Kindheit
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Description
„Von atemberaubender Intensität und Schönheit. Aus dem Staub ihres Lebens leuchtet dieses Werk.“ Elke Heidenreich, Spiegel Online
„Großartig, von hypnotischer Qualität.“ The New York Times
In „Kindheit“ erzählt Tove Ditlevsen vom Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre in einfachen Verhältnissen. Tove passt dort nicht hinein, ihre Kindheit scheint wie für ein anderes Mädchen gemacht. Die Mutter ist unnahbar, der Vater verliert seine Arbeit als Heizer. Sonntags muss Tove für die Familie Gebäck holen gehen, so viel, wie in ihre Tasche hineinpasst, und das ist alles, was es zu essen gibt. Zusammen mit ihrer Freundin, der wilden, rothaarigen Ruth, entdeckt Tove die Stadt. Sie zeigt ihr, wo die Prostituierten stehen, und geht mit ihr stehlen. Aber eigentlich interessiert sich Tove für die Welt der Bücher und hat den brennenden Wunsch, Schriftstellerin zu werden – und dafür ist sie bereit, das Leben, wie es für sie vorgezeichnet scheint, hinter sich zu lassen.
„Das Porträt einer Frau, die ihr Leben entschieden zu ihrem eigenen macht. Ein Leben, so frei und ungestüm, ich bin versunken in Tove Ditlevsens Büchern.“ Nina Hoss
„Tove Ditlevsens Kopenhagen-Trilogie, so viel steht jetzt schon fest, ist eines der großen literarischen Ereignisse des Jahres." Süddeutsche Zeitung
„Ein Meisterwerk." The Guardian
„Es ist kein Zufall, dass Tove Ditlevsen gerade nicht nur in Deutschland, sondern auch in der englischsprachigen Welt wieder entdeckt wird. Man hat ihre sezierende Prosa mit der Annie Ernauxs verglichen, auch sie in Deutschland sehr verspätet entdeckt. Der Vergleich ist berechtigt, so singulär beide Autorinnen zugleich auch sind. Was sie verbindet, ist ihre Fähigkeit, einer widrigen Wirklichkeit standzuhalten. Im Leben, und wenn nicht im Leben, dann in der Literatur." taz
„Eine monumentale Autorin." Patti Smith
Book Information
Author Description
Tove Ditlevsen (1917–1976), geboren in Kopenhagen, galt lange Zeit als Schriftstellerin, die nicht in die literarischen Kreise ihrer Zeit passte. Sie stammte aus der Arbeiterklasse und schrieb offen über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Heute gilt sie als eine der großen literarischen Stimmen Dänemarks und Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux und Rachel Cusk. Die »Kopenhagen-Trilogie« mit den drei Bänden »Kindheit«, »Jugend« und »Abhängigkeit« ist ihr zentrales Werk, in dem sie das Porträt einer Frau schuf, die entschieden darauf besteht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die Kopenhagen-Trilogie erscheint in über dreißig Sprachen und wird international als große literarische Wiederentdeckung gefeiert.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Kindheit der 1. Teil der Kopenhagen-Triologie
Aus der Sicht der kindlichen Tove wird das Leben in ihrer Familie in Kopenhagen der 1920er und 1930er Jahre gezeichnet. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf das Innenleben der Familie, die Beziehungen untereinander. Diese sind von Konflikten gekennzeichnet, bspw. zwischen den Eltern, aber auch von einer Lieblosigkeit der Eltern gegenüber den Kindern. Wahrscheinlich in dieser Zeit nich untypisch. Kindheit scheint in ihrer Vorstellung kein erstrebenswert Zustand zu sein. Zitat: Verstohlen beobachten wir die Erwachsenen, deren Kindheit zerlumpt und durchlöchert in ihnen liegt wie ein abgewetzter, mottenzerfressener Teppich, an den niemand denkt und den niemand mehr braucht. Zwischen den Zeilen spürt man auch die Spannungen zwischen den Eltern in Bezug auf die politische Situation Dänemarks. Der Vater hält es mit den Sozialdemokraten., was auf Unverständnis bei der Mutter stößt. Tove selbst schreibt schon in ihrer Kindheit Gedichte und träumt davon, diese irgendwann zu veröffentlichen. Bezüglich dieses Traums nimmt sie keiner Ernst. Im Gegenteil, von ihrem Bruder erfährt sie Gelächter und Hohn. Ihr Vater lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen, dass sie als Frau niemals erfolgreich Gedichte wird schreiben können. Tove Ditlevsen hat diesen Roman in den 1960er Jahren verfasst. Ebenso wie die beiden folgenden Bände Jugend und Abhängigkeit. Diese liegen schon auf der Wunschliste.

25 Frauen 2025 - Buch 9: Tove Ditlevsen, die 1917 in Kopenhagen geboren wurde und sich 1976 dort das Leben nahm, beschreibt ihre eigene Kindheit. Dabei bekommt man nicht nur interessante Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, sondern auch in die gesellschaftlichen und sozialen Umstände damals in Dänemark. Ditlevsen wächst in einem Arbeiterhaushalt auf, in dem es wichtiger ist, den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, als liebevoll miteinander umzugehen. Früh beginnt Ditlevsen zu schreiben. Dafür verwendet sie ein Poesiealbum, das sie vor ihrer Familie versteckt, denn laut Vater ist es unmöglich, dass Frauen dichten. Mir hat dieser autobiographische Text gefallen und ich habe Lust, auch die anderen zwei Teile der "Kopenhagen-Trilogie" zu lesen.
"Dunkel ist die Kindheit, und sie winselt wie ein kleines Tier, das man in einen Keller eingesperrt und vergessen hat. Sie bildet eine Wolke vor dem Gesicht wie kalter Atem, und mal ist sie zu klein, mal zu groß. Ganz genau passt sie nie. Erst wenn man sie eines Tages abgestreift hat wie eine Haut, kann man sie in Ruhe betrachten und von ihr sprechen wie von einer überstandenen Krankheit. Die meisten Erwachsenen behaupten, sie hätten eine glückliche Kindheit gehabt, und vielleicht glauben sie das wirklich, aber ich tue es nicht. Ich glaube, es ist ihnen lediglich gelungen, sie zu vergessen."
Bereits seit Jahren wollte ich endlich diesen ersten Band lesen, kam jetzt endlich dazu. Ein schmales Büchlein mit nur knapp über 100 Seiten, dennoch mit einer dichten, greifbaren und echten Intensität und Stärke. Das Nachwort der Übersetzerin hat mich dann eiskalt getroffen und bewegt.
"Die Zeit verging, und die Kindheit wurde dünn und platt wie Papier. Sie war müde und fadenscheinig, und an schlechten Tagen sah es nicht so aus, als würde sie halten, bis ich erwachsen war." Im ersten Band der Kopenhagen Trilogie erzählt Tove Ditlevsen aus ihrer Kindheit in den 1920er Jahren, die von Unverständnis, Armut, Kämpfen mit der Mutter und mit sich selbst geprägt war. Der Beginn eines Weges einer Frau, die ihren eigenen Weg gehen will.
Ein Buch zu dem ich wiederkehren werden...
Wie bewertet man ein Leben? Immer schwieriger, wenn man autofiktionale Werke in der Hand hält. Ich bin der Überzeugung das sich fast jeder in dem Buch wieder finden wird und es, obwohl es doch ein sehr bedrückendes Buch ist, ein Ort des Trostes sein kann. Ich sehe mich bei Zeiten zu dem Buch zurückkehren... Toves Leben bietet viel Raum zum mitfühlen, zum teilen von Schmerz und Sehnsucht. Besonders intensiv ist dieses Gefühl dadurch, dass Tove sich doch immer alleine fühlt mit ihren Gefühlen und Sehnsüchte aber wir auf der anderen Seite des Buches, ebenso alleine, mit fühlen. Ich denke jeder der das Buch liest, wird ganz individuell Erfahrungen machen, wo genau man mit Tove mitfühlt aber am Ende wird man sich selbst zwischen ihren Zeilen finden.
„Kindheit“ von Tove Ditlevsen war für mich eine großartige, eindringliche Lektüre: ein schlicht erzähltes, aber emotional gewaltiges Buch, das die Welt eines armen Kopenhagener Mädchens so klar und poetisch zeigt, dass mir viele Szenen lange im Gedächtnis bleiben. Teil 1 der Kopenhagen Trilogie. .
In „Kindheit“ blickt Ditlevsen auf ihre ersten Lebensjahre im Arbeiterviertel Vesterbro zurück: enge Wohnungen, Geldsorgen, Misstrauen der Erwachsenen – und mitten darin ein Mädchen, das früh merkt, dass es „anders“ ist, weil es Wörter und Reime mehr liebt als alles andere. Sie beschreibt, wie sie zwischen der Härte der Mutter, der Schweigsamkeit des Vaters, Streitereien, Scham und dem ständigen Gefühl, nicht richtig zu genügen, langsam ihre eigene innere Welt aus Sprache und Fantasie aufbaut. Mich hat beeindruckt, wie sie ohne jede Sentimentalität von Demütigungen, Ängsten und Einsamkeit erzählt und diese Erlebnisse doch in etwas Leuchtendes verwandelt. Großartig finde ich vor allem den Ton: Die Sätze sind schlicht und klar, aber in dieser Einfachheit liegt eine fast schmerzhafte Genauigkeit. Ditlevsen verurteilt ihre Eltern nicht, macht aber spürbar, wie verletzend Blicke, Bemerkungen und Erwartungen sein können, wenn man als Kind dauernd „falsch“ zu sein scheint. Gleichzeitig zeigt sie sehr zart die Glücksmomente: erste Leseerfahrungen, kleine Allianzen mit anderen Kindern, das heimliche Schreiben von Gedichten. Dass man weiß, dass aus diesem unsicheren Mädchen später eine berühmte Autorin wird, legt sich wie eine zweite Bedeutungsschicht unter den Text, ohne dass Ditlevsen das je ausstellt. Was „Kindheit“ für mich so stark macht, ist die Mischung aus schonungslosem Blick und leiser Empathie – für das Kind, aber auch für die Erwachsenen, die selbst Gefangene ihrer Verhältnisse sind. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts künstlich dramatisiert; gerade dadurch entsteht eine große emotionale Wucht. Als Leser spürt man, wie eng der Weg zwischen Zerbrechen und Schreiben ist, und wie sehr Literatur für Ditlevsen ein Überlebensmittel wird. Für mich ist „Kindheit“ damit ein außergewöhnlich gelungenes erstes Kapitel einer Lebensgeschichte: knapp, präzise, tief berührend – und absolut zu Recht in meinen persönlichen Kanon „großartiger“ Bücher eingegangen.

Erschütternde, poetische Beschreibung einer schweren Kindheit
Das Buch erzählt eine dunkle Kindheit mit einer kalten Mutter, einem schwachen Vater und einer Welt, die keinen Wert auf Mädchen, Frauen oder Träume legt. In aller Grausamkeit, ist die Poesie der Sprache wundervoll zu lesen. Keine einfache Geschichte. "Die Kindheit ist lang und schmal wie ein Sarg, aus dem man sich nicht allein befreien kann. "
Mit diesem Buch hat sie mich zum Fan gewonnen!
Mit den ersten Sätzen hat sie mich gepackt und in einen Büchermarathon gezogen! Die Ich-Perspektive lese ich so gern und ihre nüchterne, unschuldige Art alles aus dieser kindlichen Perspektive zu erzählen hat mir so sehr gefallen. Zu erfahren, wie es als Kind in der damaligen Zeit in Dänemark war fand ich total spannend und ich mag die Hauptfigur sehr!
Heutzutage kann man sich gar nicht vorstellen, wie eingeschränkt die damaligen Möglichkeiten der Mädchen und Frauen waren, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Der erste Teil „Kindheit“ hat mir gut gefallen. Sehr emotional und trotzdem mit Humor erzählt Tove Ditlevsen, wie sie in Dänemark bis zur Konfirmation in den 20er Jahren aufwächst und davon träumt, Schriftstellerin zu werden.
"Der Kindheit kann man nicht entkommen, sie hängt an einem wie ein Geruch. Man bemerkt sie auch an anderen, und jede Kindheit riecht anders. ... Ich denke immer, meine Mutter wird mich mögen, wenn ich erst einmal erwachsen bin, so, wie sie Edvin mag. Denn meine Kindheit irritiert sie genauso sehr wie mich selbst, und wir sind nur zusammen glücklich, wenn sie deren Existenz manchmal vergisst." (Kindheit, Seiten 31,32) "Kindheit" ist der Auftakt von Tove Ditlevsen zur "Kopenhagen Trilogie", in welcher sich die Autorin selbst porträtiert. 1967 zum ersten Mal erschienen, haben die Bücher Generationen von Frauen, Müttern und Töchtern geprägt, wie man es im Nachwort der Übersetzerin nachlesen kann. Der vorliegenden Übersetzung aus dem Jahr 2021 von Ursel Allenstein ist es auch zu verdanken, dass die vollständige Trilogie auch der deutschen Leserschaft zur Verfügung steht. "Kindheit" und "Jugend" wurden erstmalig übersetzt, "Abhängigkeit" liegt in einer Neuübersetzung vor. "Schreiben heißt, sich selbst auszuliefern." Diese Worte beschreiben auch sehr gut, was Tove Ditlevsen in diesem Buch umsetzt. Als "Kindheit" veröffentlicht wird, hat sich ihr Traum, eine berühmte Dichterin zu werden, bereits erfüllt und doch spürt man in jedem Satz und in jeder geschilderten Szene, ihre tiefverwurzelte Sehnsucht, sich von der kindlichen Hülle zu befreien und ihre Poesie an die Oberfläche zu tragen. Dabei hat sie von Anfang an eher schlechte Lebenskarten für ihren Traum. Sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen und die Aussichten für höhere Bildung waren gleich Null. Es ist bemerkenswert, mit welcher Klarheit Tove Ditlevsen sich selbst und ihr Umfeld wahrnimmt und diese Wahrnehmung auch in Worte zu fassen versteht. Ihre Sätze haben eine unglaubliche Wucht, sind schonungslos ehrlich und beweisen nicht nur das Schreibtalent der Autorin, sondern auch ihre Fähigkeit zur genauen Beobachtung der menschlichen Natur. Während Tove in "Kindheit" noch mit den natürlichen Beschränkungen eines heranwachsenden Menschen hadert, gelingt es ihr in "Jugend" ihrem Talent erste Flügel wachsen zu lassen und eigene Erfahrungen außerhalb des beengten Umfelds zu machen. Wer daher an diesem Werk Freude findet, sollte unbedingt mit dem zweiten Buch fortfahren!
Die Erzählung bietet eine interessante sprachliche Qualität, doch emotional bleibt sie für mich flach.
Als jemand, der eine schwerere Kindheit erlebt hat, empfinde ich die Kämpfe der Protagonistin als normal und wenig berührend. Ihre Herausforderungen wirken auf mich nicht besonders herausragend, und es fehlt an einer tieferen Auseinandersetzung mit den emotionalen Konsequenzen ihrer Erlebnisse. Die Formulierungen sind gut, aber die emotionale Resonanz bleibt aus, was es mir schwer macht, Mitgefühl für ihre Situation zu empfinden.
Wunderbar für Zwischendurch
Ich habe dieses bündige Buch über das Mädchensein sehr gerne gelesen. Es besteht aus Kindheitsanekdoten der Autorin, ihrem Traum, Schriftstellerin zu werden, und den Realitäten des Arbeiterlebens in den 1920er Jahren in Kopenhagen. Man kann es sehr gut in kurzen Abschnitten lesen, die Kapitel sind kurz, und man muss sich kaum etwas merken. Auch wenn es eine Weile lag, kommt man gleich wieder rein. Für mich deshalb ein gutes Buch für vor dem Schlafengehen, wenn man gerade wenig Zeit zum Lesen hat, oder etwas parallel zu einem anderen Buch lesen möchte. Die Teile „Jugend“ und „Abhängigkeit“ werde ich also auch noch lesen.

Ein autofiktionaler Roman über eine melancholische Kindheit in Kopenhagen in den 1920ern. Der erste Teil der Kopenhagen Trilogie von Tove Ditlevsen. Ja ich weiß - totaler Hype um das Buch. Und ja, meistens wird man dann doch enttäuscht von diesen Hypebüchern. Aber, lasst mich das gleich als aller erstes sagen: hier wartet ein unglaubliches Leseerlebnis auf euch! Der Hype wird dem Buch nicht mal gerecht. *** Und wisst ihr was? Ich beneide jeden der dieses Buch noch vor sich hat. Kennt ihr diese Bücher die man gerne nochmal 'zum ersten Mal' lesen möchte? Kindheit ist so ein Buch für mich. Das ich so begeistert bin habe ich ehrlich nicht erwartet. Klar dachte ich das hier auf jeden Fall ein gutes Buch auf mich wartet. Das ich aber auf nahezu jeder Seite Sätze mit einem permanent Marker markieren werde habe ich nicht erwartet. *** Aber Schluss mit den Lobpreisungen, erst mal will ich kurz erzählen worum es in dem Buch geht. Wirklich kurz: Tove Ditlevsen wächst in Kopenhagen in den zwanzigern auf. Sie hat einen älteren Bruder und wie das in den 20ern üblich ist wird von ihr nicht mehr erwartet als zu heiraten. Der Traum Dichterin zu werden ist für ihre Eltern lachhaft. Tove stammt aus ärmlichen aber nicht armen Verhältnissen und schrieb diesen stark autobiografischen Roman viele Jahre später in einer Suchtklinik. Die weiteren Teile sind 'Jugend' und 'Abhängigkeit'. *** So genug zu den Fakten. Ich will mit einem Zitat abschließen. Denn spätestens das sollte jeden der das geschriebene Wort ehrt dazu bewegen dieses Buch zu lesen. >>Ich bin nicht in der Lege, das zu lesen. Es erfüllt mich mit Traurigkeit und einer unerträglichen Langeweile. Ich kann nicht verstehen, wie man die Sprache, dieses feine und sensible Instrument, derart grausam misshandeln kann, und wie diese unmöglichen Sätze Eingang in ein Buch finden können, da in die Bibliothek gelangt, wo eine reizende und kluge Dame wie Fräulein Mollerup es auch noch unschuldigen Kinder empfiehlt.<< S.59 Herrlich oder! Wie kann man so tolle Worte für schlechte Literatur finden ... *** Gönnt euch was, ihr habt es verdient! Lest dieses Buch. Es ist ein Fest für jeden Fan des geschriebenen Wortes.
Es scheint, als hätte ich ein kleines Faible für autofiktionale Geschichten von Autorinnen entwickelt, das mich nun bereits von Annie Ernaux über Monika Helfer zu Tove Ditlevsen geführt hat. Letztere sinniert in “Kindheit” über ihr Aufwachsen in einer kopenhagener Arbeiterfamilie zwischen den beiden Weltkriegen. Die ganze Familie teilt sich ein Schlafzimmer und hat, nachdem der Vater arbeitslos wird, nur wenige Mittel zur Verfügung, um sich über Wasser zu halten. Tove fühlt sich sowohl in der Familie als auch in Gesellschaft ihrer Altersgenossinnen fremd. Zwar ist sie sehr feinfühlig und schreibt tief emotionale Liebesgedichte in ihr Poesiealbum, setzt nach außenhin jedoch eine Maske auf und stellt sich dumm - ein Schutzmechanismus vor Spott und Degradierung. Ein Mädchen könne keine Dichterin werden, so sagt es der Vater, und die Mutter sowie der Bruder Edvin stimmen in sein höhnisches Gelächter mit ein. Um von ihrer Freundin Ruth bewundert zu werden, lässt sie sich dagegen zunehmend auf die schiefe Bahn ziehen. Tove Ditlevsen beschreibt das alles sehr nahbar und zeigt eindrücklich Dynamiken auf, die Mädchen unterdrücken und klein halten können. Nie wird sie ermutigt, sie selbst zu sein, im Gegenteil erfahren wir ihr Elternhaus und sogar ihre Freundschaften als sehr beklemmend. Nur im Schreiben findet sie ein Ventil, ihr Innerstes nach außen zu kehren und die Maske fallen zu lassen, doch auch dies muss sie aufgrund der fehlenden Akzeptanz ihres Umfelds geheim halten. Während dieses Themengeflecht grandios dargestellt und aufgearbeitet wird, fehlen mir im Nachhinein dennoch ein paar Eckpfeiler im Text, auf die ich aufgrund ihrer Einprägsamkeit zurückschauen könnte. Außer ein zwei eindrücklichen Szenen hat sich bei mir das Zwischendrin leider schnell verflüchtigt. Ich schiebe es im Zweifel auf meine Aufnahmefähigkeit beim Hörbuch und werde den zweiten Teil “Jugend” klassisch lesen, um diesem Buch den Fokus zu geben, den es verdient.
Der autobiografische Roman „Kindheit“ wurde von der Autorin Tove Ditlevsen aus auktorialer Erzählperspektive verfasst. Dieses Buch empfand ich als sehr bedrückend, einengend und traurig. Es geht um Tove: Ein Mädchen, das nach Liebe und Zuneigung giert. Sie wird jedoch alleine gelassen, ist einsam, fühlt sich nicht sehr geliebt, wird von ihrer eigenen Familie diskreditiert und ihr wird das Gefühl vermittelt, zu nichts Nutze zu sein. Was ich sehr traurig fand, war die Tatsache, dass sie sich noch vor ihrem Teenager-Alter damit abgefunden hat und auch schon zu Kindheitstagen suizidale Gedanken hat. Was ich besonders beklemmend finde, ist der Gedanke, dass es auch heutzutage noch Kinder gibt, die unter solchen psychischen Misshandlungen aufwachsen müssen. Der Roman zeugt daher trotz seines Alters von Aktualität. Tove Ditlevsen ist sicherlich im falschen Zeitalter geboren worden. Trotz aller Widrigkeiten hat sie sich durchgesetzt und ihren Traum, zu schreiben, niemals aufgegeben. Sie blieb der Poesie treu, was der Nachwelt einen inspirierenden Eindruck hinterlässt. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Sprachlich gesehen ist es ein Mix aus Infantilität und Poesie. Die Autorin hat mit der Sprache gespielt und sie im Laufe ihrer Trilogie altersgemäß weiterentwickelt.
„Die Zeit verging, und die Kindheit wurde dünn und platt wie Papier. Sie war müde und fadenscheinig und an schlechten Tagen sah es nicht so aus, als würde sie halten, bis ich erwachsen war.“ So beschreibt Tove Ditlevsen das Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre. In ihre Arbeiterfamilie scheint sie nie hinein zu passen – das Verhältnis zur Mutter, die ihr oft lieblos begegnet, ist schwierig. Eine Verbindung zu ihrem Vater, der seine Arbeit als Heizer verloren hat, gelingt nur manchmal über die Literatur. Ihr Bruder Edvin amüsiert sich oft über ihre kitschigen Gedichte, die keinerlei Basis in der Realität haben und als sich die Beziehung der beiden Geschwister zueinander endlich bessert, zieht er von Zuhause aus. Tove versteht als Kind nicht recht, wie man spielt und passt sich immer nur an ihre Freundinnen an, die sie zu Diebestouren, Besuchen in der Straße, wo die Prostituierten stehen und waghalsigen Mutproben überreden. Für solche Momente und vor allem in der Schule hat sie sich eine Maske zurecht gelegt, hinter der sie ihre Intelligenz, ihre wahren Interessen und den Wunsch, Schriftstellerin zu werden, verbirgt. Sie will ihr Leben selbst gestalten, spielt jedoch zwischenzeitlich die Rolle des Clowns und sagt über sich selbst: „Kein Erwachsener verkraftet den Gesang in meinem Herzen und die Wortgirlanden in meiner Seele“. Ihr autofiktionales Gesellschaftsporträt „Kindheit“ verfasste Tove Ditlevsen bereits 1967 bei einem Aufenthalt in einer Suchtklinik. Nun liegt dieses in metaphorischer, eingängiger Sprache verfasste Werk zu ersten Mal in deutscher Sprache vor, übersetzt von Ursel Allenstein. Der erste Band endet mit Toves Konfirmation, dem Ende der Schulzeit und somit ihrer Kindheit. Von nun an wird sie als Haushälterin für eine Dame kochen, putzen und sich um deren Sohn kümmern, denn zu mehr als diesen Aufgaben – und natürlich zur Heirat – sind Mädchen in diesen Zeiten nicht gut. Die Bände zwei und drei folgen Mitte Februar und ich kann es nicht erwarten, mehr von und über diese erstaunliche Frau zu lesen – zum Glück liegen „Jugend“ und „Abhängigkeit“ schon hier bereit.
Aufwachsen in Armut
Hier wird eine Kindheit in Armut im Kopenhagen der 1920er Jahre beschrieben. Wie kann sich ein intelligentes, sensibles, literarisch interessiertes Mädchen in dieser Situation entwickeln? Tove Ditlevsen beschreibt ihre Kindheit mit Liebe und Realitätssinn. Mich hat die Lektüre sehr bewegt.
Kindheit ist der erste Band von Tove Ditlevsens Kopenhagen Trilogie. Sie erzählt darin, wie sie als Kind einer Arbeiterfamilie aufwuchs. Tove ist anders als die Kinder in ihrer Umgebung. Sie ist still, passt nicht in die laute Umgebung. Sie liest auch sehr viel, vor allem Bücher, für die sie nach der Meinung anderer noch zu jung ist. Und Tove schreibt: sie hat ein Poesiealbum, in das sie laufend neue Gedichte schreibt. Ich mag Bücher über Kindheitserinnerungen. "Kindheit" ist ein sehr einfühlsames und kluges Buch, das mich sehr berührt hat. Es ist auch ein Buch, das Mut macht. Trotz der sehr einfachen Verhältnisse, aus denen Tove stammt, schafft sie es, ihren Weg im Leben zu gehen. Ich bin sehr gespannt aus die weiteren beiden Teile, die ich unbedingt lesen möchte.
Man merkt dem Buch an, dass es von einer Poetin geschrieben ist - und überaschenderweise meine ich das nicht positiv.
Wie die Erzählung strukturiert ist, sagt mir nicht zu. Ditlevsen ist mehr darauf bedacht, die Stimmung als die Geschehnisse zu beschreiben. Da sie - wie sie selbst mehrmals schreibt - in ihrer Kindheit meist nichts fühlte, bleibt das leider flach und emotionale Resonanz aus. Außerdem geht sie häufig auf Aspekte (bspw. ihrer Beziehung zu ihrer Mutter) ein, die sie bereits vor 20 min (mit einem anderen Thema dazwischen!) beschrieben hat, ohne dabei wirklich Neues zu erzählen. Das ist ein wirkungsvolles Stilmittel in der Lyrik. Hier dachte ich dagegen genervt: "Den Punkt hast du doch schon gemacht! Ich hab's verstanden! Können wir fortfahren?" Ich war die meiste Zeit gleichgültig bis gelangweilt. Positiv hervorheben kann ich allerdings, dass ein gutes Bild davon entsteht, wie das Leben der Kopenhagener Arbeitsklasse in den 20er Jahren aussah. Außerdem habe ich die eingestreuten Gedichte genossen. Obwohl mich das viel gelobte Buch enttäuscht hat, schreckt es mich nicht davon ab, zum zweiten Band zu greifen. Schließlich ist der Hauptgrund, dass ich die Kopenhagen Trilogie ausgewählt habe, dass mich das im dritten Band besprochene Thema Abhängigkeit interessiert.
Manche Hypes gehen einfach an mir vorüber und so schaute ich mir in der vergangenen Woche den Literaturclub von März an, ohne zuvor jemals etwas von Tove Ditlevsen gehört oder gelesen zu haben. Doch als dort Lara Körte eine Passage aus „Kindheit“ vorliest, bin ich gleich wie elektrisiert und beginne bereits wenige Stunden später das Buch selbst zu lesen. Tove Ditlevsen ist 1917 in einem Arbeiterviertel in Kopenhagen geboren und hat 1967 während eines Klinikaufenthalts begonnen an „Kindheit“, dem ersten Buch ihrer autofiktionalen Kopenhagen-Trilogie, zu schreiben. Als dieses Buch in Dänemark erschien, hatte Tove Ditlevsen in Dänemark längst jene Berühmtheit als Dichterin erlangt, von der sie schon als kleines Kind träumte. Während die kindliche Dichterin noch ‚voller Lügen‘ steckte, wie es ihr Bruder Edvin ausdrückte, machte sie als Erwachsene mehr oder weniger unverholen Gebrauch von der eigenen Biographie. „Schreiben heißt, sich selbst auszuliefern“ sagte sie einmal, „sonst ist es keine Kunst. Man kann das verschleiern, aber letzten Endes schreibt man doch immer über sich selbst.“ Als Arbeiterkind, noch dazu als Mädchen, wird Tove Ditlevsen in eine Welt geboren, die äußerst ungünstige Voraussetzungen für sie bietet. Sie entdeckt schon sehr früh das Lesen und das Schreiben für sich, worin sie Zuflucht findet. Aber Frauen werden zu dieser Zeit keine Dichter, erst recht nicht, wenn sie in lieblosen ärmlichen Zuständen aufwachsen, die von Demütigung geprägt sind. Denn der Frau ist es bestimmt Hausfrau und Mutter zu werden – in ihre Bildung zu investieren ist Zeit und Geldverschwendung. „Doch selbst wenn sich niemand sonst für meine Gedichte interessiert, bin ich gezwungen, sie zu schreiben, denn sie dämpfen die Trauer und Sehnsucht in meinem Herzen.“ (S. 92) Einige der Gedichte, in denen sie von einem anderen Leben träumt, kann man in diesem Buch lesen, aber vielmehr bin ich beeindruckt von der Art, wie sie ihre Kindheit beschreibt. Sie erzählt einerseits so ungeschminkt und schonungslos, dass es beim lesen schmerzt und man als „Frau von Heute“ die allgemein übliche Ungerechtigkeit vergangener Zeiten kaum ertragen kann. Aber es kommt andererseits auch die Dichterin Tove Ditlevsen zum Vorschein, die treffende Metaphern findet und sich an den passenden Stellen lyrisch genau so auszudrücken versteht, dass es nicht überladen wirkt und man sich vor ihrem sprachlichen Talent einfach nur bewundernd tief verneigen möchte. „[…] und ohne, dass ich es weiß, sinkt meine Kindheit leise auf den Grund der Erinnerungen, dieser Seelenbibliothek, aus der ich bis an mein Lebensende Wissen und Erfahrungen schöpfen werde.“ (S. 98) Mit 118 Seiten ist „Kindheit“ ein eher schmales Büchlein, das es jedoch in sich hat. Ich werde unbedingt weiter lesen und bin nun gespannt auf „Jugend“, den zweiten Band der Kopenhagen-Trilogie.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
„Von atemberaubender Intensität und Schönheit. Aus dem Staub ihres Lebens leuchtet dieses Werk.“ Elke Heidenreich, Spiegel Online
„Großartig, von hypnotischer Qualität.“ The New York Times
In „Kindheit“ erzählt Tove Ditlevsen vom Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre in einfachen Verhältnissen. Tove passt dort nicht hinein, ihre Kindheit scheint wie für ein anderes Mädchen gemacht. Die Mutter ist unnahbar, der Vater verliert seine Arbeit als Heizer. Sonntags muss Tove für die Familie Gebäck holen gehen, so viel, wie in ihre Tasche hineinpasst, und das ist alles, was es zu essen gibt. Zusammen mit ihrer Freundin, der wilden, rothaarigen Ruth, entdeckt Tove die Stadt. Sie zeigt ihr, wo die Prostituierten stehen, und geht mit ihr stehlen. Aber eigentlich interessiert sich Tove für die Welt der Bücher und hat den brennenden Wunsch, Schriftstellerin zu werden – und dafür ist sie bereit, das Leben, wie es für sie vorgezeichnet scheint, hinter sich zu lassen.
„Das Porträt einer Frau, die ihr Leben entschieden zu ihrem eigenen macht. Ein Leben, so frei und ungestüm, ich bin versunken in Tove Ditlevsens Büchern.“ Nina Hoss
„Tove Ditlevsens Kopenhagen-Trilogie, so viel steht jetzt schon fest, ist eines der großen literarischen Ereignisse des Jahres." Süddeutsche Zeitung
„Ein Meisterwerk." The Guardian
„Es ist kein Zufall, dass Tove Ditlevsen gerade nicht nur in Deutschland, sondern auch in der englischsprachigen Welt wieder entdeckt wird. Man hat ihre sezierende Prosa mit der Annie Ernauxs verglichen, auch sie in Deutschland sehr verspätet entdeckt. Der Vergleich ist berechtigt, so singulär beide Autorinnen zugleich auch sind. Was sie verbindet, ist ihre Fähigkeit, einer widrigen Wirklichkeit standzuhalten. Im Leben, und wenn nicht im Leben, dann in der Literatur." taz
„Eine monumentale Autorin." Patti Smith
Book Information
Author Description
Tove Ditlevsen (1917–1976), geboren in Kopenhagen, galt lange Zeit als Schriftstellerin, die nicht in die literarischen Kreise ihrer Zeit passte. Sie stammte aus der Arbeiterklasse und schrieb offen über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Heute gilt sie als eine der großen literarischen Stimmen Dänemarks und Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux und Rachel Cusk. Die »Kopenhagen-Trilogie« mit den drei Bänden »Kindheit«, »Jugend« und »Abhängigkeit« ist ihr zentrales Werk, in dem sie das Porträt einer Frau schuf, die entschieden darauf besteht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die Kopenhagen-Trilogie erscheint in über dreißig Sprachen und wird international als große literarische Wiederentdeckung gefeiert.
Posts
Kindheit der 1. Teil der Kopenhagen-Triologie
Aus der Sicht der kindlichen Tove wird das Leben in ihrer Familie in Kopenhagen der 1920er und 1930er Jahre gezeichnet. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf das Innenleben der Familie, die Beziehungen untereinander. Diese sind von Konflikten gekennzeichnet, bspw. zwischen den Eltern, aber auch von einer Lieblosigkeit der Eltern gegenüber den Kindern. Wahrscheinlich in dieser Zeit nich untypisch. Kindheit scheint in ihrer Vorstellung kein erstrebenswert Zustand zu sein. Zitat: Verstohlen beobachten wir die Erwachsenen, deren Kindheit zerlumpt und durchlöchert in ihnen liegt wie ein abgewetzter, mottenzerfressener Teppich, an den niemand denkt und den niemand mehr braucht. Zwischen den Zeilen spürt man auch die Spannungen zwischen den Eltern in Bezug auf die politische Situation Dänemarks. Der Vater hält es mit den Sozialdemokraten., was auf Unverständnis bei der Mutter stößt. Tove selbst schreibt schon in ihrer Kindheit Gedichte und träumt davon, diese irgendwann zu veröffentlichen. Bezüglich dieses Traums nimmt sie keiner Ernst. Im Gegenteil, von ihrem Bruder erfährt sie Gelächter und Hohn. Ihr Vater lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen, dass sie als Frau niemals erfolgreich Gedichte wird schreiben können. Tove Ditlevsen hat diesen Roman in den 1960er Jahren verfasst. Ebenso wie die beiden folgenden Bände Jugend und Abhängigkeit. Diese liegen schon auf der Wunschliste.

25 Frauen 2025 - Buch 9: Tove Ditlevsen, die 1917 in Kopenhagen geboren wurde und sich 1976 dort das Leben nahm, beschreibt ihre eigene Kindheit. Dabei bekommt man nicht nur interessante Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, sondern auch in die gesellschaftlichen und sozialen Umstände damals in Dänemark. Ditlevsen wächst in einem Arbeiterhaushalt auf, in dem es wichtiger ist, den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, als liebevoll miteinander umzugehen. Früh beginnt Ditlevsen zu schreiben. Dafür verwendet sie ein Poesiealbum, das sie vor ihrer Familie versteckt, denn laut Vater ist es unmöglich, dass Frauen dichten. Mir hat dieser autobiographische Text gefallen und ich habe Lust, auch die anderen zwei Teile der "Kopenhagen-Trilogie" zu lesen.
"Dunkel ist die Kindheit, und sie winselt wie ein kleines Tier, das man in einen Keller eingesperrt und vergessen hat. Sie bildet eine Wolke vor dem Gesicht wie kalter Atem, und mal ist sie zu klein, mal zu groß. Ganz genau passt sie nie. Erst wenn man sie eines Tages abgestreift hat wie eine Haut, kann man sie in Ruhe betrachten und von ihr sprechen wie von einer überstandenen Krankheit. Die meisten Erwachsenen behaupten, sie hätten eine glückliche Kindheit gehabt, und vielleicht glauben sie das wirklich, aber ich tue es nicht. Ich glaube, es ist ihnen lediglich gelungen, sie zu vergessen."
Bereits seit Jahren wollte ich endlich diesen ersten Band lesen, kam jetzt endlich dazu. Ein schmales Büchlein mit nur knapp über 100 Seiten, dennoch mit einer dichten, greifbaren und echten Intensität und Stärke. Das Nachwort der Übersetzerin hat mich dann eiskalt getroffen und bewegt.
"Die Zeit verging, und die Kindheit wurde dünn und platt wie Papier. Sie war müde und fadenscheinig, und an schlechten Tagen sah es nicht so aus, als würde sie halten, bis ich erwachsen war." Im ersten Band der Kopenhagen Trilogie erzählt Tove Ditlevsen aus ihrer Kindheit in den 1920er Jahren, die von Unverständnis, Armut, Kämpfen mit der Mutter und mit sich selbst geprägt war. Der Beginn eines Weges einer Frau, die ihren eigenen Weg gehen will.
Ein Buch zu dem ich wiederkehren werden...
Wie bewertet man ein Leben? Immer schwieriger, wenn man autofiktionale Werke in der Hand hält. Ich bin der Überzeugung das sich fast jeder in dem Buch wieder finden wird und es, obwohl es doch ein sehr bedrückendes Buch ist, ein Ort des Trostes sein kann. Ich sehe mich bei Zeiten zu dem Buch zurückkehren... Toves Leben bietet viel Raum zum mitfühlen, zum teilen von Schmerz und Sehnsucht. Besonders intensiv ist dieses Gefühl dadurch, dass Tove sich doch immer alleine fühlt mit ihren Gefühlen und Sehnsüchte aber wir auf der anderen Seite des Buches, ebenso alleine, mit fühlen. Ich denke jeder der das Buch liest, wird ganz individuell Erfahrungen machen, wo genau man mit Tove mitfühlt aber am Ende wird man sich selbst zwischen ihren Zeilen finden.
„Kindheit“ von Tove Ditlevsen war für mich eine großartige, eindringliche Lektüre: ein schlicht erzähltes, aber emotional gewaltiges Buch, das die Welt eines armen Kopenhagener Mädchens so klar und poetisch zeigt, dass mir viele Szenen lange im Gedächtnis bleiben. Teil 1 der Kopenhagen Trilogie. .
In „Kindheit“ blickt Ditlevsen auf ihre ersten Lebensjahre im Arbeiterviertel Vesterbro zurück: enge Wohnungen, Geldsorgen, Misstrauen der Erwachsenen – und mitten darin ein Mädchen, das früh merkt, dass es „anders“ ist, weil es Wörter und Reime mehr liebt als alles andere. Sie beschreibt, wie sie zwischen der Härte der Mutter, der Schweigsamkeit des Vaters, Streitereien, Scham und dem ständigen Gefühl, nicht richtig zu genügen, langsam ihre eigene innere Welt aus Sprache und Fantasie aufbaut. Mich hat beeindruckt, wie sie ohne jede Sentimentalität von Demütigungen, Ängsten und Einsamkeit erzählt und diese Erlebnisse doch in etwas Leuchtendes verwandelt. Großartig finde ich vor allem den Ton: Die Sätze sind schlicht und klar, aber in dieser Einfachheit liegt eine fast schmerzhafte Genauigkeit. Ditlevsen verurteilt ihre Eltern nicht, macht aber spürbar, wie verletzend Blicke, Bemerkungen und Erwartungen sein können, wenn man als Kind dauernd „falsch“ zu sein scheint. Gleichzeitig zeigt sie sehr zart die Glücksmomente: erste Leseerfahrungen, kleine Allianzen mit anderen Kindern, das heimliche Schreiben von Gedichten. Dass man weiß, dass aus diesem unsicheren Mädchen später eine berühmte Autorin wird, legt sich wie eine zweite Bedeutungsschicht unter den Text, ohne dass Ditlevsen das je ausstellt. Was „Kindheit“ für mich so stark macht, ist die Mischung aus schonungslosem Blick und leiser Empathie – für das Kind, aber auch für die Erwachsenen, die selbst Gefangene ihrer Verhältnisse sind. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts künstlich dramatisiert; gerade dadurch entsteht eine große emotionale Wucht. Als Leser spürt man, wie eng der Weg zwischen Zerbrechen und Schreiben ist, und wie sehr Literatur für Ditlevsen ein Überlebensmittel wird. Für mich ist „Kindheit“ damit ein außergewöhnlich gelungenes erstes Kapitel einer Lebensgeschichte: knapp, präzise, tief berührend – und absolut zu Recht in meinen persönlichen Kanon „großartiger“ Bücher eingegangen.

Erschütternde, poetische Beschreibung einer schweren Kindheit
Das Buch erzählt eine dunkle Kindheit mit einer kalten Mutter, einem schwachen Vater und einer Welt, die keinen Wert auf Mädchen, Frauen oder Träume legt. In aller Grausamkeit, ist die Poesie der Sprache wundervoll zu lesen. Keine einfache Geschichte. "Die Kindheit ist lang und schmal wie ein Sarg, aus dem man sich nicht allein befreien kann. "
Mit diesem Buch hat sie mich zum Fan gewonnen!
Mit den ersten Sätzen hat sie mich gepackt und in einen Büchermarathon gezogen! Die Ich-Perspektive lese ich so gern und ihre nüchterne, unschuldige Art alles aus dieser kindlichen Perspektive zu erzählen hat mir so sehr gefallen. Zu erfahren, wie es als Kind in der damaligen Zeit in Dänemark war fand ich total spannend und ich mag die Hauptfigur sehr!
Heutzutage kann man sich gar nicht vorstellen, wie eingeschränkt die damaligen Möglichkeiten der Mädchen und Frauen waren, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Der erste Teil „Kindheit“ hat mir gut gefallen. Sehr emotional und trotzdem mit Humor erzählt Tove Ditlevsen, wie sie in Dänemark bis zur Konfirmation in den 20er Jahren aufwächst und davon träumt, Schriftstellerin zu werden.
"Der Kindheit kann man nicht entkommen, sie hängt an einem wie ein Geruch. Man bemerkt sie auch an anderen, und jede Kindheit riecht anders. ... Ich denke immer, meine Mutter wird mich mögen, wenn ich erst einmal erwachsen bin, so, wie sie Edvin mag. Denn meine Kindheit irritiert sie genauso sehr wie mich selbst, und wir sind nur zusammen glücklich, wenn sie deren Existenz manchmal vergisst." (Kindheit, Seiten 31,32) "Kindheit" ist der Auftakt von Tove Ditlevsen zur "Kopenhagen Trilogie", in welcher sich die Autorin selbst porträtiert. 1967 zum ersten Mal erschienen, haben die Bücher Generationen von Frauen, Müttern und Töchtern geprägt, wie man es im Nachwort der Übersetzerin nachlesen kann. Der vorliegenden Übersetzung aus dem Jahr 2021 von Ursel Allenstein ist es auch zu verdanken, dass die vollständige Trilogie auch der deutschen Leserschaft zur Verfügung steht. "Kindheit" und "Jugend" wurden erstmalig übersetzt, "Abhängigkeit" liegt in einer Neuübersetzung vor. "Schreiben heißt, sich selbst auszuliefern." Diese Worte beschreiben auch sehr gut, was Tove Ditlevsen in diesem Buch umsetzt. Als "Kindheit" veröffentlicht wird, hat sich ihr Traum, eine berühmte Dichterin zu werden, bereits erfüllt und doch spürt man in jedem Satz und in jeder geschilderten Szene, ihre tiefverwurzelte Sehnsucht, sich von der kindlichen Hülle zu befreien und ihre Poesie an die Oberfläche zu tragen. Dabei hat sie von Anfang an eher schlechte Lebenskarten für ihren Traum. Sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen und die Aussichten für höhere Bildung waren gleich Null. Es ist bemerkenswert, mit welcher Klarheit Tove Ditlevsen sich selbst und ihr Umfeld wahrnimmt und diese Wahrnehmung auch in Worte zu fassen versteht. Ihre Sätze haben eine unglaubliche Wucht, sind schonungslos ehrlich und beweisen nicht nur das Schreibtalent der Autorin, sondern auch ihre Fähigkeit zur genauen Beobachtung der menschlichen Natur. Während Tove in "Kindheit" noch mit den natürlichen Beschränkungen eines heranwachsenden Menschen hadert, gelingt es ihr in "Jugend" ihrem Talent erste Flügel wachsen zu lassen und eigene Erfahrungen außerhalb des beengten Umfelds zu machen. Wer daher an diesem Werk Freude findet, sollte unbedingt mit dem zweiten Buch fortfahren!
Die Erzählung bietet eine interessante sprachliche Qualität, doch emotional bleibt sie für mich flach.
Als jemand, der eine schwerere Kindheit erlebt hat, empfinde ich die Kämpfe der Protagonistin als normal und wenig berührend. Ihre Herausforderungen wirken auf mich nicht besonders herausragend, und es fehlt an einer tieferen Auseinandersetzung mit den emotionalen Konsequenzen ihrer Erlebnisse. Die Formulierungen sind gut, aber die emotionale Resonanz bleibt aus, was es mir schwer macht, Mitgefühl für ihre Situation zu empfinden.
Wunderbar für Zwischendurch
Ich habe dieses bündige Buch über das Mädchensein sehr gerne gelesen. Es besteht aus Kindheitsanekdoten der Autorin, ihrem Traum, Schriftstellerin zu werden, und den Realitäten des Arbeiterlebens in den 1920er Jahren in Kopenhagen. Man kann es sehr gut in kurzen Abschnitten lesen, die Kapitel sind kurz, und man muss sich kaum etwas merken. Auch wenn es eine Weile lag, kommt man gleich wieder rein. Für mich deshalb ein gutes Buch für vor dem Schlafengehen, wenn man gerade wenig Zeit zum Lesen hat, oder etwas parallel zu einem anderen Buch lesen möchte. Die Teile „Jugend“ und „Abhängigkeit“ werde ich also auch noch lesen.

Ein autofiktionaler Roman über eine melancholische Kindheit in Kopenhagen in den 1920ern. Der erste Teil der Kopenhagen Trilogie von Tove Ditlevsen. Ja ich weiß - totaler Hype um das Buch. Und ja, meistens wird man dann doch enttäuscht von diesen Hypebüchern. Aber, lasst mich das gleich als aller erstes sagen: hier wartet ein unglaubliches Leseerlebnis auf euch! Der Hype wird dem Buch nicht mal gerecht. *** Und wisst ihr was? Ich beneide jeden der dieses Buch noch vor sich hat. Kennt ihr diese Bücher die man gerne nochmal 'zum ersten Mal' lesen möchte? Kindheit ist so ein Buch für mich. Das ich so begeistert bin habe ich ehrlich nicht erwartet. Klar dachte ich das hier auf jeden Fall ein gutes Buch auf mich wartet. Das ich aber auf nahezu jeder Seite Sätze mit einem permanent Marker markieren werde habe ich nicht erwartet. *** Aber Schluss mit den Lobpreisungen, erst mal will ich kurz erzählen worum es in dem Buch geht. Wirklich kurz: Tove Ditlevsen wächst in Kopenhagen in den zwanzigern auf. Sie hat einen älteren Bruder und wie das in den 20ern üblich ist wird von ihr nicht mehr erwartet als zu heiraten. Der Traum Dichterin zu werden ist für ihre Eltern lachhaft. Tove stammt aus ärmlichen aber nicht armen Verhältnissen und schrieb diesen stark autobiografischen Roman viele Jahre später in einer Suchtklinik. Die weiteren Teile sind 'Jugend' und 'Abhängigkeit'. *** So genug zu den Fakten. Ich will mit einem Zitat abschließen. Denn spätestens das sollte jeden der das geschriebene Wort ehrt dazu bewegen dieses Buch zu lesen. >>Ich bin nicht in der Lege, das zu lesen. Es erfüllt mich mit Traurigkeit und einer unerträglichen Langeweile. Ich kann nicht verstehen, wie man die Sprache, dieses feine und sensible Instrument, derart grausam misshandeln kann, und wie diese unmöglichen Sätze Eingang in ein Buch finden können, da in die Bibliothek gelangt, wo eine reizende und kluge Dame wie Fräulein Mollerup es auch noch unschuldigen Kinder empfiehlt.<< S.59 Herrlich oder! Wie kann man so tolle Worte für schlechte Literatur finden ... *** Gönnt euch was, ihr habt es verdient! Lest dieses Buch. Es ist ein Fest für jeden Fan des geschriebenen Wortes.
Es scheint, als hätte ich ein kleines Faible für autofiktionale Geschichten von Autorinnen entwickelt, das mich nun bereits von Annie Ernaux über Monika Helfer zu Tove Ditlevsen geführt hat. Letztere sinniert in “Kindheit” über ihr Aufwachsen in einer kopenhagener Arbeiterfamilie zwischen den beiden Weltkriegen. Die ganze Familie teilt sich ein Schlafzimmer und hat, nachdem der Vater arbeitslos wird, nur wenige Mittel zur Verfügung, um sich über Wasser zu halten. Tove fühlt sich sowohl in der Familie als auch in Gesellschaft ihrer Altersgenossinnen fremd. Zwar ist sie sehr feinfühlig und schreibt tief emotionale Liebesgedichte in ihr Poesiealbum, setzt nach außenhin jedoch eine Maske auf und stellt sich dumm - ein Schutzmechanismus vor Spott und Degradierung. Ein Mädchen könne keine Dichterin werden, so sagt es der Vater, und die Mutter sowie der Bruder Edvin stimmen in sein höhnisches Gelächter mit ein. Um von ihrer Freundin Ruth bewundert zu werden, lässt sie sich dagegen zunehmend auf die schiefe Bahn ziehen. Tove Ditlevsen beschreibt das alles sehr nahbar und zeigt eindrücklich Dynamiken auf, die Mädchen unterdrücken und klein halten können. Nie wird sie ermutigt, sie selbst zu sein, im Gegenteil erfahren wir ihr Elternhaus und sogar ihre Freundschaften als sehr beklemmend. Nur im Schreiben findet sie ein Ventil, ihr Innerstes nach außen zu kehren und die Maske fallen zu lassen, doch auch dies muss sie aufgrund der fehlenden Akzeptanz ihres Umfelds geheim halten. Während dieses Themengeflecht grandios dargestellt und aufgearbeitet wird, fehlen mir im Nachhinein dennoch ein paar Eckpfeiler im Text, auf die ich aufgrund ihrer Einprägsamkeit zurückschauen könnte. Außer ein zwei eindrücklichen Szenen hat sich bei mir das Zwischendrin leider schnell verflüchtigt. Ich schiebe es im Zweifel auf meine Aufnahmefähigkeit beim Hörbuch und werde den zweiten Teil “Jugend” klassisch lesen, um diesem Buch den Fokus zu geben, den es verdient.
Der autobiografische Roman „Kindheit“ wurde von der Autorin Tove Ditlevsen aus auktorialer Erzählperspektive verfasst. Dieses Buch empfand ich als sehr bedrückend, einengend und traurig. Es geht um Tove: Ein Mädchen, das nach Liebe und Zuneigung giert. Sie wird jedoch alleine gelassen, ist einsam, fühlt sich nicht sehr geliebt, wird von ihrer eigenen Familie diskreditiert und ihr wird das Gefühl vermittelt, zu nichts Nutze zu sein. Was ich sehr traurig fand, war die Tatsache, dass sie sich noch vor ihrem Teenager-Alter damit abgefunden hat und auch schon zu Kindheitstagen suizidale Gedanken hat. Was ich besonders beklemmend finde, ist der Gedanke, dass es auch heutzutage noch Kinder gibt, die unter solchen psychischen Misshandlungen aufwachsen müssen. Der Roman zeugt daher trotz seines Alters von Aktualität. Tove Ditlevsen ist sicherlich im falschen Zeitalter geboren worden. Trotz aller Widrigkeiten hat sie sich durchgesetzt und ihren Traum, zu schreiben, niemals aufgegeben. Sie blieb der Poesie treu, was der Nachwelt einen inspirierenden Eindruck hinterlässt. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Sprachlich gesehen ist es ein Mix aus Infantilität und Poesie. Die Autorin hat mit der Sprache gespielt und sie im Laufe ihrer Trilogie altersgemäß weiterentwickelt.
„Die Zeit verging, und die Kindheit wurde dünn und platt wie Papier. Sie war müde und fadenscheinig und an schlechten Tagen sah es nicht so aus, als würde sie halten, bis ich erwachsen war.“ So beschreibt Tove Ditlevsen das Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre. In ihre Arbeiterfamilie scheint sie nie hinein zu passen – das Verhältnis zur Mutter, die ihr oft lieblos begegnet, ist schwierig. Eine Verbindung zu ihrem Vater, der seine Arbeit als Heizer verloren hat, gelingt nur manchmal über die Literatur. Ihr Bruder Edvin amüsiert sich oft über ihre kitschigen Gedichte, die keinerlei Basis in der Realität haben und als sich die Beziehung der beiden Geschwister zueinander endlich bessert, zieht er von Zuhause aus. Tove versteht als Kind nicht recht, wie man spielt und passt sich immer nur an ihre Freundinnen an, die sie zu Diebestouren, Besuchen in der Straße, wo die Prostituierten stehen und waghalsigen Mutproben überreden. Für solche Momente und vor allem in der Schule hat sie sich eine Maske zurecht gelegt, hinter der sie ihre Intelligenz, ihre wahren Interessen und den Wunsch, Schriftstellerin zu werden, verbirgt. Sie will ihr Leben selbst gestalten, spielt jedoch zwischenzeitlich die Rolle des Clowns und sagt über sich selbst: „Kein Erwachsener verkraftet den Gesang in meinem Herzen und die Wortgirlanden in meiner Seele“. Ihr autofiktionales Gesellschaftsporträt „Kindheit“ verfasste Tove Ditlevsen bereits 1967 bei einem Aufenthalt in einer Suchtklinik. Nun liegt dieses in metaphorischer, eingängiger Sprache verfasste Werk zu ersten Mal in deutscher Sprache vor, übersetzt von Ursel Allenstein. Der erste Band endet mit Toves Konfirmation, dem Ende der Schulzeit und somit ihrer Kindheit. Von nun an wird sie als Haushälterin für eine Dame kochen, putzen und sich um deren Sohn kümmern, denn zu mehr als diesen Aufgaben – und natürlich zur Heirat – sind Mädchen in diesen Zeiten nicht gut. Die Bände zwei und drei folgen Mitte Februar und ich kann es nicht erwarten, mehr von und über diese erstaunliche Frau zu lesen – zum Glück liegen „Jugend“ und „Abhängigkeit“ schon hier bereit.
Aufwachsen in Armut
Hier wird eine Kindheit in Armut im Kopenhagen der 1920er Jahre beschrieben. Wie kann sich ein intelligentes, sensibles, literarisch interessiertes Mädchen in dieser Situation entwickeln? Tove Ditlevsen beschreibt ihre Kindheit mit Liebe und Realitätssinn. Mich hat die Lektüre sehr bewegt.
Kindheit ist der erste Band von Tove Ditlevsens Kopenhagen Trilogie. Sie erzählt darin, wie sie als Kind einer Arbeiterfamilie aufwuchs. Tove ist anders als die Kinder in ihrer Umgebung. Sie ist still, passt nicht in die laute Umgebung. Sie liest auch sehr viel, vor allem Bücher, für die sie nach der Meinung anderer noch zu jung ist. Und Tove schreibt: sie hat ein Poesiealbum, in das sie laufend neue Gedichte schreibt. Ich mag Bücher über Kindheitserinnerungen. "Kindheit" ist ein sehr einfühlsames und kluges Buch, das mich sehr berührt hat. Es ist auch ein Buch, das Mut macht. Trotz der sehr einfachen Verhältnisse, aus denen Tove stammt, schafft sie es, ihren Weg im Leben zu gehen. Ich bin sehr gespannt aus die weiteren beiden Teile, die ich unbedingt lesen möchte.
Man merkt dem Buch an, dass es von einer Poetin geschrieben ist - und überaschenderweise meine ich das nicht positiv.
Wie die Erzählung strukturiert ist, sagt mir nicht zu. Ditlevsen ist mehr darauf bedacht, die Stimmung als die Geschehnisse zu beschreiben. Da sie - wie sie selbst mehrmals schreibt - in ihrer Kindheit meist nichts fühlte, bleibt das leider flach und emotionale Resonanz aus. Außerdem geht sie häufig auf Aspekte (bspw. ihrer Beziehung zu ihrer Mutter) ein, die sie bereits vor 20 min (mit einem anderen Thema dazwischen!) beschrieben hat, ohne dabei wirklich Neues zu erzählen. Das ist ein wirkungsvolles Stilmittel in der Lyrik. Hier dachte ich dagegen genervt: "Den Punkt hast du doch schon gemacht! Ich hab's verstanden! Können wir fortfahren?" Ich war die meiste Zeit gleichgültig bis gelangweilt. Positiv hervorheben kann ich allerdings, dass ein gutes Bild davon entsteht, wie das Leben der Kopenhagener Arbeitsklasse in den 20er Jahren aussah. Außerdem habe ich die eingestreuten Gedichte genossen. Obwohl mich das viel gelobte Buch enttäuscht hat, schreckt es mich nicht davon ab, zum zweiten Band zu greifen. Schließlich ist der Hauptgrund, dass ich die Kopenhagen Trilogie ausgewählt habe, dass mich das im dritten Band besprochene Thema Abhängigkeit interessiert.
Manche Hypes gehen einfach an mir vorüber und so schaute ich mir in der vergangenen Woche den Literaturclub von März an, ohne zuvor jemals etwas von Tove Ditlevsen gehört oder gelesen zu haben. Doch als dort Lara Körte eine Passage aus „Kindheit“ vorliest, bin ich gleich wie elektrisiert und beginne bereits wenige Stunden später das Buch selbst zu lesen. Tove Ditlevsen ist 1917 in einem Arbeiterviertel in Kopenhagen geboren und hat 1967 während eines Klinikaufenthalts begonnen an „Kindheit“, dem ersten Buch ihrer autofiktionalen Kopenhagen-Trilogie, zu schreiben. Als dieses Buch in Dänemark erschien, hatte Tove Ditlevsen in Dänemark längst jene Berühmtheit als Dichterin erlangt, von der sie schon als kleines Kind träumte. Während die kindliche Dichterin noch ‚voller Lügen‘ steckte, wie es ihr Bruder Edvin ausdrückte, machte sie als Erwachsene mehr oder weniger unverholen Gebrauch von der eigenen Biographie. „Schreiben heißt, sich selbst auszuliefern“ sagte sie einmal, „sonst ist es keine Kunst. Man kann das verschleiern, aber letzten Endes schreibt man doch immer über sich selbst.“ Als Arbeiterkind, noch dazu als Mädchen, wird Tove Ditlevsen in eine Welt geboren, die äußerst ungünstige Voraussetzungen für sie bietet. Sie entdeckt schon sehr früh das Lesen und das Schreiben für sich, worin sie Zuflucht findet. Aber Frauen werden zu dieser Zeit keine Dichter, erst recht nicht, wenn sie in lieblosen ärmlichen Zuständen aufwachsen, die von Demütigung geprägt sind. Denn der Frau ist es bestimmt Hausfrau und Mutter zu werden – in ihre Bildung zu investieren ist Zeit und Geldverschwendung. „Doch selbst wenn sich niemand sonst für meine Gedichte interessiert, bin ich gezwungen, sie zu schreiben, denn sie dämpfen die Trauer und Sehnsucht in meinem Herzen.“ (S. 92) Einige der Gedichte, in denen sie von einem anderen Leben träumt, kann man in diesem Buch lesen, aber vielmehr bin ich beeindruckt von der Art, wie sie ihre Kindheit beschreibt. Sie erzählt einerseits so ungeschminkt und schonungslos, dass es beim lesen schmerzt und man als „Frau von Heute“ die allgemein übliche Ungerechtigkeit vergangener Zeiten kaum ertragen kann. Aber es kommt andererseits auch die Dichterin Tove Ditlevsen zum Vorschein, die treffende Metaphern findet und sich an den passenden Stellen lyrisch genau so auszudrücken versteht, dass es nicht überladen wirkt und man sich vor ihrem sprachlichen Talent einfach nur bewundernd tief verneigen möchte. „[…] und ohne, dass ich es weiß, sinkt meine Kindheit leise auf den Grund der Erinnerungen, dieser Seelenbibliothek, aus der ich bis an mein Lebensende Wissen und Erfahrungen schöpfen werde.“ (S. 98) Mit 118 Seiten ist „Kindheit“ ein eher schmales Büchlein, das es jedoch in sich hat. Ich werde unbedingt weiter lesen und bin nun gespannt auf „Jugend“, den zweiten Band der Kopenhagen-Trilogie.



















































