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Hundert Augen

3.8(91)
Language
German
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About the book

Sie sind überall. Sie sehen dich. Und sie wissen alles über dich.

Willkommen in der Welt der Kentukis: Plüschtiere, ferngesteuert von anonymen Menschen irgendwo auf der Welt. Was als harmlose Spielerei beginnt, entpuppt sich als Abgrund zwischen Voyeurismus, Kontrolle und Machtmissbrauch. Jugendliche nutzen die Kentukis für gefährliche Spiele, Erwachsene flüchten sich in neue Beziehungen, während einsame Seelen Halt in den fremden Blicken suchen. Doch was geschieht, wenn sich die Rollen zwischen Beobachtern und Beobachteten verschieben?

Ein psychologisch vielschichtiger Roman über unsere digitalisierte Gegenwart, Abhängigkeiten und die Sehnsucht nach Nähe – fesselnd, verstörend, absolut zeitgemäß.

Editions (2)

ISBN9783518472507
PublisherSuhrkamp
Publication Date05/18/22
Pages251

Reviews & Ratings

91 ratings

20 reviews

3.8

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  • tom.blabal
    tom.blabal

    189 Followers

    3.0

    Tamagotchi mal anders

    Man nehme ein ferngesteuertes Spielzeug in Form eines Pandas, Drachen oder ähnlichem und baue zusätzlich eine Kamera ein. Dann verkauft man dieses Spielzeug und den Zugang zur Kamera und der Fernsteuerung getrennt voneinander. Der eine Käufer hat ein neues "Haustier", der andere einen anonymen Gast im eigenen Zuhause. Klingt komisch? Ist es auch. Hundert Augen spielt genau mit diesem Gedankenexperiment und erzählt parallel mehrere Geschichten, die immer mit einem dieser Spielzeuge namens Kentuki zu tun haben. Mal aus Sicht der besitzenden Person, mal aus der Sicht der steuernden Person. Die Zuordnung von Spielzeug und steuernder Person ist zufällig. Das bedeutet: Niemand weiß wirklich, wer hinter seinem neuen Haustier steckt. Genauso wenig weiß man vorher, zu welchem Haustier man Zugang bekommt. Die Risiken scheinen, ehrlich gesagt, ziemlich einleuchtend: Missbrauch, Voyeurismus, Erpressung oder Spionage. Im Buch scheint das den meisten Figuren allerdings überhaupt nicht in den Sinn zu kommen. Ich kann mir zwar vorstellen, dass diese Naivität bewusst überzeichnet ist, damit das Gedankenexperiment überhaupt funktioniert. Für mich wirkte das Ganze dadurch aber einfach zu unrealistisch. Viele Figuren handeln dermaßen naiv und entwickeln teilweise eine emotionale Bindung zu völlig Fremden, dass ich öfter nur den Kopf schütteln konnte. Auch die Erzählstruktur konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Die einzelnen Geschichten beginnen eher unspektakulär, entwickeln sich zum Ende hin aber oft in eine spannende oder überraschende Richtung. Das Problem ist nur, dass ständig zwischen den Handlungssträngen hin- und hergesprungen wird. Dadurch verbringt man einen Großteil des Buches damit, immer wieder in Geschichten einzutauchen, die gerade erst aufgebaut werden. Erst im letzten Drittel entfalten viele davon ihr Potenzial und einige Auflösungen fand ich wirklich kreativ. Ihr merkt: Ich mochte Hundert Augen leider nicht so sehr, wie ich es gern gewollt hätte. Die Grundidee ist super und einige Geschichten wissen durchaus zu überraschen. Insgesamt konnten mich die Figuren und die Erzählweise dennoch nicht ganz überzeugen.

    5 hours ago

  • mrs.lovesbooks
    mrs.lovesbooks

    101 Followers

    5.0

    Wesen oder Herr, das ist hier die Frage.

    Klappentext: Samanta Schweblin erzählt eine Geschichte, die bereits stattfindet. Eine Geschichte, die uns bekannt vorkommt und beunruhigt. Weil sie unsere Welt ist, in der wir leben. Wir wissen es nur noch nicht…. Hundert Augen ist ein visionärer Roman über unsere vernetzte Gegenwart und über den Zusammenprall von Humanität und Horror. Der Klappentext beschreibt im Grunde gut um was es in dem Roman geht. Eine digitalisierte Welt und der Reiz, den sie mit sich bringt, aber auch die Gefahren, die sie birgt sowie die damit einhergehenden Folgen. Die Handlung ist ruhig und unaufgeregt erzählt, beinhaltet keine großen Überraschungen. Nichts was wir nicht bereits über das Internet, soziale Medien und die Risiken dahinter wissen. Und dennoch greift er genau da an. Wir kennen die Gefahren und dennoch wahren wir unsere Privatsphäre nicht. Oder nur ungenügend. Woran liegt das? Was verleitet uns dazu genau diese Grenzen zu missachten und/oder zu ignorieren? Was reizt uns an dieser digitalen Welt? Eine allgegenwärtige Frage dreht sich besonders um das Beobachten und das Beobachtet-werden. Hier werden dafür sogenannte "Kentukis" eingesetzt. Fahrbare niedliche Kuscheltiere, die mit einer Kamera ausgestattet sind. Sie leben bei einem Menschen, der das "Wesen" repräsentiert und werden von einem anderen Teil der Erde von einem anderen Menschen, der die Rolle des "Herrn" einnimmt, gesteuert und über die eingebaute Kamera im Alltag begleitet und beobachtet. Und auch hier stellt sich wieder die Frage: Was macht den Reiz aus? Weshalb mögen die einen das eine und die anderen das Gegenteil davon lieber? Warum stellen wir uns zur Schau? Was bewegt uns dazu? Weshalb finden wir Gefallen daran das Leben anderer zu beobachten? 100 Augen ist meiner Meinung nach ein kluger Roman, der ruhig daherkommt, jedoch sehr zum Nachdenken anregt. Er ist hochaktuell und zeigt uns Menschen in verschiedenen Situationen und aus unterschiedlichen Perspektiven. Er ist distanziert erzählt und geht doch nah, weil er unsere Bedürfnisse und Wünsche aufzeigt. Aber auch vor Augen führt, dass wir uns nicht immer in Sicherheit wägen dürfen. Ebenso, dass unser Handeln Konsequenzen hat. Ich habe das Buch langsam gelesen, mir Zeit genommen und vielleicht war es genau richtig so, denn er klingt nach und setzt Denkprozesse in Gang. Für mich ein gelungener Roman, der etwas anders ist und evtl. nicht jeden Geschmack trifft. Ich kann ihn dennoch jedem ans Herz legen, weil er eben so aktuell ist.

    Wesen oder Herr, das ist hier die Frage.

    Jun 28, 2026

  • thomsen_
    thomsen_

    96 Followers

    3.0

    Welche Verantwortung hat ein Beobachter?

    In einer unbestimmten Zukunft werden sogenannte Kentukis zum weltweiten Hype. Die kleinen plüschigen Kreaturen werden von anonymen Menschen irgendwo auf der Welt gesteuert. Wer eines dieser Wesen besitzt, wird beobachtet. Wer stattdessen die Steuerung übernimmt, erhält Einblicke in das Leben eines völlig fremden Menschen. Entweder kauft man ein zufällig ausgewähltes Modell (Labubu lässt grüßen) oder einen Code, der eine einmalige Verbindung zu einem beliebigen Exemplar irgendwo auf der Welt herstellt. In voneinander unabhängigen Episoden begleitet die argentinische Autorin Samanta Schweblin Menschen, die durch Kentukis miteinander verbunden sind. Schon nach wenigen Kapiteln wird deutlich, dass es weniger um Science-Fiction als um menschliche Beziehungen geht. Dabei drängt sich vor allem eine Frage auf: Trägt man moralische Verantwortung für jemanden, den man nur beobachtet? Wer lange genug zuschaut, bleibt selten unbeteiligt. Aus Neugier kann Anteilnahme entstehen, aus Anteilnahme Fürsorge, manchmal aber auch Kontrolle oder Machtmissbrauch. Der Plot wirkt schon sehr konstruiert. Ich hatte Mühe, die Grundidee des Romans vollständig zu akzeptieren, da viele Menschen über die Funktionsweise der Kentukis erstaunlich wenig zu wissen scheinen, obwohl diese längst ein Massenphänomen geworden sind. Ich hatte auf eine dystopische Zukunftsvision gehofft, der Roman erzählt aber eher die kleinen menschlichen Dramen hinter der Technik. Einer der Protas (Marvin) formuliert einen Satz, der für mich viel vom Roman erklärt: „Warum waren diese Geschichten alle so klein, so ungeheuer privat, so armselig und vorhersehbar? So verzweifelt menschlich.“ Schweblin schreibt klar und nüchtern, ohne sprachliche Spielereien oder große Poesie. Durch die vielen kurzen Episoden bleibt aber für tiefgehende Charakterentwicklung wenig Spielraum. Zu vielen der Figuren konnte ich keine echte Verbindung herstellen. Die einzige Ausnahme ist die Geschichte von Alina und dem Künstler Sven. Svens Ausstellung am Ende zählt zu den eindringlichsten und unangenehmsten Szenen des Romans. Gerade weil die Ausgansidee so stark ist hatte ich gehofft, dass der Roman daraus radikalere und überraschendere Gedanken entwickelt. Stattdessen erzählt er viele kleine Geschichten ohne groß neue Antworten zu liefern. Die Fragen des Romans bleiben, die Figuren dagegen weniger. Deshalb blieb bei mir nach dem Lesen ein gemischter Eindruck zurück. 3 von 5 ⭐️

    Jun 27, 2026

3 of 20 reviews

Author

About Samanta Schweblin

Samanta Schweblin wurde 1978 in Buenos Aires geboren. Für ihren Erzählungsband Die Wahrheit über die Zukunft erhielt sie 2008 den Premio Casa de las Américas sowie den Juan-Rulfo-Preis, für den Band Sieben leere Häuser erhielt sie den Premio de narrativa breve Ribera del Duero de España. Ihre Bücher sind in 25 Sprachen übersetzt. Zwei Mal stand sie bereits auf der Shortlist für den International Booker Prize. Samanta Schweblin lebt und arbeitet in Berlin.

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