Das Paradies meines Nachbarn

Das Paradies meines Nachbarn

Hardback
3.429
SohnSchuld Und VersöhnungSchweigenKrieg

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Description

Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2021

»Salam, hier schreibt Ali-Reza. Ich kannte ihre Mutter gut und verfüge über einen Brief, den ich Ihnen überreichen soll. Es ist wichtig. Für Sie mindestens so sehr wie für mich.«

Ali Najjar glaubt, seine Vergangenheit weit hinter sich gelassen zu haben. Er ist längst in Deutschland angekommen, als Produktdesigner erfolgreich. Der Iran, Teheran, seine Familie sind für ihn eine fremde Welt. Dann erreicht ihn die Nachricht eines Unbekannten. Und alles, woran er bislang festgehalten hat, gerät ins Wanken.

»Du trägst keine Schuld, und du trägst sie doch. Ich schätze, das heißt es, zu leben.« Eine der aufregendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Über das Fremde in uns selbst und über die Verantwortung, die wir für andere haben. Vielfach preisgekrönte Autorin: zuletzt Debütpreis/Österreichischer Buchpreis.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
224
Price
20.60 €

Posts

6
All
3

Für mich wurden hier zu viele Themen in ein recht kurzes Buch gepackt. Am Anfang hatte ich Probleme herauszufinden um wem es im jeweiligen Kapitel geht. Alles zu verworren

4

>>...Ich schreibe diesen Brief noch ganz lebendig, aber wenn du ihn liest, spreche ich aus dem Reich der Toten zu dir. Es macht mich traurig, denn ich weiß, dass wir uns nicht werden voneinander verabschieden können, wenn ich an der Schwelle stehe. ...<< „Das Paradies meines Nachbarn“ von Nava Ebrahimi – ein Buch, das sich erst im letzten Drittel für mich persönlich so richtig offenbarte. Die Charaktere blieben bis fast zum Ende sehr undurchdringlich, was es für mich irgendwie schwer machte, das Gesamte wirklich tiefgehend sehen zu können. Auch die Vergangenheit, die eben ein wichtiger Faktor für die gegenwärtigen Handlungen der Personen ist zeigt sich erst nach und nach und das machte es für mich persönlich bis zum letzten Drittel etwas mühsam zu lesen und dem Ganzen zu folgen. Doch dann, als es zum Schlüsselereignis, zum Knotenpunkt sozusagen kommt, begann ich zu verstehen und war mitunter sehr berührt und bewegt vom Schicksal und der Geschichte rund um Ali-Reza & Ali Najjar. Die Autorin lässt hier das Ende auch ein Stück weit offen, sie lässt Raum für eigene Gedanken, das empfand ich persönlich auch etwas schwierig. Grundsätzlich ist die Geschichte erzählt, aber ein paar mehr Antworten wären mir hier doch sehr willkommen gewesen um einfach mit dieser wie ich finde doch letztlich schweren Geschichte gänzlich abschließen zu können. Andererseits wäre hier das klassische Happyend im Hinblick auf das gesamte Werk doch eher unpassend gewesen. Man merkt an meinen Worten vermutlich gut, wie hin und hergerissen ich irgendwie bin, was die Beurteilung dieses Buches angeht. Letztlich hat das Ende mich aber wirklich noch abholen können und klang noch gefühlsmäßig nach, weswegen ich doch gerne 4 von 5 Sternchen vergebe. Allerdings mit dem Hinweis, dass es sich hier um ein doch eher schwieriges Buch handelt, das sich erst zum Ende wirklich öffnet.

4

In diesem Buch geht es um so vieles. Es geht um Vorurteile, um Krieg, um Flucht, um verkorkste Familien, um die Liebe und so weiter und so weiter. Und mittendrin in diesem Geflecht stecken die zwei Hauptfiguren, die sich beide von Beginn an eher kritisch gegenüber stehen. Warum, das findet die Leserin erst später heraus. Die Ähnlichkeit zwischen den Namen Ali-Reza und Ali Najjar hat mich bis zur letzten Seite verwirrt. In Gedanken habe ich die beiden immer wieder verwechselt und musste mir in jedem Kapitel immer erst Anhaltspunkte suchen, um zu verstehen, um wessen Perspektive es sich denn hier handelt. Wahrscheinlich wurden so ähnliche Namen bewusst ausgesucht. Verwechslungen sind ja auch ein wichtiges Element der Handlung. Hinter diesen Namen verstecken sich zwei sehr unterschiedliche Figuren. Ali Najjar ist Designer in Deutschland und konnte als Jugendlicher aus dem Iran fliehen. Ali-Reza lebt immer noch im Iran und ist, seitdem er im Krieg kämpfen musste, an den Rollstuhl gefesselt und schwer traumatisiert. Zu Beginn ist da nur dieser Brief, der diese beiden verbindet. Mehr kann ich euch eigentlich gar nicht über die Protagonisten verraten. Sonst wäre da die Gefahr, dass ich einen Spoiler einbaue und das kann und will ich euch nicht antun. Der Schreibstil der Autorin ist sehr eigenwillig. Scheinbar unwichtiges wurde ausführlich beschrieben, während für mich wichtigere Momente nur im Nachhinein beschrieben wurden, wenn sie halt durch die Protagonisten diskutiert oder reflektiert wurden. Vor allem die Dialoge haben mich irritiert, aber auf eine gute Art und Weise. Teils wurde nur die Hälfte des Dialogs geschildert, nur das, was eine der Personen sagt. Die Antwort der zweiten Person wurde immer mit drei Punkten ausgelassen. Man bekam also immer nur die Hälfte des Gesprächs mit und musste sich den Rest selbst zusammenreimen. Das könnte man fast schon als Metapher interpretieren, wenn ich hier die Literaturstudentin raushängen lassen darf. Als Metapher für all das, was zwischen den Protagonisten und den Menschen in ihrer Umwelt ungesagt bleibt. Und glaubt mir: Da gibt es so einiges, über das sich die Protagonisten ausschweigen. Mein Fazit? Fand ich eine sehr spannende Lektüre. Allerdings handelt es sich bei "Das Paradies meines Nachbarn" nicht einfach um ein Buch, das man einfach schnell mal durchblättern kann. Dieser Roman braucht Zeit und man sollte sich darauf einstellen, dass man viel über diesen Text nachdenken wird.

2

Kennt ihr das: Ihr freut euch riesig auf ein Buch und seid dann total enttäuscht? So geht es mir mit Das Paradies meines Nachbarn von Nava Ebrahimi. Ich wollte es so gerne mögen! Aber leider hat es mich so gar nicht gepackt. Ich kam bis zum Schluss nicht in die Geschichte rein und den Schreibstil fand ich einfach nur sperrig und anstrengend. Die Protagonisten blieben auf den knapp 200 Seiten leider sehr flach, dabei hätte die Story wirklich Potenzial gehabt! Mir fällt es echt schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich kann nicht mal sagen, dass es mir nicht gefallen hat. Dafür war es einfach zu kurz. Zu kurz, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Zu kurz, um die Figuren kennenzulernen. Zu kurz, um zu verstehen, um was es eigentlich geht. Es war einfach nicht meins. Daher vergebe ich 2 ⭐️

3

Das Thema war wirklich interessant, aber es war leider dennoch nicht mein Buch. Der stil war mir zu distanziert, ich hatte keine Verbindung zu den Personen, konnte zu niemandem eine Beziehung aufbauen, alle waren unsymphatisch.

4

Die Kehrseite der Lebensmedaille In “Das Paradies meines Nachbarn” geht es um drei Männer. Diese drei Männer verbindet eine gemeinsame Herkunftsgeschichte: der Iran. München 2017: Sina Khoshbin ist Deutscher mit iranischen Wurzeln. Sinas iranischer Vater hat die Familie früh verlassen und lebt, erfolgreich und gut situiert, in den USA. Sina arbeitet in einer Designagentur für Küchengeräte und befindet sich in einer Sinnkrise. Dazu trägt auch sein berufliches Umfeld bei, denn es ist eines, das auf Äußerlichkeiten basiert und sich seiner Vergänglichkeit dabei nicht bewusst ist. Die Doppelmoral und das Greenwashing der Gutsituierten (“Wanderschuh, vegan, Fair trade”), der Marketing-Start-Up-Sprech der "veganes Physalis-Softeis auf dem Streetfood-Market"-Fraktion, ist Sina ein zunehmender Dorn im Auge. Sinas Frau Katharina, mit der er eine Tochter im Grundschulalter hat, ist ausgerechnet Resilienzforscherin und befasst sich mit der Widerstandsfähigkeit der Psyche. Als Mensch ist sie das absolute Gegenteil ihres Mannes, denn sie kommt aus einer heilen Vorzeigefamilie - ohne Migrationshintergrund. Umso mehr interessiert sie sich für dysfunktionale Familien und verkorkste Kindheiten. Die andere Hauptfigur ist Ali Najjar, der neue Chef Sinas. Er ist heute erfolgreicher Produktdesigner. Als er ein Teeanger im Iran war, versuchte ihn das System zu einem Kindersoldaten zu machen, was erstmal gelang, denn er meldete sich für den Krieg gegen den Irak. Die Paradiesversprechen der Militär-Propaganda, vor denen ihn seine Eltern, vor allem seine Mutter Maryam vergeblich schützen wollten, verhallen zu geisterhaften Mantren in Alis Kopf. Aber Ali ist noch gerade so davongekommen, er ist als Vierzehnjähriger nach Deutschland geflohen und hat dem Krieg den Rücken gekehrt, in dem ein anderer an seiner statt kämpfen musste: Ali-Reza Bayati. Ali-Reza ist im Iran aufgewachsen. Er hat eine traumatische Kindheit erlebt und die Traumata verfolgen ihn bis heute. Seine religiöse Mutter wird als Witwe von einem Mullah einer Gehirnwäsche unterzogen und sie will Ali-Reza zum Märtyrer machen. Er flieht vor ihr und seiner Identität, um eine andere anzunehmen. Ali-Reza ist leidet psychisch und physisch an den Folgen der Giftgas-Anschläge und sitzt im Rollstuhl. Nun will er Ali Najjar einen Brief von dessen Mutter Maryam übergeben. Diese nahm Ali-Reza für einige Zeit als Pflegekind bei sich auf. Sprachlich gefällt mir der Roman sehr. Ich mag es, wenn ein Buch metaphorisch sperrig ist, ungewöhnliche Bilder heraufbeschwört, mit Worten experimentiert und jongliert. Meines Erachtens tut Nava Ebrahimi das. Sie reizt die Möglichkeiten der Sprache aus und fordert den Leser mit Aha-Momenten heraus, aus seinem gemütlichen Winterschlaf in der designten Höhle der westlichen Welt hervorzukriechen und mal über den Tellerrand zu schauen in ein Land, in dem Gewalt und Leid an der Tagesordnung sind. Die Struktur des Romans ist allerdings ein wenig kompliziert und die drei Protagonisten auseinanderzuhalten, erfordert Konzentration. Hilfreich wäre es vielleicht gewesen, den aktuell erzählenden bzw. erinnernden Fokalisator vor Beginn des Abschnitts zu benennen, also Ali Najjar, Ali-Reza oder Sina. Das Thema Krieg und Iranische Kindersoldaten ist natürlich keine leichte Lektüre und auch ich hätte vor manchen erinnerten Szenen am liebsten die Augen verschlossen. Also man sollte schon wissen, um was es in dem Buch geht, bevor man sich darauf einlässt. Das Buch ist Gesellschaftskritik pur. Es nimmt einen Zeitgeist auf die Schippe, in dem wir uns unser Leben designen und die Augen vor dem Leid verschließen, das andernorts auf der Welt existiert. Ein Fake-Leben, ein Stuhl, auf dem man nicht sitzen kann, für Likes und Social Media - Die Autorin spitzt die Schein-Existenz derjenigen, die auf der Habenseite des Lebens sitzen, wie folgt zu: "Simulierte Schönheit. Simulierte Existenz." (S. 55)

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