Ökorassismus

Ökorassismus

Hardback
3.710

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Wer zahlt den wahren Preis für unsere Umweltkrise? Ciani-Sophia Hoeder über die Verflechtungen zwischen ökologischer Ungerechtigkeit und Rassismus Ob eine Person neben einer Mülldeponie oder im Grünen lebt, indigene Gemeinschaften zugunsten des westlichen Konsums enteignet oder durch »green gentrification« ganze Personengruppen verdrängt werden – all das ist kein Zufall, dahinter steckt Ökorassismus. Auch die fortschreitende Erderwärmung trifft systematisch People of Color, während der weiße Westen von einem Lebensstil profitiert, der die Welt an den Abgrund bringt. Eindrücklich zeigt Ciani-Sophia Hoeder, warum Bambuszahnbürsten die Welt nicht retten und was hinter »grünen Nazis« steckt. Ein Buch über die oft unsichtbaren Zusammenhänge zwischen Ökologie und Rassismus – aufrüttelnd, persönlich und hochaktuell.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
160
Price
19.60 €

Author Description

Ciani-Sophia Hoeder ist freie Journalistin sowie Gründerin von RosaMag, dem ersten Online-Lifestylemagazin für Schwarze FLINTA* in Deutschland. Sie studierte Politik und Journalismus in Berlin und London. Bei hanserblau erschienen bisher zwei Bücher von ihr, "Wut und Böse" (2021) und "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher" (2023).

Posts

3
All
4

Umwelt, Rassismus und globale Ungleichheit

In „Ökorassismus – Wie Weiße unsere Welt zerstören“ von Ciani-Sophia Hoeder setzt sich die Autorin mit der Frage auseinander, wie Umweltzerstörung und rassistische Machtverhältnisse zusammenhängen. Im Mittelpunkt steht die These, dass die Folgen der Klimakrise ungleich verteilt sind und insbesondere marginalisierte Gruppen im Globalen Süden stärker betroffen sind, während Verantwortung und Verursachung häufig im Globalen Norden liegen. Hoeder gelingt es, diese Zusammenhänge verständlich darzustellen und miteinander zu verknüpfen. Sie zeigt, dass Umweltfragen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern immer auch mit historischen und politischen Machtverhältnissen verbunden sind. Dabei wird deutlich, dass ökologische Krisen eng mit kolonialen Kontinuitäten und globaler Ungleichheit zusammenhängen. Besonders überzeugend ist die Nachvollziehbarkeit, mit der Hoeder argumentiert. Die zentralen Gedanken sind klar formuliert und bauen aufeinander auf. Dadurch entsteht eine gut lesbare Argumentation, die sich schnell erschließt. Mit einer Bewertung von 4/5 ist das Buch ein zugänglicher Einstieg, das zentrale Zusammenhänge sichtbar macht.

3.5

systemkritisch ohne echte lösungsansätze

über die letzten jahre habe ich mehr und mehr bücher über verschiedenste themen wie klimawandel, soziale ungleichheit, rassismus, spaltung der gesellschaft oder xenophobie gelesen und was mich immer wieder wundert, ist, dass sie zwar immerwieder die verflechtung zwischen kapitalismus und herrschenden problemen sehen und sogar die geschichte aufarbeiten, aber selten lösungsansätze bieten, die über reformistische gesetze hinausgehen. das bewusstsein der probleme ist in diesem buch nochmal tiefgehender durch aufarbeitung von historischem kolonialismus, der indirekter vorgänger imperialistischer staatsinteressen ist. und es wird auch wie so häufig gesagt, dass man einen systemwechsel braucht. es fehlt trotzdem eine analyse zwischen herrschenden klassenstaaten und deren selbsterhaltungszwang. der klassenstaat wird sich nicht durch reformen grundlegend ändern, es ist gegen die eigene natur. das die veränderung nur durch die beherrschte klasse entstehen kann und diese sich nur selber aus der misere ziehen kann, wird nirgends erwähnt. wenn das großkapital green oder pinkwashing betreibt, die schuld des klimawandels auf individuen übertragen möchte, dann bringt es nichts, den staat nett nach veränderung zu fragen. die hauptaufgabe eines bürgerlichen staates besteht darin dem gesamtkapital die bestmöglichen chancen auf dem welt- und binnenmarkt zu liefern, nicht die repräsentation der wertschaffenden arbeitenden mehrheit. eine weitere aufgabe ist natürlich auch noch, die herrschende klasse und das privateigentum dieser, durch die bewaffnete exekutive zu schützen, was es weiterhin unmöglicher macht, durch wahlen einen systemwechsel zu erreichen. ich finde es trotzdem gut, wenn wir es schaffen progressive gesetze ins parlament zu bringen. wenn queere, poc's, arbeitende und arme ein besseres leben haben ist das etwas gutes und etwas, wofür man kämpfen muss. ich lese diese bücher auch trotzdem weiterhin sehr gerne, da sie viele anschauliche beispiele bringen, die geschichte aufarbeiten und den zusammenhang der ungerechtigkeiten dieser welt mit dem kapitalismus erklären. was mir immer wieder fehlt, sind lösungsansätze, die nicht nur kurzzeitige verbesserungen bieten, sondern die befreiung der gesamten wertschaffenden klasse mitbedenken. erst wenn die ursache (die herrschaftsverhältnisse zwischen produktionsmitteln) angegangen wird, können sich die symptome (kapitalakkumulation, staatenbildung und deren probleme, zerstörung & ausbeutung unseres planeten, xenophobie und LGBTQ+-anfeindung) nicht neubilden und erst damit kann eine freie gesselschaft entstehen, in der es keinen rassimus und co. braucht.

4

Nachdem sich Ciani-Sophia Hoeder in ihren Büchern "Wut und Böse" mit weiblicher Wut und "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher" mit Klassismus auseinander gesetzt hat, folgt mit "Ökorassismus: Wie Weiße unsere Welt zerstören" nun ein neuer Text über die Verflechtung zwischen ökologischer Ungerechtigkeit und Rassismus. Ich mag die Sachbücher der Autorin sehr gerne, sie sind kurz, knackig und auf den Punkt gebracht. In "Ökorassismus" verbindet sie persönliche Erfahrungen mit Studien und Texten anderer Autor*innen. Sie macht deutlich, dass es beispielsweise einen Nature Gap gibt, also Gebiete mit einer hohen Anzahl von Bewohner*innen of Color nur eingeschränkten oder keinen Zugang zur Natur haben. Auch auf die zerstörerischen Auswirkungen unseres westlichen Lebensstils auf die Menschen und den Rest der Welt sowie die Vertreibung ganzer Personengruppen von Native People, um deren Land auszubeuten, geht sie ausführlich ein. Dabei bleibt ihr Stil stets zugänglich und leicht verständlich. Ich habe insgesamt nicht viel Neues aus dem Buch mitnehmen können, trotzdem möchte ich es empfehlen, denn es bündelt Wissen und legt den Finger auf Strukturen, die Ökorassismus befeuern.

Post image
Create Post