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„Seele in Ketten“ von Xiran Jay Zhao ist der zweite Band der „Iron Widow“-Trilogie. Science-Fiction trifft auf Fantasy oder auch „Pacific Rim“ trifft auf chinesische Mythologie. Wir starten mit einem Prolog aus Sicht von Qin Sheng, der uns einen Einblick in seine Vergangenheit im Schnelldurchlauf ermöglicht. Abgesehen davon und dem Epilog übernimmt dann aber wieder Wu Zetian als Erzähler. Es ist ein bisschen Schade, dass wir nicht mehr Kapitel aus Qin Shengs Sicht erhalten haben, aber dann hätte sein Charakter vermutlich nicht so polarisieren können. Falls Ihr Euch jetzt fragt, wer Quin Sheng ist und was aus Li Shimin und Yizhi geworden ist, dann ist das sehr berechtigt. Das habe ich mich nämlich auch beim Lesen lange Zeit gefragt. Ich hätte zwar sehr viel zu den drei Herren zu sagen, möchte Euch aber nichts vorwegnehmen. Wu Zetian hat jedenfalls ein sehr interessantes Liebes- und Sexleben. Radikal, wütend und auch ganz schön toxisch – so wie sie selbst eben ist. Die Handlung ist deutlich weniger actionreich als wir es aus „Rache im Herzen“ gewohnt sind. In „Seele in Ketten“ dreht sich alles um Politik. Zetian, das ungebildete Bauernmädchen, hat es mit ihrer Rache weitergetrieben als sie sich selbst je hätte ausmalen können – und ist nun zurecht überfordert. Sie hatte nie vor, so lange zu leben und jetzt soll sie plötzlich die Kaiserin sein? Ja, die Macht ist verlockend, aber selbst sie muss sich irgendwann eingestehen, dass sie keinerlei Qualifikationen aufweist – da kommt es doch recht gelegen, dass Qin Sheng so oder so das Ruder an sich reißt. Er knüpft dort an, wo er vor 221 Jahren aufgehört hatte und startet den idealistischen Arbeiteraufstand, von dem er immer geträumt hat. Dass das ganze in einen heillosen Kommunismus abdriftet konnte doch keiner ahnen…oder? Für Zetian sind all diese Begriffe Fremdwörter, sie hat also viel zu lernen. Stellt Euch dementsprechend auf einige trockene Politikstunden ein. Wie im wahren Leben vertritt jeder Haupt- und Nebencharakter sehr individuelle Ansichten dabei, was zu der ein oder anderen Kontroverse führt. Ich empfand jedes dieser Gespräche als gut und wichtig, aber es war trotzdem zu viel. Hier werden so viele Themen aufgegriffen, die trotz des recht üppigen Seitenumfangs gar nicht die Möglichkeit haben, sich voll zu entfalten. Als Leser kriegt man gar nicht die Zeit, das Gelesene zu verarbeiten und sich eine eigene Meinung zu bilden, bevor das nächste moralische Dilemma aufgeworfen wird. Ich wüsste allerdings auch nicht, was man hätte streichen können, da alles seine Relevanz hat. Das Ende vom Lied: „Seele in Ketten“ ist zuweilen recht schwere Kost und fühlt sich stellenweise mehr nach Arbeit als nach Unterhaltung an. Das ist in sich jedoch nichts Schlechtes, schließlich soll Literatur im Idealfall unseren Geist stimulieren – und Zhao liefert hier so einige Denkanstöße. Ein bisschen mehr Action hätte trotzdem nicht geschadet, dann wäre das Ende vielleicht nicht so übereilt verlaufen. So hat Band 2 zwar ein paar Schwächen, begeistert bin ich trotzdem – 4/5 Sterne .
Sep 8, 2025
„Seele in Ketten“ von Xiran Jay Zhao ist der zweite Band der „Iron Widow“-Trilogie. Science-Fiction trifft auf Fantasy oder auch „Pacific Rim“ trifft auf chinesische Mythologie. Wir starten mit einem Prolog aus Sicht von Qin Sheng, der uns einen Einblick in seine Vergangenheit im Schnelldurchlauf ermöglicht. Abgesehen davon und dem Epilog übernimmt dann aber wieder Wu Zetian als Erzähler. Es ist ein bisschen Schade, dass wir nicht mehr Kapitel aus Qin Shengs Sicht erhalten haben, aber dann hätte sein Charakter vermutlich nicht so polarisieren können. Falls Ihr Euch jetzt fragt, wer Quin Sheng ist und was aus Li Shimin und Yizhi geworden ist, dann ist das sehr berechtigt. Das habe ich mich nämlich auch beim Lesen lange Zeit gefragt. Ich hätte zwar sehr viel zu den drei Herren zu sagen, möchte Euch aber nichts vorwegnehmen. Wu Zetian hat jedenfalls ein sehr interessantes Liebes- und Sexleben. Radikal, wütend und auch ganz schön toxisch – so wie sie selbst eben ist. Die Handlung ist deutlich weniger actionreich als wir es aus „Rache im Herzen“ gewohnt sind. In „Seele in Ketten“ dreht sich alles um Politik. Zetian, das ungebildete Bauernmädchen, hat es mit ihrer Rache weitergetrieben als sie sich selbst je hätte ausmalen können – und ist nun zurecht überfordert. Sie hatte nie vor, so lange zu leben und jetzt soll sie plötzlich die Kaiserin sein? Ja, die Macht ist verlockend, aber selbst sie muss sich irgendwann eingestehen, dass sie keinerlei Qualifikationen aufweist – da kommt es doch recht gelegen, dass Qin Sheng so oder so das Ruder an sich reißt. Er knüpft dort an, wo er vor 221 Jahren aufgehört hatte und startet den idealistischen Arbeiteraufstand, von dem er immer geträumt hat. Dass das ganze in einen heillosen Kommunismus abdriftet konnte doch keiner ahnen…oder? Für Zetian sind all diese Begriffe Fremdwörter, sie hat also viel zu lernen. Stellt Euch dementsprechend auf einige trockene Politikstunden ein. Wie im wahren Leben vertritt jeder Haupt- und Nebencharakter sehr individuelle Ansichten dabei, was zu der ein oder anderen Kontroverse führt. Ich empfand jedes dieser Gespräche als gut und wichtig, aber es war trotzdem zu viel. Hier werden so viele Themen aufgegriffen, die trotz des recht üppigen Seitenumfangs gar nicht die Möglichkeit haben, sich voll zu entfalten. Als Leser kriegt man gar nicht die Zeit, das Gelesene zu verarbeiten und sich eine eigene Meinung zu bilden, bevor das nächste moralische Dilemma aufgeworfen wird. Ich wüsste allerdings auch nicht, was man hätte streichen können, da alles seine Relevanz hat. Das Ende vom Lied: „Seele in Ketten“ ist zuweilen recht schwere Kost und fühlt sich stellenweise mehr nach Arbeit als nach Unterhaltung an. Das ist in sich jedoch nichts Schlechtes, schließlich soll Literatur im Idealfall unseren Geist stimulieren – und Zhao liefert hier so einige Denkanstöße. Ein bisschen mehr Action hätte trotzdem nicht geschadet, dann wäre das Ende vielleicht nicht so übereilt verlaufen. So hat Band 2 zwar ein paar Schwächen, begeistert bin ich trotzdem – 4/5 Sterne .
Sep 8, 2025








