Mama

Mama

Hardback
3.481
GenreweltenBegegnungenMutterSorgen

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Description

Jetzt in 2. Auflage erhältlich!

Autorin nominiert für den Österreichischen Buchpreis 2024 für „Kleine Monster“ (Hanser Berlin)


Amira wünscht sich ein Kind. Als sie schwanger wird, gesellen sich Ängste und Sorgen zu ihrer Vorfreude. Wie wird sie die Mutterschaft verändern? Ein Ausflug zur abgelegenen Waldhütte ihres Partners Josef bringt nicht die ersehnte Entspannung: Rätselhafte Begegnungen häufen sich, Raum und Zeit scheinen außer Kraft und Amira weiß nicht, ob sie ihrer Wahrnehmung noch trauen kann. Was ist Traum, was Realität? Zwischen tiefer Verunsicherung und inniger Mutterliebe beginnt ein Ringen um Selbstbehauptung und Unabhängigkeit – denn der Wald scheint seine Gäste ungern wieder freizugeben …

Jessica Lind wandelt in ihrem Debütroman stilsicher zwischen den Genrewelten. Was als klassische Beziehungsgeschichte beginnt, entfaltet Seite für Seite einen subtilen Horror. Lind taucht tief in die Psychologie der Protagonistin ein, spielt souverän mit dem Unheimlichen und entwickelt eine erzählerische Sogwirkung, die niemanden unberührt lässt.


„Amira weicht zurück. Ihr Magen ist ein Muskel, der sich ganz fest zusammenzieht. Sie will ihre Hände auf ihren Bauch legen. Ihre Hände greifen ins Leere. Sie blickt an sich hinab. Der Bauch ist fort.“

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
192
Price
20.00 €

Author Description

Jessica Lind, geboren 1988 in St. Pölten, Drehbuchstudium an der Filmakademie Wien, lebt in Wien. Autorin des Science-Fiction-Films Rubikon (gemeinsam mit Regisseurin Magdalena Lauritsch). Als Dramaturgin betreute sie Little Joe von Jessica Hausner, Premiere in Cannes 2019. 2015 Gewinnerin des 23. open mike mit der Kurzgeschichte Mama, auf der dieser Roman aufbaut. 2016 Achensee.Literatour Stipendium. 2017 Stipendiatin des 21. Klagenfurter Literaturkurses, 2019 Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung.

Posts

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Was ist Wahrheit, was ist Traum? Hier verschwimmt die Realität mit der Traumwelt. Surreal und konfus, mit einer unheimlichen Atmosphäre beschreibt es ganz gut, die ambivalenten Gefühle einer Mutter. Amira wünscht sich ein Kind, mehr als Josef. Sie verbringen ein paar Tage im Wald, dort begegnet Amira einem Mann, ein Jäger, und ich weiß ab da nicht mehr, ob es die Wirklichkeit ist oder ein Traum. Vielleicht auch Einbildung oder etwas Übersinnliches? Auf jeden Fall spüre ich eine extreme Verbindung zum Wald und gleichzeitig macht er mir Angst. Und plötzlich ist ein Kind da und die junge Familie ist wieder im Wald. In der gleichen Hütte und ist da wieder dieser Mann? Vielleicht Josefs Vater?Und, wofür steht die Hündin, die ihre Welpen totbeißt?? Ganz schön skurril die ganze Geschichte, aber Jessica Lind schreibt so spannend, dass ich der Skurrilität einfach folgen möchte und gut folgen kann. Verstehen tu ich nicht immer alles, aber nachfühlen kann ich viel. So entdecke ich die Ähnlichkeiten zu meinen konfusen Gedanken, als ich vor vielen Jahren Mutter geworden bin. Angst und unendlich viel Liebe, die allgegenwärtig sind. Die schlaflosen Nächte, Überforderung, das Gefühl, das mein Leben einem Traum gleicht. Aber auch die Aggressionen, die eine Mutter überkommen können. All das konnte ich sehr gut hier in der Erzählung hineininterpretieren. Von der Atmosphäre hat es mich immer wieder an „Die Wand“ und „Nightbitch" erinnert. S.102 „Wipfel wachsen aus der Zimmerdecke und wogen im Wind. Sie liegt im Bett in der Hütte, aber über ihr ist der Nachthimmel. Wenn sie ihre Hand ins Laken gräbt, spürt sie das Gras, die Erde unter ihren Fingernägeln.“ S.111 „Sie riecht den Wald, kann ihn hören und schmecken, als würde er über ihre Nase, über ihre Ohren, über ihren Mund in sie eindringen. Die Bäume sind miteinander verbunden. In Wahrheit wissen sie alles. Für sie ist alles ein Kreislauf.“ S.114 „Sie weiß jetzt, dass man nicht in diese Rolle gedrängt wird, sondern dass man sie ausfüllt. Die Geburt ist das Übergangsritual, sie hat sich gefühlt, als wäre sie ausgeschüttet worden. Eine wabernde Masse gießt sich in eine neue Form.“ S.169 „Dieser Körper, der niemanden mehr interessiert, weil da niemand mehr ist. Sie selbst hat ihn nicht mehr beachtet. Wozu ist ihr Rücken da, wenn nicht, um ihr Kind zu tragen. Wozu sind ihre Hände da, wenn nicht, um Luise die Tränen wegzuwischen. Wozu braucht sie Lippen, wenn nicht, um Luises Wangen zu küssen.“

4.5

In „Mama“ erzählt Jessica Lind von einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von Nähe, Abhängigkeit und sprachloser Liebe geprägt ist. ✨ Die Erzählerin blickt auf ihre Kindheit und Jugend zurück, auf das Aufwachsen mit einer psychisch fragilen Mutter, und versucht, das Unausgesprochene, Verletzende und Verbindende dieser Beziehung zu begreifen. Der Roman bewegt sich zwischen Erinnerung, Beobachtung und innerem Monolog. 💭 Mich hat „Mama“ tief beeindruckt. Ich fand den Roman extrem spannend, obwohl – oder gerade weil – er stellenweise verwirrend ist. ⚡️ Man wird ohne klare Orientierung in die Gedankenwelt der Erzählerin gezogen, und genau das macht den Reiz aus. Die Sprache ist literarisch unglaublich stark, präzise und dicht, sodass ich mich dem Text kaum entziehen konnte. ✍🏻 Das Buch hat eine enorme Sogwirkung: Man liest weiter, weil man fühlen will, nicht weil man alles sofort versteht. Ein intensiver, kluger Roman, der fordert und lange nachwirkt. 👌🏻

1

Ich war irgendwie durchgehend verwirrt und hab nur weitergelesen, weil ich auf irgendeine Auflösung gehofft habe.

1

Ein stetig abstruser werdender Fiebertraum, der sich zwischen Beziehungs-/Elterndrama und real gewordenem Märchen bewegt - nichts für mich!

4.5

Ein magisches Buch! Eine Mischung aus Hänsel und Gretel und Marlen Haushofers "Die Wand ". Märchenhaft und verworren. Eine Frau die zur Schwangeren wird und dann zu einer Mutter. Einer Mutter die einmal ihr Kind nicht erkennt und dann eine Mutter mit der unglaublichen Angst ihr Kind zu verletzen, es nicht wiederzufinden, es zu verlieren. Träume, Wahrheit, alles fließt ineinander.

5

Amira und Josef sind in einer Beziehung. Amira wünscht sich nichts mehr als ein Baby, Josef ist sich unsicher. Dennoch taktet sich ihr Sexualleben nach ihrem Einsprung. Als Amira endlich schwanger wird ist sie überglücklich. Zeitgleich aber auch besorgt, geplagt von Verlustängsten, Hirnwixereien. Um eine Auszeit vom Alltag zu nehmen fahren die beiden in das Waldhaus, das früher Josef’s Eltern gehörte. Mitten im Wald, in der Idylle, tiefe Ruhe, Vogelgezwitscher und viele Erinnerungen. Dem täglichen Overload soll entgegengewirkt werden. Doch Amira fühlt sich nicht wohl und nicht sicher dort, sondern beobachtet. Es kommt zu rätselhaften Begegnungen, Gefühlen. Hängt dies mit ihrer Schwangerschaft zusammen? Dreht sie aufgrund ihrer Hormone langsam durch? Am Dachboden finden sie und Josef ein altes Märchenbuch, das sein Vater einst schrieb. Dieses Buch ist unheimlich, denn es scheint von ihr zu erzählen? Oder ist sie mit ihrer Mutterrolle total überfordert, denn die kleine Tochter ist ja schon da, oder doch nicht? Haut es der jungen Amira buchstäblich den „Vogel raus“? Ist sie dem Wahnsinn verfallen? Oder dies alles normal? Und warum verhält Josef sich so, als ob nichts wäre? Wohoo – dieses Buch hat mir Gänsehaut beschert. Jessica Lind kann es, gefühlten Wahnsinn auf Papier bringen und Realität und Traum so vermischen, dass einem ganz schumrig wird. Lind spielt mit unterschiedlichen Zeitebenen, in denen sich die Familie befindet, und man weiß nie ganz genau, ist man jetzt in der Fiktion oder in der Realität von Amira. Ich konnte das Buch kaum weglegen, auch wenn es mich an einigen Stellen echt gegruselt hat. Doch dieses Gemisch funktioniert einwandfrei – ich würde sagen, das Gleichnis von Psychothriller und Mutterwerden/-schaft? Trotz gefühlter Verwirrung ist es ein unheimlich gutes Buch, eines das ein großes Sogwirkung hat, mysteriös und spannend, das verwirrt, Beklemmung schafft und trotzdem tiefgründig daher kommt und wo man nach Beendigung einfach denkt: „puh“ (Gott sei Dank bin ich raus aus dem Wald, oder doch nicht?!) Uneingeschränkte Lesempfehlung!

4

Dieses Buch war wie ein Trip! Realität und Fantasie verschwimmen hier zu einer wabernden Masse. Dieses Vexierspiel hat eine unheimliche Sogwirkung und macht neugierig auf weitere, noch kommende Romane der Autorin. In "Mama" geht es um eine junge Frau, die ganz unbedingt Mutter werden möchte - ob der Partner nun einverstanden ist oder nicht. Das Paar macht zur Erholung von den Streitigkeiten einen kleinen Urlaub in der Waldhütte, die seit Generationen in seiner Familie weitergegeben wird. Und dort beginnen die Dinge, einen merkwürdigen Lauf zu nehmen - Ereignisse aus verschiedenen Zeiten scheinen wie eine Schablone übereinandergelegt zu sein, Sowohl unsere Protagonistin als auch Lesende verlieren den Überblick, was wann passiert, was real ist und was nicht, Und dann ist da noch dieser Mann im Wald, der sie zu beobachten scheint... Ein wunderbares Debüt, das mit seiner berauschenden Erzählsprache überzeugt. Zudem gibt es Grusel-Vibes - ein perfektes Herbstbuch also!

4.5

Nachdem "Kleine Monster" letztes Jahr ein absolutes Highlight für mich war, wollte ich unbedingt auch Jessica Linds Debütroman "Mama" lesen und wurde nicht enttäuscht! Die Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Jessica Lind hat einen unglaublich fesselnden Schreibstil und baut einen richtig guten Spannungsbogen auf. Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es in der märchenhaft erzählten Geschichte um das Thema Mutterschaft. Im Mittelpunkt steht die Protagonistin Amira und ihr Hineinwachsen in die Mutterrolle. Gemeinsam mit ihrem Mann Josef verbringt sie ein paar Tage in einer Hütte im Wald und wird schwanger. Sie kehrt als Hochschwangere und später noch einmal mit der kleinen Luise an denselben Ort zurück - der Wald lässt sie irgendwie nicht mehr los ... Das Setting und die Atmosphäre habe mich dabei sehr an "Die Wand" von Marlene Haushofer erinnert. Jessica Lind gelingt eine feinfühlige Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen im Familiengefüge und wie sich diese je nach Lebensabschnitt verändern. Dabei thematisiert sie auch Schattenseiten der Mutterschaft über die oft geschwiegen wird - z. B. wie Selbstaufgabe, Selbstzweifel.

3

Nach einem sprachlich schwachen Start, wurde es ab der Mitte wirklich interessant, löste sich aber am Ende für mein Verständnis nicht auf. Ist natürlich subjektiv. Aber es scheint mir, dass es magischer Realismus um des magischen Realismus Willen war. Greifbar wurde es für mich nicht. Für die Leistung der Irritation gab ich 3 Sterne. Ansonsten konnte es mich nicht begeistern.

5

Es ist ein klassisches Märchen, mit Jägern, Wölfen, bösen Hexen. Es ist die Geschichte eines zunächst einseitigen, obsessiven Kinderwunsches. Es ist das Drama einer Mutter, die das jahrelang innig ersehnte Kind zunächst nicht lieben kann, und sich später besitzergreifend, grenzüberschreitend an ihren Lebenssinn klammert. Dieser Roman ist so vielschichtig, so voller Symbolik, dass sicher keine zwei Leser:innen ihn auf dieselbe Art und Weise interpretieren werden. Traum und Realität verschwimmen, Zeitabläufe verschieben sich, Protagonistin Amira begegnet buchstäblich sich selbst, ein Märchen scheint Wirklichkeit zu werden – auf nur allzu reale Art und Weise. Alles, was Amira träumt, wahrnimmt, erlebt, hat mehrere Bedeutungsebenen, was ihr selber erst nach und nach vage bewusst wird. »Der Wald hat der Mutter das Kind geschenkt« – so geht das Märchen. Ihr Kind wurde im Wald gezeugt, und ein Großteil des Romans spielt auch dort. Eine düstere Spannung überlagert zunehmend jeden Anflug von Idylle, der Wald scheint ein Eigenleben zu entwickeln. Amira und Vater Josef versuchen, sich in seinem Schatten an ein harmonisches Familienleben anzunähern, während ein Jäger das Haus beobachtet und ein Hund/Wolf es umkreist. Eine stete Bedrohung, die sich widerspiegelt in Ehe und Mutterschaft. Sie fragt sich, ob sie ihren Mann überhaupt jemals wirklich geliebt hat, ist eifersüchtig auf seine Beziehung zur gemeinsamen Tochter. Wenn er alleine mit der Kleinen Zeit verbringen will, manifestiert sich prompt eine scheinbar reale Gefahr. Es ist ihr Kind und ihr Kind alleine, denn was wäre sie ohne ihre Rolle als “Mama”? Gleichzeitig fühlt sie sich gefangen – im Wald, in eben dieser Rolle. Sie erstickt daran, will dies jedoch nicht wahrnehmen. Das Märchenhafte der Geschichte stellt diese Gefühle bildlich dar. Der Wald ist Schutz und Heimat, aber er ist auch ein Ort der Gefahr und wird im Laufe der Handlung im wahrsten Sinne des Wortes zum Gefängnis. Für mich ist er im Grunde ein Bild für Mutterschaft in allen möglichen Facetten und insbesondere für Schwangerschaftsdepression und postpartale Psychose. »Als das Kind noch eine Möglichkeit war, war da so eine unbändige Liebe in ihr.« Die Erzählerin hat die Rolle der Mutter ihr ganzes Leben lang idealisiert, dem Zeitpunkt entgegengefiebert, wenn sie endlich selber ein Kind haben wird. Auf mögliche Schwierigkeiten war sie nicht vorbereitet – geschweige denn darauf, dass sie selber während ihrer Schwangerschaft den Fötus nur als Wurm, als schmarotzenden Parasiten empfindet. An dieser Stelle macht die Handlung einen Sprung, die Realität zersplittert. Eben war sie noch hochschwanger, jetzt ist das Kind auf einmal schon ein paar Jahre alt. Ein goldiges kleines Mädchen. Ein Schock, aber endlich scheint sie im ersehnten Mutterschafts- und Familienglück angekommen zu sein. Alles gut? Nur auf den oberflächlichen Blick. Da sind tausend kleine und große Zeichen, dass diese Idylle scheinbar von außen (auf der Märchenebene) bedroht wird, aber immer wieder wird nur allzu klar, dass diese Gefahr in Wirklichkeit von innen kommt. Wenn Amira kurz davor steht, dies selber zu erkennen, ihre eigenen widerstreitenden Gefühle anzunehmen, fragmentiert die Handlung. So begegnet sie zum Beispiel am Anfang, offensichtlich noch hochschwanger, im Wald einem kleinen Mädchen, das sie erst viel später, im Rückblick, als ihre eigene Tochter erkennt. Sie packt es an den Händen und drückt so fest zu, dass die Knochen knacken. Da verbirgt sich eine unterdrückte Aggression, ein Ressentiment gegen die als Gefängnis empfundene Rolle. Viel später, wir sind inzwischen im vermeintlichen Familienglück angekommen, beginnt die kleine Tochter jäh zu weinen und die Hände merkwürdig zu halten, läuft dann vor ihrer Mutter davon und verkriecht sich unter dem Bett. »Mama, nein, aua!« Was ist Traum, was Wirklichkeit? Ist die Erzählerin so überfordert, dass sie ihr Kind tatsächlich misshandelt? »Was ist mit ihr? Wird sie sich auflösen? Sie ist bereit zu verschwinden.« So surreal die Geschichte sich auch mehr und mehr präsentiert, so klar sind doch die Themen. Die Erzählerin hat das Gefühl, sie habe sich selbst verloren – gar kein eigenes Leben, kein eigenes Ich mehr. Auch wenn sie es sich nicht eingesteht, wünscht sie sich doch insgeheim, sie könnte ausbrechen aus ihrem Dasein als Mutter. Gleichzeitig kann sie nicht lassen von der Vorstellung, dieses müsse ihr Lebenssinn sein. Ja, sie liebt ihre Tochter, ohne jeden Zweifel, würde für sie sterben wie die Mutter im Märchen, aber da ist auch dieser Groll, dieses langsame Ersticken … Ein Dilemma, für das es keine perfekte Lösung gibt, und so bietet der Roman meines Erachtens auch nur ein eindringliches Panorama dieser Konflikte, aber letztendlich keinen konkreten Ausweg. Obwohl man das Ende sicher sehr unterschiedlich interpretieren kann! Ich konnte mich der Geschichte von der ersten Seite an nicht entziehen. Sie hielt mich gepackt mit einem Gefühl der dräuenden Verdammnis und gleichzeitig dem Wunsch nach einer Versöhnung der Erzählerin mit sich selbst. Das ist spannend und ruft viele Assoziationen hervor, die man als Leser:in erstmal sortieren muss. In meinen Augen habe ich nie zuvor etwas gelesen, in dem Mutterschaft so kafkaesk symbolisch-bedrohlich dargestellt wurde, und zugleich so glaubhaft und emotional überzeugend. Jessica Lind nutzt Depersonalisation und Derealisation, schafft einen Abstand durch die Ebene der Märchenerzählung, um ihre Geschichte in einer Vielzahl von Farben zu malen und dabei doch subtil zu bleiben. Die Sprache ist einfach, schlägt aber gekonnt die Brücke zwischen den märchenhaften und den realistischen Elementen. Fazit Ihr ganzes Leben lang träumt Amira schon davon, Mutter zu werden. Sie sammelt Babynamen, stellt sich ihre Tochter vor, ist mit hundertprozentiger Sicherheit davon überzeugt, in der Mutterschaft ihr Lebensglück zu finden. Dass ihr Mann Josef mit der Vorstellung hadert, Vater zu werden, ändert nichts an dieser Überzeugung. Als sie endlich schwanger wird, zerbricht diese jedoch – der Fötus ist für sie kein Baby, sondern ein wurmartiger Parasit. Dies behält sie jedoch für sich, in der Hoffnung, dass die Geburt alles wieder ins Reine bringen wird. Und das tut sie, aber gleichzeitig auch nicht, denn die Wirklichkeit gerät aus den Fugen. Mutterschaft, postpartale Depression oder gar Psychose, Eheprobleme – Jessica Lind verpackt diese nur zu realistischen Themen in eine Geschichte, die die Genregrenzen überschreitet. Raum und Zeit verschwimmen, ein Märchen scheint auf surreale Weise zum Leben zu erwachen, die Protagonistin verliert vollkommen den Halt, und doch steht im Zentrum stets das Thema Mutterschaft. Als Traum, als Albtraum, als Weg zum Lebenssinn oder als vollkommener Verlust der Selbstbestimmung… Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-jessica-lind-mama/

4

Amira und Josef haben einen Kinderwunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat. Um die Stimmung etwas zu entspannen, fahren sie ein paar Tage zu einer Holzhütte mitten im Wald, in der Josef mit seinen Eltern in der Kindheit oft die Ferien verbrachte. Die Hütte und der umliegende Wald bleiben die zentralen Handlungsorte des Romans "Mama" von Jessica Lind. Denn nach einem Zeitsprung fährt das Paar ein zweites Mal zur Hütte, Amira ist diesmal bereits schwanger. Die Autorin gibt der Erzählung einen ganz besonderen, märchenhaft düsteren Ton und zeigt dabei die Verwerfungen des Paares, aber auch die Schwierigkeiten der werdenden Mutter auf. Es erscheinen immer wieder Elemente, die Amira in einem Märchenbuch aus Josefs Kindheit wiederentdeckt: eine magische Lichtung, ein Jägersmann, eine Wölfin. Wir werden dabei als Leser*in zusammen mit Amira immer weiter in einen unheimlichen Strudel gezogen und immer tiefer in den Wald geführt. Mit diesen surrealen Elementen baut Jessica Lind eine Atmosphäre auf, die zunächst nicht zum Thema zu passen scheint. Mit diesem Kniff gelingt es ihr aber, die Themen Schwanger- und Mutterschaft auf ganz besondere Art und Weise zu beleuchten und die allseits gegenwärtige Romantisierung vom "Kinder kriegen" aufzubrechen. Mir scheint, dass Eltern und insbesondere Mütter immer noch viel zu schnell verurteilt werden, wenn Zweifel an der Elternschaft oder auch nur eigene Unsicherheiten geäußert werden. Viele Frauen werden vor der Geburt nicht über postnatale Depression aufgeklärt und die psychologischen Folgen von traumatischen Geburtserfahrungen werden kaum ernst genommen. "Jetzt hast du doch dein Kind, also sei glücklich!" Ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber bin sicher, einige Eltern da draußen würden mir beipflichten. Jessica Lind weist in "Mama" auf die mentalen Struggles von Eltern und werdenden Eltern hin und setzt dies auf ganz originelle Weise um. Eine große Empfehlung!

3

Wo endet die Wirklichkeit - wo beginnt der Wahn? Oder ist alles doch nur eine Art böser Traum? Vielleicht sogar ein Märchen? In Jessica Linds Debüt verschwimmen die Grenzen zur Realität ebenso wie sich die Genres vermischen. Amira und Josef wünschen sich ein Kind. Sie mehr als er. Gemeinsam wandeln sie im ersten Teil auf den Spuren seiner Vergangenheit in einer abgelegenen Waldhütte, um ihrer beider Zukunft dort zu finden. Was wie eine gängige Beziehungsgeschichte beginnt, driftet nach ein wenig Vorlauf in eine Story voller Fantasien, gefühlten Bedrohnungen, Wahnvorstellungen, Hoffnungen und Ängsten ab. Dank ihres puristischen Schreibstils schafft Lind einen fast schon schwebenden Zustand um ihre Protagonistin Amira, die derart viel Raum einnimmt, dass Josef leider etwas eindimensional gerät. Es fehlt Amira ein Gegenpart, der ab einem gewissen Zeitpunkt in der Geschichte vielleicht ein wenig Halt geben könnte. Vor allem zum Ende hin bleiben viele Fragen offen. Aber das Buch will auch nichts mit Logik zu tun haben, geht es doch um Gefühle und Atmosphären, die durch Märchen und Horrorelemente, Schein und Wahn ausgelöst werden. Ein emotionaler und intuitiver Roman, der nur wenig Raum für Antworten lässt, dafür aber viele Fragen stellt.

2

Josef und Amira verbringen einige Tage in einer einsamen Hütte im Wald, in welcher Josef schon als Kind viele Sommer verbracht hat. Amira hofft, dass es endlich mit dem Kinderwunsch klappt. Tatsächlich wird Amira schwanger und sechs Wochen vor der Geburt fahren die beiden wieder zur Hütte und erleben den letzten Urlaub ohne Kind. Der nächste Besuch erfolgt drei Jahre später, diesmal mit Tochter Luise. Diesmal wird Amira aber heimgesucht von Wahnvorstellungen, in denen Raum und Zeit nicht existieren. Diese Art der Traumadarstellung hat mir leider nicht so zugesagt. Der Roman lässt viel Interpretationsspielraum durch den Leser zu, aber mir war alles zu konfus. Die Charaktere waren für mich nicht greifbar und somit fiel eine emotionale Verbindung schwer. Die übernatürlichen Wahrnehmungen von Amira ließen mich leider nur verwirrt zurück. Ich schätze einen kleinen Ausflug ins Horrorgenre sehr, aber nicht in der Ausführung. Die Themenwahl hat mich doch durchaus angesprochen. Die Angst vor der Mutterschaft, den Veränderungen und der steigenden Verantwortung ist deutlich zu spüren.

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2

Bin mit Schreibstil und Erzählweise gar nicht zurecht gekommen, die Protagonisten sind mir haben unsympathisch. Das Buch wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Insgesamt eher verstörend.

3

Vor allem der 2. Teil war schwierig zu lesen bzw. einzuschätzen was Realität ist und was nicht. Prinzipiell hat mich der Ansatz der Geschichte sehr interessiert, allerdings fand ich vor allem den letzten Abschnitt verwirrend…

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