Die Freiheit einer Frau
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Description
Édouard Louis erzählt in »Die Freiheit einer Frau« schonungslos und liebevoll von seiner Mutter. Die Geschichte der Befreiung einer Frau.
»Meine Mutter hat ihr ganzes Leben mit Armut und männlicher Gewalt gekämpft.«
Eines Tages stand Édouard Louis’ Mutter einfach auf und ging. Weg aus der Gegend, weg von ihrem zweiten Mann, der wie der erste soff und sie demütigte. Édouard Louis erzählt eindringlich und gnadenlos vom Wunsch, als Kind eine andere Mutter zu haben, und vom großen Glück, sie heute als befreite und glückliche Frau zu erleben.
Book Information
Author Description
Édouard Louis wurde 1991 geboren. Sein autobiographischer Debütroman »Das Ende von Eddy«, in dem er von seiner Kindheit und Flucht aus prekärsten Verhältnissen in einem nordfranzösischen Dorf erzählt, sorgte 2015 für großes Aufsehen. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und machte Louis zum literarischen Shootingstar. Seine Bücher erscheinen in 30 Ländern und werden vielfach fürs Theater adaptiert und verfilmt. Über seine literarischen Positionen gab er u.a. Auskunft als Samuel Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin (2018), bei der Mosse Lecture an der Humboldt-Universität Berlin (2019) oder 2023 bei den Tübinger Poetikvorlesungen. Zuletzt erschienen »Wer hat meinen Vater umgebracht«, »Die Freiheit einer Frau« sowie »Monique bricht aus«, der Gesprächsband mit Ken Loach »Gespräch über Kunst und Politik« sowie »Anleitung ein anderer zu werden«. Édouard Louis lebt in Paris.
Posts
29/06/2024 ✊🏻😭⭐️💞
"die freiheit einer frau" hat mich wirklich tief bewegt. die geschichte ist toll und ergreifend, aber auch sehr traurig. sie zeigt die schwierigkeiten und kämpfe der protagonistin auf eine eindrucksvolle weise. das buch ist nicht nur gut geschrieben, sondern regt auch zum nachdenken an und bleibt lange im gedächtnis. echt lesenswert!
Eine kurze, rohe Geschichte einer gewaltvollen und traurigen Existenz
Édouard Louis erzählt in diesem schmalen, aber wuchtigen Buch das Leben seiner Mutter, einer Frau, die in Armut, Gewalt und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit gefangen war und sich irgendwann trotzdem befreit. Es ist kein Roman im klassischen Sinne, sondern eine autobiografisch geprägte Annäherung an eine Frau, die der Autor selbst lange nicht wirklich gesehen hat. Was dieses Buch auszeichnet, ist seine schonungslose Ehrlichkeit. Louis beschönigt nichts. Nicht die Härte des Milieus, nicht die schwierige Mutter-Sohn-Beziehung, nicht die eigene Mitschuld durch Wegsehen. Der Schreibstil ist dabei bewusst karg und reduziert, und das passt: Er spiegelt das Leben wider, das beschrieben wird. Kein Raum für Ausschmückung, weil es diesen Raum im echten Leben auch nicht gab. Gleichzeitig ist das genau der Punkt, an dem das Buch für manche an Grenzen stößt. Wer beim Lesen auch Tiefe in Details sucht, wer Figuren von allen Seiten beleuchtet sehen möchte, wird hier nicht vollständig satt. Es geht hier nur um die rohe Wahrheit eines Lebens, nicht um seine Nuancen. Das ist eine bewusste künstlerische Entscheidung, die man respektieren kann, die aber nicht für jeden Lesegeschmack gemacht ist.

🥺 Ach Eddy, wie kannst du nur
"Ich war so daran gewöhnt, sie zu Hause unglücklich zu sehen, dass Glück auf ihrem Gesicht auf mich wie ein Skandal wirkte, ein Schwindel, eine Lüge, die es schnellstmöglich zu entlarven galt" Das Buch hat keine 100 Seiten, aber hat mich tief bewegt. Ich bin niedergeschlagen, möchte in den Arm genommen werden und möchte in den Arm nehmen. Frausein ist einfach das beschissenste und schönste zu gleich.
Bei “Die Freiheit einer Frau” handelt es sich um ein zutiefst persönliches Buch, in dem Édouard Louis über seine Mutter schreibt. Über ihr Leben in völliger Abhängigkeit vom alkoholkranken und gewalttätigen Vater, als unsichtbares „Wesen, das um das Recht kämpfte, eine Frau zu sein“. Dabei handelt es sich nicht um eine empowernde Heldinnengeschichte, denn obwohl der Erzähler rückblickend versöhnlich und auch mitleidig auf seine Mutter blickt, war er zum Zeitpunkt des Aufwachsens im Elternhauses vor allem mit der Abgrenzung von seiner in Armut lebenden Familie beschäftigt. Deutlich zeigt sich der internalisierte Klassismus des Autors in Form von Scham. Schonungslos ehrlich und reflektiert schildert Louis seine damaligen Gedanken sowie die Gewalt, die er selbst auf seine Mutter ausgeübt hat: „Ich wurde zum Klassenflüchtling aus Rache, und diese Gewalt gesellte sich zu all den Gewalterfahrungen, die du bereits hattest machen müssen.“ Louis ist dabei selbstverständlich nicht nur Täter, sondern auch selbst Betroffener von klassistischer und homofeindlichen Gewalt. Der Roman ist gespickt mit unerfüllten Träumen, zerplatzten Hoffnungen und dann auch immer wieder Mut und Zuversicht. Somit ist es dann doch eine Emanzipationsgeschichte, dazu geschrieben in einer faszinierend poetischen Sprache, die vor Schönheit nur so strotzt (großes Lob an der Stelle an den Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel). Etwas irritiert hat mich der fragmentarische Aufbau mit Perspektivwechseln, sodass mir nicht immer sofort klar war, wessen Gedanken grade geschildert werden. Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel CN: Alkohol, Unfall, Tod, Homophobie/-feindlichkeit, Fettfeindlichkeit, häusliche Gewalt, Abtreibung
Mein bereits dritter Louis und auch diesmal konnte er mich überzeugen. In „Die Freiheit einer Frau“ schreibt Louis über seine Mutter, die Beziehung zu ihr und wie sie es geschafft hat zu einem glücklichen Leben zu finden. Er blickt zurück in seine Kindheit und Jugend, was zum Teil erschütternd ist. „𝘋𝘪𝘦 𝘴𝘰𝘻𝘪𝘢𝘭𝘦 𝘋𝘪𝘴𝘵𝘢𝘯𝘻 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳𝘦 𝘉𝘦𝘻𝘪𝘦𝘩𝘶𝘯𝘨 𝘬𝘰𝘮𝘱𝘭𝘦𝘵𝘵 𝘬𝘰𝘯𝘵𝘢𝘮𝘪𝘯𝘪𝘦𝘳𝘵, 𝘥𝘶 𝘴𝘢𝘩𝘴𝘵 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘯𝘶𝘳 𝘯𝘰𝘤𝘩 𝘢𝘭𝘴 𝘥𝘢𝘴 𝘞𝘦𝘳𝘬𝘻𝘦𝘶𝘨 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘢𝘨𝘨𝘳𝘦𝘴𝘴𝘪𝘷𝘦𝘯 𝘒𝘭𝘢𝘴𝘴𝘦, 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘩𝘢̈𝘵𝘵𝘦 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘣𝘦𝘪𝘯𝘢𝘩𝘦 𝘶𝘮𝘨𝘦𝘣𝘳𝘢𝘤𝘩𝘵.“ (𝘚.60) Trotz solcher Sätze schreibt er die meiste Zeit sehr wohlwollend und voller Liebe. Er versucht zu verstehen, wieso ihr Leben so verlaufen ist und ergründet dabei nicht nur ihren Anteil, sondern schaut auch auf das Außen. Die Gesellschaft, der Umgang, die sozialen Gefüge in denen sie aufgewachsen ist und verkehrt hat. „𝘚𝘪𝘦 𝘭𝘦𝘶𝘨𝘯𝘦𝘵𝘦 𝘥𝘪𝘦 𝘙𝘦𝘢𝘭𝘪𝘵𝘢̈𝘵𝘦𝘯 𝘣𝘦𝘩𝘢𝘳𝘳𝘭𝘪𝘤𝘩, 𝘥𝘢𝘣𝘦𝘪 𝘬𝘰𝘯𝘯𝘵𝘦 𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘶𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘷𝘦𝘳𝘧𝘰𝘭𝘨𝘦𝘯, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘴𝘪𝘦 𝘪𝘮 𝘚𝘤𝘩𝘪𝘤𝘬𝘴𝘢𝘭 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘳 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳 𝘥𝘪𝘦 𝘪𝘯𝘧𝘦𝘳𝘯𝘢𝘭𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘞𝘪𝘦𝘥𝘦𝘳𝘩𝘰𝘭𝘶𝘯𝘨 𝘥𝘦𝘳 𝘔𝘦𝘤𝘩𝘢𝘯𝘪𝘴𝘮𝘦𝘯 𝘦𝘳𝘬𝘢𝘯𝘯𝘵𝘦, 𝘥𝘪𝘦 𝘪𝘩𝘳 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘦𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘬𝘢𝘱𝘶𝘵𝘵𝘨𝘦𝘮𝘢𝘤𝘩𝘵 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦𝘯, 𝘦𝘴 𝘸𝘢𝘳 𝘸𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘴 𝘝𝘦𝘳𝘩𝘢̈𝘯𝘨𝘯𝘪𝘴 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘴 𝘶𝘯𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘻𝘶 𝘥𝘶𝘳𝘤𝘩𝘣𝘳𝘦𝘤𝘩𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘍𝘭𝘶𝘤𝘩𝘦𝘴.“ (𝘚. 58) Die Klassengesellschaft ist in allen Büchern des Autors ein großes Thema und so wird auch hier wieder aufgezeigt, dass ein Aufstieg zwar nicht unmöglich, sicherlich aber sehr schwer ist. Ebenso die Weitergabe transgenerationaler Traumata spielt eine Rolle in dem Text und es ist nahezu tragisch, dass sie den Absprung erst nach dem Aufziehen der Kinder geschafft hat. Nichtsdestotrotz hat sie meinen Respekt dafür, dass sie den Schritt gewagt und sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hat, sowie ihrem toxischen Umfeld entflohen ist. Von mir gibt es auf alle Fälle eine große Empfehlung für das Buch und den Autor überhaupt.
Die Freiheit einer Frau von Édouard Louis . Gelesen 4|5 ⭐️ . CT: Gewalt, Alkohol, Misogynie, Queerfeindlichkeit, Klassismus, Armut . Leider reicht es meiner Meinung nach nicht ganz an die vorangegangenen Bücher heran. Viel Redundanz und schonmal gelesenes, trotzdem aber auch wieder viele grandiose autobiographische und gesellschaftliche Beobachtungen. . "Der Anblick dieses Fotos hat mich daran erinnert, dass die Zerstörung dieser zwanzig Lebensjahre nichts Natürliches war, sondern auf das Einwirken von Kräften außerhalb meiner Mutter zurückging - Gesellschaft, Männerwelt, mein Vater -, und dass folglich alles auch hätte anders gewesen sein können." . "Sie war gedemütigt, aber sie hatte keine andere Wahl, oder sie dachte, sie hätte keine, die Grenze dazwischen ist schwer zu bestimmen." . "So wie ich meine Mutter heute kenne, widersprechen Dutzende Tatsachen der einfachen Geschichte einer glücklichen Metamorphose." . Lohnt sich auf jeden Fall und die knapp 100 Seiten sind schnell gelesen. . @elouis7580 @s.fischer . . . . . . #familie #gewalt #alkoholismus #identität #misogyny #queerfeindlichkeit #patriarchat #klassismus #geschlechterrollen #gesellschaftskritik #armut #sozialeungerechtigkeit #sozialerstatus #soziologie #frankreich #21jhd #édouardlouis #diefreiheiteinerfrau #fischerverlag #bookstagram #readmore #whatiread #wasichgernelese #anasfavorites
Ein sehr berührender, eindringlicher Text mit einer großen - auch selbstkritischen - Ehrlichkeit des Autors, der hier zum einen den Jahre andauernden Kampf seiner Mutter, sich aus ihrem Leben zu befreien, beschreibt, zum Anderen aber auch den eigenen Anteil nicht verschweigt, den er selbst beigetragen hat zum unglücklichen Los der Mutter. Liebevoll, kraftvoll, humorvoll und differenziert beschreibt Edouard Louis den Weg seiner Mutter - und gleichzeitig den Weg einer Frau, die im Grunde auch jede andere Person hätte sein können - in die Freiheit. Es ist gleichzeitig ein Manifest, Zeitdokument, gesellschaftliche Analyse und ein poetisch-kraftvoller Kurzroman. Ich muss gestehen: nach dem vierten Buch von ihm würde ich mir wünschen, dass Louis vielleicht mal ein anderes, neues Thema findet und nicht immer über das Gleiche schreibt. Auch hier baut er wieder - relativ weinerlich - sein "Schicksal", homosexuell zu sein, ein. Auf die Dauer, muss ich sagen, nervt die Monotonie seiner literarischen Themen. Das Portrait über seine Mutter, eine Frau, die sich in die Freiheit kämpft, ist aber trotzdem literarisch wie inhaltlich absolut gelungen - und in jeder Hinsicht inspirierend und Hoffnung-gebend. Ein kraftvoller, wichtiger Text! 4/5 Sterne von mir :)
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Édouard Louis erzählt in »Die Freiheit einer Frau« schonungslos und liebevoll von seiner Mutter. Die Geschichte der Befreiung einer Frau.
»Meine Mutter hat ihr ganzes Leben mit Armut und männlicher Gewalt gekämpft.«
Eines Tages stand Édouard Louis’ Mutter einfach auf und ging. Weg aus der Gegend, weg von ihrem zweiten Mann, der wie der erste soff und sie demütigte. Édouard Louis erzählt eindringlich und gnadenlos vom Wunsch, als Kind eine andere Mutter zu haben, und vom großen Glück, sie heute als befreite und glückliche Frau zu erleben.
Book Information
Author Description
Édouard Louis wurde 1991 geboren. Sein autobiographischer Debütroman »Das Ende von Eddy«, in dem er von seiner Kindheit und Flucht aus prekärsten Verhältnissen in einem nordfranzösischen Dorf erzählt, sorgte 2015 für großes Aufsehen. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und machte Louis zum literarischen Shootingstar. Seine Bücher erscheinen in 30 Ländern und werden vielfach fürs Theater adaptiert und verfilmt. Über seine literarischen Positionen gab er u.a. Auskunft als Samuel Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin (2018), bei der Mosse Lecture an der Humboldt-Universität Berlin (2019) oder 2023 bei den Tübinger Poetikvorlesungen. Zuletzt erschienen »Wer hat meinen Vater umgebracht«, »Die Freiheit einer Frau« sowie »Monique bricht aus«, der Gesprächsband mit Ken Loach »Gespräch über Kunst und Politik« sowie »Anleitung ein anderer zu werden«. Édouard Louis lebt in Paris.
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29/06/2024 ✊🏻😭⭐️💞
"die freiheit einer frau" hat mich wirklich tief bewegt. die geschichte ist toll und ergreifend, aber auch sehr traurig. sie zeigt die schwierigkeiten und kämpfe der protagonistin auf eine eindrucksvolle weise. das buch ist nicht nur gut geschrieben, sondern regt auch zum nachdenken an und bleibt lange im gedächtnis. echt lesenswert!
Eine kurze, rohe Geschichte einer gewaltvollen und traurigen Existenz
Édouard Louis erzählt in diesem schmalen, aber wuchtigen Buch das Leben seiner Mutter, einer Frau, die in Armut, Gewalt und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit gefangen war und sich irgendwann trotzdem befreit. Es ist kein Roman im klassischen Sinne, sondern eine autobiografisch geprägte Annäherung an eine Frau, die der Autor selbst lange nicht wirklich gesehen hat. Was dieses Buch auszeichnet, ist seine schonungslose Ehrlichkeit. Louis beschönigt nichts. Nicht die Härte des Milieus, nicht die schwierige Mutter-Sohn-Beziehung, nicht die eigene Mitschuld durch Wegsehen. Der Schreibstil ist dabei bewusst karg und reduziert, und das passt: Er spiegelt das Leben wider, das beschrieben wird. Kein Raum für Ausschmückung, weil es diesen Raum im echten Leben auch nicht gab. Gleichzeitig ist das genau der Punkt, an dem das Buch für manche an Grenzen stößt. Wer beim Lesen auch Tiefe in Details sucht, wer Figuren von allen Seiten beleuchtet sehen möchte, wird hier nicht vollständig satt. Es geht hier nur um die rohe Wahrheit eines Lebens, nicht um seine Nuancen. Das ist eine bewusste künstlerische Entscheidung, die man respektieren kann, die aber nicht für jeden Lesegeschmack gemacht ist.

🥺 Ach Eddy, wie kannst du nur
"Ich war so daran gewöhnt, sie zu Hause unglücklich zu sehen, dass Glück auf ihrem Gesicht auf mich wie ein Skandal wirkte, ein Schwindel, eine Lüge, die es schnellstmöglich zu entlarven galt" Das Buch hat keine 100 Seiten, aber hat mich tief bewegt. Ich bin niedergeschlagen, möchte in den Arm genommen werden und möchte in den Arm nehmen. Frausein ist einfach das beschissenste und schönste zu gleich.
Bei “Die Freiheit einer Frau” handelt es sich um ein zutiefst persönliches Buch, in dem Édouard Louis über seine Mutter schreibt. Über ihr Leben in völliger Abhängigkeit vom alkoholkranken und gewalttätigen Vater, als unsichtbares „Wesen, das um das Recht kämpfte, eine Frau zu sein“. Dabei handelt es sich nicht um eine empowernde Heldinnengeschichte, denn obwohl der Erzähler rückblickend versöhnlich und auch mitleidig auf seine Mutter blickt, war er zum Zeitpunkt des Aufwachsens im Elternhauses vor allem mit der Abgrenzung von seiner in Armut lebenden Familie beschäftigt. Deutlich zeigt sich der internalisierte Klassismus des Autors in Form von Scham. Schonungslos ehrlich und reflektiert schildert Louis seine damaligen Gedanken sowie die Gewalt, die er selbst auf seine Mutter ausgeübt hat: „Ich wurde zum Klassenflüchtling aus Rache, und diese Gewalt gesellte sich zu all den Gewalterfahrungen, die du bereits hattest machen müssen.“ Louis ist dabei selbstverständlich nicht nur Täter, sondern auch selbst Betroffener von klassistischer und homofeindlichen Gewalt. Der Roman ist gespickt mit unerfüllten Träumen, zerplatzten Hoffnungen und dann auch immer wieder Mut und Zuversicht. Somit ist es dann doch eine Emanzipationsgeschichte, dazu geschrieben in einer faszinierend poetischen Sprache, die vor Schönheit nur so strotzt (großes Lob an der Stelle an den Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel). Etwas irritiert hat mich der fragmentarische Aufbau mit Perspektivwechseln, sodass mir nicht immer sofort klar war, wessen Gedanken grade geschildert werden. Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel CN: Alkohol, Unfall, Tod, Homophobie/-feindlichkeit, Fettfeindlichkeit, häusliche Gewalt, Abtreibung
Mein bereits dritter Louis und auch diesmal konnte er mich überzeugen. In „Die Freiheit einer Frau“ schreibt Louis über seine Mutter, die Beziehung zu ihr und wie sie es geschafft hat zu einem glücklichen Leben zu finden. Er blickt zurück in seine Kindheit und Jugend, was zum Teil erschütternd ist. „𝘋𝘪𝘦 𝘴𝘰𝘻𝘪𝘢𝘭𝘦 𝘋𝘪𝘴𝘵𝘢𝘯𝘻 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳𝘦 𝘉𝘦𝘻𝘪𝘦𝘩𝘶𝘯𝘨 𝘬𝘰𝘮𝘱𝘭𝘦𝘵𝘵 𝘬𝘰𝘯𝘵𝘢𝘮𝘪𝘯𝘪𝘦𝘳𝘵, 𝘥𝘶 𝘴𝘢𝘩𝘴𝘵 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘯𝘶𝘳 𝘯𝘰𝘤𝘩 𝘢𝘭𝘴 𝘥𝘢𝘴 𝘞𝘦𝘳𝘬𝘻𝘦𝘶𝘨 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘢𝘨𝘨𝘳𝘦𝘴𝘴𝘪𝘷𝘦𝘯 𝘒𝘭𝘢𝘴𝘴𝘦, 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘩𝘢̈𝘵𝘵𝘦 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘣𝘦𝘪𝘯𝘢𝘩𝘦 𝘶𝘮𝘨𝘦𝘣𝘳𝘢𝘤𝘩𝘵.“ (𝘚.60) Trotz solcher Sätze schreibt er die meiste Zeit sehr wohlwollend und voller Liebe. Er versucht zu verstehen, wieso ihr Leben so verlaufen ist und ergründet dabei nicht nur ihren Anteil, sondern schaut auch auf das Außen. Die Gesellschaft, der Umgang, die sozialen Gefüge in denen sie aufgewachsen ist und verkehrt hat. „𝘚𝘪𝘦 𝘭𝘦𝘶𝘨𝘯𝘦𝘵𝘦 𝘥𝘪𝘦 𝘙𝘦𝘢𝘭𝘪𝘵𝘢̈𝘵𝘦𝘯 𝘣𝘦𝘩𝘢𝘳𝘳𝘭𝘪𝘤𝘩, 𝘥𝘢𝘣𝘦𝘪 𝘬𝘰𝘯𝘯𝘵𝘦 𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘶𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘷𝘦𝘳𝘧𝘰𝘭𝘨𝘦𝘯, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘴𝘪𝘦 𝘪𝘮 𝘚𝘤𝘩𝘪𝘤𝘬𝘴𝘢𝘭 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘳 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳 𝘥𝘪𝘦 𝘪𝘯𝘧𝘦𝘳𝘯𝘢𝘭𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘞𝘪𝘦𝘥𝘦𝘳𝘩𝘰𝘭𝘶𝘯𝘨 𝘥𝘦𝘳 𝘔𝘦𝘤𝘩𝘢𝘯𝘪𝘴𝘮𝘦𝘯 𝘦𝘳𝘬𝘢𝘯𝘯𝘵𝘦, 𝘥𝘪𝘦 𝘪𝘩𝘳 𝘦𝘪𝘨𝘦𝘯𝘦𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘬𝘢𝘱𝘶𝘵𝘵𝘨𝘦𝘮𝘢𝘤𝘩𝘵 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦𝘯, 𝘦𝘴 𝘸𝘢𝘳 𝘸𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘴 𝘝𝘦𝘳𝘩𝘢̈𝘯𝘨𝘯𝘪𝘴 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘴 𝘶𝘯𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘻𝘶 𝘥𝘶𝘳𝘤𝘩𝘣𝘳𝘦𝘤𝘩𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘍𝘭𝘶𝘤𝘩𝘦𝘴.“ (𝘚. 58) Die Klassengesellschaft ist in allen Büchern des Autors ein großes Thema und so wird auch hier wieder aufgezeigt, dass ein Aufstieg zwar nicht unmöglich, sicherlich aber sehr schwer ist. Ebenso die Weitergabe transgenerationaler Traumata spielt eine Rolle in dem Text und es ist nahezu tragisch, dass sie den Absprung erst nach dem Aufziehen der Kinder geschafft hat. Nichtsdestotrotz hat sie meinen Respekt dafür, dass sie den Schritt gewagt und sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hat, sowie ihrem toxischen Umfeld entflohen ist. Von mir gibt es auf alle Fälle eine große Empfehlung für das Buch und den Autor überhaupt.
Die Freiheit einer Frau von Édouard Louis . Gelesen 4|5 ⭐️ . CT: Gewalt, Alkohol, Misogynie, Queerfeindlichkeit, Klassismus, Armut . Leider reicht es meiner Meinung nach nicht ganz an die vorangegangenen Bücher heran. Viel Redundanz und schonmal gelesenes, trotzdem aber auch wieder viele grandiose autobiographische und gesellschaftliche Beobachtungen. . "Der Anblick dieses Fotos hat mich daran erinnert, dass die Zerstörung dieser zwanzig Lebensjahre nichts Natürliches war, sondern auf das Einwirken von Kräften außerhalb meiner Mutter zurückging - Gesellschaft, Männerwelt, mein Vater -, und dass folglich alles auch hätte anders gewesen sein können." . "Sie war gedemütigt, aber sie hatte keine andere Wahl, oder sie dachte, sie hätte keine, die Grenze dazwischen ist schwer zu bestimmen." . "So wie ich meine Mutter heute kenne, widersprechen Dutzende Tatsachen der einfachen Geschichte einer glücklichen Metamorphose." . Lohnt sich auf jeden Fall und die knapp 100 Seiten sind schnell gelesen. . @elouis7580 @s.fischer . . . . . . #familie #gewalt #alkoholismus #identität #misogyny #queerfeindlichkeit #patriarchat #klassismus #geschlechterrollen #gesellschaftskritik #armut #sozialeungerechtigkeit #sozialerstatus #soziologie #frankreich #21jhd #édouardlouis #diefreiheiteinerfrau #fischerverlag #bookstagram #readmore #whatiread #wasichgernelese #anasfavorites
Ein sehr berührender, eindringlicher Text mit einer großen - auch selbstkritischen - Ehrlichkeit des Autors, der hier zum einen den Jahre andauernden Kampf seiner Mutter, sich aus ihrem Leben zu befreien, beschreibt, zum Anderen aber auch den eigenen Anteil nicht verschweigt, den er selbst beigetragen hat zum unglücklichen Los der Mutter. Liebevoll, kraftvoll, humorvoll und differenziert beschreibt Edouard Louis den Weg seiner Mutter - und gleichzeitig den Weg einer Frau, die im Grunde auch jede andere Person hätte sein können - in die Freiheit. Es ist gleichzeitig ein Manifest, Zeitdokument, gesellschaftliche Analyse und ein poetisch-kraftvoller Kurzroman. Ich muss gestehen: nach dem vierten Buch von ihm würde ich mir wünschen, dass Louis vielleicht mal ein anderes, neues Thema findet und nicht immer über das Gleiche schreibt. Auch hier baut er wieder - relativ weinerlich - sein "Schicksal", homosexuell zu sein, ein. Auf die Dauer, muss ich sagen, nervt die Monotonie seiner literarischen Themen. Das Portrait über seine Mutter, eine Frau, die sich in die Freiheit kämpft, ist aber trotzdem literarisch wie inhaltlich absolut gelungen - und in jeder Hinsicht inspirierend und Hoffnung-gebend. Ein kraftvoller, wichtiger Text! 4/5 Sterne von mir :)

















