22. Mai
Rating:4.5

Klasse Hörbuchumsetzung

Die Ausweichschule hat mir als Hörbuch sehr gefallen. Die Sprecherstimme (Pascal Houdus) hat für mich perfekt zur Erzählfigur gepasst und die Stimmung des Buches sehr getragen. Besonders gelungen fand ich, wie sensibel das Thema des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt im Jahr 2002 aufgegriffen wird. Das Buch beschäftigt sich damit, was dem Erzähler auch 20 Jahre nach so einer Tat noch durch den Kopf geht, was ein solches Geschehen mit dem eigenen Leben macht und ob und wie sowas über verarbeitet werden kann. Sehr gefallen haben mir die Alltagsbeschreibungen, die Gespräche mit der Freundin, die Besuche der Orte in Erfurt und die Dialoge mit dem Dramatiker. Etwas verwirrend fand ich stellenweise die Zeit- und Ortssprünge , wobei das vielleicht auch daran lag, dass ich beim Hören längere Pausen gemacht und das Buch nicht am Stück gehört habe. Trotzdem für mich eine klare Empfehlung.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
10. Mai
Rating:3

Kaleb Erdmann hat als Fünftklässler den Erfurter Amoklauf von 2002 miterlebt, bei dem 16 Menschen (und der Täter) ums Leben kamen. Viele Jahre später merkt er, dass dieses Ereignis doch tiefere Spuren in ihm hinterlassen hat, als er immer gedacht hat. Als Literat versucht er sich diesem eigenen wie kollektiven Trauma zu nähern, um es so vielleicht doch auf Distanz schieben zu können… Eine Sache wird schnell deutlich: Kaleb Erdmann erzählt hier keinen True-Crime-Roman mit Cliffhangern und unmittelbarem Horror. Viel mehr dokumentiert er seinen literarischen Zugang und seine eigene Involviertheit zu diesem Fall. Er sucht und ringt nach Worten, nach Fragen, nach Antworten; aber nicht wie ein Kriminologe oder Investigativjournalist, sondern auf eine interessante autofiktionale bzw. metaliterarische Art und Weise. Das macht den Text einerseits inhaltlich lesbarer/aushaltbarer, aber formal anspruchsvoller. Erdmann thematisiert wichtige literaturtheoretische Fragen, die aber gesamtgesellschaftlich von höchster Bedeutung sind. Behutsam balanciert er den Begriff „Erinnerung“ hin und her und prüft dessen Wert für die Kunst und die Erkenntnis. Ein hochinteressanter Roman, der mit vielen Leseerwartungen gebrochen hat. Drei Sterne gebe ich nur, weil ich dieses Buch wirklich nur sehr sehr wenigen Menschen empfehlen würde und weil es für mich im Großen und Ganzen schon echt tough zu lesen war. Hinten raus hat mir auch etwas die Fokussierung gefehlt. Gefühlt faserte der Text am Ende etwas aus…

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
16. Apr.
Rating:2

Leider nicht mein Buch. Der Autor weiss mit Sprache umzugehen und kann schreiben, aber mit seinem weinerlichen Grundton erreicht er mich leider nicht. Wahrscheinlich hatte ich falsche Erwartungen an den Roman. Ich bin mir nicht sicher ob es sich um einen Roman handelt, oder ein höherer literarischer Anspruch besteht. Die Struktur und springende Handlung gefällt mir nicht. Im Buch geht es nicht direkt um den Anschlag in Erfurt, sondern um die Auseinandersetzung nach 20 Jahren und der Frage ob der Protagonist dies literarisch Bearbeiten kann /darf da er als 5 jähriger in der Guttenbergschule als Schüler war aber nicht direkt Betroffener. Es wird ziellos erzählt und sich in Details verloren.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
14. Apr.
Rating:2.5

„Die Ausweichschule“ war für mich so ein Buch, bei dem ich irgendwie etwas ganz anderes erwartet habe, ich kann gar nicht genau sagen was, aber es war einfach nicht das, was ich beim Lesen bekommen habe. Der Einstieg und auch Klappentext klangen richtig spannend, aber beim Lesen hat es mich immer weniger abgeholt. Erdmann schreibt sehr persönlich über das Attentat, seine Gedanken und warum er diesen Roman eigentlich gar nicht schreiben kann , es ist jedoch ruhig und ohne Sensationsgier erzählt, was ich positiv fand. Trotzdem blieb ich auf Distanz. Emotional hat es mich leider nicht so erreicht, der Erzähler blieb mir fremd. Vieles wirkte langatmig und durch die vielen Nebenschauplätze etwas zerfasert, und auch der Titel passt für mich nicht so richtig. Kein schlechtes Buch, mit interessanten Ansätzen, aber für mich hat einfach das gewisse Etwas gefehlt

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
19. März
Rating:5

Ein berührendes Buch, dass nicht versucht, eine tragische Hintergrundgeschichte auszuschlachten, sondern die Frage stellt, wie mit Tragödien umgegangen wird...

Mit 11 erlebt der Erzähler den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt mit. 20 Jahre später versucht er, die Geschehnisse literarisch aufzuarbeiten, und einen Weg zu finden, über die Geschehnisse zu schreiben, und stellt sich die Frage, ob man solche Tragödien wiederaufleben lassen soll und ob er überhaupt das Recht hat, das zu tun. Kaleb Erdmann erzählt eine Metageschichte, in der sein Protagonist versucht, ein Buch zu schreiben, und bringt in der Recherche seiner Figur, in seinen Gedankengängen und Handlungen die eigentliche Erzählung zu Papier. Dabei nimmt die Beschreibung des Amoklaufs selbst wenig Platz ein, sondern der Fokus liegt auf der Zeit danach. Auf der Ausweichschule, in der die Schüler vorrübergehend untergebracht werden, aber ganz generell auf der ganzen Stadt. Wie überfordert die Behörden von der Situation sind, wie versucht wird, das Geschehene aufzuarbeiten. Obwohl er keiner chronologischen Ordnung folgt, bildet sich ein roter Faden, der die Geschichte erst fast zirkulär zum Ende bringt, ehe das letzte Kapitel fast epilogähnlich die Geschichte wieder aufmacht und ihre dauerhafte Gültigkeite beweist.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
13. März
Rating:5

Diese Buch hat mich sprachlich wie auch inhaltlich sehr fasziniert, obwohl das Thema kein Leichtes ist. Der Autor hinterfragt nicht nur sehr authentisch sein Schreiben über sein Buch , sondern rezensiert, erinnert und hinterfragt so manche Bücher, Literatur zu diesem Thema wie auch andere gewaltsame wahre Geschichten. Er erinnert an z. B. an Emanuel Carrere, den ich als sehr authentischen Verfasser des Buches V13 empfunden habe. Er schreibt: " Nach einem halben Jahr des Schreibens weiß ich immer noch wenig über meine eigene Motivation , aber ich weiß, dass ich nichts aus dem Amoklauf lernen will, weil er kein Schulbuch, kein Schaubild, keit Merksatz ist. dass ich nichts aus ihm schöpfen will, denn er ist kein Waschbecken und kein Brunnen, sondern ein reales Ereignis, in dessen Folge heute siebzehn Menschen nicht mehr leben." Das unterscheidet den Autor oft von anderen..., er will keine "emotionale Geschichte "des Erfoges wegen verkaufen sondern zum Nachdenken anregen. Gerade diese Reflexionen habe ich an diesem Buch besonders geschätzt. Ich kann es nur empfehlen, sich auf diese ehrliche Art zu schreiben, einzulassen

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
1. März
Rating:4.5

Die Ausweichschule

Ich war zur Zeit des Erfurter Amoklaufes selbst noch Schülerin und habe das Geschehen verfolgt. Also in der Tagesschau oder im Spiegel, den meine Eltern abonniert haben. Diese Tat hat Möglichkeiten in meinem Kopf eröffnet, die vorher gar nicht da waren. Wie im Jahr davor, dass Flugzeuge von Terroristen entführt und zum Absturz gebracht wurden. „Die Ausweichschule“ wurde mir wohl irgendwo empfohlen und ich habe zugegriffen. Mir hat die Herangehensweise des Autors gefallen. Es war greifbar und nah.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
25. Feb.
Rating:5

In seinem zweiten Roman beschäftigt sich der Autor mit dem Attentat im Jahr 2002 am Erfurter Gutenberg Gymnasium, an dem er zum Zeitpunkt des Geschehens in der fünften Klasse war. Aber auch mit den Nachwirkungen und der Frage: Darf ich als Autor überhaupt darüber schreiben? Wie nähere ich mich diesem Thema? Wie verarbeite ich diesen Tag? Dieses Buch hat mich wirklich sehr tief berührt. Meine damalige Schule lag nicht besonders weit von Erfurt entfernt und auch bei uns gab es keine angemessene Aufarbeitung durch die Schule - Schwarze Flecken - „Vielleicht sind sie aufgetaucht, weil die Trauerrituale, mit denen diese erste Woche gefüllt war, eben Erwachsenenrituale waren, in denen Erwachsene andere Erwachsene trösteten, obwohl ein ziemlich großer Teil der Betroffenen doch aus Kindern und Jugendlichen bestand.“ Für mich persönlich war es sehr anstrengend das Buch zu lesen, da ich wegen der verschiedenen Zeitebenen und der teilweise seitenweisen Fakten schlecht in einen Lesefluss gekommen bin. Ich möchte euch dieses Buch dennoch ans Herz legen, eine Auseinandersetzung mit dem Ereignis war längst überfällig und der Autor macht das auf sehr respektvolle Weise.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
22. Feb.
„wir waren zu jung, um ein sinnvolles Gespräch über ein so ernstes Thema zu führen“ (S. 128)
Rating:5

„wir waren zu jung, um ein sinnvolles Gespräch über ein so ernstes Thema zu führen“ (S. 128)

Manchmal denke ich, diese App ist Fluch und Segen zugleich. Den Segen muss ich wohl nicht ausführen, den Fluch vielleicht schon. Es ist natürlich kein richtiger Fluch, wobei mein Portemonnaie das anders beurteilen könnte und mein SuB (inklusive Wunschliste) in einer Geschwindigkeit wächst, mit der ich nicht annähernd mithalten kann. Über diesen Weg jedenfalls kam „Die Ausweichschule“ zu mir. Bis ich diese Rezension tatsächlich veröffentliche, ist einige Zeit vergangen. Weil auch ich verarbeiten, nachdenken, schreiben, überarbeiten, ergänzen, löschen und fühlen musste. So lange bis ich für mich einen ersten Abschluss mit diesem Buch finden konnte. Während meines Leseprozesses war ich nicht sicher, ob ich das Buch überhaupt mit einer Anzahl von Sternen würde bewerten können. Es fühlte sich falsch an, unpassend, nicht mit meinen sonstigen Bewertungskriterien in Einklang zu bringen. Wie sollte ich einen persönlichen Prozess, wie Kaleb Erdmann ihn in der Ausweichschule beschreibt, bewerten? Wie sollten echte Erfahrungen und Emotionen, Erlebnisse und Reflexionen gemessen werden können? Ist das viel mehr individuell wertvoll denn bewertbar? Doch gegen Ende überkam mich die Gewissheit, dass es eben beides zugleich ist: bewertbar, weil so wertvoll. Für mich ist „Die Ausweichschule“ ein außergewöhnliches Werk, dass in seiner Individualität besonders herausragt und damit jeden möglichen Stern mehr als verdient. Von Beginn an fühlte ich einen Sog, der mich in die Welt von Erdmann zog. Der mich wissen lassen wollte, was als nächstes passiert und mich immer wieder zu eigenen Reflexionsprozessen und Auseinandersetzungen anregte. Dabei brauchte es manche Pausen, die jedoch nie lange anhielt, weil Erdmann mit seiner Alltäglichkeit und Ehrlichkeit immer wieder ins Schwarze trifft, im Kleinen und im Großen. Ich hatte zunächst etwas anderes erwartet. Wohl das, was auch Erdmanns ursprünglicher Plan für dieses Werk war. Am Ende bin ich sehr dankbar, dass es genau das nicht geworden ist. Denn das, was Kaleb Erdmann hier geschrieben hat, ist aus meiner Sicht so viel mehr. Einige Passagen ließen mich mit einer Schwere zurück, andere aber auch wieder mit einem Lächeln. Besonders im Gedächtnis blieb mit der Gedanke, wer denn nun die Pinguinarbeit kontrollieren würde (S. 131), der für mich so sinnbildliche die Unfassbarkeit der Situation für eine ganze Schulgemeinde und noch so viel mehr Menschen darstellt. Ebenso verankert haben sich die Gesprächsausschnitte zwischen Erdmann und seiner Mutter, denn mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit werde ich ab jetzt häufiger über die Formulierung „Ich glaube …“ stolpern (S. 165). Bis zuletzt hinterließen die Zeitsprünge in der Erzählung bei mir ein Gefühl der Verwirrung, was für mich als Stilmittel so passend für die Inhalte ist. Erdmann gelingt es durch seinen präzisen und detaillierten Schreibstil seine Emotionen und Erfahrungen fühlbar zu transportieren und ermöglicht es, seinen Gedankengängen und seiner Auseinandersetzung zu folgen. Mit einer besonderen Stärke reflektiert der Autor seine Erlebnisse und lässt uns damit an seinem Inneren teilhaben. Das Ende berührte mich nochmal auf einer anderen Ebene und ließ mich mit einem dicken Kloß im Hals und Unbehagen auf der Seele zurück. Diese Buch ist mehr als lesenswert. Es ist ein dargestelltes Innenleben, das berührt und bewegt, versucht zu verstehen und ein Stück weit zeigt, zu akzeptieren. Ich verbleibe in Dankbarkeit und in Gedanken bei all denjenigen, die von jenem 26. April 2012 betroffen waren und bis heute sind.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
21. Feb.
Rating:4

Kaleb Erdmann geht in dem Roman sehr frei mit der Erzählperspektive um wie ich finde. Außerdem mag ich die Fragen, die er dazu aufwirft, wer ab wann über ein tragisches Ereignis sprechen 'darf'. Ab wann ist es schlimm genug, wie eine Person etwas erlebt hat, dass sie darüber sprechen/schreiben darf?

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
19. Feb.
Rating:3

Ein Buch darüber, wie man ein Buch schreibt

Der Autor hat als Elfjähriger den Amoklauf von Erfurt unmittelbar erlebt und beschreibt in dem Buch den Schreibprozess über die Verarbeitung eines solchen Ereignisses. Es fiel mir oft schwer den Autoren vom Ich-Erzähler zu trennen. Auch die verschiedenen Zeitsprünge und Ortswechsel haben meinen Lesefluss gestört. Das Buch stand ja auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2025, sicherlich wegen der Thematik. Literarisch fand ich es okay, aber nicht so herausragend wie überall beschrieben. Ich bin an den Erzähler überhaupt nicht heran gekommen. Ich habe zwar zügig durch das Buch gelesen, aber ich befürchte es bleibt nicht viel hängen.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
18. Feb.
Ein Buch über den Versuch ein Buch zu schreiben. 
Wenn ein Trauma wieder in deinem Leben einzieht. Ein Amoklauf vor 20 Jahren und welche Gefühle es heute noch bei dir auslöst. 4⭐⭐⭐⭐
Rating:4

Ein Buch über den Versuch ein Buch zu schreiben. Wenn ein Trauma wieder in deinem Leben einzieht. Ein Amoklauf vor 20 Jahren und welche Gefühle es heute noch bei dir auslöst. 4⭐⭐⭐⭐

Beschreibung ( Spoilergefahr) Man kann es kaum beschreiben. Ich hae b mir das Buch komplett anders vorgestellt. Ich dachte es geht in dem Buch um den Amoklauf im Gutenberg Gymnasium in Erfurt. Aber... Es ist so anders Den Erzähler trifft, nach über 20 Jahren, das Ereignis unerwartet und gewaltvoll wieder. Es reißt alte Wunden auf. Er beginnt wieder sich damit zu beschäftigen. Was sind kindliche Erinnerungen , was trockene Berichterstattung was Realität was vielleicht gefühlsbetont Fantasie. Altes Trauma, neue Bewältigung. Macht das Sinn sich erneut dem auszusetzen? Soll man es gut sein lassen. Darf man alte Wunden wieder aufreißen? Für was? Schreibt man für sich um es sich von der Seele zu schreiben und funktioniert das überhaupt? So viele Fragen. Es hat mich teilweise verwirrt, weil das Buch in seinen Kapiteln so stark in der Zeit hin und her schwappt. Das macht es beim lesen etwas durcheinander. Der Schreibstil ist sehr gut . Es regt so viel zum Nachdenken an . Es wird mich auch noch lange beschäftigen. Es ist definitiv Lesenswert ,auch wenn es so sehr anders ist ,als man es sich vorstellt. Ein krasses Thema was so sehr in unsere Zeit passt. Wie soll man mit so einem Trauma umgehen? Kann man es überhaupt bewältigen? Wie soll man auf etwas vorbereitet sein, das es nicht gibt?

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
15. Feb.
Wichtiges Thema, aber nicht meine Art von Buch
Rating:2.5

Wichtiges Thema, aber nicht meine Art von Buch

Die Ausweichschule greift ein sehr sensibles und wichtiges Thema auf: einen Amoklauf, das Danach, das Trauma und dieses Gefühl, dass etwas nicht wirklich verarbeitet werden kann, weil man immer wieder zurückgeworfen wird. Trotzdem hat mich das Buch persönlich nicht so abgeholt, wie ich es mir erhofft hatte. Ich bin mit einer anderen Vorstellung hineingegangen. Im Mittelpunkt steht nicht das Geschehen selbst, sondern ausschließlich der Autor, sein Denken, sein Erinnern und sein Versuch, damit umzugehen. Das kann grundsätzlich interessant sein, hat sich für mich aber stellenweise sehr gezogen. Ich habe außerdem wirklich gebraucht, um im Buch anzukommen. Die vielen Zeitsprünge haben mich oft aus dem Lesefluss gerissen und ich musste mir die Abläufe ständig neu zusammensetzen. Dazu kommt, dass es keinerlei wörtliche Rede gibt, was es mir zusätzlich schwer gemacht hat, Nähe aufzubauen und mich richtig in der Geschichte zu verorten. Was mir am meisten gefehlt hat: ein tieferer, greifbarer Blick auf das Ereignis und vor allem auf die direkten Auswirkungen. Ich hätte mir mehr Nähe gewünscht, weniger Umkreisen.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
3. Feb.
Rating:2

wichtiges Thema, aber nicht so umgesetzt, wie ich es erwartet habe

„Die Ausweichschule“ behandelt ein sehr sensibles und wichtiges Thema, weshalb ich große Erwartungen an das Buch hatte. Leider hat es mich persönlich nicht so abgeholt, wie ich gehofft hatte. Ich hatte mir etwas anderes unter der Geschichte vorgestellt. Der Fokus liegt weniger auf dem eigentlichen Ereignis, sondern vor allem auf dem Autor selbst und seinen Gedanken. Auf seine Verarbeitung, seine Prägung und seinen Umgang damit. Das ist grundsätzlich interessant, hat sich für mich aber sehr gezogen. Ich hatte oft Mühe, dranzubleiben und weiterzulesen. Über den Amoklauf selbst wird nur sehr wenig gesprochen. Mir hat hier der tiefere Einblick in die Erlebnisse gefehlt. Ich hätte mir mehr Nähe zu den Ereignissen und den Auswirkungen gewünscht. Vielleicht bin ich auch mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen. Für mich war es leider nicht das, was ich mir erhofft hatte. Ein wichtiges Thema, aber für mich persönlich keine passende Umsetzung.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
3. Feb.
Rating:4

Ein Buch über das Erinnern, über das Schreiben, über die Suche nach den richtigen Worten. Darf man über über so etwas Schreckliches, wie einen Amoklauf schreiben? Geschieht dies aus eigenem Interesse oder ist es schon Voyeurismus? Ist man betroffen genug, wenn man selber betroffen ist, oder ist man zu nah dran? Was ist richtig, was ist falsch? Was ist wichtig und was unwichtig? Sehr kühl und analytisch geschrieben und doch sehr gefühlvoll.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
31. Jan.
Zwischen Erinnerung und Weiterleben
Rating:4

Zwischen Erinnerung und Weiterleben

Als ich im Klappentext gelesen habe, dass sich der Roman mit dem Amoklauf von 2002 beschäftigt und ein Überlebender als Erwachsener auf seine Kindheit und die damaligen Ereignisse zurückblickt, war ich sofort neugierig. Es ist ein unglaublich schweres, trauriges Thema, umso beeindruckender finde ich, wie der Autor so sensibel und reflektiert sich daran herangewagt hat. Besonders ist die Erzählweise: Die Geschehnisse werden sowohl aus der Perspektive des elfjährigen Jungen als auch aus der Sicht seines erwachsenen Ichs geschildert. Diese Parallelität macht deutlich, wie tief die Erlebnisse nachwirken und wie sehr sich Erinnerung, Trauma und Verarbeitung über Jahre hinweg verändern können oder eben auch nicht. Das Buch ist ruhig, nachdenklich und stellenweise sehr schmerzhaft zu lesen. Es geht weniger um Sensation, sondern vielmehr um die Frage, wie man mit einem solchen Erlebnis weiterlebt und wie Erinnerung funktioniert. Ein stilles, eindringliches Buch über Trauma, Erinnerung und das Weiterleben nach einem unfassbaren Ereignis.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
28. Jan.
Rating:5

Perspektivisch Einzigartig, Thematisch nicht ohne

Dieses Buch ist gleichzeitig schwierig und einfach zu lesen. Die erzählerische Perspektive ist wirklich einmalig, auch wenn es etwas „meta“ ist, wenn ein Autor über das Schreiben eines Buches schreibt. Aber ich halte das Thema der Traumabewältigung für sehr wichtig und habe die Darstellung als sehr ehrlich ehrlich empfunden. Ich würde dieses Buch weiterempfehlen auch wenn ich andere Leser vor einem schwierigen Thema waren muss.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
22. Jan.
Mehr über Verarbeitung als über das Geschehene
Rating:3.5

Mehr über Verarbeitung als über das Geschehene

„Die Ausweichschule“ von Kaleb Erdmann stand 2025 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises – das macht neugierig. Erdmann erlebte als elfjähriger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt den Amoklauf von 2002 mit sechzehn Toten. Auch wenn er nicht direkt mit dem Täter in Kontakt kam, ließ ihn dieses Erlebnis nicht los – zwanzig Jahre später versucht er, seine Erinnerungen und Emotionen literarisch zu verarbeiten. Der Roman nähert sich dem Erfurter Amoklauf auf eine ungewöhnlich reflektierte Weise. Der Erzähler versucht, Jahre später einen Text über das Geschehen und die Traumata der Beteiligten zu schreiben. Dabei wird schnell klar, dass Erinnerungen, Protokolle, Gutachten und Berichte sich widersprechen und keine vollständige Rekonstruktion möglich ist. Auch seine eigenen Erinnerungen sind lückenhaft und stark von Medienberichten geprägt. Er war damals kein direktes Opfer, hat keine Leiche gesehen, sondern nur den Täter – und stellt sich immer wieder die Frage, welches Recht er überhaupt hat, darüber zu schreiben. Diese Offenheit fand ich spannend: Die Ausweichschule verschweigt keine Ungereimtheiten, sondern macht sie zum Teil der Erzählung. Der Roman geht sehr bedacht mit allen Beteiligten um, verzichtet auf Sensationslust oder einfache Schuldzuweisungen und stellt nicht die große, reißerische „Warum?“-Frage in den Vordergrund, sondern das schwierige Erinnern selbst. Gleichzeitig blieb ich emotional etwas auf Abstand. Große Teile des Buches beschäftigen sich mit dem Ringen um das richtige Erzählen, werden aber auch immer wieder von Nebensächlichkeiten unterbrochen – etwa der Arbeit der Freundin Hatice oder der Vernissage –, die ich nicht immer als notwendig empfunden habe. Dadurch wirkte der Roman stellenweise etwas langatmig. Insgesamt ist es trotzdem ein sensibles Buch über Erinnerung und Trauma – interessant und wichtig, auch wenn es mich persönlich nicht ganz umgehauen hat.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
17. Jan.
Rating:3

Sprachlich schön, solide, mir zu sprunghaft und ich war zum Schluss etwas verloren

Kaleb Erdmann ist 11 Jahre alt und besucht die 5. Klasse des Gutenberg-Gymnasiums, als ein Schüler seiner Schule einen Amoklauf begeht und dabei 16 Personen und schließlich sich selbst tötet. Erdmann selbst ist eigentlich mittendrin, sieht den Täter – doch nach eigenen Überlegungen war er vielleicht doch nicht nah genug dran gewesen, um darüber schreiben zu dürfen. Ständig hinterfragt er sich und sein 11-jähriges Ich. Was hat er tatsächlich selbst erlebt, und was hat sein Kopf seinen Erinnerungen hinzugefügt? Über den Amoklauf selbst geht es nur in einem kleinen Bruchteil, vielmehr stehen die Gedanken des Autors im Mittelpunkt – wie er damit umgeht, was er danach gedacht und getan hat und wie er aktuell dazu steht. Leider wird der Roman nicht stringent erzählt, sondern springt rein thematisch, sodass ich mir zum Schluss gar nicht mehr sicher bin, wie die zeitliche Abfolge einzelner Gedanken und Handlungen war. (Ich habe es als Hörbuch gehört.) Auch habe ich gegen Ende auf ein Fazit gehofft, das ausblieb. Und so bleibe ich etwas orientierungslos zurück. Das Einzige, was ich mitnehme, ist der Gedanke, ob bzw. warum wir für alles eine Erklärung und bestenfalls eine Einordnung brauchen: Idealerweise zieht sich ein Amokläufer vor der Tat sozial zurück, spielt Killerspiele, und zack – haben wir eine Begründung, die uns wieder ruhig schlafen lässt. Was, wenn ein Jugendlicher einen Amoklauf begeht, auf den das nicht zutrifft?!

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
17. Jan.
Ein leiser Roman über das Unfassbare
Rating:3.5

Ein leiser Roman über das Unfassbare

Kaleb Erdmann wählt für die literarische Aufarbeitung eines extrem sensiblen Themas einen bemerkenswert zurückhaltenden Ansatz und verzichtet bewusst auf Sensationslust. Die Tat des Erfurter Amoklaufs selbst stellt er nicht ins Zentrum. Stattdessen liegt der Fokus auf Erinnerung, Verarbeitung und dem Versuch, sprachlich mit einer Tragödie umzugehen, für die es eigentlich keine Worte gibt. Auch stilistisch ist das Buch stark: ruhig, kontrolliert und sehr gut lesbar. Der Schreibstil trägt das schwere Thema mit einer „gewissen Leichtigkeit“, ohne es zu verharmlosen. Am Ende bleibt für mich jedoch ein spürbares Defizit. Der Text verliert sich oft in Nebenschauplätzen und Beschreibungen, die nur lose mit den zentralen Ereignissen verbunden sind. Der Fokus liegt über weite Strecken auf Gegenwartsbeschreibungen. Am Ende trägt vor allem die Schwere des Themas den Text – weniger die Handlung selbst.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
16. Jan.
Post image
Rating:4

DIE AUSWEICHSCHULE Kaleb Erdmann ET: 31.07.2025 Erfurt, 26. April 2002: Der Ich-Erzähler ist elf Jahre alt und besucht die fünfte Klasse, als ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums das Schulgebäude stürmt, 16 Menschen erschießt und sich anschließend selbst tötet. Der Erzähler ist überzeugt, kein Trauma davongetragen zu haben. Weder mit seinen Freunden noch innerhalb der Schule wird der Amoklauf thematisiert. Stattdessen zieht die gesamte Schulgemeinschaft in ein anderes Gebäude um – die sogenannte Ausweichschule. Eineinhalb Jahre später zieht der Erzähler mit seinen Eltern nach München. Zwanzig Jahre später bringt ein einschneidendes Ereignis die verdrängten Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Der Erzähler beschließt, ein Buch über das Erlebte zu schreiben – doch was hat er tatsächlich erlebt? Seine Erinnerungen sind bruchstückhaft, oft getrübt, und es stellt sich die Frage, ob man alte Wunden überhaupt wieder aufreißen darf. Kaleb Erdmann hat ein ungewöhnliches Buch geschrieben: weder Roman noch Sachbuch, sondern eine eindringliche Form literarischer Vergangenheitsbewältigung. Er selbst steht dabei meist im Fokus der Erzählung, und trotz des ernsten und traurigen Themas gibt es einige Schmunzelmomente. Fazit: Ein intensives und bewegendes Buch über eine kaum vorstellbare Gewalttat. Trotz seines literarischen Anspruchs lässt es sich schnell und flüssig lesen und wirkt lange nach. Zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025. 4/5

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
15. Jan.
Rating:4

Sicher nicht für jede:n was. Mich hat’s überzeugt.

Ich find ziemlich spannend, dass sich Kaleb Erdmann gerade für “Die Ausweichschule” als Titel für sein Buch entschieden hat. Das Wort “Ausweichschule erweckt im Kontext des Buches den Gedanken, man könne einem solchen Ereignis – bzw. den Folgen dessen – irgendwie ausweichen, in dem man woanders hingeht und dort mit dem Alltag weitermacht als wäre nichts gewesen. Sein Text zeigt eindrücklich: das kann man nicht. Es gibt eine Passage gegen Ende des Buches, in der der Erzähler mit seiner Mutter im Isenheimer Kloster ist. Der Audioguide sagt im Bezug auf eine kränklich dargestellte Figur im Bereich des Altars: “Nach ihrer Aufnahme in das Kloster wurden die krampfenden, halluzinierenden Patienten zuerst vor den Altar geführt. Die Kranken sollten sich mit den abgebildeten Figuren identifizieren und somit geistige und körperliche Stärkung erfahren. Aber nicht: Kraft aus dem Kunstwerk schöpfen, wie man das heute sagen würde, sondern im direkten Sinn: Die Antoniter haben die Kranken vor das Kunstwerk geführt, damit sie Heilung erfahren, damit ein Wunder geschieht.” Diese Parallele fand ich ziemlich stark. Im Buch geht es immer wieder um das Stück des Dramatikers, der sich Unterstützung-suchend an den Erzähler wendet. Aus heutiger Sicht sagen wir: “Na was soll das den Kranken denn gebracht haben, sich mit Krankheitsdarstellungen zu identifizieren? Wie soll denn dadurch Heilung entstehen?” Gleichzeitig wird Kunst u. a. zur Verarbeitung diverser traumatischer Ereignisse kreiert und kann tatsächlich einen Beitrag leisten. (Aufmerksamkeit, Verbundenheit) Es stellt sich also die Frage: warum wird so ein Stück produziert? Warum so ein Buch geschrieben? Ist es heilsam? Immer wieder ist der Erzähler beinahe wahnhaft in seiner Recherche. Er isst viel, schläft wenig und schlägt sich mit Panikattacken herum. Das hört sich wenig heilsam an. Kaleb Erdmann hat einen ganz eigenen Erzählstil. Mir persönlich hat er gut gefallen, ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das nicht-chronologische Herumgehüpfe nicht für jeden etwas ist. Der Text hatte einige witzige Passagen, war aber grundlegend ziemlich ernst und sachlich. Insgesamt hätte ich mir – persönlich – noch ein klein wenig ausdrücklichere Konklusion und ein bisschen weniger Herumgehüpfe gewünscht. Dennoch sehr solide und verdientermaßen auf der letztjährigen Shortlist gelandet.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
9. Jan.
Rating:4

“Die Ausweichschule” von Kaleb Erdmann ist 2025 zu Recht für den Deutschen Buchpreis nominiert worden. Der Ich-Erzähler nimmt die Lesenden mit auf eine Reise in die Vergangenheit, denn er muss sich, als ein Dramatiker seine Erinnerungen an den Amoklauf in Erfurt 2002 für ein Theaterstück verwenden will, seinen Erinnerungen daran und etwaigen daraus resultierenden Traumata stellen. Erdmann verhandelt hier in erster Linie gar nicht den Amoklauf selbst, sondern das Erinnern sowie die Frage, inwieweit man als nicht direkt Betroffener überhaupt das Recht auf öffentliche Verarbeitung hat und seziert die Auswirkungen der Tat auf das Leben seines Protagonisten. Das Springen zwischen den Zeitebenen (Gegenwart sowie nahe Vergangenheit) hat mich recht oft durcheinander gebracht und ich habe etwas gebraucht, um mich in den Text zu finden, fand ihn dann jedoch sehr spannend und faszinierend. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. *Das eBook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
8. Jan.
Rating:4.5

Sehr persönlich, wirklich zu empfehlen

Als ich Die Ausweichschule zum ersten Mal in den Händen hielt wusste ich nicht was mich erwartet. Eine völlig andere Art von Buch die ich sonst lese, die mich aber von Anfang an begeistert und fasziniert hat. Ein absolut wichtiges und aktuelles Thema und zugleich ein wirklich sehr persönliches Buch des Autors, der den Lesern - trotz Romancharakter - einen intimen Einblick in seine Gedankenwelt vermittelt. Kein leichtes Nebenbei-Buch, sondern eine teils brutale Art des Verarbeitens, literarisch sehr besonders und absolut empfehlenswert.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
4. Jan.
Rating:3

Am Ende bleibt die Frage: Wozu das Ganze?

**** Mein Eindruck **** Wir verfolgen die Gedanken eines Erzählers zwanzig Jahre nach einem Amoklauf an seiner Schule. 2002 – ein Jahr, in dem solche Taten noch nicht zur erschreckenden medialen Routine gehörten. Der Erzähler war damals Teil des Systems Schule, war an diesem Tag im Unterricht und doch zugleich nicht wirklich beteiligt, denn seine eigenen primären Erinnerungen sind bruchstückhaft, fast abwesend. Zwanzig Jahre später setzt er sich aus sekundären Erzählungen, fremden Erinnerungen, verschwommenen Bildern und scheinbar unzusammenhängenden Gedanken ein Mosaik zusammen. Es geht um ein Buch, das über das Geschehene geschrieben werden soll. Um Worte, die erst gefunden werden müssen. Um Erinnerungen, denen Bedeutung und Gewicht verliehen werden sollen. Doch wohin führt das alles? Die Erzählung tritt immer wieder auf der Stelle. Sie kehrt zurück, erneut und erneut, bevor sie sich zaghaft ein Stück vorwärts bewegt. Inhaltlich hatte ich am Ende das Gefühl, wieder dort angekommen zu sein, wo alles begann: Es ist etwas Schreckliches passiert – damals wie heute bleibt es tragisch. Doch eine klare Moral, eine Konsequenz oder eine neue Erkenntnis konnte ich für mich nicht greifen. Genau das fehlte mir in diesem literarischen Werk. Sprachlich jedoch ist das Buch äußerst interessant. Der Erzähler besitzt eine sehr eigene Stimme, spielt mit Gedanken, Abschweifungen und Reflexionen – und damit auch mit uns als Lesenden. Ziellos, so empfand ich es, aber nicht belanglos. Denn trotz dieser Kreisbewegung bleibt das Buch unterhaltsam. Das schwere Thema trägt das Gewicht, während der Erzähler selbst immer wieder mit leiser Ironie, Abgelenktheit und feinem Humor durchscheint. Unaufdringlich, aber konstant präsent. **** Empfehlung? ****
Ein Buch für Leser:innen, die sich auf eine sprachlich dichte, reflektierende und bewusst ziellose Auseinandersetzung mit Erinnerung und Trauma einlassen möchten. Wer eine klare Auflösung oder moralische Antwort sucht, könnte enttäuscht sein – wer Literatur als Denkraum versteht, wird hier fündig.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
2. Jan.
Rating:3

Falsche Erwartungen?

Ich weiß nicht, was meine Erwartungen bei einem Buch, welches scheinbar über den Amoklauf in Erfurt 2002 berichtet, waren. Vielleicht war es Neugier, wie man über so ein Thema schreiben kann, ohne voyeuristisch zu werden. Voyeuristisch war es auf jeden Fall nicht. Aber für mich hat sich das ganze Buch wie ein Vorwort, ein sehr langes Vorwort, zur eigentlichen Geschichte angefühlt. Ich warte immer noch darauf, dass die Geschichte losgeht. So hätte der Text des Ich-Erzählers für mich auch fast ohne die Geschichte über den Amoklauf funktionieren können. So viel anderes passiert. Es ist für mich vor allem eine Geschichte über den Autoren, über das Schreiben und auch ein wenig darüber, was das Geschehene mit ihm gemacht hat und noch immer macht. Es hat mich aber nicht emotional berührt. Vielleicht war das meine Erwartung.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
30. Dez.
Rating:5

Tiefes Nachdenken über Erinnerung und Schreiben - ein echtes Highlight

Dieses Buch macht einen still, aber auf eine gute Art. Erdmann zeigt, wie man über Erinnerungen schreiben kann, ohne sie zu verpacken oder zu vereinfachen. Man merkt bei jeder Seite, dass hier jemand genau überlegt, was erzählt wird und was offen bleiben darf. Die Perspektiven wechseln, ohne dass es verwirrt. Eher so, als würde man Gedanken beobachten, die sich selbst sortieren. Und trotzdem sitzt jeder Satz, die Sprache ist präzise, ohne belehrend oder aufgesetzt zu wirken. „Die Ausweichschule“ ist kein Buch, das man einfach nebenher liest, es fordert. Klug, ungewöhnlich, nachdenklich.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
29. Dez.
Rating:5

Mein Lieblingsbuch aus 2025. Der schlimme Amoklauf von Erfurt ist sehr gut aufgearbeitet und hat mich lange beschäftigt. Zudem habe ich mir fest genommen im Schulbetrieb mehr auf die Schüler:innen zu achten und noch intensiver in die Beziehung zu investieren.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
29. Dez.
Rating:5

Ausgehend von seinen Kindheitserfahrungen rund um den Amoklauf von Erfurt erzählt der Roman nicht die Tat, sondern das Ringen um Worte dafür. In einer reflektierten, zurückhaltenden Sprache wird die „Ausweichschule“ zum Symbol für Verdrängung und Annäherung zugleich.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
9. Dez.
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Rating:3.5

Am letzten Tag der Abiturprüfungen 2002 fallen in Erfurt Schüsse, und wir erleben diesen Tag durch die Augen eines Elfjährigen, der zwanzig Jahre später obsessiv versucht, einen Roman darüber zu schreiben. Ich bin dem Autor wirklich schnell gefolgt und man merkt, dass er unglaublich gut schreiben kann. Ich bin flott durch die Seiten gekommen, was bei dem ernsten Thema nicht selbstverständlich ist. Allerdings muss ich ehrlich sein: Meine Erwartungen waren anfangs andere. Ich habe erwartet, dass die Geschichte mehr den Tag des Amoklaufs selbst beleuchtet, obwohl die Momentaufnahmen davon, die wir bekommen, erschreckend sind. Stattdessen dreht sich das Buch viel mehr um folgende Gedanken: Hat man als Überlebender, der die Tat gar nicht direkt gesehen hat, überhaupt das Recht, darüber zu schreiben? Wie geht man mit diesem Überleben weiter, wenn die Erinnerungen und die Schuldgefühle nicht verschwinden wollen? Diese immer wiederkehrende Suche nach Erklärungen und Antworten hat mir trotz meiner ursprünglichen Erwartungshaltung dann doch sehr gut gefallen und dem Buch einen unerwarteten Tiefgang verliehen. Der große Haken für mich war der Erzähler selbst. Obwohl die Fragen, die er stellt, so universell sind, blieb er mir seltsam fremd und distanziert. Ich konnte keine echte emotionale Brücke zu ihm aufbauen. Es fehlten mir die Emotionen und vielleicht ist das genau die ehrliche Art zu schreiben, wenn man so etwas erlebt hat. Aber dadurch konnte mich die Geschichte emotional nicht komplett abholen oder mich ganz erreichen. Trotz dieser Distanz ist es eine lesenswerte Geschichte über wiederkehrende Erinnerungen, die Frage nach Schuld und das mühsame Zurückfinden in den Alltag nach einem solchen Erlebnis. Es ist ein wichtiges, nachdenkliches Buch, das die richtigen Fragen stellt, aber man darf keine emotionale Achterbahnfahrt erwarten.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
5. Dez.
Rating:4

Überraschend anders, aber gut!

Ich hatte etwas anderes erwartet. Einen "normalen" Roman, der die Geschehnisse vielleicht in chronologischer Reihenfolge oder aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Einen Roman, der mit zwanzig Jahren Abstand auf den Amoklauf von Erfurt zurückblickt. Aber stattdessen kommt der Erzähler gar nicht auf den Punkt - und genau das ist der Punkt. "Die Ausweichschule" macht überdeutlich, dass so eine unfassbare Tat, wie der Amoklauf von Erfurt eine unfassbare Tat bleibt. Für die direkt Betroffenen und Angehörigen genauso wie für die Helfenden. Die Zerrissenheit, das Trauma und die Gefühle des Protagonisten werden spürbar beschrieben. Schilderungen von Alltagsepisoden haben mich zum Schmunzeln gebracht, genauso wie die abstruse Sidestory mit der Kunstausstellung. Gekonnt spielt Kaleb Erdmann mit den Zeiten, beginnt mit dem Ende der Geschichte um mit einem Umweg über den Anfang den Kreis wieder zu schließen.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
4. Dez.
Rating:3.5

Rezensionsexemplar Das Buch behandelt ein unglaublich schweres Thema: Der Autor erzählt vom Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, (26. April 2002) den er als Fünftklässler miterlebt hat, und davon, wie diese Erinnerungen bis heute in seinem Leben nachwirken. Das ist eindringlich, persönlich und stellenweise sehr bewegend – und meine Bewertung richtet sich ausdrücklich nur auf den Schreibstil, nicht auf sein Erlebtes.

Ich gebe dem Buch 3,5 von 5 Sternen, möchte aber ausdrücklich betonen, dass sich meine Bewertung ausschließlich auf die Art der Erzählung und den Schreibstil bezieht – nicht auf die Erlebnisse des Autors oder den Amoklauf selbst. Das, was er erlebt hat und wie er es empfunden hat, steht für mich außer Frage und wird von mir nicht bewertet. Mein Eindruck richtet sich nur darauf, wie diese Geschichte literarisch umgesetzt wurde. Im Buch erzählt der Autor davon, wie er als Fünftklässler den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt erlebt hat, wie sich dieser Tag in seine Erinnerung eingebrannt hat und wie die Auswirkungen bis heute in seinem Leben nachhallen. Er versucht zu beschreiben, was dieses Ereignis mit ihm gemacht hat, wie es ihn geprägt hat und wie er viele Jahre später versucht, sich den Erinnerungen erneut zu nähern – teils durch Recherchen, teils durch persönliche Gespräche, teils durch das Schreiben selbst. Das Thema ist zweifellos wichtig und stellenweise gelingt es dem Autor sehr gut, einen mitzunehmen und in seine Gedankenwelt hineinzuziehen. Manche Passagen haben mich wirklich berührt, weil sie klar, eindringlich und nachvollziehbar geschrieben sind. Doch gleichzeitig bin ich immer wieder an Grenzen gestoßen, die meinen Lesefluss massiv gebremst haben. Der häufige Wechsel der Zeitebenen – teilweise sogar mitten im Absatz oder von einem Satz zum nächsten – hat dazu geführt, dass ich immer wieder neu sortieren musste, wo wir uns gerade befinden. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber hier wirkte es oft so abrupt, dass ich aus der Geschichte herausgerissen wurde. Dazu kamen viele Ausschweifungen und Alltagsbeschreibungen, die für mich keinen echten Mehrwert hatten und die Erzählung eher ausbremsen. Ob Fußbad, Comics oder kleine Nebenszenen – vieles davon wirkte auf mich unnötig ausführlich und hat die eigentliche Thematik verwässert. Obwohl das Buch gar nicht so viele Seiten hat, habe ich doch mehrere Wochen dafür gebraucht, weil ich immer wieder über solche Stellen gestolpert bin und mich neu orientieren musste. Ich bin während des Lesens oft hin- und hergerissen gewesen. Es gibt Momente, die sehr stark sind und mich vollkommen abgeholt haben – und dann wieder Passagen, die mich gelangweilt oder verwirrt zurückgelassen haben. Diese Diskrepanz macht es schwer, das Buch eindeutig einzuordnen. Letztlich bleibt für mich eine Mischung aus Respekt für das Thema einerseits und Kritik am literarischen Stil andererseits. Aus diesen Gründen entscheide ich mich für 3,5 von 5 Sternen. Nicht als Bewertung seiner Geschichte oder seiner persönlichen Erfahrungen mit dem Amoklauf, sondern ausschließlich der Art, wie sie erzählerisch umgesetzt wurde.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
30. Nov.
Rating:4

Tolle Auseinandersetzung mit einer schwierigen Materie - absolut lesenswert!

Der Autor hat als Fünftklässler den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 miterlebt. Mehr als zwanzig Jahre später versucht er, über das Erlebte einen Roman zu schreiben. Anders als ich nach dem Klappentext vermutet habe, handelt es sich bei der Ausweichschule jedoch nicht um einen linear erzählten Roman über das Geschehene. Vielmehr wird das Angehen des Autors beschrieben, für das Erlebte eine Ausdrucksform zu finden. Man begleitet ihn zu Reisen in sein Inneres, zu den Erinnerungen seines elfjährigen Ichs und seinen heutigen und damaligen Empfindungen sowie zu Reisen an Orte der Vergangenheit. Eine solche Form der Darstellung war für mich neu und hat mich sehr begeistert. Da der Roman nicht chronologisch erzählt wird, war es für mich manchmal schwierig, das jeweilige Kapitel zeitlich einzuordnen; dies hat der Lesefreude aber keinen Abbruch getan. Es ist das dritte Buch von der Shortlist, das ich gelesen habe und mein bisheriger Favorit. Eine absolute Leseempfehlung!

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
29. Nov.
Rating:4

„Erdmanns Die Auswahlschule ist ein fordernder, aber lohnender Roman über die unsichtbaren Folgen eines realen Schulattentats.“

Kaleb Erdmanns Die Auswahlschule ist ein eindringlicher, zugleich aber auch sperriger Roman über die Nachwirkungen des Erfurter Amoklaufs von 2002. Dabei erzählt Erdmann nicht das Attentat selbst nach – im Gegenteil: Der Fokus liegt ganz auf den Menschen, die damals beteiligt waren, und den Spuren, die dieses Ereignis zwanzig Jahre später noch in ihnen nachhallen. Im Zentrum steht ein ehemaliger Schüler, der versucht, ein Buch über die Geschehnisse von damals zu schreiben. Doch er kommt nicht voran – vielleicht, weil die Wunden noch zu tief sitzen, vielleicht, weil er selbst zu dicht an seinem Stoff steht. Erst als er einem Dramatiker begegnet, der das Thema in einem Theaterstück verarbeiten möchte, wird dem Protagonisten bewusst, wie sehr Neugier und Anteilnahme bei diesem Thema miteinander kollidieren. Viele wollen „etwas wissen“, ohne wirklich hinsehen zu wollen; gleichzeitig schämen sie sich für ihr Interesse und beeilen sich zu betonen, dass man natürlich nicht darüber sprechen müsse. Dieser Zwiespalt ist einer der gedanklichen Kerne des Romans. Der Stil des Buches ist fordernd: Erdmann schreibt intensiv, manchmal fast sperrig. Der Einstieg fällt nicht leicht, doch je weiter man liest, desto stärker entfaltet sich die Wucht der Geschichte. Der Roman zieht einen allmählich hinein – und lässt einen nachdenklich zurück. Gerade diese Mischung aus emotionaler Nähe, literarischer Ambition und thematischer Schwere macht Die Auswahlschule zu einem außergewöhnlichen, aber auch nicht leicht zugänglichen Leseerlebnis. Von mir gibt es vier Sterne und eine klare Leseempfehlung – allerdings mit dem Hinweis, dass dieser Roman keine leichte Kost ist. Wer bereit ist, sich auf ein intensives, forderndes Buch einzulassen, wird hier eine beeindruckende literarische Auseinandersetzung mit einem der schwersten Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte finden.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
28. Nov.
Rating:4

Darf man aus einem Amoklauf Literatur machen? Und wenn ja, wer? Und in welcher Form? Wie lässt sich eine unbeschreibliche Tat in Worte fassen? Vielleicht genau so wie es Kaleb Erdmann getan hat. In fragmentarischer, nüchterner, aber dennoch sehr empfindsamer Weise schildert er die Tat, die Auswirkungen und dass es auf die Frage nach dem Warum keine Antwort gibt.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein
20. Nov.
Rating:2

Nur oberflächlich am Thema dran

Mich hat Erfurt als Schülerin betroffen, es war das erste Erkennen, dass es mehr Dinge und Abgründe gibt, die man sonst so in seiner kleinen, dörflichen Schulblase gekannt hat. Danach kannte man Schule auch als den Ort der lauten Stille und weinenden Lehrkräfte, die ihre Tränen und Gedanken ungefiltert mit Schülern geteilt haben. Der wievielte Grad einer Traumatisierung das wohl ist? Von diesem Buch hatte ich mir eine sachliche Ebene versprochen. Ein Blick auf Erlebnisse nach Erfurt, in Erfurt. Als bisherigen Teils von Erfurt. Was war aber der Inhalt? Mobile Klos dank Eigenurin in Flaschen, Dialoge bei Fußbädern und ein Springen zwischen kurzen Erinnerungen an Erfurt und die Zeit danach und einem viel zu langem Reisebericht, bei dem man lieber Zuhause bleiben möchte.

Die Ausweichschule
Die Ausweichschuleby Kaleb Erdmannpark x ullstein