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Tamagotchi mal anders
Man nehme ein ferngesteuertes Spielzeug in Form eines Pandas, Drachen oder ähnlichem und baue zusätzlich eine Kamera ein. Dann verkauft man dieses Spielzeug und den Zugang zur Kamera und der Fernsteuerung getrennt voneinander. Der eine Käufer hat ein neues "Haustier", der andere einen anonymen Gast im eigenen Zuhause. Klingt komisch? Ist es auch. Hundert Augen spielt genau mit diesem Gedankenexperiment und erzählt parallel mehrere Geschichten, die immer mit einem dieser Spielzeuge namens Kentuki zu tun haben. Mal aus Sicht der besitzenden Person, mal aus der Sicht der steuernden Person. Die Zuordnung von Spielzeug und steuernder Person ist zufällig. Das bedeutet: Niemand weiß wirklich, wer hinter seinem neuen Haustier steckt. Genauso wenig weiß man vorher, zu welchem Haustier man Zugang bekommt. Die Risiken scheinen, ehrlich gesagt, ziemlich einleuchtend: Missbrauch, Voyeurismus, Erpressung oder Spionage. Im Buch scheint das den meisten Figuren allerdings überhaupt nicht in den Sinn zu kommen. Ich kann mir zwar vorstellen, dass diese Naivität bewusst überzeichnet ist, damit das Gedankenexperiment überhaupt funktioniert. Für mich wirkte das Ganze dadurch aber einfach zu unrealistisch. Viele Figuren handeln dermaßen naiv und entwickeln teilweise eine emotionale Bindung zu völlig Fremden, dass ich öfter nur den Kopf schütteln konnte. Auch die Erzählstruktur konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Die einzelnen Geschichten beginnen eher unspektakulär, entwickeln sich zum Ende hin aber oft in eine spannende oder überraschende Richtung. Das Problem ist nur, dass ständig zwischen den Handlungssträngen hin- und hergesprungen wird. Dadurch verbringt man einen Großteil des Buches damit, immer wieder in Geschichten einzutauchen, die gerade erst aufgebaut werden. Erst im letzten Drittel entfalten viele davon ihr Potenzial und einige Auflösungen fand ich wirklich kreativ. Ihr merkt: Ich mochte Hundert Augen leider nicht so sehr, wie ich es gern gewollt hätte. Die Grundidee ist super und einige Geschichten wissen durchaus zu überraschen. Insgesamt konnten mich die Figuren und die Erzählweise dennoch nicht ganz überzeugen.
5 hours ago
Tamagotchi mal anders
Man nehme ein ferngesteuertes Spielzeug in Form eines Pandas, Drachen oder ähnlichem und baue zusätzlich eine Kamera ein. Dann verkauft man dieses Spielzeug und den Zugang zur Kamera und der Fernsteuerung getrennt voneinander. Der eine Käufer hat ein neues "Haustier", der andere einen anonymen Gast im eigenen Zuhause. Klingt komisch? Ist es auch. Hundert Augen spielt genau mit diesem Gedankenexperiment und erzählt parallel mehrere Geschichten, die immer mit einem dieser Spielzeuge namens Kentuki zu tun haben. Mal aus Sicht der besitzenden Person, mal aus der Sicht der steuernden Person. Die Zuordnung von Spielzeug und steuernder Person ist zufällig. Das bedeutet: Niemand weiß wirklich, wer hinter seinem neuen Haustier steckt. Genauso wenig weiß man vorher, zu welchem Haustier man Zugang bekommt. Die Risiken scheinen, ehrlich gesagt, ziemlich einleuchtend: Missbrauch, Voyeurismus, Erpressung oder Spionage. Im Buch scheint das den meisten Figuren allerdings überhaupt nicht in den Sinn zu kommen. Ich kann mir zwar vorstellen, dass diese Naivität bewusst überzeichnet ist, damit das Gedankenexperiment überhaupt funktioniert. Für mich wirkte das Ganze dadurch aber einfach zu unrealistisch. Viele Figuren handeln dermaßen naiv und entwickeln teilweise eine emotionale Bindung zu völlig Fremden, dass ich öfter nur den Kopf schütteln konnte. Auch die Erzählstruktur konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Die einzelnen Geschichten beginnen eher unspektakulär, entwickeln sich zum Ende hin aber oft in eine spannende oder überraschende Richtung. Das Problem ist nur, dass ständig zwischen den Handlungssträngen hin- und hergesprungen wird. Dadurch verbringt man einen Großteil des Buches damit, immer wieder in Geschichten einzutauchen, die gerade erst aufgebaut werden. Erst im letzten Drittel entfalten viele davon ihr Potenzial und einige Auflösungen fand ich wirklich kreativ. Ihr merkt: Ich mochte Hundert Augen leider nicht so sehr, wie ich es gern gewollt hätte. Die Grundidee ist super und einige Geschichten wissen durchaus zu überraschen. Insgesamt konnten mich die Figuren und die Erzählweise dennoch nicht ganz überzeugen.
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