Der begrabene Riese

Der begrabene Riese

Hardback
3.6110
DrachenKriegErinnerungRache

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Description

Der lang erwartete neue Roman des britischen Bestsellerautors

Britannien im 5. Jahrhundert: Nach erbitterten Kriegen zwischen den Volksstämmen der Briten und Angelsachsen ist das Land verwüstet. Axl und Beatrice sind seit vielen Jahren ein Paar. In ihrem Dorf gelten sie als Außenseiter, und man gibt ihnen deutlich zu verstehen, dass sie eine Belastung für die Gemeinschaft sind. Also verlassen sie ihre Heimat in der Hoffnung, ihren Sohn zu finden, den sie seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben. Ihre Reise ist voller überraschender Begegnungen und Gefahren, und bald ahnen sie, dass in ihrem Land eine Veränderung heraufzieht, die alles aus dem Gleichgewicht bringen wird, sogar ihre Beziehung.

Ein gewaltiger, intensiver, spannender Roman, der uns mitnimmt auf eine so tiefgründige wie faszinierende Reise. Kazuo Ishiguros unprätentiöser und zugleich betörender Realismus macht ihn zu einem feinsinnigen Meister des Erzählens.

Book Information

Main Genre
Historical Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
416
Price
23.70 €

Author Description

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.

Posts

20
All
3

Oger, Drachen und ein mythisches altes England: The Buried Giant bietet alles für eine starke Fantasy-Erzählung

Im Mittelpunkt stehen Axl und Beatrice, ein älteres Paar, das sich auf den Weg zum Dorf seines Sohnes macht. Doch ein geheimnisvoller Nebel raubt den Menschen ihre Erinnerungen und macht ihre Reise immer schwieriger. Trotz spannender Elemente wie Rittern, Magie und Monstern erreicht der Roman für mich nicht ganz das Niveau, das ich von Kazuo Ishiguro erwartet habe. Dennoch ist es berührend und unterhaltsam, Axl und Beatrice auf ihrem Weg durch all diese Widrigkeiten zu begleiten. Wer ein ruhiges, atmosphärisches Buch sucht, das in einem mythischen alten England spielt, könnte hier trotzdem fündig werden.

Oger, Drachen und ein mythisches altes England: The Buried Giant bietet alles für eine starke Fantasy-Erzählung
4.5

A perfect moody Autumn book. It feels like reading a fairytale. The book follows an elderly couple ob their way to meet their son whom they haven't met for years. It was everything a book needs for a rainy weekend to get comfy under the bedcovers. Enjoyed this little trip into olden age Britain. 

4

Mixed feelings about this one...

The story was confusing as hell in the beginning. Well actually it was confusing throughout the whole journey. The characters were interesting enough. Their journey was great, with all the adventures they have been through. I hated Beatrice the whole time. Her bossiness, and the fact that she felt like a gaslighter. I loved Axl, and his sweet and kind ways. Wistan and Edwin were okay. Sir Gawain was an odd one. I kind of hate the ending. Why did it have to be that way for Axl and Beatrice? I thought it would end in a good way. And what happened to Wistan and Edwin? I would have wanted to know.

5

Another masterpiece by Kazuo Ishiguro. An aging couple finding, through the tale of an epic adventure, to misty memories of a shared past. The characters they meet along the way are beautifully painted in their devotion to their own cause – their stories adding to the dream-like narrative of a world rich in depth, curiosities and terror.

4

Beatrice und Axl, ein älteres Paar, leben in einem mittelalterlichen Berghöhlendorf. Über ihnen liegt der Nebel des Vergessens. Die Erinnerungen der Dorfbewohner scheinen ungewöhnlich schnell zu verblassen. So können auch Axl und Beatrice sich nicht erinnern, wie ihr Sohn aussieht und warum er fortgegangen ist. Eines Tages beschließt das Paar, sein Dorf zu verlassen, um den vergessenen Sohn zu suchen. Auf ihrer abenteuerlichen und beschwerlichen Reise lichtet sich der Nebel des Vergessens langsam und sie kommen seiner Ursache sowie ihrer eigenen Geschichte immer näher. 'Der begrabene Riese' ist eine langsame Geschichte mit historischen und fantastischen Elementen sowie Metaphern, die auch mittelalterlichem Aberglauben entspringen könnten. Die Sprache passt in den zeitlichen Kontext des Romans. Kazuo Ishiguro erzählt vom Vergessen und Erinnern, von Liebe, Freundlichkeit und Diplomatie, von Vertrauen und Misstrauen, sowie von Schuld und Rache. Einige Aspekte haben mir gefallen und mich berührt. Insbesondere die unerschütterliche, von Freundlichkeit geprägte Diplomatie und Haltung des alten Paares sowie ihr liebevoller Umgang miteinander haben mich bewegt. Im langsamen Erzählfluss der Geschichte konnte ich mich jedoch nicht vollends verlieren.

3

Historischer Roman trifft Fantasy

Da ich bereits „Alles, was wir geben mussten“ und „Klara und die Sonne“ von Kazuo Ishiguro gelesen habe, kannte ich zumindest die Art des Schriftstellers aber „Der begrabene Riese" hat mich dennoch überrascht und lässt mich auch nachhaltig nicht los. Ishiguros Darstellungen der Protagonisten sind fesselnd und emotional zugleich, in all ihrer Sachlichkeit. Landschaften und Situationen beschreibt Ishiguro ebenso unverkennbar. Es fällt mir sehr schwer, dieses Buch zu bewerten weil es etwas mit mir macht, ich es aber nicht in schwarz und weiß einteilen kann, daher weiche ich hier mal von meiner Pros/Contra Bewertung ab. In diesem Buch begleiten wir das Ehepaar Axl und Beatrice, die mit einem ominösen Nebel des Vergessens kämpfen und sich zu Beginn des Buches dazu entscheiden, ihren Sohn zu (be)suchen. Auf diesem Weg geschehen surreale Situationen und Weggefährten stoßen dazu. Der Roman verlangt dem Leser jedoch einiges an Durchhaltevermögen ab. Besonders begeistert haben mich die Begegnungen mit dem Fährmann und die Liebe dieses zauberhaften alten Ehepaares. Sprachlich und emotional ist dieses Buch fesselnd aber zwischendurch durchaus langatmig und etwas verstrickend. Das Ende ist emotional und berührend, hinterlässt jedoch unglaublich viele offene Fragen. Das Pärchen Beatrice und Axl wirkt liebevoll und der Leser stellt fest, dass die Ehe der Beiden durch viele Unwegsamkeiten gegangen ist. So liebevoll das Pärchen auch ist, so sehr sorgt leider die Grundsituation und die daraus entstehende Naivität der Beiden auch für Distanz. (Sicher gewollt aber für mich eher unnötig) Die Fantasyelemente nehmen dem Roman leider die Glaubwürdigkeit. Drachen, Ritter, Menschenfresser und die Tafelrunde wirken lange wie Metaphern oder eben Fantasiegebilde, die sich eher in den Köpfen abspielen, hiermit meint es der Autor jedoch ernst. Das war der wohl enttäuschendste Aspekt für mich an diesem Buch. Ich liebe Fantasy, habe sie hier aber ganz und gar nicht gebraucht. Erinnerungskultur und Identität bestimmen diesen Roman. Ein hochkomplexes Werk und wieder eine Bereicherung meines Leseschatzes aber leider mit einigen Schwächen.

4

Ein Buch, was man auch genießen kann, wenn man nicht zu viel hineindeutet, auch wenn man eine Menge hineininterpretieren kann. Die Geschichte des älteren Paares, aber auch die ihrer Begleiter, wird mitreißend aber ruhig erzählt. Das Grundthema des Vergessens wird sowohl in Handlungen aber auch in Dialogen und Gedanken, die zum Nachdenken anregen können, deutlich sichtbar. Da es eigentlich besser ist, nicht zu viel über dieses Buch zu wissen bevor man beginnt, belasse ich es dabei und sage nur: klare Empfehlung, egal ob man wegen der Fantasy-Elemente oder den tieferen Gedanken interessiert ist.

Ich habe das Buch auf S 140 abgebrochen. Das ist nicht meine Geschichte. Das wirkt so unwirklich und die Geschichte kommt mir permanent komisch vor, ich kann sie nicht greifen.

4

Eine Reise, um sich zu erinnern

Axel und Beatrice machen sich auf den Weg ihren Sohn zu suchen, der vor langer Zeit ihr Dorf verlassen hat. Dass sie überhaupt einen Sohn hatten, haben sie für lange Zeit vergessen. Generell scheinen sie und die anderen Dorfbewohner des Öfteren etwas zu vergessen, was den Beiden merkwürdig erscheint. Die Reise der Beiden Protagonisten wird in einem sehr ruhigen Ton erzählt, auf eine Art und Weise, dass man die Geschichte sehr gut weglesen kann. Während viele andere Rezensionen den langsamen Pace bemängeln, empfinde ich es durchaus spannend, welche verschiedenen Charaktere Axel und Beatrice auf ihrem Weg begegnen sowie wie sich die Beziehung der Beiden im Laufe der Geschichte entwickelt. Insgesamt ist es ein ruhiges Buch, was einen jedoch mitnehmen kann, wenn man sich auf die Reise einlässt und die Zwei begleiten möchte.

2

Nicht ganz meins.

Konnte mich vom Schreibstil und Pacing her leider nicht so packen. Wollte es bei knapp 70% schon abbrechen, hab es für den Lesseclub aber durchgezogen. Das Ende war dann auch noch ganz nett.

1

Was ein Bullshit. Habe nach maximal 100 Seiten abgebrochen, weil es einfach so unfassbar tröge war. Irgendwie laufen sie nur rum, nichts passiert, keiner weiß so genau warum, und irgendwas ist mit Beatricens (sic!!) Mantel. Hat mich einfach nur genervt und war uninteressant. Warum ich überhaupt zu 2 Sternen gegriffen habe, weiß ich nicht mehr, in meiner Erinnerung verdient es nichtmal einen.

3

3,5⭐️ Das war ne Tal- und Bergfahrt mit Herrn Ishiguro. 5. Jahrhundert- ich habe keine Ahnung wie man damals gesprochen hat, aber kann mir gut vorstellen dass Herr Ishiguro den Ton gut getroffen hat. Es war seltsam, ultra altbacken. Die Menschen empören sich gern, Ritter fabulieren erst mal minutenlang miteinander rum ob der Ruf nicht doch noch gewahrt werden kann und wie der Kampf denn nun abzulaufen habe. Nicht nur dass die Sprache unglaublich gewöhnungsbedürftig ist, wird die Geschichte dazu quälend langsam erzählt. Selbst vermeintliche Actionszenen bekommen sowas schwülstiges, dass sie wieder fad wirken . Boa und dieses "Prinzessin" von Axl, ging mich mal mächtig auf den Zeiger. Die erste Hälfte hab ich mich nur durchgequält. Das lag auch unter anderem daran, dass irgendwie nicht richtig klar war, was nun die größere Message sein soll. 2 ältere Herrschaften wollen den Sohn suchen und irgendwie vergessen alle alles mögliche. Kann mir ja schon fast vorstellen, dass das Absicht war, den Leser genauso mit in den Nebel einzulullen. Bis dahin 2 ⭐️ Niveau für mich. 2.Hälfte hat's komplett rausgerissen. Er schafft es, dass man die Natur und Umgebung genau vor Augen hat, mit den Protagonisten gemeinsam den Weg beschreitet. Habe noch lange über das Ende nachgedacht und welche Deutungsmöglichkeiten es zulässt. Die Geschichte spannt einen ganz großen Bogen und stellt die Fragen: Welche Opfer kann ich für ein höheres Ziel hinnehmen? Welche Konsequenzen haben Erinnerungen oder das Vergessen? Wodurch kann es Vergebung geben? Und wahrscheinlich einiges mehr, das ich in meinem begrenzten Hirn nicht verstanden habe

3

Wir befinden uns im Britannien des 5. Jahrhunderts, über das sich ein dicker Nebel gelegt hat. Am frühen Morgen, als etwas Licht durch den Nebel blitzt, fasst Axl eine Entscheidung: Mit seiner Frau Beatrice will er endlich die Reise antreten, die sie schon lange vor sich herschieben. Sie wollen ihren Sohn finden, der vor langer Zeit das elterliche Dorf verlassen hat. Die Erinnerungen sind jedoch vernebelt wie die Landschaft, und so zieht das ältliche Ehepaar aufs Geratewohl los. Im nächsten Dorf bekommen sie bereits zwei Gefährten an die Seite gestellt: Der sächsische Krieger Wistan und ein Junge namens Edwin, der aufgrund eines Fluchs aus dem Dorf verstoßen wurde. Kazuo Ishiguro wählt für seine Geschichte einen Ton, der uns traumwandlerisch durch die raue vor-britische Landschaft führt und auf Märchen und alte Rittersagen referenziert - nicht zuletzt tritt ein alter Ritter Gawain auf, der aus den Artuslegenden als Neffe des König Artus bekannt ist. Briten und Sachsen sind in diesem Setting vorläufig befriedet, doch immer wieder blitzt der Schrecken des vergangenen Krieges durch den Schleier. Schnell wird klar, dass der mysteriöse Nebel die Erinnerungen an Vergangenes nicht nur trübt, sondern beinahe auslöscht, und die Frage, ob dies für die Charaktere Fluch oder Segen bedeutet, wird immer wieder neu verhandelt. Sinnbildlich dafür steht wohl der titelgebende begrabene Riese - ein Grabhügel, den sie gleich am Anfang ihrer Reise umrunden müssen: Aber vor einem Ort müssen wir uns hüten, Axl, hörst du? Das ist dort, wo der Weg über den begrabenen Riesen führt. Wer das nicht weiß, hält das Grab für einen normalen Hügel, aber wenn wir dort sind, gebe ich dir ein Zeichen, und du musst mir folgen, wenn du mich abbiegen siehst; wir umrunden dann den Hügel, bis wir auf der anderen Seite wieder auf den Weg stoßen. Ob Mittag oder nicht, es ist nicht gut, über den Grabhügel zu laufen. (S. 43) Unter Drachen, Menschenessern, Rittern und alten Klostermauern stellt Ishiguro vor allem die Liebe zwischen Axl und Beatrice in den Mittelpunkt. Die beiden werden so übertrieben gütig und besonnen dargestellt mit einer unerschütterlichen Fürsorge füreinander, dass es mich beim Lesen oft genervt und zusammen mit dem sanften, märchenhaften Ton bald ermüdet hat. Natürlich wird im Verlauf der Reise wichtig, wie viel die Beziehung der beiden aushält, ob sie unerschütterlich den Widrigkeiten ihres Abenteuers standhält und vor allem, ob sie alte Wunden, die längst vergessen waren, überwinden kann. Im Kern hat mich das Buch noch einige Zeit beschäftigt und bewegt und mit dem Ende konnte mir Ishiguro nochmals so richtig in die Magengrube fahren. Dennoch war mir die Geschichte zu langatmig und konnte mich nicht mal bei den actionreichen Szenen durchweg bei der Stange halten. Das Hörbuch war hier genau die richtige Wahl, da es mich über weite Strecken tragen konnte. So verbleibe ich etwas zwiegespalten mit der Tendenz, es noch mit einem anderen Buch des Autors zu versuchen.

2

Das Buch war nicht meins. Ich habe ewig daran gelesen und mich durch die langen Kapitel gequält. Langweilige Protagonisten, endlose Dialoge, die nichts zur Geschichte beigetragen haben, ein langatmiger Plot, bei dem ich das Gefühl hatte, der Autor weiß auch nicht wo die Reise hingehen soll. Das Ende hat mir gut gefallen, daher 2 Sterne.

4.5

I really enjoyed this moody Autumn fairytale. Perfect for a rainy weekend!

I received this book from my bestfriend, so I didn't know much about it beforehand. But I was suprised by how much I liked it. It was the perfect moody Autumn read. The book follows an elderly couple in mideval britain, who travel to see their son whom they haven't seen for a long time. The land has fallen under a mysterious mist which makes it hard for people to remember. To find their son's village they have to face their memory and what lies within. I enjoyed the writing style eventhough it wasn't easy to read (English is not my first language), but I like a good challenge. I enjoyed the pace of story, tho sometimes it could become repetitive. Nevertheless enjoyed it very much. One of my favorite reads this year so far.

2

Insgesamt eine wenig befriedigende Lektüre. Was will uns der Autor sagen? Eigentlich ist dies eine Frage, die nicht zu stellen ist, denn vielmehr ist doch wichtig: Was ist bei mir angekommen? Und das sind außer vielen offenen Fragen nur wenig sichere Deutung, wenig Erkenntnis, ganz wenig interessante Handlung und oft auch Figuren, die mir in ihrer Weinerlichkeit (insbesondere die Protagonistin Beatrice) gewaltig auf die Nerven gingen. Das Buch ist zwar im 6. Jahrhundert angesiedelt, aber kein historischer Roman aufgrund der vielen märchenhaften Elementen. Es ist aber auch kein Fantasy-Roman, denn dafür ist er zu voll gepackt mit Allegorien und Symbolen. Also am ehesten ein Lehrstück aus der Vergangenheit, welches mir irgendetwas über die Bedeutung von Erinnerung, Schuld und kollektivem Vergessen erzählen will. Die beiden Alten Axl und Beatrice streunen durch das aufgewühlte Britannien auf der Suche nach ihrem Sohn, der in einem anderen Dorf leben soll. Doch können sie sich nicht mehr genau an ihn erinnern. Wie ein Nebel liegt diese Amnesie über ihren Hirnen. Aber ist dieses Vergessen gut oder schlecht? Ist ihre Liebe zueinander so stark, weil sie vergessen haben, was früher war? Oder ist das Vergessen wichtig, weil es die Frage nach einer kollektiven Schuld verblassen lässt? Ich weiß, nicht was die zentrale Aussage ist. Vielleicht ist es auch nur ein Spiel Ishiguros, dass die Deutungshoheit beim Leser liegt. Ich war von diesem Road-Movie oder besser gesagt Trail-Movie mit Rittern, Drachen und Kobolden größtenteils gelangweilt, aber dann haut der Autor eine Schlussszene raus, bei der es um endgültigen Abschied geht und die so liebevoll und in sich ruhend erzählt ist, dass da eine ganz unerwartete Wärme in meinem Herz aufstieg, die ich am Ende dem Buch gar nicht mehr zugetraut habe. Daher gibt es schlussendlich doch eine versöhnliche Bewertung.

5

Es scheint so zu sein, dass ich in jedem Jahr eine Autorin oder einen Autoren entdecke und besonders viele ihrer oder seiner Werke lese. 2020 war das - bedingt durch den kurz zuvor zu Recht verliehenen Nobelpreis - die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Dieses Jahr, etwas verspätet, scheint es ein weiterer Nobelpreisträger zu sein: Kazuo Ishiguro. Vor Jahren habe ich zwar "Was vom Tage übrig blieb" gelesen, weil ich ein großer Fan der Verfilmung mit Emma Thompson und Anthony Hopkins bin, aber das ganze Werk des Kazuo Ishiguro habe ich mir erst jetzt vorgenommen, durch die wunderschönen Neuauflagen seiner Werke durch den Blessing Verlag. Seine Romane gefallen mir alle. Dass es aber tatsächlich "Der begrabene Riese" sein würde, der mich so begeistert, berührt und fasziniert, der für mich sein Opus Magnum ist, das hat mich dann doch überrascht. Wieder geht es um Erinnerung. Diesmal um die Suche danach. Axl und Beatrice, zwei Britannen im fünften Jahrhundert, begeben sich auf eine Reise und auf die Suche nach ihren Erinnerungen und ihrem Sohn, von dem sie nicht mehr wissen, wie er aussieht oder wo er ist oder warum und wann er überhaupt fort gegangen ist. Dabei begegnen sie Rittern und Mönchen, Drachen und Menschenfressern und mysteriösen Fährmännern und dunklen Hexen, die denen aus Shakespeares Macbeth in nichts nachstehen. Und doch ist die Kategorie Fantasyroman für dieses Werk völlig unzutreffend. Ishiguro schafft es immer wieder, sein Lebensthema in immer neuen zeitlichen Gewändern zu erzählen. Hier siedelt er die Geschichte zum bisher einzigen Mal in einer derart vergangenen Zeit an. Oft wirkt es, als wohne man einer "aventuire" aus der mittelalterlichen Literatur bei. Konsequent werden Sagengestalten, mythische Wesen und Figuren und für die Zeit repräsentative Charaktere eingeführt. Das ist sowohl gelungen, als auch faszinierend, weil im eigentlichen Fokus, trotz dieses Sammelsoriums an interessanten Figuren, doch immer das ältere Paar auf der Suche nach der Erinnerung bleibt, die nur scheinbar unscheinbarsten Figuren. Nichts ist so wie es scheint in diesem Roman und so begreift man Stück für Stück, dass es nur vermeintlich darum geht, dass Axl und Beatrice ihren Sohn finden wollen. Als man nach und nach begreift, dass eine Drachin und ein in die Jahre gekommener Ritter von Artus Tafelrunde etwas mit dem kollektiven Verschwinden von Erinnerung zu tun haben, beginnt man zu ahnen, dass es hier eigentlich um etwas anderes geht: um die Verdrängung einer kollektiven Schuld. (Welche das ist, lasse ich hier offen). Hochspannend wird es dann, als sich die Figuren selbst die Frage stellen müssen: was passiert, wenn sich der Nebel des Vergessens lichtet, und wenn Erinnerungen zurückkehren, die guten, aber auch die unliebsamen? Diese Mischung aus den mythologischen und historischen Elementen sowie dem bis in die Gegenwart reichenden Diskurs über Schuld und Unschuld, Erinnern und Verdrängen, macht diesen Roman außergewöhnlich. Wollen wir uns wirklich an alles erinnern? An was wollen wir uns erinnern und an was nicht? Lebt es sich nicht besser, wenn man einige seiner eigenen Taten für immer vergisst? Kein anderer Roman von Ishiguro beschäftigt sich mit solcher Dringlichkeit und teilweise unerträglicher Brutalität und Unnachgiebigkeit diesen Fragen. Und ist dabei so hoch poetisch. Und das, obwohl diese politischen und gesellschaftlichen Fragen eingebettet sind in ein mittelalterliches Setting mit mystischen und auch fantastischen Figuren. Das Ende des Romans sollte noch Erwähnung finden, ohne Dinge vorwegzunehmen. Es setzt dem ohnehin beeindruckenden Roman die Krone auf. Es ist eines der gleichzeitig schönsten und traurigsten Enden, die ich seit langer, langer Zeit gelesen habe. Nichts ist so, wie es scheint. Bei keiner einzigen Figur. Nie ist es Ishiguro derart gelungen, die Unzuverlässigkeit der menschlichen Erinnerung so eindringlich und schön zu schildern, wie in diesem Roman, wie gerade die poetische Auflösung des Romans zeigt. Ungewöhnlich für ihn ist der Perspektivwechsel innerhalb des Romans, aber sie funktioniert insofern sehr gut, als dass sich verschiedene Figuren an dieselbe Sache anders erinnern. Und wieder einmal passt er auch seine Sprache den historischen Gegebenheiten an. Subtil wie immer, aber doch anders als in seinen dystopischen Werken "Klara und die Sonne" und "Alles, was wir geben mussten" oder seinen Romanen, die Anfang des 20ten Jahrhunderts spielen ("Als wir Waisen waren ", " Was vom Tage übrig blieb ") findet er hier eine passende, aber doch auch ganz eigene, feinsinnige, tiefe Sprache. So weit diese Epoche entfernt ist, so nah bleiben manche Themen. Ishiguro beweist, dass es keine Rolle spielt, ob in einem Roman ein Butler, eine Haushälterin, ein Roboter, ein Drache oder ein Detektiv vorkommen: über Themen schreiben, die alles überdauern, kann man mit all diesen Figuren, Charakteren und Wesen. "Der begrabene Riese" ist ein Meisterwerk. Er ist Kazuo Ishiguros bester Roman!

2

Insgesamt eine wenig befriedigende Lektüre. Was will uns der Autor sagen? Eigentlich ist dies eine Frage, die nicht zu stellen ist, denn vielmehr ist doch wichtig: Was ist bei mir angekommen? Und das sind außer vielen offenen Fragen nur wenig sichere Deutung, wenig Erkenntnis, ganz wenig interessante Handlung und oft auch Figuren, die mir in ihrer Weinerlichkeit (insbesondere die Protagonistin Beatrice) gewaltig auf die Nerven gingen. Das Buch ist zwar im 6. Jahrhundert angesiedelt, aber kein historischer Roman aufgrund der vielen märchenhaften Elementen. Es ist aber auch kein Fantasy-Roman, denn dafür ist er zu voll gepackt mit Allegorien und Symbolen. Also am ehesten ein Lehrstück aus der Vergangenheit, welches mir irgendetwas über die Bedeutung von Erinnerung, Schuld und kollektivem Vergessen erzählen will. Die beiden Alten Axl und Beatrice streunen durch das aufgewühlte Britannien auf der Suche nach ihrem Sohn, der in einem anderen Dorf leben soll. Doch können sie sich nicht mehr genau an ihn erinnern. Wie ein Nebel liegt diese Amnesie über ihren Hirnen. Aber ist dieses Vergessen gut oder schlecht? Ist ihre Liebe zueinander so stark, weil sie vergessen haben, was früher war? Oder ist das Vergessen wichtig, weil es die Frage nach einer kollektiven Schuld verblassen lässt? Ich weiß, nicht was die zentrale Aussage ist. Vielleicht ist es auch nur ein Spiel Ishiguros, dass die Deutungshoheit beim Leser liegt. Ich war von diesem Road-Movie oder besser gesagt Trail-Movie mit Rittern, Drachen und Kobolden größtenteils gelangweilt, aber dann haut der Autor eine Schlussszene raus, bei der es um endgültigen Abschied geht und die so liebevoll und in sich ruhend erzählt ist, dass da eine ganz unerwartete Wärme in meinem Herz aufstieg, die ich am Ende dem Buch gar nicht mehr zugetraut habe. Daher gibt es schlussendlich doch eine versöhnliche Bewertung.

5

Magical & profound. Beautiful story and storytelling.

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