Das Vorkommnis
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Description
Lebenslinien – Liebeslinien – Liebesmuster
Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten beide denselben Vater. Die überraschende Begegnung bleibt flüchtig, löst in ihr aber eine Welle von Emotionen aus. Fragen drängen sich auf, über Ehe und Mutterschaft, über Adoption und andere Familiengeheimnisse, über Wahrheit überhaupt. In ›Das Vorkommnis‹ erzählt Julia Schoch – eine der eindrücklichsten Stimmen autofiktionalen Erzählens in der deutschen Literatur – von einem Leben, das urplötzlich eine andere Richtung bekommt. Fesselnd und klarsichtig, so zieht sie hinein in den Strudel der ungeheuerlichen Dinge, die gleichzeitig auch alltäglich sind. Ein Roman von großer literarischer Tiefe und Schönheit, im Werk von Julia Schoch ein neuer Höhepunkt.
Book Information
Author Description
Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in Eggesin in Mecklenburg, gilt als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ). Zuletzt veröffentlichte sie die Romane ›Das Vorkommnis‹, ›Das Liebespaar des Jahrhunderts‹ und ›Wild nach einem wilden Traum‹ als die drei Bücher ihrer gefeierten Trilogie ›Biographie einer Frau‹. 2022 wurde ihr die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung verliehen, 2023 der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen, 2024 der Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis. 2025 zeichnete man sie mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Sie lebt in Potsdam.
Posts
Das Vorkommnis war wieder ein großartiges Buch von Julia Schoch, der 2. Teil einer Trilogie. Auch hier beschreibt Julia Schoch aus der Perspektive der Hauptperson „Der Frau“. Bei einer Lesereise spricht sie eine fremde Frau an und teilt ihr mit, dass sie ihre Halbschwester ist. Das beschäftigt „die Frau“ nachhaltig. Wir begleiten sie und ihr Innenleben auf 192 Seiten, auch auf ihrer längeren USA-Reise, die sie mit ihrer Mutter und ihren Kindern gemeinsam angetreten hat. Ich kann mich so gut in die Frau reinversetzen, wie sie über sich und ihrer Verbindungen zu anderen Menschen reflektiert, sie kommt wieder auf Gedanken, die ich so tiefsinnig finde. Das spannende an ihrem Erzählstil ist, dass alles so entrückt erscheint. Alle Menschen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen werden nicht mit Namen benannt, sondern mit der Funktion: Das ältere Kind, das jüngere Kind usw. Nicht lenkt ab, von ihrem Spaziergängen in ihrer Gedankenwelt, das bleibt die eite Faden. Als lesende Person ist man ihr so nah, aber auch irgendwie fern. Toll.
Nach einer Lesung stellt sich der Protagonistin dieses autofiktionalen Romans eine ihr bisher fremde Frau als ihre Halbschwester vor, von der sie bisher nichts wusste. Kurz darauf geht die Protagonistin mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter, aber ohne ihren Mann, für einige Monate für einen Arbeitsaufenthalt an eine US-amerikanische Universität. Das plötzliche Wissen um die Schwester führt dazu, dass das Leben der Protagonistin ein wenig aus den Fugen gerät. Sie denkt viel über Themen wie Beziehungen, Ehe und Familie nach, aber auch über die eigene Geschichte, die Kindheit und Jugend. Letzten Endes fängt sie sogar an, die Beziehung zu ihrem Ehemann anzuzweifeln. Mir hat dieses an sich eher schmale Buch, dass doch auf unter 200 Seiten viele Gedanken und Überlegungen ausbreitet, sehr gut gefallen. Allerdings geht es vor allem um das Innenleben der Protagonistin und ihre vielfältigen Gedanken zu diversen Themen, während der USA-Aufenthalt eher eine lockere Rahmenhandlung ohne größere Geschehnisse darstellt. Salopp gesagt wenig Action und viel Nabelschau also, aber letzteres gut und interessant beschrieben.
Schreibstil schwankt zwischen starken Sätzen und zähen, belanglosen Sätzen
Leider war das nicht mein Roman…Schade! Dabei hatte die Geschichte wirklich Potenzial denn ich fragte mich, wie so ein einschneidendes Erlebnis für mich wäre. Leider ist dieser durchgehende innere Monolog aber für mich überhaupt nicht spannend gewesen, ich habe bis jetzt nicht wirklich verstanden was und die Autorin zwischen dem 1. und letzten Kapitel sagen wollte. Hab öfters überlegt abzubrechen…
Beim Schreiben des Fazits wollte ich mit dem Namen der Hauptfigur anfangen und konnte mich einfach nicht daran erinnern. Beim Durchblättern fällt mir noch einmal auf, dass man ihn tatsächlich nie erfährt. Ich würde behaupten, dass sich die Ich-Erzählung auch nicht primär um die Familiengeschichte dreht, sondern um die Gedanken zur Mutterschaft, Ehe und der neu gefundenen Schwester der erzählenden Person. Die Autorin schreibt das sogar selbst auf S. 89 mit den Worten: „Das hier ist nicht die Geschichte meiner Familie. Die Geschichte meiner Familie gibt es nicht. Da ist nur die Geschichte einer Verwirrung.“ Besonders auffällig: Es gibt im gesamten Buch keine einzige wörtliche Rede. Das gibt der Erzählerin viel Raum, Gespräche nicht nur zu schildern, sondern auch zu werten und einzuordnen. Die 191 Seiten nehmen uns mit auf eine Reise in die USA, nach Bowling Green. Wir erleben kühle, fast beiläufige Begegnungen mit der Mutter, dem großen und dem kleinen Kind. Wir sehen eine kaputte Beziehung zum Ehemann und werfen Blicke zurück in eine DDR-Kindheit, von der ich mir noch mehr Tiefe und Details gewünscht hätte. Vor allem schafft das Buch Raum zum Nachdenken über alltägliche, philosophische Fragen, die „in der Welt entstehen, [ ] auch in ihr gelöst [werden].“ (S. 134) DAS VORKOMMNIS bekommt von mir ⭐️⭐️⭐️ Sterne und diese drei beschreibenden Emojis: 👶🏻🌗🍂

Gedanken
Was war mein erstes Buch der Autorin. Vielleicht hatte ich andere Erwartungen, aber hierbei handelt es sich nicht um einen Romanen im eigentlichen Sinne , sondern um autobiographische Gedanken zu Familie und Beziehung. Es war sehr angenehm zu lesen bzw zu lauschen, aber ich denke ich werde nicht viel davon mitnehmen können... Trotzdem schöner Stil.
Eine Autorin wird nach ihrer Lesung von einer wildfremden Frau angesprochen, dass man den gleichen Vater habe. Die Protagonistin ist bestürzt, gerät durch die Aussage völlig aus der Bahn. Jahrelang denkt sie über das Vorkommnis nach, stürzt in ein Loch und durchlebt ein seelisches Tief. Dadurch verändert sich ihr Blick auf die Welt, auf die Liebe, ihren Mann und ihre Kinder und durch die vielen Reflexionen und klugen Gedanken gerät auch unweigerlich der/die Leser*in ins Grübeln. Das Werk hat mich sehr nachdenklich gestimmt, mir vor Augen gehalten, wie auch die kleinsten Vorkommnisse eine große Wirkung auf uns haben können und wie schnell unser inneres Gleichgewicht aus der Balance geraten kann. Der Auftakt von Julia Schochs Trilogie ist wirklich empfehlenswert. "Ich erwähne diese alltäglichen Verrichtungen, weil die meisten überraschenden Vorfälle in unserem Leben gleichsam nebenbei passieren. Wir setzen nicht aus, wir halten nicht inne. Ich habe das Innehalten immer für eine eigentümliche, in Wahrheit kaum durchführbare Übung gehalten. Wir bauen, was uns überrascht hat, in unser gewohntes Leben ein. Wir gehen unserer Arbeit nach. Wir funktionieren. Vielleicht ist es besser so. Auf diese Weise versuchen wir der zerstörerischen Kraft unerwarteter Veränderungen aus dem Weg zu gehen. Dem Schock auszuweichen, jenen unzähligen kleinen und größeren Erschütterungen im Leben, die am Ende womöglich sogar der Kit sind, der die anderen Geschehnisse, die harmloseren, alltäglichen, zusammenhält."
Seltsam sehr fesselnd
Auch wenn der Erzählstil irgendwie distanziert erscheint hat mich die Geschichte doch auf eine sehr starke Art ergriffen. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch verschlungen weil mich die erzählende Frau nicht losgelassen hat, auch nicht, als ich das Buch zur Seite legte. Eine Familiengeschichte die Aussicht auf Vergangenheit, Jetzt und Zukunft bietet und doch viel zurückhält. Für mich hätte es noch etwas mehr sein dürfen und noch etwas mehr Blick in die Tiefe. Aber der Schreibstil hat mich völlig mitgenommen und sehr berührt. Ich möchte wissen, wer ist diese Frau? Was wird und wurde aus ihr? Ich würde mir wünschen sie würde mehr verraten. Ich mochte sie und das hat mich ergriffen und mitfühlen lassen, auch wenn ich nur eine Beobachterin war weil sie nicht mehr zugelassen hat. Sehr empfehlenswerte Lektüre.
Die verdrängte Schwester
Julia Schoch bewegt sich in ihrem autofiktionalen Text zwischen Verdrängung und dem Wunsch nach innerer Auseinandersetzung, Aufklärung, Verarbeitung. Dieses ständige Hin und Her und die damit einhergehende fehlende Zuverlässigkeit der Erzählerin machen den Text daher zu einer besonderen aber auch etwas anstrengenden Lektüre. Schochs Abschweifungen, die vielen Fragen und Anekdoten habe ich dabei aufgrund vieler origineller Einfälle genossen. Denn mit welcher geometrischen Form würde ich meine Familie beschreiben? Keine Ahnung, aber ich habe eine Weile darüber nachgedacht. Gefallen hat mir außerdem, dass an einigen Stellen das autofiktionale Schreiben selbst thematisiert und reflektiert wird - eine Kunst, die schnell überladen und zu „‚meta“ wirken kann, hier aber geschickt akzentuiert wurde. Mehrmals wird deutlich, dass das Auftauchen der mysteriösen, stets namenlosen „fremden Frau“ eigentlich nur als Vorwand oder eher inneren Anstoß dient, um sich mit emotional drängenderen Fragen auseinanderzusetzen. Dabei wäre ich an einigen Stellen schon gern wieder zu der vermeintlichen Schwester zurückgekehrt und frage mich, warum der Blick auf diese Person lange so wenig versöhnlich wirkt. Ob man am Ende der Lektüre in Bezug auf die Erzählerin und ihre (mehr oder weniger) verdrängte Schwester schlauer ist als vorher, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Über die Art, wie die Erzählerin denkt, habe ich jedoch eine ganze Menge gelernt. Daher bin ich gespannt, ob ihr Mann, der im zweiten Teil im Fokus steht, dort etwas besser wegkommt.
Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten denselben Vater… Nach dieser Begegnung, dem Vorkommnis, beginnt die Frau ihr Leben, ihre familiären Beziehungen, ihre Rolle als Mutter und Kindheit in der DDR mit anderen Augen zu sehen und vieles zu hinterfragen. Julia Schoch hat mich auf diese Gedankenreise mit vielen Fragezeichen mitgenommen und ich konnte die Emotionen, Zweifel und Erkenntnisse der Protagonistin sehr gut nachempfinden. Absolut lesenswert!
"Mit einem gewissen Talent zur Verdrängung lassen sich bestimmte Angelegenheiten über Jahre hinweg verscheuchen." Als nach einer ihrer Lesungen eine fremde Frau vor ihr steht und behauptet, sie hätten den gleichen Vater, entzündet das bei der Ich-Erzählerin des Romans ein scheinbar endloses Gedankenkarussel. Und ich steige ein. Sie erzählt, hinterfragt, misstraut. Es geht um das Schweigen, um Verdrängung, um einen inneren Kreis von Familie, um Ehe, das Mutter sein und gleichzeitig um eine Kindheit in der DDR und die Zeit des Umbruchs nach 1989. Der entfremdete Schreibstil hat es mir zwischendurch nicht ganz leicht gemacht. Es gibt keine Namen - der Mann, die Mutter, das kleine Kind, das große Kind. Und doch höre ich dieser Frau gebannt beim Nachdenken zu, auch wenn es manchmal wirr wirkt und nicht wirklich eine in sich geschlossenen Geschichte zu sein scheint. Vielleicht schließen sich die Lücken in Teil 2 und 3 der Trilogie, die ich sicher irgendwann noch lesen werde. Aber für den Moment lässt mich dieses Buch fast unberührt zurück.
Highlight - Großartiger 1. Teil
Schon der Titel ließ mich wundern und weckte meine Neugier, denn das Wort „Vorkommnis“ ist wohl keines des alltäglichen Sprachgebrauchs. Erwartet habe ich einen Roman der Geheimniskrämerei. Bekommen habe ich genau das Gegenteil. In „Das Vorkommnis“ lernt eine Frau und Mutter unerwartet, ja aus heiterem Himmel, ihre ihr bisher unbekannte Halbschwester kennen. Der Umgang der namenlosen Ich-Erzählerin mit dem gelüfteten Familiengeheimnis steht im Mittelpunkt. Die Frage nach der Wirkung, die diese neue Frau auf bisher als sicher geglaubte Gewissheiten haben kann, bestimmt den inneren Dialog der Protagonistin mit sich selbst. Was ist wahr, was nicht? Was ist Realität, was Fiktion? Ihr ist nicht mehr klar, was wirklich passierte und was sie lediglich falsch erinnert, welche Vorstellung sie davon hat, wie sie sich verhalten hätte und wie sie sich tatsächlich verhalten hat. Nichts bleibt unausgesprochen, jeder Gedanke wird geteilt. Das Verständnis der Protagonistin von Familie wird durch das Vorkommnis in Frage gestellt. Überhaupt werden unglaublich viele Fragen aufgeworfen - an sich selbst, an die Welt - doch nicht immer gibt es eine Antwort. Beständig setzt sich die Ich-Erzählerin über Jahre mit dem Vorkommnis auseinander und erzählt dabei auch ein Stück DDR-Geschichte, die aber nicht im Vordergrund steht. Julia Schoch stellt Ratlosigkeit dar und die Frage danach, wie mit einer solchen Situation umzugehen ist, welch rationale wie irrationale Gedankengänge ein Mensch haben kann, dessen Selbstverständnis über die eigene Familie ausgehebelt wurde. Dabei erzeugt sie eine ganze besondere Dramaturgie, der sich zu entziehen nicht leicht fällt, weil sich die innere Zerrissenheit der Protagonistin mit jedem kleinteiligen Gedanken auf die Lesenden überträgt. Obwohl dies jederzeit möglich wäre, denn die einzelnen Szenen sind teils recht kurz gefasst und lassen dadurch leicht Raum, um über das Geschrieben zu sinnieren. „Das Vorkommnis“ war für mich ein grandioser Auftakt dieser Trilogie und ließ mich in ungeduldiger Vorfreude auf den zweiten Teil zurück. Highlight!
Eindrucksvolle Sprache
In dem Roman begleiten wir eine namenlose Ich-Erzählerin durch die Reflexion ihrer Familienverhältnisse, angestoßen durch das plötzliche Auftauchen ihrer Halbschwester. Dabei besticht die Erzählung durch eine angenehm unaufgeregte Prosa die gleichzeitig viele eindrucksvolle Bilder enthält. In der Mitte hat für mich ein wenig die Spannung gefehlt - ich bin trotzdem gespannt auf den zweiten Band.
Tiefgründig.
Eine Frau wird auf einer Lesung von einer anderen Frau angesprochen und diese Dame behauptet, sie hätten beiden denselben Vater. So flüchtig diese Begegnung der Frauen auch bleibt, so viel löst sie im Nachgang in unserer Erzählerin aus. Wie auch schon in Band 3 sind wir auch in Band 1 in den Gedanken der Vergangenheit einer Frau unterwegs. Ein Rückblick auf ein Leben. In den Nebeln der Vergangenheit, wie es die Autorin so schön benennt. Beziehungen werden infrage gestellt. Erinnerungen werden hinterfragt, oder mit neueren Erkenntnissen überlagert. Ist alles so, wie wir es in Erinnerung haben, oder war es in Wahrheit alles ganz anders? Es geht aber auch um die Familie. Die Beziehungen zu unseren Eltern und Geschwistern. Wie sind unsere Beziehungen wirklich zueinander? Manche Gedanken der Autorin konnte ich nicht ganz teilen, aber im Großen und Ganzen findet sie wieder die richtigen Worte für all das, was in unserem Leben so vor sich geht und was ein bestimmtes Ereignis in uns auslösen kann. Ich mag die abstrakte Denkweise von Julia Schoch. Und ich liebe ihren Schreib-und Erzählstil. Sie hat es mal wieder auf so wenigen Seiten geschafft, mich sehr zum nachdenken anzuregen. Ihre Sichtweisen zu den Themen der Vergangenheit sind sehr interessant. Und sie hat es wieder geschafft, meine Gedanken bezüglich der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart zu reflektieren. Ich kann auch Band 1 wirklich empfehlen und freue mich jetzt noch auf den zweiten Band.

Kurzweilige Lektüre, während welcher man sich im Gedankenlabyrinth einer Fremden wiederfindet.
Besonders gut gefallen hat mir das „Bacherl“-artige Dahinfließen der Gedanken und welche Wege eingeschlagen wurden. Auch sehr interessant war die Diskussion über Zugehörigkeit und (wie ich finde) die kleinsten Aspekte des Othering - wer gehört zu „uns“ (als Familie) und wo ziehen wir die Grenze (nach außen)? Ich habe mich im Vorfeld nicht über den Roman informiert und kenne auch die Autorin nicht, deswegen wusste ich nicht, dass es sich um einen autofiktionalen Text handelt - während des Lesens wird das aber irgendwie deutlich, weil das Werk wirklich sehr vor Persönlichkeit trieft. Bestimmt werde ich noch ein paar Tage darüber nachdenken.
Alle Fragen, die in der Welt entstehen, werden auch in ihr gelöst. - eine Autorin, eine plötzlich aufgetauchte Halbschwester und ein jahrelanges Gefühlschaos
In „das Vorkommnis“ erzählt Julia Schorsch die Geschichte einer namenlosen Schriftstellerin, die bei einem Treffen mit der verdrängten Wahrheit konfrontiert wird: Sie hat eine Halbschwester. Obwohl sie es eigentlich schon wusste, hat sie dieses Wissen lange verdrängt. Die Begegnung lässt sie nicht mehr los, sie verfällt in einen Strudel aus Misstrauen und Selbstzweifeln – bis hin zu Vorwürfen gegenüber ihrem Mann. Erst das Wiedersehen mit ihrer Halbschwester bringt ihr den ersehnten Abschluss. Insgesamt ein sehr schön geschriebenes Buch, wenn auch stellenweise etwas zäh.
Ein autofiktionaler Text, den ich aber als Fiktion gelesen habe, lesen musste, denn die Autorin seziert schonungslos das Innenleben ihrer Protagonistin und das war manchmal vor Schmerz und Fremdscham nur schwer auszuhalten, ich fühlte mich manches Mal unangenehm in der Rolle eines Voyeurs. Die Prota wirkt seltsam entrückt und distanziert, sowohl sich selbst als auch den anderen und der Welt gegenüber, ist in sich selbst verstrickt. Interessant ist die Einbettung des titelgebenden Vorkommnisses (= das unerwartete Auftauchen einer Halbschwester auf einer ihrer Lesungen) in die Familiengeschichte und das Aufzeigen transgenerationaler Muster und Dynamiken. Insgesamt ein Buch in dem der Plot eine untergeordnete Rolle spielt und das Lesevergnügen aus den mäandernden Reflexionen und dem Einordnen in ein familiäres Geflecht besteht. Ich lese jetzt Teil 2, weil mir Teil 1 sehr gut gefallen hat.
Das Buch in drei Worten: distanziert, analytisch, beziehungslos
Nachdem ich im letzten Jahr „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ von Julia Schoch gelesen habe (was mir sehr gut gefallen hat), kam nun „Das Vorkommnis“, was dem „Liebespaar“ voraus gegangen war, dran. Bevor ich ihr neues Buch lese, möchte ich wenigstens ab jetzt in der Chronologie bleiben, wie ich etwas preußisch dachte. Sie erzählt in dieser Geschichte mit einem ähnlichen Tonfall, wie in ihrem Liebespaarbuch von einer bisher unbekannten Schwester, die plötzlich auftaucht. Besser gesagt: Sie erzählt von dem, was dieses „Vorkommnis“ in der Protagonistin auslöst - und das ist eine romanfüllende Menge. Für die analytische Ehefrau des vorigen Buchs passte die distanzierte und kühle Sprache für mich, hier wirkt sie auf mich wie eine Barriere, die mich daran hindert wirklich mitzufühlen. Die Hauptfigur hinterfragt bestehende Beziehungen und auch bei mir kommt eine gewisse Beziehungslosigkeit an. Es ist mehr ein Mitdenken als ein Mitfühlen, was auch gut ist, aber dadurch leuchtet keine emotionale Resonanz auf. Mein Begeisterungslevel ist also hier etwas gedämpft, obschon Julia Schoch wundervoll klar und klug erzählt. Relatable moments ** Plotkomplexität. ** Dünnes Eis - Sprachliche Virtuosität. *** Intellektueller Anreiz **
Das Buch hat mich fasziniert. Die Ich-Erzählerin taucht gedanklich sehr tief in Fragen, die das Leben stellt, ein. Parallel dazu erzählt sie Erlebtes aus dem Alltag in der DDR und verknüpft Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Dazu besticht dieses Buch durch seine auskomponierte Sprachlichkeit, einem ausgefeilten Wortschatz und einer abwechslungsreichen Syntax. Kurzum: Gelungen 😊
Das Buch lässt mich etwas verwirrt zurück. Es hat keine wirkliche Handlung, keinen roten Faden, der sich durch den Text zieht. Trotzdem hat der Text einen Sog entwickelt, der mich das Buch zu Ende lesen ließ. So eine Art "Geschichte" habe ich bisher noch nicht gelesen. Es ist eher eine Aneinanderreihung an Gedanken. Die Lektüre selbst war eine besondere Erfahrung, obwohl die Themen selbst alltäglich, "normal" sind. Was ich insgesamt aus dem Buch mitnehme, kann ich nicht genau sagen. Ich behalte eher einzelne Fragmente in Erinnerung als ein umfassendes Fazit.
Es gibt manchmal Texte, die einen leer und zugleich übervoll zurücklassen. "Das Vorkommnis" gehört dazu. Der Roman fordert den Leser auf einigen Ebenen heraus und thematisiert Probleme und Gedanken, die einem nur allzu bekannt vorkommen, denen man sich aber nur sehr bedingt in dieser Intensität aussetzen möchte. Die Erzählerin wird durch das Vorkommnis - ein wunderbares Wort, das sowohl Zäsur als auch Banalität suggeriert - aus der Bahn geworfen. Sie trifft ihre Halbschwester, von der sie irgendwie ahnte, aber nicht wirklich wusste, und deren Zugehörigkeit zu ihr nur dadurch besteht, dass der Vater der Erzählerin sich auf der Geburtsurkunde hat eintragen lassen. Bewiesen ist die Verwandtschaft also nicht. Dennoch beginnt die Erzählerin durch die Existenz dieser möglichen neuen Schwester alles zu hinterfragen, ein auf der Spitze fast paranoides Misstrauen sich selbst und anderen gegenüber zu empfinden, den Wert von Erinnerungen auszutesten und ein Leben in Gedankenspiralen und Grübeleien zu führen. Im Alltag der Erzählerin passiert eigentlich nichts Spektakuläres. Auslandsmonate in den USA ziehen an ihr vorüber, aber sie scheint nur zu funktionieren, während sie sich ihrem eigenen Denken immer stärker annähert, ihr Dasein und ihre Beziehungen in Zweifel zieht. Als Leser hat man es mit der Erzählerin schon recht schwer, denn sie ist so in sich selbst verstrickt, in einer konstanten Auseinandersetzung mit sich, dass kein Raum für "normales Leben" bleibt. In ihrem Hadern und Hinterfragen schwankt sie zwischen Teilnahmslosigkeit und Selbstzerstörung. Auch wenn auf diese Weise eine Identifikation mit der in ihrer Selbstwahrnehmung schonungslosen und fast schon brutalen Erzählerin ausgeschlossen wird, der Leser konsequent auf Distanz gehalten wird, kann man sich doch einer Betroffenheit nicht entziehen, denn der Roman bewirkt auch beim Leser eine Auseinandersetzung mit den Konzepten von "Vergänglichkeit" und "Erinnerung", mit der Fragestellung, was passiert, wenn alles, worauf man vertraut, umgestoßen wird. Der Text ist mitnichten positiv oder fröhlich, im Gegenteil, es handelt sich um einen extrem intensiven, sehr dichten und (emotional) fordernden Text, dessen Schluss für den aufmerksamen Leser eine unglaublich gelungene Überraschung im Hinblick auf Lesererwartungen und Gattungszugehörigkeit bietet. Ich bin nicht restlos begeistert, es ist einfach kein schönes Buch, aber trotzdem ein gutes. Ein Lesetipp für alle, die viel Nachdenken, intensive Auseinandersetzungen und Selbstsektion zu schätzen wissen und sich auf das Abenteuer der Autofiktion einlassen wollen.
"Später würde alles einen Sinn ergeben. Später wäre es logisch, dass ich mit jemanden sprach, sobald ich alleine war." Eine Geschichte über eine Frau, welche zurück schaut, welche das Hier betrachtet und leicht in die Zukunft schaut. Eine Frau die über ihr Leben schreibt und bei einer Lesung eine Frau kennen lernt, welche den gleichen Vater hat. Eine Frau die nach Amerika geht, um zu verdrängen, aber dennoch immer wieder an die andere, die falsche, an die unbekannte Halbschwester denken muss. Eine Frau, die Mutter, Schwester, Ehefrau und Tochter ist. Blickt zurück, überlegt wie war ihr Leben, ihre Verbindung zur Mutter, ihre Liebe zum Mann und den eigenen Kindern. Das ist der erste Teil der biographischen Trilogie von Julia Schoch. Es war ein holpriger Start - es brauchte Zeit zu verstehen, dass die Nebensächlichkeiten im Vordergrund stehen und somit eine Geschichte entsteht.
Ich finde es diesmal irgendwie sehr schwierig eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, denn obwohl das Buch sehr dünn ist, gibt es hier einiges zu sagen. Dies ist der erste Band der Trilogie Biographie einer Frau und fängt mit einem Vorkommnis an. Die Ich- Erzählerin wird nach ihrer eigenen Lesung von einer fremden Frau mit folgenden Worten angesprochen: " Wir haben übrigens den selben Vater". Daraus folgt ein riesiges Gedankenkarussel und die Protagonistin taucht in den Vergangenheit ab, hinterfragt ihr gegenwärtiges Leben und ihre Ehe sowie das familiäre Gleichgewicht kommt ins schwanken. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Gedanken etwas wirr sind und in meinen Augen sind es viele Erinnerungen zu denen wir springen, was es etwas schwierig gemacht hat zu erkennen, was die Fakten sind oder fälschliche Erinnerungen der Protagonistin sind. Vielleicht weiß die Protagonistin selbst nicht mehr genau was wahr ist und was sich falsch in ihrem Kopf abgespeichert hat. Anders kann ich es irgendwie nicht beschreiben. In dieser Geschichte werden einige Denkanstöße geben, es wird viel reflektiert und es gibt viele Gedanken und Gefühle der Protagonistin, die verarbeitet werden. Interessant finde ich, dass keiner der Personen einen Namen hat, was zu einer Distanz führt und man keine Verbindung aufbauen kann. Mich persönlich hat es nicht sonderlich gestört. Der Schreibstil ist anspruchsvoll und ungewöhnlich (im Vergleich zu dem was ich sonst lese), aber ich fand es ansprechend und es hat mir ganz gut gefallen. Insgesamt hat mir diese Geschichte ganz gut gefallen, konnte mich aber nicht völlig überzeugen und es ist stellenweise etwas schwierig gewesen dem Ganzen zu folgen. Diese Geschichte ist sicherlich nicht für jedermann, aber für den einen oder anderen lohnt es sich vielleicht einen Blick auf dieses Buch zu werfen. Ich bin auf den zweiten Band dennoch gespannt.

Hier geht es um eine Schriftstellerin, die nach einer Lesung von einer Fremden angesprochen wird, die behauptet, ihre Schwester zu sein. Dieses, eigentlich harmlose, Vorkommnis wirft die Ich-Erzählerin aus der Bahn. Sie fängt an, zu zweifeln, zu fragen, deckt Geheimnisse auf. Soweit, so gut. Hier verliert sich dann aber für mich der rote Faden, ich konnten den Gedanken der Frau nicht mehr folgen und ich habe einige Kritikpunkte: -alle Personen bleiben namenlos, ihre Kinder sind "das ältere" und "das jüngere". Das schafft eine, sicher gewollte, Distanz. Ich fragte mich dann aber, was geht mich diese fremde Frau an?? Also warum lese ich ein Buch, ohne wirklich mitfühlen und nachempfinden zu können? - sie grübelt und grübelt, vermutet, unterstellt, reimt sich ihre eigene Wahrheit zusammen, weil es ihr so, und nur so!, schlüssig erscheint. Sorry, ich kann Menschen nicht leiden, die nur ihre eigene Wahrheit kennen und nicht mal bereit sind, auch von der anderen Seite darauf zu schauen bzw. die Verdächtigten zu befragen. Z.B. beschuldigt sie ihren Mann, sie hintergangen zu haben und sucht nach Beweisen. Findet etwas, er erklärt ihr den Hintergrund der nichts mit einer anderen Frau zu tun hat, und sie ist immer noch überzeugt, die Ausrede gehört zu seinem Betrug. Ja, so hat sie große Chancen, ein glückliches Leben zu führen...solche Leute nerven mich einfach nur! -Am Ende trifft sie sich nochmal mit der Unbekannten und ist ganz erstaunt, dass diese regelmäßigen Kontakt zu ihrem gemeinsamen Vater hat. Das hätte sie viel früher erfahren können, wenn sie nach dem "Vorkommnis" direkt nochmal Kontakt aufgenommen hätte um all ihre Fragen beantwortet zu bekommen anstatt jahrelang zu grübeln und Möglichkeiten zu konstruieren. Worum ging es nun in dem Buch? Ich weiß es nicht, ich habe es leider nicht verstanden. Unter einer Biografie stelle ich mir auch etwas anderes vor. Einen Satz fand ich ganz bezeichnend: "immer wenn ich denke, ein normales Leben führen zu können, kommt etwas dazwischen. Aber was ist das eigentlich, ein normales Leben?" Wahrscheinlich geht es darum, eine Frau auf der Suche nach dem Sinn und ihrer Bestimmung, ihrem Platz in der Welt und in der Familie. Vielleicht. Hervorheben möchte ich, dass ich den feinen Schreibstil und das literarische Können von Julia Schoch wirklich gut fand. Wahrscheinlich war es mir zu literarisch, ich bin wohl eher der Leser der mit einem Schmöker aus der Bahnhofsbuchhandlung besser bedient ist. Vielleicht ;-)
🅁🄴🅉🄴🄽🅂🄸🄾🄽 🥀 [unbezahlte Werbung] Das Vorkommnis von Julia Schoch Mein Leseeindruck: Der erste Teil der Trilogie "Die Biografie einer Frau" von Julia Schoch konnte mich nur so mittelmäßig überzeugen. Nach einer ihrer Lesungen wird die Protagonistin von einer fremden Frau angesprochen: "Wir haben übrigens denselben Vater", ziemlich überrumpelnd mit der Tür ins Haus. Gefangen in einem Strudel des Gedankenkarusells durchlebt die Protagonistin ihre Kindheit und Jugend und sucht händeringend nach einer Möglichkeit, um mit dem Vorkommnis umgehen zu können. Es folgt langes Sinnieren über ihre Familie und ihr bisheriges Leben, ihr Hinterfragen dessen war sehr sachlich aber entfernt, und dennoch reflektiert und klar. Da Julia Schoch den Personen der Geschichte keinerlei Namen gibt (sie nennt sie lediglich "die Schwester, das ältere Kind oder der Mann") konnte ich die Protagonisten nur sehr distanziert wahrnehmen und keine Verbindung aufbauen. Überzeugen konnte mich Julia Schoch mit ihrem sprachlichen Geschick. Die anspruchsvollen und sehr klugen Gedankengänge sprachen mich sehr an. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt, gut fand ich auch, dass hier nicht alles "schöngeredet" wird. Auch wenn es mir sehr schwerfiel eine Verbindung zur erzählenden Protagonistin aufzubauen; die Erzählungen konnten mich erreichen und machen mich neugierig auf den zweiten Teil dieser Reihe.

«Das Vorkommnis: Biografie einer Frau» ist der erste Teil der neuen Trilogie der Autorin Julia Schoch. Die namenlose Protagonistin ist Schriftstellerin und Dozentin sowie Mutter von zwei Kindern als sie auf einer Lesung eines ihrer Bücher von einer fremden Frau angesprochen wird: „Wir haben übrigens denselben Vater.“ (S. 7) In 72 kurzen Sequenzen wird das Gedankenspiel der Protagonistin das zwischen diesem Vorkommnis, ihrer Kindheit, ihrer Familie, dem Aufwaschen in der DDR, ihrer aktuellen Lebenslage und Alltag sowie ihrer Zeit in Amerika als Dozentin mit ihren Kindern und ihrer Mutter wechselt. Gedanklich setzt die Protagonistin sich mit der Verschiebung des Familiengefüges durch die neue Stief-Schwester auseinander und kehr immer wieder gedanklich zu dem sog. Vorkommnis, dem Aufeinandertreffen nach der Lesung zurück. Unbewusst und bewusst nehmen die Gedanken daran immer mehr Raum ein und verändern die Perspektive, das Denken und Empfinden der Protagonistin. Die Denkweise der Protagonistin wird reflektiert, kritisch und intellektuell dargestellt. Auffällig ist, dass bis auf eine relativ unbedeutende Mutter eines anderen Kindergartenkindes alle Personen namenlos bleiben und die Gedanken sehr sachlich-nüchtern und distanziert dargelegt werden. Meine Meinung | Mich hat die sachliche-Nüchternheit des Buches und die damit verbundene Distanz der Protagonistin zu ihrer Familie, ihrer Geschichte, ihrem Leben und letztlich ihrem Selbst nicht begeistern können. Der Schreibstil der Autorin ist sehr wortgewandt und reflektiert, dennoch fehlt es mir an Emotionen und Namen, die Nähe zu lassen könnten. Ein interessantes Buch, das das Innenleben einer Frau sehr wortgewandt und stilistisch ausgearbeitet porträtiert. 2.5 ⭐️
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Lebenslinien – Liebeslinien – Liebesmuster
Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten beide denselben Vater. Die überraschende Begegnung bleibt flüchtig, löst in ihr aber eine Welle von Emotionen aus. Fragen drängen sich auf, über Ehe und Mutterschaft, über Adoption und andere Familiengeheimnisse, über Wahrheit überhaupt. In ›Das Vorkommnis‹ erzählt Julia Schoch – eine der eindrücklichsten Stimmen autofiktionalen Erzählens in der deutschen Literatur – von einem Leben, das urplötzlich eine andere Richtung bekommt. Fesselnd und klarsichtig, so zieht sie hinein in den Strudel der ungeheuerlichen Dinge, die gleichzeitig auch alltäglich sind. Ein Roman von großer literarischer Tiefe und Schönheit, im Werk von Julia Schoch ein neuer Höhepunkt.
Book Information
Author Description
Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in Eggesin in Mecklenburg, gilt als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ). Zuletzt veröffentlichte sie die Romane ›Das Vorkommnis‹, ›Das Liebespaar des Jahrhunderts‹ und ›Wild nach einem wilden Traum‹ als die drei Bücher ihrer gefeierten Trilogie ›Biographie einer Frau‹. 2022 wurde ihr die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung verliehen, 2023 der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen, 2024 der Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis. 2025 zeichnete man sie mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Sie lebt in Potsdam.
Posts
Das Vorkommnis war wieder ein großartiges Buch von Julia Schoch, der 2. Teil einer Trilogie. Auch hier beschreibt Julia Schoch aus der Perspektive der Hauptperson „Der Frau“. Bei einer Lesereise spricht sie eine fremde Frau an und teilt ihr mit, dass sie ihre Halbschwester ist. Das beschäftigt „die Frau“ nachhaltig. Wir begleiten sie und ihr Innenleben auf 192 Seiten, auch auf ihrer längeren USA-Reise, die sie mit ihrer Mutter und ihren Kindern gemeinsam angetreten hat. Ich kann mich so gut in die Frau reinversetzen, wie sie über sich und ihrer Verbindungen zu anderen Menschen reflektiert, sie kommt wieder auf Gedanken, die ich so tiefsinnig finde. Das spannende an ihrem Erzählstil ist, dass alles so entrückt erscheint. Alle Menschen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen werden nicht mit Namen benannt, sondern mit der Funktion: Das ältere Kind, das jüngere Kind usw. Nicht lenkt ab, von ihrem Spaziergängen in ihrer Gedankenwelt, das bleibt die eite Faden. Als lesende Person ist man ihr so nah, aber auch irgendwie fern. Toll.
Nach einer Lesung stellt sich der Protagonistin dieses autofiktionalen Romans eine ihr bisher fremde Frau als ihre Halbschwester vor, von der sie bisher nichts wusste. Kurz darauf geht die Protagonistin mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter, aber ohne ihren Mann, für einige Monate für einen Arbeitsaufenthalt an eine US-amerikanische Universität. Das plötzliche Wissen um die Schwester führt dazu, dass das Leben der Protagonistin ein wenig aus den Fugen gerät. Sie denkt viel über Themen wie Beziehungen, Ehe und Familie nach, aber auch über die eigene Geschichte, die Kindheit und Jugend. Letzten Endes fängt sie sogar an, die Beziehung zu ihrem Ehemann anzuzweifeln. Mir hat dieses an sich eher schmale Buch, dass doch auf unter 200 Seiten viele Gedanken und Überlegungen ausbreitet, sehr gut gefallen. Allerdings geht es vor allem um das Innenleben der Protagonistin und ihre vielfältigen Gedanken zu diversen Themen, während der USA-Aufenthalt eher eine lockere Rahmenhandlung ohne größere Geschehnisse darstellt. Salopp gesagt wenig Action und viel Nabelschau also, aber letzteres gut und interessant beschrieben.
Schreibstil schwankt zwischen starken Sätzen und zähen, belanglosen Sätzen
Leider war das nicht mein Roman…Schade! Dabei hatte die Geschichte wirklich Potenzial denn ich fragte mich, wie so ein einschneidendes Erlebnis für mich wäre. Leider ist dieser durchgehende innere Monolog aber für mich überhaupt nicht spannend gewesen, ich habe bis jetzt nicht wirklich verstanden was und die Autorin zwischen dem 1. und letzten Kapitel sagen wollte. Hab öfters überlegt abzubrechen…
Beim Schreiben des Fazits wollte ich mit dem Namen der Hauptfigur anfangen und konnte mich einfach nicht daran erinnern. Beim Durchblättern fällt mir noch einmal auf, dass man ihn tatsächlich nie erfährt. Ich würde behaupten, dass sich die Ich-Erzählung auch nicht primär um die Familiengeschichte dreht, sondern um die Gedanken zur Mutterschaft, Ehe und der neu gefundenen Schwester der erzählenden Person. Die Autorin schreibt das sogar selbst auf S. 89 mit den Worten: „Das hier ist nicht die Geschichte meiner Familie. Die Geschichte meiner Familie gibt es nicht. Da ist nur die Geschichte einer Verwirrung.“ Besonders auffällig: Es gibt im gesamten Buch keine einzige wörtliche Rede. Das gibt der Erzählerin viel Raum, Gespräche nicht nur zu schildern, sondern auch zu werten und einzuordnen. Die 191 Seiten nehmen uns mit auf eine Reise in die USA, nach Bowling Green. Wir erleben kühle, fast beiläufige Begegnungen mit der Mutter, dem großen und dem kleinen Kind. Wir sehen eine kaputte Beziehung zum Ehemann und werfen Blicke zurück in eine DDR-Kindheit, von der ich mir noch mehr Tiefe und Details gewünscht hätte. Vor allem schafft das Buch Raum zum Nachdenken über alltägliche, philosophische Fragen, die „in der Welt entstehen, [ ] auch in ihr gelöst [werden].“ (S. 134) DAS VORKOMMNIS bekommt von mir ⭐️⭐️⭐️ Sterne und diese drei beschreibenden Emojis: 👶🏻🌗🍂

Gedanken
Was war mein erstes Buch der Autorin. Vielleicht hatte ich andere Erwartungen, aber hierbei handelt es sich nicht um einen Romanen im eigentlichen Sinne , sondern um autobiographische Gedanken zu Familie und Beziehung. Es war sehr angenehm zu lesen bzw zu lauschen, aber ich denke ich werde nicht viel davon mitnehmen können... Trotzdem schöner Stil.
Eine Autorin wird nach ihrer Lesung von einer wildfremden Frau angesprochen, dass man den gleichen Vater habe. Die Protagonistin ist bestürzt, gerät durch die Aussage völlig aus der Bahn. Jahrelang denkt sie über das Vorkommnis nach, stürzt in ein Loch und durchlebt ein seelisches Tief. Dadurch verändert sich ihr Blick auf die Welt, auf die Liebe, ihren Mann und ihre Kinder und durch die vielen Reflexionen und klugen Gedanken gerät auch unweigerlich der/die Leser*in ins Grübeln. Das Werk hat mich sehr nachdenklich gestimmt, mir vor Augen gehalten, wie auch die kleinsten Vorkommnisse eine große Wirkung auf uns haben können und wie schnell unser inneres Gleichgewicht aus der Balance geraten kann. Der Auftakt von Julia Schochs Trilogie ist wirklich empfehlenswert. "Ich erwähne diese alltäglichen Verrichtungen, weil die meisten überraschenden Vorfälle in unserem Leben gleichsam nebenbei passieren. Wir setzen nicht aus, wir halten nicht inne. Ich habe das Innehalten immer für eine eigentümliche, in Wahrheit kaum durchführbare Übung gehalten. Wir bauen, was uns überrascht hat, in unser gewohntes Leben ein. Wir gehen unserer Arbeit nach. Wir funktionieren. Vielleicht ist es besser so. Auf diese Weise versuchen wir der zerstörerischen Kraft unerwarteter Veränderungen aus dem Weg zu gehen. Dem Schock auszuweichen, jenen unzähligen kleinen und größeren Erschütterungen im Leben, die am Ende womöglich sogar der Kit sind, der die anderen Geschehnisse, die harmloseren, alltäglichen, zusammenhält."
Seltsam sehr fesselnd
Auch wenn der Erzählstil irgendwie distanziert erscheint hat mich die Geschichte doch auf eine sehr starke Art ergriffen. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch verschlungen weil mich die erzählende Frau nicht losgelassen hat, auch nicht, als ich das Buch zur Seite legte. Eine Familiengeschichte die Aussicht auf Vergangenheit, Jetzt und Zukunft bietet und doch viel zurückhält. Für mich hätte es noch etwas mehr sein dürfen und noch etwas mehr Blick in die Tiefe. Aber der Schreibstil hat mich völlig mitgenommen und sehr berührt. Ich möchte wissen, wer ist diese Frau? Was wird und wurde aus ihr? Ich würde mir wünschen sie würde mehr verraten. Ich mochte sie und das hat mich ergriffen und mitfühlen lassen, auch wenn ich nur eine Beobachterin war weil sie nicht mehr zugelassen hat. Sehr empfehlenswerte Lektüre.
Die verdrängte Schwester
Julia Schoch bewegt sich in ihrem autofiktionalen Text zwischen Verdrängung und dem Wunsch nach innerer Auseinandersetzung, Aufklärung, Verarbeitung. Dieses ständige Hin und Her und die damit einhergehende fehlende Zuverlässigkeit der Erzählerin machen den Text daher zu einer besonderen aber auch etwas anstrengenden Lektüre. Schochs Abschweifungen, die vielen Fragen und Anekdoten habe ich dabei aufgrund vieler origineller Einfälle genossen. Denn mit welcher geometrischen Form würde ich meine Familie beschreiben? Keine Ahnung, aber ich habe eine Weile darüber nachgedacht. Gefallen hat mir außerdem, dass an einigen Stellen das autofiktionale Schreiben selbst thematisiert und reflektiert wird - eine Kunst, die schnell überladen und zu „‚meta“ wirken kann, hier aber geschickt akzentuiert wurde. Mehrmals wird deutlich, dass das Auftauchen der mysteriösen, stets namenlosen „fremden Frau“ eigentlich nur als Vorwand oder eher inneren Anstoß dient, um sich mit emotional drängenderen Fragen auseinanderzusetzen. Dabei wäre ich an einigen Stellen schon gern wieder zu der vermeintlichen Schwester zurückgekehrt und frage mich, warum der Blick auf diese Person lange so wenig versöhnlich wirkt. Ob man am Ende der Lektüre in Bezug auf die Erzählerin und ihre (mehr oder weniger) verdrängte Schwester schlauer ist als vorher, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Über die Art, wie die Erzählerin denkt, habe ich jedoch eine ganze Menge gelernt. Daher bin ich gespannt, ob ihr Mann, der im zweiten Teil im Fokus steht, dort etwas besser wegkommt.
Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten denselben Vater… Nach dieser Begegnung, dem Vorkommnis, beginnt die Frau ihr Leben, ihre familiären Beziehungen, ihre Rolle als Mutter und Kindheit in der DDR mit anderen Augen zu sehen und vieles zu hinterfragen. Julia Schoch hat mich auf diese Gedankenreise mit vielen Fragezeichen mitgenommen und ich konnte die Emotionen, Zweifel und Erkenntnisse der Protagonistin sehr gut nachempfinden. Absolut lesenswert!
"Mit einem gewissen Talent zur Verdrängung lassen sich bestimmte Angelegenheiten über Jahre hinweg verscheuchen." Als nach einer ihrer Lesungen eine fremde Frau vor ihr steht und behauptet, sie hätten den gleichen Vater, entzündet das bei der Ich-Erzählerin des Romans ein scheinbar endloses Gedankenkarussel. Und ich steige ein. Sie erzählt, hinterfragt, misstraut. Es geht um das Schweigen, um Verdrängung, um einen inneren Kreis von Familie, um Ehe, das Mutter sein und gleichzeitig um eine Kindheit in der DDR und die Zeit des Umbruchs nach 1989. Der entfremdete Schreibstil hat es mir zwischendurch nicht ganz leicht gemacht. Es gibt keine Namen - der Mann, die Mutter, das kleine Kind, das große Kind. Und doch höre ich dieser Frau gebannt beim Nachdenken zu, auch wenn es manchmal wirr wirkt und nicht wirklich eine in sich geschlossenen Geschichte zu sein scheint. Vielleicht schließen sich die Lücken in Teil 2 und 3 der Trilogie, die ich sicher irgendwann noch lesen werde. Aber für den Moment lässt mich dieses Buch fast unberührt zurück.
Highlight - Großartiger 1. Teil
Schon der Titel ließ mich wundern und weckte meine Neugier, denn das Wort „Vorkommnis“ ist wohl keines des alltäglichen Sprachgebrauchs. Erwartet habe ich einen Roman der Geheimniskrämerei. Bekommen habe ich genau das Gegenteil. In „Das Vorkommnis“ lernt eine Frau und Mutter unerwartet, ja aus heiterem Himmel, ihre ihr bisher unbekannte Halbschwester kennen. Der Umgang der namenlosen Ich-Erzählerin mit dem gelüfteten Familiengeheimnis steht im Mittelpunkt. Die Frage nach der Wirkung, die diese neue Frau auf bisher als sicher geglaubte Gewissheiten haben kann, bestimmt den inneren Dialog der Protagonistin mit sich selbst. Was ist wahr, was nicht? Was ist Realität, was Fiktion? Ihr ist nicht mehr klar, was wirklich passierte und was sie lediglich falsch erinnert, welche Vorstellung sie davon hat, wie sie sich verhalten hätte und wie sie sich tatsächlich verhalten hat. Nichts bleibt unausgesprochen, jeder Gedanke wird geteilt. Das Verständnis der Protagonistin von Familie wird durch das Vorkommnis in Frage gestellt. Überhaupt werden unglaublich viele Fragen aufgeworfen - an sich selbst, an die Welt - doch nicht immer gibt es eine Antwort. Beständig setzt sich die Ich-Erzählerin über Jahre mit dem Vorkommnis auseinander und erzählt dabei auch ein Stück DDR-Geschichte, die aber nicht im Vordergrund steht. Julia Schoch stellt Ratlosigkeit dar und die Frage danach, wie mit einer solchen Situation umzugehen ist, welch rationale wie irrationale Gedankengänge ein Mensch haben kann, dessen Selbstverständnis über die eigene Familie ausgehebelt wurde. Dabei erzeugt sie eine ganze besondere Dramaturgie, der sich zu entziehen nicht leicht fällt, weil sich die innere Zerrissenheit der Protagonistin mit jedem kleinteiligen Gedanken auf die Lesenden überträgt. Obwohl dies jederzeit möglich wäre, denn die einzelnen Szenen sind teils recht kurz gefasst und lassen dadurch leicht Raum, um über das Geschrieben zu sinnieren. „Das Vorkommnis“ war für mich ein grandioser Auftakt dieser Trilogie und ließ mich in ungeduldiger Vorfreude auf den zweiten Teil zurück. Highlight!
Eindrucksvolle Sprache
In dem Roman begleiten wir eine namenlose Ich-Erzählerin durch die Reflexion ihrer Familienverhältnisse, angestoßen durch das plötzliche Auftauchen ihrer Halbschwester. Dabei besticht die Erzählung durch eine angenehm unaufgeregte Prosa die gleichzeitig viele eindrucksvolle Bilder enthält. In der Mitte hat für mich ein wenig die Spannung gefehlt - ich bin trotzdem gespannt auf den zweiten Band.
Tiefgründig.
Eine Frau wird auf einer Lesung von einer anderen Frau angesprochen und diese Dame behauptet, sie hätten beiden denselben Vater. So flüchtig diese Begegnung der Frauen auch bleibt, so viel löst sie im Nachgang in unserer Erzählerin aus. Wie auch schon in Band 3 sind wir auch in Band 1 in den Gedanken der Vergangenheit einer Frau unterwegs. Ein Rückblick auf ein Leben. In den Nebeln der Vergangenheit, wie es die Autorin so schön benennt. Beziehungen werden infrage gestellt. Erinnerungen werden hinterfragt, oder mit neueren Erkenntnissen überlagert. Ist alles so, wie wir es in Erinnerung haben, oder war es in Wahrheit alles ganz anders? Es geht aber auch um die Familie. Die Beziehungen zu unseren Eltern und Geschwistern. Wie sind unsere Beziehungen wirklich zueinander? Manche Gedanken der Autorin konnte ich nicht ganz teilen, aber im Großen und Ganzen findet sie wieder die richtigen Worte für all das, was in unserem Leben so vor sich geht und was ein bestimmtes Ereignis in uns auslösen kann. Ich mag die abstrakte Denkweise von Julia Schoch. Und ich liebe ihren Schreib-und Erzählstil. Sie hat es mal wieder auf so wenigen Seiten geschafft, mich sehr zum nachdenken anzuregen. Ihre Sichtweisen zu den Themen der Vergangenheit sind sehr interessant. Und sie hat es wieder geschafft, meine Gedanken bezüglich der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart zu reflektieren. Ich kann auch Band 1 wirklich empfehlen und freue mich jetzt noch auf den zweiten Band.

Kurzweilige Lektüre, während welcher man sich im Gedankenlabyrinth einer Fremden wiederfindet.
Besonders gut gefallen hat mir das „Bacherl“-artige Dahinfließen der Gedanken und welche Wege eingeschlagen wurden. Auch sehr interessant war die Diskussion über Zugehörigkeit und (wie ich finde) die kleinsten Aspekte des Othering - wer gehört zu „uns“ (als Familie) und wo ziehen wir die Grenze (nach außen)? Ich habe mich im Vorfeld nicht über den Roman informiert und kenne auch die Autorin nicht, deswegen wusste ich nicht, dass es sich um einen autofiktionalen Text handelt - während des Lesens wird das aber irgendwie deutlich, weil das Werk wirklich sehr vor Persönlichkeit trieft. Bestimmt werde ich noch ein paar Tage darüber nachdenken.
Alle Fragen, die in der Welt entstehen, werden auch in ihr gelöst. - eine Autorin, eine plötzlich aufgetauchte Halbschwester und ein jahrelanges Gefühlschaos
In „das Vorkommnis“ erzählt Julia Schorsch die Geschichte einer namenlosen Schriftstellerin, die bei einem Treffen mit der verdrängten Wahrheit konfrontiert wird: Sie hat eine Halbschwester. Obwohl sie es eigentlich schon wusste, hat sie dieses Wissen lange verdrängt. Die Begegnung lässt sie nicht mehr los, sie verfällt in einen Strudel aus Misstrauen und Selbstzweifeln – bis hin zu Vorwürfen gegenüber ihrem Mann. Erst das Wiedersehen mit ihrer Halbschwester bringt ihr den ersehnten Abschluss. Insgesamt ein sehr schön geschriebenes Buch, wenn auch stellenweise etwas zäh.
Ein autofiktionaler Text, den ich aber als Fiktion gelesen habe, lesen musste, denn die Autorin seziert schonungslos das Innenleben ihrer Protagonistin und das war manchmal vor Schmerz und Fremdscham nur schwer auszuhalten, ich fühlte mich manches Mal unangenehm in der Rolle eines Voyeurs. Die Prota wirkt seltsam entrückt und distanziert, sowohl sich selbst als auch den anderen und der Welt gegenüber, ist in sich selbst verstrickt. Interessant ist die Einbettung des titelgebenden Vorkommnisses (= das unerwartete Auftauchen einer Halbschwester auf einer ihrer Lesungen) in die Familiengeschichte und das Aufzeigen transgenerationaler Muster und Dynamiken. Insgesamt ein Buch in dem der Plot eine untergeordnete Rolle spielt und das Lesevergnügen aus den mäandernden Reflexionen und dem Einordnen in ein familiäres Geflecht besteht. Ich lese jetzt Teil 2, weil mir Teil 1 sehr gut gefallen hat.
Das Buch in drei Worten: distanziert, analytisch, beziehungslos
Nachdem ich im letzten Jahr „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ von Julia Schoch gelesen habe (was mir sehr gut gefallen hat), kam nun „Das Vorkommnis“, was dem „Liebespaar“ voraus gegangen war, dran. Bevor ich ihr neues Buch lese, möchte ich wenigstens ab jetzt in der Chronologie bleiben, wie ich etwas preußisch dachte. Sie erzählt in dieser Geschichte mit einem ähnlichen Tonfall, wie in ihrem Liebespaarbuch von einer bisher unbekannten Schwester, die plötzlich auftaucht. Besser gesagt: Sie erzählt von dem, was dieses „Vorkommnis“ in der Protagonistin auslöst - und das ist eine romanfüllende Menge. Für die analytische Ehefrau des vorigen Buchs passte die distanzierte und kühle Sprache für mich, hier wirkt sie auf mich wie eine Barriere, die mich daran hindert wirklich mitzufühlen. Die Hauptfigur hinterfragt bestehende Beziehungen und auch bei mir kommt eine gewisse Beziehungslosigkeit an. Es ist mehr ein Mitdenken als ein Mitfühlen, was auch gut ist, aber dadurch leuchtet keine emotionale Resonanz auf. Mein Begeisterungslevel ist also hier etwas gedämpft, obschon Julia Schoch wundervoll klar und klug erzählt. Relatable moments ** Plotkomplexität. ** Dünnes Eis - Sprachliche Virtuosität. *** Intellektueller Anreiz **
Das Buch hat mich fasziniert. Die Ich-Erzählerin taucht gedanklich sehr tief in Fragen, die das Leben stellt, ein. Parallel dazu erzählt sie Erlebtes aus dem Alltag in der DDR und verknüpft Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Dazu besticht dieses Buch durch seine auskomponierte Sprachlichkeit, einem ausgefeilten Wortschatz und einer abwechslungsreichen Syntax. Kurzum: Gelungen 😊
Das Buch lässt mich etwas verwirrt zurück. Es hat keine wirkliche Handlung, keinen roten Faden, der sich durch den Text zieht. Trotzdem hat der Text einen Sog entwickelt, der mich das Buch zu Ende lesen ließ. So eine Art "Geschichte" habe ich bisher noch nicht gelesen. Es ist eher eine Aneinanderreihung an Gedanken. Die Lektüre selbst war eine besondere Erfahrung, obwohl die Themen selbst alltäglich, "normal" sind. Was ich insgesamt aus dem Buch mitnehme, kann ich nicht genau sagen. Ich behalte eher einzelne Fragmente in Erinnerung als ein umfassendes Fazit.
Es gibt manchmal Texte, die einen leer und zugleich übervoll zurücklassen. "Das Vorkommnis" gehört dazu. Der Roman fordert den Leser auf einigen Ebenen heraus und thematisiert Probleme und Gedanken, die einem nur allzu bekannt vorkommen, denen man sich aber nur sehr bedingt in dieser Intensität aussetzen möchte. Die Erzählerin wird durch das Vorkommnis - ein wunderbares Wort, das sowohl Zäsur als auch Banalität suggeriert - aus der Bahn geworfen. Sie trifft ihre Halbschwester, von der sie irgendwie ahnte, aber nicht wirklich wusste, und deren Zugehörigkeit zu ihr nur dadurch besteht, dass der Vater der Erzählerin sich auf der Geburtsurkunde hat eintragen lassen. Bewiesen ist die Verwandtschaft also nicht. Dennoch beginnt die Erzählerin durch die Existenz dieser möglichen neuen Schwester alles zu hinterfragen, ein auf der Spitze fast paranoides Misstrauen sich selbst und anderen gegenüber zu empfinden, den Wert von Erinnerungen auszutesten und ein Leben in Gedankenspiralen und Grübeleien zu führen. Im Alltag der Erzählerin passiert eigentlich nichts Spektakuläres. Auslandsmonate in den USA ziehen an ihr vorüber, aber sie scheint nur zu funktionieren, während sie sich ihrem eigenen Denken immer stärker annähert, ihr Dasein und ihre Beziehungen in Zweifel zieht. Als Leser hat man es mit der Erzählerin schon recht schwer, denn sie ist so in sich selbst verstrickt, in einer konstanten Auseinandersetzung mit sich, dass kein Raum für "normales Leben" bleibt. In ihrem Hadern und Hinterfragen schwankt sie zwischen Teilnahmslosigkeit und Selbstzerstörung. Auch wenn auf diese Weise eine Identifikation mit der in ihrer Selbstwahrnehmung schonungslosen und fast schon brutalen Erzählerin ausgeschlossen wird, der Leser konsequent auf Distanz gehalten wird, kann man sich doch einer Betroffenheit nicht entziehen, denn der Roman bewirkt auch beim Leser eine Auseinandersetzung mit den Konzepten von "Vergänglichkeit" und "Erinnerung", mit der Fragestellung, was passiert, wenn alles, worauf man vertraut, umgestoßen wird. Der Text ist mitnichten positiv oder fröhlich, im Gegenteil, es handelt sich um einen extrem intensiven, sehr dichten und (emotional) fordernden Text, dessen Schluss für den aufmerksamen Leser eine unglaublich gelungene Überraschung im Hinblick auf Lesererwartungen und Gattungszugehörigkeit bietet. Ich bin nicht restlos begeistert, es ist einfach kein schönes Buch, aber trotzdem ein gutes. Ein Lesetipp für alle, die viel Nachdenken, intensive Auseinandersetzungen und Selbstsektion zu schätzen wissen und sich auf das Abenteuer der Autofiktion einlassen wollen.
"Später würde alles einen Sinn ergeben. Später wäre es logisch, dass ich mit jemanden sprach, sobald ich alleine war." Eine Geschichte über eine Frau, welche zurück schaut, welche das Hier betrachtet und leicht in die Zukunft schaut. Eine Frau die über ihr Leben schreibt und bei einer Lesung eine Frau kennen lernt, welche den gleichen Vater hat. Eine Frau die nach Amerika geht, um zu verdrängen, aber dennoch immer wieder an die andere, die falsche, an die unbekannte Halbschwester denken muss. Eine Frau, die Mutter, Schwester, Ehefrau und Tochter ist. Blickt zurück, überlegt wie war ihr Leben, ihre Verbindung zur Mutter, ihre Liebe zum Mann und den eigenen Kindern. Das ist der erste Teil der biographischen Trilogie von Julia Schoch. Es war ein holpriger Start - es brauchte Zeit zu verstehen, dass die Nebensächlichkeiten im Vordergrund stehen und somit eine Geschichte entsteht.
Ich finde es diesmal irgendwie sehr schwierig eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, denn obwohl das Buch sehr dünn ist, gibt es hier einiges zu sagen. Dies ist der erste Band der Trilogie Biographie einer Frau und fängt mit einem Vorkommnis an. Die Ich- Erzählerin wird nach ihrer eigenen Lesung von einer fremden Frau mit folgenden Worten angesprochen: " Wir haben übrigens den selben Vater". Daraus folgt ein riesiges Gedankenkarussel und die Protagonistin taucht in den Vergangenheit ab, hinterfragt ihr gegenwärtiges Leben und ihre Ehe sowie das familiäre Gleichgewicht kommt ins schwanken. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Gedanken etwas wirr sind und in meinen Augen sind es viele Erinnerungen zu denen wir springen, was es etwas schwierig gemacht hat zu erkennen, was die Fakten sind oder fälschliche Erinnerungen der Protagonistin sind. Vielleicht weiß die Protagonistin selbst nicht mehr genau was wahr ist und was sich falsch in ihrem Kopf abgespeichert hat. Anders kann ich es irgendwie nicht beschreiben. In dieser Geschichte werden einige Denkanstöße geben, es wird viel reflektiert und es gibt viele Gedanken und Gefühle der Protagonistin, die verarbeitet werden. Interessant finde ich, dass keiner der Personen einen Namen hat, was zu einer Distanz führt und man keine Verbindung aufbauen kann. Mich persönlich hat es nicht sonderlich gestört. Der Schreibstil ist anspruchsvoll und ungewöhnlich (im Vergleich zu dem was ich sonst lese), aber ich fand es ansprechend und es hat mir ganz gut gefallen. Insgesamt hat mir diese Geschichte ganz gut gefallen, konnte mich aber nicht völlig überzeugen und es ist stellenweise etwas schwierig gewesen dem Ganzen zu folgen. Diese Geschichte ist sicherlich nicht für jedermann, aber für den einen oder anderen lohnt es sich vielleicht einen Blick auf dieses Buch zu werfen. Ich bin auf den zweiten Band dennoch gespannt.

Hier geht es um eine Schriftstellerin, die nach einer Lesung von einer Fremden angesprochen wird, die behauptet, ihre Schwester zu sein. Dieses, eigentlich harmlose, Vorkommnis wirft die Ich-Erzählerin aus der Bahn. Sie fängt an, zu zweifeln, zu fragen, deckt Geheimnisse auf. Soweit, so gut. Hier verliert sich dann aber für mich der rote Faden, ich konnten den Gedanken der Frau nicht mehr folgen und ich habe einige Kritikpunkte: -alle Personen bleiben namenlos, ihre Kinder sind "das ältere" und "das jüngere". Das schafft eine, sicher gewollte, Distanz. Ich fragte mich dann aber, was geht mich diese fremde Frau an?? Also warum lese ich ein Buch, ohne wirklich mitfühlen und nachempfinden zu können? - sie grübelt und grübelt, vermutet, unterstellt, reimt sich ihre eigene Wahrheit zusammen, weil es ihr so, und nur so!, schlüssig erscheint. Sorry, ich kann Menschen nicht leiden, die nur ihre eigene Wahrheit kennen und nicht mal bereit sind, auch von der anderen Seite darauf zu schauen bzw. die Verdächtigten zu befragen. Z.B. beschuldigt sie ihren Mann, sie hintergangen zu haben und sucht nach Beweisen. Findet etwas, er erklärt ihr den Hintergrund der nichts mit einer anderen Frau zu tun hat, und sie ist immer noch überzeugt, die Ausrede gehört zu seinem Betrug. Ja, so hat sie große Chancen, ein glückliches Leben zu führen...solche Leute nerven mich einfach nur! -Am Ende trifft sie sich nochmal mit der Unbekannten und ist ganz erstaunt, dass diese regelmäßigen Kontakt zu ihrem gemeinsamen Vater hat. Das hätte sie viel früher erfahren können, wenn sie nach dem "Vorkommnis" direkt nochmal Kontakt aufgenommen hätte um all ihre Fragen beantwortet zu bekommen anstatt jahrelang zu grübeln und Möglichkeiten zu konstruieren. Worum ging es nun in dem Buch? Ich weiß es nicht, ich habe es leider nicht verstanden. Unter einer Biografie stelle ich mir auch etwas anderes vor. Einen Satz fand ich ganz bezeichnend: "immer wenn ich denke, ein normales Leben führen zu können, kommt etwas dazwischen. Aber was ist das eigentlich, ein normales Leben?" Wahrscheinlich geht es darum, eine Frau auf der Suche nach dem Sinn und ihrer Bestimmung, ihrem Platz in der Welt und in der Familie. Vielleicht. Hervorheben möchte ich, dass ich den feinen Schreibstil und das literarische Können von Julia Schoch wirklich gut fand. Wahrscheinlich war es mir zu literarisch, ich bin wohl eher der Leser der mit einem Schmöker aus der Bahnhofsbuchhandlung besser bedient ist. Vielleicht ;-)
🅁🄴🅉🄴🄽🅂🄸🄾🄽 🥀 [unbezahlte Werbung] Das Vorkommnis von Julia Schoch Mein Leseeindruck: Der erste Teil der Trilogie "Die Biografie einer Frau" von Julia Schoch konnte mich nur so mittelmäßig überzeugen. Nach einer ihrer Lesungen wird die Protagonistin von einer fremden Frau angesprochen: "Wir haben übrigens denselben Vater", ziemlich überrumpelnd mit der Tür ins Haus. Gefangen in einem Strudel des Gedankenkarusells durchlebt die Protagonistin ihre Kindheit und Jugend und sucht händeringend nach einer Möglichkeit, um mit dem Vorkommnis umgehen zu können. Es folgt langes Sinnieren über ihre Familie und ihr bisheriges Leben, ihr Hinterfragen dessen war sehr sachlich aber entfernt, und dennoch reflektiert und klar. Da Julia Schoch den Personen der Geschichte keinerlei Namen gibt (sie nennt sie lediglich "die Schwester, das ältere Kind oder der Mann") konnte ich die Protagonisten nur sehr distanziert wahrnehmen und keine Verbindung aufbauen. Überzeugen konnte mich Julia Schoch mit ihrem sprachlichen Geschick. Die anspruchsvollen und sehr klugen Gedankengänge sprachen mich sehr an. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt, gut fand ich auch, dass hier nicht alles "schöngeredet" wird. Auch wenn es mir sehr schwerfiel eine Verbindung zur erzählenden Protagonistin aufzubauen; die Erzählungen konnten mich erreichen und machen mich neugierig auf den zweiten Teil dieser Reihe.

«Das Vorkommnis: Biografie einer Frau» ist der erste Teil der neuen Trilogie der Autorin Julia Schoch. Die namenlose Protagonistin ist Schriftstellerin und Dozentin sowie Mutter von zwei Kindern als sie auf einer Lesung eines ihrer Bücher von einer fremden Frau angesprochen wird: „Wir haben übrigens denselben Vater.“ (S. 7) In 72 kurzen Sequenzen wird das Gedankenspiel der Protagonistin das zwischen diesem Vorkommnis, ihrer Kindheit, ihrer Familie, dem Aufwaschen in der DDR, ihrer aktuellen Lebenslage und Alltag sowie ihrer Zeit in Amerika als Dozentin mit ihren Kindern und ihrer Mutter wechselt. Gedanklich setzt die Protagonistin sich mit der Verschiebung des Familiengefüges durch die neue Stief-Schwester auseinander und kehr immer wieder gedanklich zu dem sog. Vorkommnis, dem Aufeinandertreffen nach der Lesung zurück. Unbewusst und bewusst nehmen die Gedanken daran immer mehr Raum ein und verändern die Perspektive, das Denken und Empfinden der Protagonistin. Die Denkweise der Protagonistin wird reflektiert, kritisch und intellektuell dargestellt. Auffällig ist, dass bis auf eine relativ unbedeutende Mutter eines anderen Kindergartenkindes alle Personen namenlos bleiben und die Gedanken sehr sachlich-nüchtern und distanziert dargelegt werden. Meine Meinung | Mich hat die sachliche-Nüchternheit des Buches und die damit verbundene Distanz der Protagonistin zu ihrer Familie, ihrer Geschichte, ihrem Leben und letztlich ihrem Selbst nicht begeistern können. Der Schreibstil der Autorin ist sehr wortgewandt und reflektiert, dennoch fehlt es mir an Emotionen und Namen, die Nähe zu lassen könnten. Ein interessantes Buch, das das Innenleben einer Frau sehr wortgewandt und stilistisch ausgearbeitet porträtiert. 2.5 ⭐️





































