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Drei Tage und ein Leben

3.7(57)
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About the book

Der neue Bestseller des Goncourt-Preisträgers Pierre Lemaitre

»Innerhalb weniger Minuten hat sein Leben die Richtung geändert. Er ist ein Mörder. Doch die beiden Bilder passen nicht zusammen, man kann nicht zwölf Jahre alt und ein Mörder sein.«

Ende Dezember 1999 verschwindet im französischen Ort Beauval ein sechsjähriger Junge. Eine großangelegte Suchaktion wird gestartet, Nachbarn und Freunde durchkämmen den angrenzenden Wald nach Spuren des vermissten Rémi. Doch am dritten Tag fegt ein Jahrhundertsturm über das kleine Dorf hinweg und zwingt die Einwohner von Beauval zurück in ihre Häuser. Während dieser drei Tage bangt der zwölfjährige Antoine darum, entdeckt zu werden. Denn nur er weiß, was an jenem Tag wirklich geschah. Und nur er könnte davon erzählen. Mit großer Sensibilität spürt Pierre Lemaitre dem grausamen Schicksal seines jungen Protagonisten nach und stellt die Frage, wie es sich mit einer lebenslangen Schuld leben lässt.

»Mit seinem ausgeprägten Gespür für Tempo und Gefühl rollt Pierre Lemaitre den Schicksalsfaden einer Tragödie ab.«
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Editions (5)

ISBN9783608981063
PublisherKlett-Cotta
Publication Date09/04/17
Pages270

Characteristics

1 reviews

ThoughtfulSlowCredibleMultifacetedModerateVivid

Reviews & Ratings

57 ratings

8 reviews

3.7

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  • mikka.liest
    mikka.liest

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    4.0

    "Innerhalb weniger Minuten hat sein Leben die Richtung geändert. Er ist ein Mörder. Doch die beiden Bilder passen nicht zusammen, man kann nicht zwölf Jahre alt und ein Mörder sein." (Zitat) Ein einziger Moment der Wut. Ein Schlag, der unglücklich trifft. Schon ist ein junges Leben beendet, ein anderes wird nie wieder dasselbe sein. Das Lesen dieses Buches schmerzt, auch wenn der Autor sich weder zu rührseliger Effekthascherei noch Überdramatisierung hinreißen lässt. Es schmerzt, weil man die Geschehnisse durch die Augen des 12-jährigen Antoine sieht, der in jeglicher Hinsicht ein guter Junge ist: er liebt seine Mutter, der Nachbarshund ist sein allerbester Freund und er lässt es sich gutmütig gefallen, dass der 6-jährige Rémi ihm ständig hinterherläuft. Man möchte diese Unschuld bewahren und ahnt doch, dass es damit bald vorbei sein wird. Oder? Das ist eine der großen ethischen Fragen des Buches: hat seine Tat Antoine von einem Moment zum anderen zu einem bösen Menschen gemacht, unwiderruflich? Für ihn selber gibt es da gar keinen Zweifel. Seine Angst treibt ihn dazu, die Tat zu vertuschen, und dennoch sehnt er sich verzweifelt danach, erwischt zu werden. Seine innere Zerrissenheit und seine emotionale Qual sind schwer zu lesen, denn Antoine ist so furchbar allein damit und doch selber noch ein Kind. Kindermörder. Mörderkind. Das Verschwinden des kleinen Rémi mobilisiert im Dorf einiges an Hilfsbereitschaft, bringt aber auch schwelende Konflikte zum Vorschein – und diese Erschütterung des Status Quo ist erst der Anfang. Der Autor zeichnet seine Charaktere mit leichtem Pinselstrich und doch treffend. Am bestechendsten fand ich die Charakterisierung von Antoines Mutter, die ihrem Sohn vorlebt, dass man Konflikte am besten einfach totschweigt. Und nicht nur das: sie verbiegt sich die Wirklichkeit, bis sie zu dem passt, was sie glauben will, und das zum Teil bis ins Extrem. Da wundert es wenig, dass Antoines Lösungsstrategie hauptsächlich daraus besteht, abzuwarten und im Stillen zu erdulden. Antoine selber ist herzzerreißend in seiner Not, deswegen konnte ich das Buch buchstäblich nicht weglegen, ohne zu wissen, wie es nach diesen drei dramatischen Tagen mit seinem Leben weitergehen würde. Um kurz nach 3 Uhr morgens habe ich das Buch schließlich beendet, nicht nur müde, sondern auch emotional erschöpft. Spannend ist die Geschichte, gar keine Frage. Aber es gibt einen deutlichen Bruch zwischen den besagten drei Tagen und dem Rest von Antoines Leben, und nach diesem Bruch ist das Buch in meinen Augen deutlich schwächer als davor. Für mich liegt das vor allen an Antoine. Als Kind war er ein starker, wenn auch tragischer Charakter, aber ich hatte im zweiten Teil den Eindruck, dass seine Tat ihn in gewisser Weise in seiner charakterlichen Entwicklung gehemmt hat. Als Erwachsener kam er mir schwach vor, selbstsüchtig, unentschlossen, und das machte es schwer für mich, weiter so viele Emotionen in seine Geschichte zu investieren wie zuvor. Auch das Ende hatte für mich einen mehr als bitteren Beigeschmack – nicht so sehr wegen dem, was geschieht, sondern wegen dem, was stattdessen hätte geschehen sollen. Der Schreibstil hat mir überwiegend gut gefallen, auch wenn mir die Gedanken des 12-jährigen Antoine manchmal zu erwachsen für sein Alter schienen. Pierre Lemaitre schreibt meist ruhig, gelegentlich nüchtern, manchmal poetisch, aber er bleibt immer ganz nahe dran an seinem Protagonisten, so dass man auch aus eher schlichten Worten die Emotionen herauslesen kann. Fazit: Ein kurzer Moment der Wut führt zur Tragödie, und der 12-jährige Täter schweigt. Und schweigt. Und in diesem Schweigen verfolgt der Leser, was weiter geschieht. Pierre Lemaitre erzählt weder reißerisch noch sensationsheischend, und dennoch entwickelt die Geschichte eine dramatische Sogwirkung. Der erste Teil des Buches ist dicht geschrieben, wirft viele ethische Fragen auf und durchleuchtet ganz nebenher die sozialen Strukturen eines kleinen Ortes. Aber vor allem wird dieser Teil getragen von seinem überzeugenden Protagonisten, dem 12-jährigen Antoine. Der zweite Teil ist für mich deutlich schwächer, denn der erwachsene Antoine ist in gewissem Sinne nur noch ein Schatten seiner selbst. Zusammenfassend würde ich sagen, dass ich es auf keinen Fall bereue, das Buch gelesen zu haben, dass aber der zweite Teil nicht ganz halten kann, was der erste verspricht.

    Sep 23, 2022

  • helensbooks
    helensbooks

    9 Followers

    4.0

    Der Protagonist tötet im Kindesalter ausversehen seinen Nachbarsjungen. Alle suchen nach dem verschwundenen Kind, er wird jedoch erst viele Jahre später gefunden. Der Protagonist lebt sein Leben lang in der Angst, dass jemand herausfinden könnte, dass er der Mörder ist. Die lebenslange Schuld frisst ihn regelrecht auf... Sehr starkes Buch, wahnsinnig tolles und bedeutsames Ende !!

    Jan 26, 2025

  • 4.5

    Gute Geschichte über eine Tat, bei der man mit dem Täter mitfühlt.

    📌 "Innerhalb weniger Minuten hat sein Leben die Richtung geändert. Er ist ein Mörder. Doch die beiden Bilder passen nicht zusammen, man kann nicht zwölf Jahre alt und ein Mörder sein..." (S. 29) 1999 Antoine, 12 Jahre alt, erschlägt den Nachbarsjungen Rémi, 6 Jahre alt, und versteckt dessen Leiche im Wald. Eine große Suchaktion muss aufgrund eines Jahrhundertunwetters abgeblasen werden und so ziehen die Jahre ins Land und Antoines Schuld bleibt ungesühnt. Innerlich ist der 12jährige emotional zerrissen, kann die ungeplante Tat nicht vergessen, geschweige denn verarbeiten, hegt Fluchtgedanken, versucht sich selbst das Leben zu nehmen. Diese innere Zerrissenheit Antoines wird aus meiner Sicht richtig gut beschrieben und der erste Teil der Geschichte punktet durch die atmosphärische Darstellung der Suchaktion, die Dorfcharaktere und die psychologische Tiefe ...  Nach einem Zeitsprung befinden wir uns im Jahr 2010, später 2015.  Antoine ist erwachsen geworden, hat Medizin studiert - etwas aus seinem Leben gemacht und seinen Heimatort eigentlich längst verlassen; nur seine Erinnerungen ist er nicht los geworden, wird von Panikattacken heimgesucht - die Wahrheit tief in sich verborgen.  Als seine Mutter Hilfe benötigt kehrt er zurück nach Beauval und wird immer wieder mit der alten Geschichte konfrontiert, denn in dem Örtchen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und ein jeder erinnert sich an den alten Vermisstenfall des kleinen Rémi.   Diesen Teil des Buches fand ich leider nicht mehr ganz so anschaulich erzählt, war aber sehr gespannt auf die Auflösung des Ganzen, als beim Bau eines Freizeitparks nach Jahren endlich Rémis Leiche gefunden wird und die Tätersuche neu aufgenommen wird. Als Gesamtpaket betrachtet eine hervorragende Geschichte.  Mochte ich.

    Gute Geschichte über eine Tat, bei der man mit dem Täter mitfühlt.

    Sep 27, 2023

3 of 8 reviews

Author

About Pierre Lemaitre

Pierre Lemaitre, 1951 in Paris geboren, ist Autor mehrerer preisgekrönter Romane und Kriminalromane. Sein 2014 erschienenes Buch, »Wir sehen uns dort oben«, wurde mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet. Nun liegt sein neuer, hochgelobter Roman »Spiegel unseres Schmerzes« in deutscher Übersetzung vor.

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