liebe: rotzig, direkt, sarkastisch, manchmal zynisch. Diese Art zu erzählen zieht einen sofort in die Gedankenwelt der Figuren. Eva Gruber, die Protagonistin, hat mich von Anfang an polarisiert. Ich wollte sie gleichzeitig schütteln und in den Arm nehmen. Ihre emotional kalte Erziehung – empathielos, gefühlsarm – hat mich tief getroffen, weil ich vieles davon kenne. Die Klinik, in der ein Großteil der Handlung spielt, wirkt bewusst überzeichnet. Manchmal fast absurd. Doch im Spannungsfeld zwischen Realität und zurechtgerückter Wahrheit ergibt das letztlich Sinn. Auch wenn mir am Ende einiges offen blieb. Mein einziger Kritikpunkt betrifft das letzte Viertel: Es wirkt konstruiert, gehetzt, als hätte die Autorin plötzlich „fertig werden“ wollen. Da ging für mich etwas von der Kraft verloren, die der Roman zuvor aufgebaut hatte. Es ist Ein intensiver, rotziger, emotionaler Roman, der dorthin trifft, wo es weh tut. Trotz kleiner Schwächen am Ende bleibt VATER UNSER ein Buch, das nachhallt – und das ich nicht mehr so schnell aus dem Regal nehmen, aber auch nicht mehr vergessen werde, wundern tut es mich trotzdem dass dies in einer Katholischen Buchhandlung getauft habe- Der Titel war es wahrscheinlich

    „Ich bin nicht verrückt. Ich bin aus Kärnten“

    15. Apr. 2026

  • sasa48
    sasa48

    47 Follower

    4,0

    Ich brauchte eine Weile um mit dem Schreibstil warm zu werden. Diese ständige Überlegung was ist war und was nicht hält einen auf Trab. Ich verstehe wenn es für manche zu abstrakt war aber mich hat es anscheinend zum richtigen Zeitpunkt erwischt. Mehr kann ich gar nicht sagen ohne zu Spoiler. Auch wenn es hauptsächlich in einer Psychiatrischen Einrichtung Spiel wäre eine Triggerwarnung trotzdem gut.

    30. Mai 2026

3 von 26 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 4716%
tom.blabal
tom.blabal9. Apr. 2026

"In jemandes Arschabdruck zu sitzen ist eine intime Sache, ein wenig so, als würde man sich durch den Mensch hindurch auf das Möbelstück setzen und am Ende säße man gar nicht mehr in der eigenen Haut, sondern in einer fremden." Liebs ✨

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Autorin / Autor

Über Angela Lehner

Angela Lehner, geboren 1987 in Klagenfurt, aufgewachsen in Osttirol, lebt in Berlin. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien, Maynooth und Erlangen. Für Vater unser, ihren ersten Roman, wurde sie mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis, dem Literaturpreis Alpha, dem Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt 2019 sowie dem Rauriser Literaturpreis 2020 ausgezeichnet.

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