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Ein guter Dan Brown, nur einer, der sich weiter von dem Robert Langdon entfernt, den ich einmal so gern begleitet habe.
Je mehr Langdon kann, desto mehr vermisse ich den alten Professor. Schon auf den ersten Seiten spürt man, wie sicher Dan Brown seine Geschichte baut, historische Spuren, wissenschaftliche Gedankengänge, sauber gesetzte Erklärungen, ein Plot, der in Bewegung bleiben will. Secret of Secrets liest sich flüssig, mit dem vertrauten Rhythmus, den Browns Bücher seit Jahren haben. Man kommt schnell hinein, folgt gern, und auch diesmal merkt man, dass hier jemand schreibt, der genau weiß, wie man Wissen in Handlung überführt. Gerade deshalb ist das Buch für mich auch kein Fehlgriff, sondern eher ein Roman, an dem sich eine Entwicklung der Reihe besonders deutlich zeigt. Vieles von dem, was Dan Brown gut kann, ist da, die Verbindung aus Geschichte und Wissenschaft, das elegante Auflösen von Zusammenhängen, die Lust am klugen Rätsel. Das ist gut lesbar, oft interessant und handwerklich sicher erzählt. Wenn man Browns Zugriff grundsätzlich mag, findet man hier durchaus vieles wieder, was seine Bücher seit jeher auszeichnet. Und doch hat mich beim Lesen ein Gedanke immer begleitet. Robert Langdon ist längst nicht mehr der Mann, der er in den frühen Büchern einmal war. Wo er früher noch etwas Unbeholfenes hatte, etwas Suchendes, manchmal auch angenehm Irrtumsanfälliges, wirkt er hier zunehmend wie eine Figur, die fast mühelos durch jede Lage kommt. Aus dem Professor ist nach und nach ein Actionheld geworden, fast ein James Bond der Kulturgeschichte. Das liest sich dynamisch, ja, aber es verändert den Ton der Figur stärker, als mir lieb ist. Mir fehlt dabei nicht einmal bloß Nostalgie, sondern ein bestimmtes Lesegefühl. Früher hatte diese Reihe für mich mehr von einer Schatzsuche, dass Tasten, das Verfehlen, das langsame Zusammensetzen von Zeichen und Geheimnissen. Gerade diese kleinen Unsicherheiten haben Langdon menschlich gemacht und den Romanen Spannung gegeben, die nicht nur aus Verfolgung und Zuspitzung bestand. Secret of Secrets ist in dieser Hinsicht kontrollierter, souveräner, glatter. Das kann man beeindruckend finden, ich habe dabei aber etwas von der alten Reibung vermisst. Hinzu kommt, dass der Roman in seiner Anlage fast schon größer wirkt als seine Hauptfigur noch verträgt. Die Themen rund um Wissenschaft und Geschichte sind interessant gewählt, und Brown versteht es weiterhin, komplexe Inhalte so zu erklären, dass sie nie trocken werden. Aber gerade weil das alles so gut funktioniert, stellt sich fast die Frage, ob diese Art von Stoff nicht auch einer neuen Figur gutgetan hätte. Einer Figur, die noch nicht so sehr aufgeladen ist mit Kompetenz, Tempo und Erwartung. Langdon trägt die Reihe inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit, die ihr zugleich etwas nimmt. Das ist mein eigentlicher Reibungspunkt mit dem Buch, nicht, dass es schlecht wäre, sondern dass es die Figur noch weiter in eine Richtung schiebt, aus der es kaum ein Zurück zu geben scheint. Wenn jemand fast alles kann, fast immer die richtigen Schlüsse zieht und sich auch körperlich durch jede Lage bewegt, dann verliert die Geschichte ein Stück Verletzlichkeit. Und genau dort saß für mich früher ein Teil des Charmes. Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen. Weil Dan Brown sein Handwerk beherrscht. Weil der Erzählfluss stimmt. Weil die Themen tragen. Und weil selbst ein Brown, mit dem ich nicht in jedem Punkt mitgehe, immer noch genug Substanz hat, um mich bei der Stange zu halten. Nur bleibt nach dem Lesen weniger das Staunen über ein Geheimnis als die Frage, wohin diese Figur eigentlich noch wachsen soll oder ob sie nicht längst an einem Punkt angekommen ist, an dem eher ein Neuanfang interessant wäre als die nächste Steigerung.
Apr 25, 2026
Ein guter Dan Brown, nur einer, der sich weiter von dem Robert Langdon entfernt, den ich einmal so gern begleitet habe.
Je mehr Langdon kann, desto mehr vermisse ich den alten Professor. Schon auf den ersten Seiten spürt man, wie sicher Dan Brown seine Geschichte baut, historische Spuren, wissenschaftliche Gedankengänge, sauber gesetzte Erklärungen, ein Plot, der in Bewegung bleiben will. Secret of Secrets liest sich flüssig, mit dem vertrauten Rhythmus, den Browns Bücher seit Jahren haben. Man kommt schnell hinein, folgt gern, und auch diesmal merkt man, dass hier jemand schreibt, der genau weiß, wie man Wissen in Handlung überführt. Gerade deshalb ist das Buch für mich auch kein Fehlgriff, sondern eher ein Roman, an dem sich eine Entwicklung der Reihe besonders deutlich zeigt. Vieles von dem, was Dan Brown gut kann, ist da, die Verbindung aus Geschichte und Wissenschaft, das elegante Auflösen von Zusammenhängen, die Lust am klugen Rätsel. Das ist gut lesbar, oft interessant und handwerklich sicher erzählt. Wenn man Browns Zugriff grundsätzlich mag, findet man hier durchaus vieles wieder, was seine Bücher seit jeher auszeichnet. Und doch hat mich beim Lesen ein Gedanke immer begleitet. Robert Langdon ist längst nicht mehr der Mann, der er in den frühen Büchern einmal war. Wo er früher noch etwas Unbeholfenes hatte, etwas Suchendes, manchmal auch angenehm Irrtumsanfälliges, wirkt er hier zunehmend wie eine Figur, die fast mühelos durch jede Lage kommt. Aus dem Professor ist nach und nach ein Actionheld geworden, fast ein James Bond der Kulturgeschichte. Das liest sich dynamisch, ja, aber es verändert den Ton der Figur stärker, als mir lieb ist. Mir fehlt dabei nicht einmal bloß Nostalgie, sondern ein bestimmtes Lesegefühl. Früher hatte diese Reihe für mich mehr von einer Schatzsuche, dass Tasten, das Verfehlen, das langsame Zusammensetzen von Zeichen und Geheimnissen. Gerade diese kleinen Unsicherheiten haben Langdon menschlich gemacht und den Romanen Spannung gegeben, die nicht nur aus Verfolgung und Zuspitzung bestand. Secret of Secrets ist in dieser Hinsicht kontrollierter, souveräner, glatter. Das kann man beeindruckend finden, ich habe dabei aber etwas von der alten Reibung vermisst. Hinzu kommt, dass der Roman in seiner Anlage fast schon größer wirkt als seine Hauptfigur noch verträgt. Die Themen rund um Wissenschaft und Geschichte sind interessant gewählt, und Brown versteht es weiterhin, komplexe Inhalte so zu erklären, dass sie nie trocken werden. Aber gerade weil das alles so gut funktioniert, stellt sich fast die Frage, ob diese Art von Stoff nicht auch einer neuen Figur gutgetan hätte. Einer Figur, die noch nicht so sehr aufgeladen ist mit Kompetenz, Tempo und Erwartung. Langdon trägt die Reihe inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit, die ihr zugleich etwas nimmt. Das ist mein eigentlicher Reibungspunkt mit dem Buch, nicht, dass es schlecht wäre, sondern dass es die Figur noch weiter in eine Richtung schiebt, aus der es kaum ein Zurück zu geben scheint. Wenn jemand fast alles kann, fast immer die richtigen Schlüsse zieht und sich auch körperlich durch jede Lage bewegt, dann verliert die Geschichte ein Stück Verletzlichkeit. Und genau dort saß für mich früher ein Teil des Charmes. Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen. Weil Dan Brown sein Handwerk beherrscht. Weil der Erzählfluss stimmt. Weil die Themen tragen. Und weil selbst ein Brown, mit dem ich nicht in jedem Punkt mitgehe, immer noch genug Substanz hat, um mich bei der Stange zu halten. Nur bleibt nach dem Lesen weniger das Staunen über ein Geheimnis als die Frage, wohin diese Figur eigentlich noch wachsen soll oder ob sie nicht längst an einem Punkt angekommen ist, an dem eher ein Neuanfang interessant wäre als die nächste Steigerung.
Apr 25, 2026







