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Schmerzen und Schweigen über Generationen Hier hat mich nicht die Geschichte begeistert, sondern die unglaubliche Sprache. Wenn ich Satz für Satz lese und das Gefühl habe, es kommen immer neue Bilder und Gedanken auf. Wenn jeder Satz neue Überraschungen mit sich bringt, fein zwischen den Worten irgendein Zusammenhang erkennbar wird. Auch wenn der Text nüchtern wirkt, er ganz viele Empfindungen hervorbringt. Für mich ist die Geschichte von Alma aufgeteilt in zwei Teile. Einmal wird die Geschichte von Alma, die in einer Familie des Schweigens aufwächst, erzählt. Sie ist anders als ihre Eltern. S.20 „Wie alle Mitglieder ihrer Familie waren auch Almas Eltern anfällig für die elementarsten aller Kränkungen, die durch Andersartigkeit. Sie waren genau, bieder, nett, legten Wert auf moralische Überlegenheit und waren auf unangenehme leise Art enttäuscht, wie unähnlich ihnen das eigene Kind erschien“ Alma besucht immer wieder ihre Großeltern. Während ihre Großmutter ihr im Alter Geschichten aus der Vergangenheit erzählt, bleibt ihr Großvater eher still. S. 58 „In die Hirnschale der Großmutter hineinzuschauen war wie ein Blick in den Nachthimmel: Man sah immer nur in die Vergangenheit des Universums. Während sich der Großvater bei ihren Besuchen in der Küche versteckte, saßen sie beide im Wohnzimmer.“ Sie spürt, dass es unausgesprochene Erinnerungen gibt, die ihren Großvater betreffen. Doch sie kommt ihrer Großmutter näher. S. 65 „Manche Kinderfrage und manche Erwachsenenfrage fand eine Antwort. Es reichte für eine späte Liebe.“ Der Schmerz ist in der Familie immer präsent. Dann lernt sie Friedrich kennen und sie bekommt ein Kind mit ihm. Alma leidet nach der Geburt ihres Sohnes unter postnatale Depressionen. Irgendwann bemerken die Eltern, dass ihr Sohn Emil aufgrund eines Gendefekts keine physischen Schmerzen empfindet. Gemeinsam denken sie sich Sicherheitsregeln und Vorsichtsmaßnahmen aus und bemerken, dass überall Gefahren lauern. S.112 „Wie brachte man jemandem Schmerz bei, wie erklärt man ein Gefühl, das nicht erfahrbar war, wie beschrieb man ein Weh, das immer ausblieb“ Bis hierhin habe ich jeden Satz aufgesogen, jeden Zusammenhang begeistert erfasst und bemerkt, wie schwer es ist, psychische Schmerzen ohne physisches Empfinden zu erklären. Aber dann kommt für mich der zweite Teil der Geschichte. Alma, Friedrich und Emil gehen auf Reise in die Länder des Ostens. Von der Ukraine bis nach Aserbaidschan soll Friedrich eine Bildstrecke photographieren. Hier hat die Begeisterung meinerseits etwas nachgelassen. Es hat sich anders vom Lesen angefühlt. Zwar hab ich erkannt, dass die Kriegserfahrung von Almas Großvater hier auch eine Rolle spielen, aber es war eher ein Dahingleiten der Geschichte. Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich gerne von schöner Sprache leiten lassen.
23. Juli 2024
Schmerzen und Schweigen über Generationen Hier hat mich nicht die Geschichte begeistert, sondern die unglaubliche Sprache. Wenn ich Satz für Satz lese und das Gefühl habe, es kommen immer neue Bilder und Gedanken auf. Wenn jeder Satz neue Überraschungen mit sich bringt, fein zwischen den Worten irgendein Zusammenhang erkennbar wird. Auch wenn der Text nüchtern wirkt, er ganz viele Empfindungen hervorbringt. Für mich ist die Geschichte von Alma aufgeteilt in zwei Teile. Einmal wird die Geschichte von Alma, die in einer Familie des Schweigens aufwächst, erzählt. Sie ist anders als ihre Eltern. S.20 „Wie alle Mitglieder ihrer Familie waren auch Almas Eltern anfällig für die elementarsten aller Kränkungen, die durch Andersartigkeit. Sie waren genau, bieder, nett, legten Wert auf moralische Überlegenheit und waren auf unangenehme leise Art enttäuscht, wie unähnlich ihnen das eigene Kind erschien“ Alma besucht immer wieder ihre Großeltern. Während ihre Großmutter ihr im Alter Geschichten aus der Vergangenheit erzählt, bleibt ihr Großvater eher still. S. 58 „In die Hirnschale der Großmutter hineinzuschauen war wie ein Blick in den Nachthimmel: Man sah immer nur in die Vergangenheit des Universums. Während sich der Großvater bei ihren Besuchen in der Küche versteckte, saßen sie beide im Wohnzimmer.“ Sie spürt, dass es unausgesprochene Erinnerungen gibt, die ihren Großvater betreffen. Doch sie kommt ihrer Großmutter näher. S. 65 „Manche Kinderfrage und manche Erwachsenenfrage fand eine Antwort. Es reichte für eine späte Liebe.“ Der Schmerz ist in der Familie immer präsent. Dann lernt sie Friedrich kennen und sie bekommt ein Kind mit ihm. Alma leidet nach der Geburt ihres Sohnes unter postnatale Depressionen. Irgendwann bemerken die Eltern, dass ihr Sohn Emil aufgrund eines Gendefekts keine physischen Schmerzen empfindet. Gemeinsam denken sie sich Sicherheitsregeln und Vorsichtsmaßnahmen aus und bemerken, dass überall Gefahren lauern. S.112 „Wie brachte man jemandem Schmerz bei, wie erklärt man ein Gefühl, das nicht erfahrbar war, wie beschrieb man ein Weh, das immer ausblieb“ Bis hierhin habe ich jeden Satz aufgesogen, jeden Zusammenhang begeistert erfasst und bemerkt, wie schwer es ist, psychische Schmerzen ohne physisches Empfinden zu erklären. Aber dann kommt für mich der zweite Teil der Geschichte. Alma, Friedrich und Emil gehen auf Reise in die Länder des Ostens. Von der Ukraine bis nach Aserbaidschan soll Friedrich eine Bildstrecke photographieren. Hier hat die Begeisterung meinerseits etwas nachgelassen. Es hat sich anders vom Lesen angefühlt. Zwar hab ich erkannt, dass die Kriegserfahrung von Almas Großvater hier auch eine Rolle spielen, aber es war eher ein Dahingleiten der Geschichte. Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich gerne von schöner Sprache leiten lassen.
23. Juli 2024






