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Kintsugi

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Über das Buch

Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung und dem aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosa-Debüt 2019

Kintsugi ist das japanische Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Diese Tradition lehrt, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit den Brüchen und Versehrtheiten.

Es ist Wochenende. Wir sind in einem Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen. Gerade sind Reik und Max angekommen, sie feiern ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, so alt wie die Beziehung von Max und Reik. Sie planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See.

»Kintsugi« von Miku Sophie Kühmel ist ein flimmernder Roman über die Liebe in all ihren Facetten. Über den Trost, den wir im Unvollkommenen finden. Und darüber, dass es weitergeht. Wie immer geht es weiter.

Editionen (2)

ISBN9783596704927
VerlagFISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum24.02.21
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

62 Bewertungen

10 Rezensionen

3,7

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  • jtk_0701
    jtk_0701

    343 Follower

    4,5

    S.80 „Ich würde gern wissen, woran er denkt. Egal, wie lange man zusammen ist, man lernt nie, die Gedanken des anderen zu lesen.“ Ich als Leserin hatte das Vergnügen all die Gedanken der 4 Personen in „Kintsugi“ zu lesen. Und ja, wahrscheinlich kennen wir nie all die Gedanken unseres Gegenübers, ganz egal wie lange wir zusammen sind. Nachdem ich diesen tollen Roman gelesen habe, bestätigt sich mir mal wieder, dass die Hülle des Menschen nur ein kleiner Einblick in das Ganze ist. Was nach außen vollkommen und neu erscheint, kann im Inneren nur eine fein repariertes Teegeschirr sein und kurz vor dem Zerbrechen. Ein wirklich zart erzählte Geschichte, über das Paar Max und Reik, dass ihr 20-jähriges Jubiläum in ihrem Wochenendhaus am See feiern möchten. Keine große Feier, nur mit dem ältesten Freund Tonio und dessen Tochter Pega. Dabei passiert erst mal nicht viel, aber diese besondere Art der Erzählung macht es doch ereignisreich. Abwechselnd darf ich in die Gedanken der 4 Personen tauchen, hier und da mit der Figur abschweifen, das Boot in dem ich sitze verlassen und Wünsche und Sehnsüchte spüren, erinnern an gemeinsame Vergangenheiten, bewundern wie 3 so junge Männer eine so tolle junge Frau großgezogen haben und erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Und zwischendurch, als kleine Gedankenpause, darf ich die Augenblicke im Haus und am See szenenartig beobachten. Und so fügt sich ganz langsam eine ganze Geschichte zusammen. Wirklich ein tolles Lesevergnügen. Ich freu mich, dass ich noch ein Buch der Autorin hier liegen habe.

    22. Okt. 2024

  • mikka.liest
    mikka.liest

    108 Follower

    5,0

    Kintsugi („Goldverbinden“) oder auch Kintsukuroi („Goldreparatur“) ist ein Stück japanischer Kultur, das sich wie kaum etwas anderes als Metapher eignet. Kurz gesagt handelt es sich um ein traditionelles Kunsthandwerk, bei dem zerbrochenes Porzellan mit einem Lack geklebt wird, in den Pulvergold (manchmal auch Silber oder Platin) eingestreut wurde. Das Ergebnis hat eine herzzerreißende Schönheit – aus einem Bruch wird so etwas, das man wertschätzen kann. Narben, Risse, Sprünge, Splitter, Brüche. Sie ziehen sich subtil durchs ganze Buch: hier splittert zum Beispiel das Eis, dort ist die Borke eines Baumes rissig… Die Umgebung spiegelt wieder, was in den Charakteren vorgeht. Besonders eine Teeschale wird zum Sinnbild: sie zerbricht und wird so repariert, dass es außer dem Verursacher niemand auch nur bemerkt – später zerbricht sie ein zweites Mal. Die Geschichte summt mit einer leisen Melancholie, die gleichermaßen schmerzt und tröstet: Kummer, der seine Schönheit entfaltet. Auch das ist Kintsugi. Dies ist meines Erachtens ein Buch zum Langsamlesen, zum Bewusstwerden und Nachspüren. Die Stille ist der Unruhe Herr: Vier Menschen treffen sich im stillen Haus am See: Max und Reik sind seit zwanzig Jahren ein Paar, das soll im kleinen Rahmen gefeiert werden. Eingeladen sind Tonio, ihr bester Freund, und dessen Tochter Pega, die von allen drei Männern großgezogen wurde. Doch natürlich verläuft das Wochenende nicht wie geplant. Vermeintliche Harmonie entpuppt sich als Trugschluss, alte Verwundungen und Sehnsüchte verursachen Risse, die immer weiter auseinanderklaffen, im scheinbar soliden Freundschaftsgefüge. Doch da ist so viel Liebe, dass man als Leser die Hoffnung hat, die Versehrtheiten am Schluss golden glitzern zu sehen. Max, Reik, Tonio, Pega: Universitätsprofessor Max hat autistische Züge. Er, der in einer Hippiecommune aufgewachsen ist, braucht seine Routinen, klammert sich an seine Ordnung, schafft sich Sicherheit durch so qualitativ hochwertige wie schlichte Besitztümer. Jedes Ding hat seinen genau festgelegten Platz. Wenn er sich hinauswagen muss in eine Welt, in der er sich nie wohlzufühlen scheint, trägt er stets seine Büchertasche mit sich herum. Reik, getrieben von einem steten Drang nach Aufmerksamkeit, passt nicht in eine gesellschaftliche Norm, was von ihm als weltberühmtem Künstler aber auch nicht erwartet wird. Der Sohn einer alleinerziehenden Alkoholikerin ist in allem, was er tut, intensiv – und leidet zugleich an katastrophalen depressiven Abstürzen. Er ist chaotisch und unordentlich, weiß die zeitlose Eleganz, die Max so viel Halt gibt, nicht zu schätzen. Tonio ist Klavierspieler und hätte ein Pianist von Weltruhm werden können – wäre er nicht als Student schon zum alleinerziehenden Vater geworden, nachdem er der Mutter des Kindes die Abtreibung ausgeredet hatte. Sein eigener Vater verließ die Familie, als Tonio noch ein Kind war. Früher war Tonio einmal Reiks erster Freund und trauert der Beziehung auch mehr als zwanzig Jahre später noch hinterher. Pega ist als Gemeinschaftsprojekt der drei Männer aufgewachsen, ohne dass ihre Mutter ein Teil ihres Lebens gewesen wäre, und versucht als junge Erwachsene, sich aus ihrer Kinderrolle zu befreien und gleichzeitig eine frühe Sehnsucht zu verwirklichen. Irrtümliche Annahmen, die im Laufe der Jahre zum stillschweigenden Dogma geworden sind. Alter Groll, aber auch Wunschdenken, das seit Kindheit und Jugend auf kleiner Flamme gärt. Dies sind die Dinge, die den Fokus verstellen und verhindern, dass sich Max, Reik, Tonio und Pega gegenseitig noch unverfälscht wahrnehmen können. Aus dem Zwischenspiel der verschiedenen Blickwinkel, wobei diese gegensätzlichen Persönlichkeiten sich gegenseitig zur Projektionsfläche werden, ergibt sich das Bild eines komplexen Geflechts menschlicher Gefühle. Die Sprache auf der Zunge der Zeit: Miku Sophie Kühmel schreibt in klaren, prägnanten Worten, die eine unprätentiöse Sogwirkung entwickeln. Nur manchmal wird sie vielleicht etwas zu detailliert – andererseits macht Sinn, dass jeder Baum und jedes Regal beschrieben werden, denn die Persönlichkeiten der Charaktere spiegeln sich deutlich wieder in ihrer Umgebung. Jeder der vier Hauptcharaktere kommt in seinem eigenen langen Kapitel zu Wort. Zwischen zweien dieser Kapitel wechselt der Roman jeweils von der Ich-Perspektive in eine szenische Darstellung, in der es zu einem Konflikt kommt, der mehr oder weniger erhitzt ausgetragen wird. Diese Szenen betrachten die Geschehnnisse von außen, so dass eine neutrale Position eingenommen wird, bevor der nächste Charakter übernimmt. Quasi das Ingwer zur Geschmacksneutralisierung zwischen zwei Stücken Sushi. Das Ende ist wieder von einer wunderschönen, bittersüßen Melancholie geprägt.Das Porzellan muss erst brechen, bevor man an Kintsugi überhaupt denken kann. Aber sie ist da, die Hoffnung auf Gold. FAZIT Max und Reik sind seit zwanzig Jahren zusammen und wollen das mit ihrem Freund Tonio und seiner Tochter Pega feiern. Sie treffen sich wie üblich im kleinen Haus am See, doch das Wochenende läuft nicht wie erwartet. Ganz leise und unspektakulär bilden sich Haarrisse im Fundament der Freundschaft – oder waren sie schon lange da, blieben aber unbeachtet? Für mich ist „Kintsugi“ ein Herzensbuch, das ganz ohne Kitsch ein breites Spektrum an Gefühlen hervorruft. Dazu gehören verschiedene Formen von Liebe, aber auch Trauer, Schmerz, Wut, Enttäuschung und Angst. Das Gesamtbild ist jedoch nicht trostlos oder deprimierend, sondern entwickelt gerade an den Bruchstellen eine atemberaubend Schönheit. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-miku-sophie-kuehmel-kintsugi/

    23. Sept. 2022

  • _hanna
    _hanna

    10 Follower

    4,0

    ich bin etwas schockiert irgendwie. hab das buch erst sehr geliebt und mich in der geschichte wiedergefunden - bis ich brutal rausgeworfen wurde. was soll ich denn jetzt mit dem ende anfangen bitte???

    21. Apr. 2024

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Miku Sophie Kühmel

Miku Sophie Kühmel wurde 1992 in Gotha geboren. Sie hat Literatur- und Medienwissenschaften studiert – kurz in New York und länger in Berlin, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie ist freie Schriftstellerin und produziert verschiedene Podcast-Formate. Nach Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften erschien 2019 ihr Debütroman »Kintsugi«, für den sie mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2019 und dem »aspekte«-Literaturpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Sie erhielt u.a. Stipendien des Alfred Döblin-Hauses der Akademie der Künste, des Künstlerhofes Schreyahn und der Stadt Gotha. 2022 erschien ihr zweiter Roman »Triskele«, mit dem Miku Sophie Kühmel für den Clemens-Brentano-Preis 2023 nominiert war.

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