Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher

Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher

Hardback
4.242

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Als Ciani-Sophia Hoeder 14 Jahre alt war, ging sie mit ihrer Mutter das erste Mal zur Berliner Tafel. Sie erzählte niemandem davon, schämte sich, dass ihre Familie arm war – denn Armut ist ein Schimpfwort, ein Symbol des persönlichen Versagens. Dass es sich in Wahrheit um ein strukturelles Problem handelt und sozialer Aufstieg in Deutschland längst nicht so leicht möglich ist, wie gern suggeriert wird, wurde ihr erst später klar. Ciani-Sophia Hoeder beleuchtet die Schnittstellen von Geld, Scham und Macht und zeigt, wie Klasse sich mit anderen Diskriminierungsformen vermischt. Sie spricht mit Expert:innen, Aktivist:innen, armen und reichen Menschen und macht deutlich, wie fehlende Chancengleichheit dieses Land prägt – und wie wir das ändern können.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
256
Price
20.60 €

Author Description

Ciani-Sophia Hoeder ist freie Journalistin sowie Gründerin von RosaMag, dem ersten Online-Lifestylemagazin für Schwarze FLINTA* in Deutschland. Sie studierte Politik und Journalismus in Berlin und London. Bei hanserblau erschienen bisher zwei Bücher von ihr, "Wut und Böse" (2021) und "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher" (2023).

Posts

9
All
4

Persönlich, gut recherchiert und unbedingt lesenswert!

Wer sich mit Klassen(un)bewusstsein und den aktuellen Entwicklungen in unserer Gesellschaft auseinandersetzen will, dem lege ich dieses informative und sehr gut zu lesende Buch von Ciani-Sophia Hoeder ans Herz. Zunächst gibt die Autor*in einen Einblick in den Begriff der Klasse, welche Auswirkungen es hat, dass wir uns über Klassenzugehörigkeit keine Gedanken machen. Ciani-Sophia Hoeder betrachtet unser Dating- und Essverhalten und schildert, wie das mit Klasse zusammen hängt. Nicht zuletzt gibt sie einen Ausblick, wie gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt werden können. Das Buch liest sich gut. Ich hatte sehr viele wichtige Erkenntnisse! Große Leseempfehlung!

5

6 von 5 Sternen

Was für ein Buch! Ich habe so viel gelernt!! Ich bereue es sehr, dass ich das Buch aus der Bib ausgeliehen habe, anstatt es mir zu kaufen. Wäre es in meinem Besitz gewesen, hätte ich mir fast jeden 2. Satz markiert. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt jedem Menschen empfehlen. Meine linke Niere würde ich dafür hergeben um Lindner oder Merz bei der Lektüre zuzuschauen. "Ungleichheit ist nicht naturgegeben."

6 von 5 Sternen
5

Du musst dich in der Schule nur anstrengen, um beruflich erfolgreich zu sein, ohne Fleiß kein Preis, jede*r ist ihres*seines Glückes Schmied - oder? Dass diese Floskeln - obwohl dies gerne suggeriert wird - nicht auf alle Menschen zutreffen und wie groß die Rolle ist, die soziale Herkunft, Gender und Race bei der Klassenzugehörigkeit und sozialem Aufstieg spielen, arbeitet Ciani-Sophia Hoeder in ihrem neuen Sachbuch "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher: Die Lüge von der Chancengleichheit" eindrucksvoll heraus. In prägnanter und für alle leicht zugänglicher Sprache erzählt sie von eigenen Erfahrungen mit Armut und ihrem schulischen sowie beruflichen Werdegang, spricht mit reichen und armen Menschen, Expert*innen und Aktivist*innen. Sie plädiert dafür, sich der eigenen Klassenzugehörigkeit bewusst zu werden, die allgemeine Klassenblindheit zu überwinden, da nur so eine Veränderung in der Gesellschaft vonstatten gehen kann. Ciani-Sophia Hoeder verdeutlicht, wie schwer es tatsächlich ist, in Deutschland aufzusteigen - für mich sehr, sehr lesens- und empfehlenswert. Ein Buch, das uns alle anspricht, zum Nachdenken anregt und dazu motiviert, sich intensiver mit verschiedenen Diskriminierungsformen und deren struktureller Verzahnung auseinander zu setzen.

Post image
4

Sehr wichtiges Buch mit für mich neuen Anregungen

4.5

„Was ist, wenn ich dir sage, dass dein Leben vorbestimmt ist? Dein Berufszweig, dein Vermögen, wo du lebst, was dich bewegt, was du ästhetisch findest, wen du liebst und heiratest – sogar wie alt du wirst.“ (S. 7) Damit eröffnet Ciani-Sophia Hoeder ihr Buch "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher – Die Lüge von der Chancengleichheit". Schon hier wird klar: Es geht um nichts weniger als die große Illusion vom Aufstieg durch eigene Leistung. Hoeder seziert die Mär vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird. "Wohlstand", schreibt sie, „entsteht nicht durch Arbeit. Wohlstand entsteht durch Wohlstand.“ (S. 97) Es ist ein Satz, der hängen bleibt, weil er das Leistungsversprechen unserer Gesellschaft in einem Atemzug entlarvt. Trotz aller Schärfe bleibt das Buch aber kein resignierter Abgesang. „Diese Seiten sind ein Ausdruck der Hoffnung. Die Aspiration hin zu einer gerechten Gesellschaft. Einer mit Zukunft. Nicht nur für ein paar. Sondern für alle.“ (S. 12) Hoeder verbindet Analyse mit persönlicher Erfahrung: Selbst aufgewachsen in prekären Verhältnissen, kennt sie die Perspektive von unten und schreibt somit nicht über, sondern aus einer Klasse heraus, die oft keine Stimme hat. Das macht den Text glaubwürdig und nahbar. Unser Leben ist fest verzurrt mit Marktmechanismen. Wir sind zum Homo oeconomicus geworden – definiert über Produktivität und Verwertbarkeit. Klassismus zeigt sich überall: beim Dating, im Supermarkt, in der Gesundheitsversorgung. Vermutlich haben wir alle schnell eine Antwort parat, welcher Klasse wir angehören. Doch je tiefer wir uns mit dem Thema befassen, umso dicker werden die Fragezeichen. Denn im vereinfachten Schema von "Oben-unten-und-dazwischen", gibt es nicht nur fragliche Definitionen, sondern auch zahlreiche Widersprüche. Ist das Sprachrohr des "kleinen Mannes" wirklich dessen Repräsentant, oder kennt der die Sorgen und Nöte nur vom Hörensagen? Hoeder zeigt, wie uralte Narrative fortleben: Die Fleißigen schaffen es nach oben, die anderen sind selbst schuld; Frauen sind von Natur aus sorgende und sich kümmernde Menschen. Solche Mythen kursieren, als habe es die Aufklärung nie gegeben. Doch was, wenn die Regeln des Spiels nie fair waren? Systemrelevant vs. Systemunsinnig. Wenn ganze Berufsgruppen – etwa in der Pflege – zwar als „systemrelevant“ gelten, aber schlecht bezahlt bleiben, weil sich aus ihnen kein Profit schlagen lässt. Während sogenannte Bullshit Jobs, die macht- und kapitalrelevant sind, ein Leben auf der privilegierteren Seite ermöglichen. „Oft wird sich auf einzelne Personen oder Personengruppen statt auf die ganze Struktur fokussiert.“ (S. 202) Damit bringt Hoeder den Kern ihres Buches auf den Punkt. Es geht nicht um Neid oder Schuldzuweisungen, sondern um Systeme: Erbschaft, Bildung, Macht und Kapital. Wer glaubt, nur genug Anstrengung führe automatisch zum Aufstieg, ignoriert, wie stark Startbedingungen über Lebenswege entscheiden. Fast scheint es, als sei Wirtschaft wie Physik: mit Kräften, Bewegungen und Widerständen. Doch wann haben wir begonnen, den Markt für eine Naturgewalt zu halten? Diese Fragen ziehen sich durch das Buch, ohne in akademischen Jargon zu verfallen. Hoeders Stil bleibt zugänglich, direkt, manchmal wütend, aber immer mit einem Ziel: Bewusstsein zu schaffen. In diesem Buch steht vieles, was wir längst wissen – und doch ist es, als würden wir es zum ersten Mal lesen: klar und deutlich. Mehr denn je sollte uns bewusst sein, dass Ungerechtigkeit spaltet und wohin diese Spaltung führt. Denn es ist kein neues Phänomen, dass Unzufriedenheit Populisten und Demagogen erstarken lässt. Parolen vermeintlich einfacher Lösungen werden in unsicheren Zeiten besonders laut. „Jeder Zauber verliert an Wirkung, sobald der Trick dahinter offenbart wird.“ (S. 26) Einmal durchschaut, können wir es nicht mehr nicht sehen. Wer die Mechanismen von Klasse, Macht und Erbe wirklich verstehen will, greife zu diesem Buch. Und alle anderen bitte auch. Denn die eigenen Privilegien zu hinterfragen, mag unbequem sein. Aber vielleicht ist genau das der erste Schritt, um auf dem Boden der Tatsachen Platz zu nehmen.

5

Gesellschaftskritik • Perspektivenwechsel

Ciani-Sophia Hoeders Buch „Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher“ hat einen zentralen Ansatzpunkt: Die Autorin setzt sich mit dem Mythos auseinander, dass in unserer Gesellschaft jede:r die gleichen Chancen auf sozialen Aufstieg habe. Hoeder entlarvt dabei die Rhetorik der Leistungsgesellschaft und zeigt eindrücklich, wie stark soziale Mobilität durch Privilegien, Herkunft und systemische Strukturen eingeschränkt wird. Von Anfang an macht das Buch deutlich: Die Erzählung vom „amerikanischen Traum“ – harter Arbeit führt zwangsläufig zu Erfolg – ist eine Illusion. Als Leser:innen erwartet man eine faktenbasierte, analytische Auseinandersetzung mit Themen wie Armut, Klassismus und Diskriminierung – und genau das liefert Hoeder. Doch darüber hinaus gelingt es ihr, das Thema durch persönliche Perspektiven, gesellschaftspolitische Analysen und konkrete Beispiele mit Leben zu füllen. Hoeders Ansatz ist dabei konsequent und umfassend. Sie beleuchtet nicht nur, dass soziale Ungleichheit existiert, sondern auch, warum sie sich so hartnäckig hält. Sie thematisiert, wie kapitalistische Strukturen, soziale Privilegien und tief verankerte Diskriminierung den Einzelnen lähmen – und warum es nicht ausreicht, sich allein auf individuelle Leistung zu verlassen. Die Autorin zeigt zudem auf, wie sich bestehende Ungerechtigkeiten selbst verstärken: Wer in einem privilegierten Umfeld geboren wird, profitiert von Netzwerken und Ressourcen, während andere nicht einmal den Zugang dazu haben. Besonders überzeugend ist, dass Hoeder nicht die Verantwortung auf das Individuum abwälzt. Es geht ihr nicht darum, den Leser:innen Tipps zu geben, wie sie „den sozialen Aufstieg schaffen“ können, sondern darum, ein Bewusstsein für die strukturellen Hürden zu schaffen, die diesen Aufstieg verhindern. Dabei bleibt sie nicht bei einer Bestandsaufnahme stehen. Sie fordert von der Gesellschaft ein radikales Umdenken und fordert gleichzeitig eine stärkere Auseinandersetzung mit Privilegien. Mit einer Bewertung von 5/5 ist „Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher“ ein wichtiges Werk. Es verbindet tiefgreifende Systemkritik mit einer klugen, gut verständlichen Analyse und regt dazu an, nicht nur über soziale Gerechtigkeit nachzudenken, sondern auch aktiv für sie einzutreten.

5

Wow, was für ein kluges & gut recherchiertes Buch (mal wieder!). Jahreshighlight! ✨

3

Noch ein Buch über Klasse von einer Aufsteigerin. Sicher nicht schlecht, aber stark von Anekdoten geprägt.

5

Lesenswert. Regt zum Nachdenken an.

Create Post