
"Wenn er betrunken ist, packst du deine Koffer. Und wenn er nüchtern ist, packst du sie wieder aus. Und so läufst du dein ganzes Leben lang in knubbeligen Blusen herum und siehst beschissen aus." Im Fokus der Erzählung stehen die Tochter und der Vater. Ein recht herkömmliches, recht einfaches Leben, zumindest von außen. Der Vater trinkt gerne mal einen über den Durst und verhält sich danach auffällig, meist unangenehm. Der Rausch wird ausgeschlafen, das Leben geht weiter. "Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt." Die Mutter ist bemüht und engagiert, ihrem Alltag und ihrer Familie gerecht zu werden. Über viele Jahre hinweg ist das ein Zustand, der irgendwie aushaltbar ist, nicht schön, aber okay. Das geht eine ganze Weile gut; Angehörige halten das aus, gefangen in einer Co-Abhängigkeit. Dem Betroffenen macht es das nur noch leichter, immer tiefer in diesen Strudel zu geraten, da ist eine Konstante, die ihn auffängt - Familie, Freunde. Auch hier könnte es also schlimmer sein und es wird wie folgt weitergemacht. Irgendwann resignieren die einen und die anderen nehmen sich ein Beispiel, machen mit. Es ist das was man kennt und irgendwie auch ein Stück weit gewohnte Sicherheit. In diesem Fall zieht die Tochter dem Vater nach, es baut sich eine Form der Verbindung auf. Es zeigt eine Wirklichkeit wie sie viele begleitet, oft kaum wahrnehmbar. Es gehört doch auch irgendwie dazu, das Trinken. Es ist doch so gesellschaftsfähig, jeder tut das mal; die wenigsten denken da gleich an eine Gesellschaftsdroge. In der Zahl aber gar nicht mehr so harmlos: 7,9 Millionen Menschen – so hoch ist die Zahl der Bevölkerung in Deutschland, die Alkohol in gesundheitlich riskanter Form konsumiert. Das sind 14,8 % der erwachsenen Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren. Die Geschichte schockiert im Hintergrund, sie bewegt, zeigt auf, was sein kann - eine Erzählung und doch für viele die bittere, tägliche oder auch phasenweise Realität. Das Buch wurde zurecht für den Deutschen Buchpreis nominiert. Eine kleine Kritik gibt es doch, es befinden sich einige Fehler im Buch, was den Lesefluss manchmal etwas stocken lässt. Ich trinke in der Regel keinen Tropfen Alkohol. Von vielen als völlig überzogen eingestuft, halte ich ihn schlichtweg für gefährlich. Auf eine sehr persönliche Weise berührte mich dieses Buch.






















































