
Insel der verlorenen Erinnerung von Yoko Ogawa Auf einer Insel verschwinden nach und nach alltägliche Dinge und mit ihnen auch die Erinnerungen der Menschen daran. Wer sich trotzdem erinnert, lebt gefährlich und wird von der Erinnerungspolizei verfolgt. Als eine Schriftstellerin versucht, ihren Verleger zu verstecken, der zu den wenigen gehört, die nicht vergessen können, geraten beide immer stärker unter Druck. Die Grundidee fand ich unglaublich spannend. Dieses langsame Verschwinden von Dingen und Erinnerungen hat etwas gleichzeitig Faszinierendes und Beklemmendes und ich hatte am Anfang wirklich das Gefühl, dass sich daraus eine Geschichte entwickeln könnte, die mich komplett mitreißt. Leider hat mich die Umsetzung dann nicht ganz erreicht. Das Buch ist extrem ruhig und langsam erzählt und für mich war es stellenweise einfach zu langatmig. Es passiert über weite Strecken nicht besonders viel und obwohl genau diese Leere wahrscheinlich Teil der Atmosphäre sein soll, hat sie mich irgendwann eher auf Distanz gehalten. Auch mit der Protagonistin bin ich leider nicht richtig warm geworden. Ich konnte viele ihrer Entscheidungen und Reaktionen nicht wirklich nachvollziehen und dadurch fehlte mir emotional oft die Verbindung zur Geschichte. Trotzdem mochte ich die bedrückende Stimmung und diese konstante unterschwellige Angst davor, dass immer mehr verschwindet, bis irgendwann vielleicht nichts mehr übrig bleibt. Gerade die Idee hinter der Erinnerungspolizei und die Frage, was Menschen ohne Erinnerungen überhaupt noch ausmacht, fand ich wirklich stark. Das offene Ende hat für mich allerdings dafür gesorgt, dass ich am Ende eher unzufrieden zurückgeblieben bin. Ich hatte mir insgesamt eine andere Richtung und etwas mehr Entwicklung innerhalb der Handlung erhofft. Für mich lebt das Buch vor allem von seiner außergewöhnlichen Idee und seiner Atmosphäre, auch wenn mich die Geschichte selbst leider nicht komplett erreichen konnte. ★★★☆☆ (3 von 5 Sternen)

































