Blondes Herz
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Description
Ein scharfsinniger Roman über die Geschichte unserer Gegenwart und die Kraft unserer Träume – von der Autorin des Bestsellers
Mädchen, Frau etc.
Was wäre, wenn der afrikanische Kontinent die Welt erobert hätte und Sklavenhandel mit Europäern betreiben würde? Booker-Preisträgerin und Bestsellerautorin Bernardine Evaristo denkt die Vergangenheit neu: Doris, ein weißes Mädchen aus England, wird nach Aphrika verschleppt und dort als Sklavin verkauft. Doch sie verliert nicht ihren Mut. Sie muss alles riskieren, um die Fesseln ihrer Gefangenschaft abzulegen und ein freies Leben zu führen.
Eben noch spielt Doris mit ihren Schwestern Verstecken auf den Feldern hinter ihrem Cottage. Im nächsten Moment wird ihr ein Sack über den Kopf gezogen und sie findet sich im Laderaum eines Sklavenschiffs wieder, das in die Neue Welt segelt. Dort muss sie einem ambossanischen Feudalherrn dienen, der von ihrer Minderwertigkeit überzeugt ist. Doch Doris kann nicht aufhören, von ihrer Flucht zu träumen. In den folgenden Jahren setzt sie alles daran, ein freier Mensch zu werden. Als ihre Fluchtversuche scheitern, wird sie zur Strafe auf die Zuckerrohrfelder geschickt. In den Plantagen, an der Seite der starken Wikingerin Ye Mémé, entdeckt Doris jedoch eine ungekannte Stärke in sich. Unerwartet findet sie zurück zu ihrem blonden Herz. Und am Ende sogar zu ihrem ungebrochenen Freiheitswillen.
»Ein phänomenales Buch. Zweifellos ein feministischer Klassiker.« WOMEN’S PRIZE FOR FICTION
»So menschlich und authentisch. Eine humorvolle und intelligente Neuinterpretation von Vergangenheit und Gegenwart.« GUARDIAN
Book Information
Author Description
Bernardine Evaristo, geboren 1959, wuchs als viertes von acht Kindern in London auf. Sie ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London und Präsidentin der Royal Society of Literature. Sie gewann als erste Schwarze Autorin den Booker-Preis für ihren Bestsellerroman Mädchen, Frau etc. (2021). Außerdem bei Tropen erschienen: Manifesto. Warum ich niemals aufgebe (2022), Mr. Loverman (2023) und Zuleika (2024).
Posts
Sklaverei mal andersrum Was wäre wenn Afrika uns Europäer erobert und versklavt hätte. Unsere Tradition und Kleidung verspotten würden? Wenn sie behaupten würden, wir waren keine richtigen Menschen und empfinden keinen richtigen Schmerz und sind nicht zu Bindungen fähig? Bernardine Evaristo spielt dieses Gedankenexperiment mal durch. Europäer gelten als Hinterweltlerisch und werden versklavt. An Hand von Doris oder MS Omo, erleben wir wie es abläuft. Die Entführung, die elend grausame Fahrt auf einem Sklavenschiff und die Zeit als Sklavin. Zum Glück privilegiert, da sie im Haus, im Büro arbeitet. Dennoch Mann und Kinder, die sie bekommt, darf sie nicht behalten. Sie flieht und alles erinnert sehr an "Underground Railroad", was sicher gewollt ist. Doris landet auf einem Schiff und hofft, dass alles gut wird, ist aber weiterhin in Hab Acht Stellung. Leider zu Recht. Sie wird gefasst und zurück gebracht und fängt wieder ganz unten an. Zwischendurch gibt es auch den Blick der Sklavenhalter, wie sie in Europa sind und sich über vieles amüsieren und wundern. Kleidung, im speziellen Korsetts, aber auch die Hexenverfolgung und diverse Hinrichtungen, lassen sie nur den Kopf schütteln. Es ist definitiv gelungen, um über die Geschichte nachzudenken. Berechtigt ist natürlich ein auf uns herabschauen, wenn es um die Idiotie der Hexenverfolgung etc. geht. Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich die Bilder im Kopf von Sklaven, nicht in weiß umwandeln konnte. Es ist leider so tief verankert. Dennoch ist das Buch lesenswert, da es erneut aufrüttelt, denn was wäre, wenn wir an der Stelle gewesen wären.
Was wäre, wenn nicht Europa über die Welt hergefallen und sie kolonialisiert hätte? Wenn stattdessen der schwarze Kontinent geografisch sowie wirtschaftlich die Herrschaft übernommen hätte? Und was, wenn die negriden Menschen sich zur beherrschenden Gattung aufgeschwungen, ja die Mongoliden und die Europiden gar mit den Neo-Primaten lediglich der Gruppe der Menschlichen zugeordnet hätten; sich selbst aber als alleinige Vertreter der Menschen betrachtet hätten? Wenn die Negriden sich das Recht heraus genommen hätten, die Küsten Europas zu bereisen und Europiden einzufangen, um sie zu versklaven? Genau diese Sicht gibt das vorliegende Buch; und meiner Meinung nach hat die Autorin es eindrucksvoll geschafft eine Umkehr in Worte und Bilder zu fassen, die auf der einen Seite die Grausamkeit des Umgangs mit Menschen als Sache zeigt, und auf der anderen Seite die Ignoranz der Herrschenden, sich überlegen fühlenden Menschen gegenüber den Gefühlen aber auch der Kultur und der Religion der vermeintlich Unterlegenen. Ja, es gibt bereits zahlreiche Bücher und Filme, welche den grausamen Umgang mit versklavten Afrikanern aufzeigen; Roots, Twelve Years a Slave, Amistad, Beloved oder JAMES um nur einige zu nennen. Doch wie anfangs gesagt, hier ist es zur Umkehr gekommen. Dem Europäer wird - unterbewusst oder bewusst - um ein weiteres klar, wie unmenschlich das Verhalten gegenüberr den verschleppten Menschen war. Eingepfercht zu hunderten in Sklavenschiffen, der Mannschaft ausgeliefert, wie Vieh begutachtet und in Besitz genommen; jegliche Menschenrechte abgesprochen. Wie Zuchtvieh und Arbeitstiere gehalten - grausamste Strafen bei Widerspruch oder gar Flucht. Gleichzeitig ließ es mich auf eine jüngere deutsche und europäische Geschichte schauen; denn auch Bücher und Filme über den unsäglichen Umgang mit Andersdenkenden oder Juden in der NS-Zeit weisen entsprechende Gräueltaten auf. Und auch der Rückblick auf die weitere europäische Geschichte - Griechenland, Römisches Reich, Leibeigenschaft im Mittelalter - zeigen auf, dass das Thema Sklaverei und Überheblichkeit der Menschen ein wichtiges Thema ist. Und hier hat die Autorin nun die allen bekannte Versklavung der schwarzen Menschen aus Afrika aufgenommen und umgekehrt. Dabei ist es ihr gelungen, auch alle Facetten der Folgen mit umzukehren. So gibt es durchaus freie Waisse - die aber als verarmte Tagelöhner ihr Dasein fristen - Halbschwaarze - Kinder von Waisen Sklavinrn und ihren Herren. Die weißen Sklaven erhalten von ihren Herren afrikanische Namen, die sie kaum aussprechen können und haben sich eine Kauderwelsch-Sprache angeeignet, die leicht dümmlich wirkt (hier lohnt zum Vergleich mal der Blick in JAMES von P. Everett). Außerdem haben sie eine laute Religion entwickelt, hinter der sie ihre eigentlichen christlichen Messen verbergen. Wird durch Afrikaner die Zivilisation der Europiden betrachtet, so kommt es ihnen fremd und primitiv vor - der Leser erkennt allerdings normale Gebräuche des Mittelalters; wobei die Autorin dem Afrikaner im entsprechenden Abschnitt tatsächlich unmenschliche Verhalten der „primitiven Bewohner“ zeigt - nämlich denen rund um die Hexenverfolgung (Folter, Hexenprobe und Hinrichtungen). Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Teil 1 beschreibt den Fluchtversuch der Haussklavin Doris - einer Bauerstochter aus England; hierbei erfährt der Leser über Zeitsprünge auch etwas über die Herkunft von der Doris. Teil 2 enthält das Essay eines bedeutenden Sklavenhalters, in welchem er genau auseinandersetzt, warum die Negriden Menschen über die Menschlichen herrschen und was deren Unterlegenheit ausmacht. Teil 3 beschreibt dann zum einen das Leben der Sklaven auf einer Zuckerrohrplantage sowie die Schrecken der Gefangennahme und Verschiffung der Sklaven. Und was zunächst wie eine Satire beginnt, wandelt sich zu einem erschreckendem Blick in die Abgründe der Menschheit. Ein Buch was, leicht gelesen, einen schweren Eindruck hinterlässt. Für mich mit 5/5 eine klare Empfehlung für Alle, die sich mit dem Thema noch einmal anders auseinandersetzen möchten.
Aufreibend, packend & schonungslos
Was wäre wenn die Kolonialgeschichte anders gekommen wäre! -Rezensionsexemplar- . Genre: Ein Roman Mit einer Geschichte, fiktiv, herausfordernd, schonungslos & dabei unglaublich packend. Ich mag ihre Bücher einfach! . Setting: Doris lebt in Schottland mit ihren Eltern, Leibeigene von einem Herren und bestellt etwas Land. Doch eines Tages gelangt sie in die Hände von Sklavenhändlern und landet in Aphrika - mit all der Brutalität, der Andersheit & im Leben einer Sklavin. . Schnapp dir einen Kaffee & was wäre wenn, es andersrum gewesen wäre.
Ein Schalter der Geschichte
Bernardine Evaristo eröffnet mit ihrem Buch eine Welt, in der es sich anfühlt als hätte jemand einen unscheinbaren Schalter der Geschichte umgelegt. Den Rollenwechsel zwischen dem Schicksal von Schwarzen und Weißen Menschen empfand ich vor allem dann inspirierend, wenn es darum ging, was in welcher Kultur als „normal“ galt und wie die jeweils andere Kultur im Gegensatz dazu stand. Auch die wechselnden Perspektiven, aus denen die Kapitel erzählt wurden, ermöglichten einen Einblick in die Absurdität und grundlosen Grausamkeiten von rassistischen Gedanken und Handlungen. Da ich mich schon des Öfteren mit der Geschichte der Sklaverei beschäftigt habe, bot das Buch für mich jetzt nicht den erleuchtenden Moment, der mich meine Wahrnehmung oder Werte hinterfragen ließ. Dennoch habe ich mit der Hauptfigur mitgefühlt, wurde wütend und versuchte stets mir dem Perspektiv- und Rollenwechsel bewusst zu bleiben. Evaristo schrieb ein spannendes Buch, dass aber keine verborgenen Geheimnisse zur Geschichte der Sklaverei verrät, sondern grundsätzlich der Frage folgt „Was wäre wenn?“ 🪞
Was wäre, wenn die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels umgekehrt geschrieben wäre? In ihrem Roman "Blondes Herz" entwirft Bernardine Evaristo ein provokantes Gedankenexperiment, das die bekannten kolonialen Machtverhältnisse auf den Kopf stellt. Evaristo, geboren in London als Tochter eines Nigerianers und einer Engländerin, ist eine bedeutende Stimme der britischen Gegenwartsliteratur. Ihre Bücher thematisieren oft Identität, Rassismus und Geschlechterrollen. Mit „Mädchen, Frau etc.“ gewann sie als erste Schwarze Frau den Booker Prize – ein Meilenstein für die Literaturwelt. "Blondes Herz", bereits 2008 erschienen und 2025 erstmals auf Deutsch veröffentlicht, ist ihr drittes Werk, das ich gelesen habe. Worum geht’s genau? "Blondes Herz" erzählt die Geschichte von Doris, einem weißen Mädchen aus England, das von ambossanischen Sklavenjägern verschleppt und auf dem afrikanischen Kontinent als Sklavin verkauft wird. In dieser alternativen Weltordnung ist Europa kolonialisiert und Aphrika die Weltmacht. Doris muss auf einem Sklavenschiff in die sogenannte „Neue Welt“ reisen, überlebt die grausame Überfahrt knapp und wird zur Zwangsarbeiterin eines ambossanischen Herrschers. Auf den Zuckerrohrplantagen lernt sie die unerschrockene Ye Mémé kennen und findet allmählich zu innerer Stärke. Trotz Brutalität, Entmenschlichung und sexualisierter Gewalt behält sie einen ungebrochenen Freiheitswillen. Die Flucht scheint ihre einzige Hoffnung – doch der Weg dorthin ist steinig und gefährlich. Meine Meinung "Blondes Herz" war mein drittes Buch von Bernardine Evaristo – nach den großartigen Erfahrungen mit „Mädchen, Frau etc.“ und „Zuleika“ war meine Erwartung entsprechend hoch. Das Konzept des Romans hat mich zunächst sehr begeistert: eine Umkehr der kolonialen Geschichte, in der Afrikaner:innen Europa kolonisieren und Weiße versklaven. Der Perspektivwechsel ist kraftvoll und legt die Doppelmoral historischer Narrative offen – ohne zu beschönigen. Evaristo zeigt klar die Grausamkeit eines Systems, das Menschen zu Eigentum degradiert – ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben. Besonders eindrücklich war die Schilderung der Überfahrt auf dem Sklavenschiff, die an reale historische Berichte erinnert. So heißt es an einer Stelle im Buch: „Vierhundert Versklavte waren verladen worden. Zweihundertsiebenundzwanzig kamen lebend an.“ (S. 110). Solche Zahlen lassen erschaudern. Auch die Welt, die sie entwirft – mit Namen wie „Londolo“ oder „Großambossanien“ – ist durchdacht und detailreich. Der fiktive Kolonialismus basiert auf einer Pseudo-Wissenschaft, die mit „systematischen Vermessungen menschlicher Schädel“ rassistische Theorien rechtfertigt – eine kluge, kritische Anspielung auf realhistorische Argumentationen der europäischen Aufklärung. Und doch – so beeindruckend das Setting und die Idee sind – hat mich "Blondes Herz" emotional nicht erreicht. Ich konnte Doris’ Schicksal nachvollziehen, aber nicht mitfühlen. Sie blieb mir fremd, zu distanziert. Der Stil, nüchtern und sachlich, ließ für mich kaum Raum für emotionale Tiefe. Die poetische Sprache, die ich bei „Zuleika“ so geliebt habe, blitzte hier nur vereinzelt auf. Besonders im letzten Drittel wurde das vermehrt vorkommende „Denglish“ störend. Der Code-Switch zwischen Deutsch und englischen Ausdrücken wirkte bemüht und anstrengend zu lesen. Diese sprachliche Mixtur, obwohl sie vielleicht Authentizität vermitteln soll, hat mich in meinem Lesefluss ganz schön gestört. Ein Beispiel dazu gleich... Thematisch gibt es starke Szenen – etwa wenn Ye Mémé über sexualisierte Gewalt spricht: „Aber Truth is, wir können's nicht [unsere little Girls beschützen] … Alle Hearts auf diesen Islands hier sind broken, Miss Omo. Komplett broken.“ (S. 212). Solche Stellen gehen unter die Haut. Trotzdem fehlte mir über das ganze Buch hinweg ein emotionaler Sog. Ich wurde nie ganz in die Geschichte hineingezogen. Vielleicht liegt es auch an der episodischen Struktur oder daran, dass Evaristo hier noch nicht ganz die erzählerische Souveränität erreicht hatte, die sie für mich in ihren späteren Romanen zeigt. Fazit Ein wichtiges, mutiges Buch mit einer beeindruckenden Idee – aber für mich blieb es auf Distanz. Trotz starker Themen und kritischer Tiefe fehlt es mir persönlich bei "Blondes Herz" an emotionaler Verbindung und stilistischer Stringenz. Es regt zum Nachdenken an, aber es berührt nicht. Deshalb vergebe ich 3 von 5 Sternen.
Spannendes Thema, dem es sich lohnt zuzuwenden!
Das Thema rund um die Sklaverei eröffnet neue Perspektiven und hat mich sehr in den Bann gezogen. Meiner Meinung nach darf man nicht zart besaitet sein, denn Vorgänge der Folter werden teils genau beschrieben. An einigen Stellen gibt es Passagen, die meiner Meinung auch kürzer hätten erzählt werden können. Insgesamt auf jeden Fall gelungen und lohnenswert.
Description
Ein scharfsinniger Roman über die Geschichte unserer Gegenwart und die Kraft unserer Träume – von der Autorin des Bestsellers
Mädchen, Frau etc.
Was wäre, wenn der afrikanische Kontinent die Welt erobert hätte und Sklavenhandel mit Europäern betreiben würde? Booker-Preisträgerin und Bestsellerautorin Bernardine Evaristo denkt die Vergangenheit neu: Doris, ein weißes Mädchen aus England, wird nach Aphrika verschleppt und dort als Sklavin verkauft. Doch sie verliert nicht ihren Mut. Sie muss alles riskieren, um die Fesseln ihrer Gefangenschaft abzulegen und ein freies Leben zu führen.
Eben noch spielt Doris mit ihren Schwestern Verstecken auf den Feldern hinter ihrem Cottage. Im nächsten Moment wird ihr ein Sack über den Kopf gezogen und sie findet sich im Laderaum eines Sklavenschiffs wieder, das in die Neue Welt segelt. Dort muss sie einem ambossanischen Feudalherrn dienen, der von ihrer Minderwertigkeit überzeugt ist. Doch Doris kann nicht aufhören, von ihrer Flucht zu träumen. In den folgenden Jahren setzt sie alles daran, ein freier Mensch zu werden. Als ihre Fluchtversuche scheitern, wird sie zur Strafe auf die Zuckerrohrfelder geschickt. In den Plantagen, an der Seite der starken Wikingerin Ye Mémé, entdeckt Doris jedoch eine ungekannte Stärke in sich. Unerwartet findet sie zurück zu ihrem blonden Herz. Und am Ende sogar zu ihrem ungebrochenen Freiheitswillen.
»Ein phänomenales Buch. Zweifellos ein feministischer Klassiker.« WOMEN’S PRIZE FOR FICTION
»So menschlich und authentisch. Eine humorvolle und intelligente Neuinterpretation von Vergangenheit und Gegenwart.« GUARDIAN
Book Information
Author Description
Bernardine Evaristo, geboren 1959, wuchs als viertes von acht Kindern in London auf. Sie ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London und Präsidentin der Royal Society of Literature. Sie gewann als erste Schwarze Autorin den Booker-Preis für ihren Bestsellerroman Mädchen, Frau etc. (2021). Außerdem bei Tropen erschienen: Manifesto. Warum ich niemals aufgebe (2022), Mr. Loverman (2023) und Zuleika (2024).
Posts
Sklaverei mal andersrum Was wäre wenn Afrika uns Europäer erobert und versklavt hätte. Unsere Tradition und Kleidung verspotten würden? Wenn sie behaupten würden, wir waren keine richtigen Menschen und empfinden keinen richtigen Schmerz und sind nicht zu Bindungen fähig? Bernardine Evaristo spielt dieses Gedankenexperiment mal durch. Europäer gelten als Hinterweltlerisch und werden versklavt. An Hand von Doris oder MS Omo, erleben wir wie es abläuft. Die Entführung, die elend grausame Fahrt auf einem Sklavenschiff und die Zeit als Sklavin. Zum Glück privilegiert, da sie im Haus, im Büro arbeitet. Dennoch Mann und Kinder, die sie bekommt, darf sie nicht behalten. Sie flieht und alles erinnert sehr an "Underground Railroad", was sicher gewollt ist. Doris landet auf einem Schiff und hofft, dass alles gut wird, ist aber weiterhin in Hab Acht Stellung. Leider zu Recht. Sie wird gefasst und zurück gebracht und fängt wieder ganz unten an. Zwischendurch gibt es auch den Blick der Sklavenhalter, wie sie in Europa sind und sich über vieles amüsieren und wundern. Kleidung, im speziellen Korsetts, aber auch die Hexenverfolgung und diverse Hinrichtungen, lassen sie nur den Kopf schütteln. Es ist definitiv gelungen, um über die Geschichte nachzudenken. Berechtigt ist natürlich ein auf uns herabschauen, wenn es um die Idiotie der Hexenverfolgung etc. geht. Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich die Bilder im Kopf von Sklaven, nicht in weiß umwandeln konnte. Es ist leider so tief verankert. Dennoch ist das Buch lesenswert, da es erneut aufrüttelt, denn was wäre, wenn wir an der Stelle gewesen wären.
Was wäre, wenn nicht Europa über die Welt hergefallen und sie kolonialisiert hätte? Wenn stattdessen der schwarze Kontinent geografisch sowie wirtschaftlich die Herrschaft übernommen hätte? Und was, wenn die negriden Menschen sich zur beherrschenden Gattung aufgeschwungen, ja die Mongoliden und die Europiden gar mit den Neo-Primaten lediglich der Gruppe der Menschlichen zugeordnet hätten; sich selbst aber als alleinige Vertreter der Menschen betrachtet hätten? Wenn die Negriden sich das Recht heraus genommen hätten, die Küsten Europas zu bereisen und Europiden einzufangen, um sie zu versklaven? Genau diese Sicht gibt das vorliegende Buch; und meiner Meinung nach hat die Autorin es eindrucksvoll geschafft eine Umkehr in Worte und Bilder zu fassen, die auf der einen Seite die Grausamkeit des Umgangs mit Menschen als Sache zeigt, und auf der anderen Seite die Ignoranz der Herrschenden, sich überlegen fühlenden Menschen gegenüber den Gefühlen aber auch der Kultur und der Religion der vermeintlich Unterlegenen. Ja, es gibt bereits zahlreiche Bücher und Filme, welche den grausamen Umgang mit versklavten Afrikanern aufzeigen; Roots, Twelve Years a Slave, Amistad, Beloved oder JAMES um nur einige zu nennen. Doch wie anfangs gesagt, hier ist es zur Umkehr gekommen. Dem Europäer wird - unterbewusst oder bewusst - um ein weiteres klar, wie unmenschlich das Verhalten gegenüberr den verschleppten Menschen war. Eingepfercht zu hunderten in Sklavenschiffen, der Mannschaft ausgeliefert, wie Vieh begutachtet und in Besitz genommen; jegliche Menschenrechte abgesprochen. Wie Zuchtvieh und Arbeitstiere gehalten - grausamste Strafen bei Widerspruch oder gar Flucht. Gleichzeitig ließ es mich auf eine jüngere deutsche und europäische Geschichte schauen; denn auch Bücher und Filme über den unsäglichen Umgang mit Andersdenkenden oder Juden in der NS-Zeit weisen entsprechende Gräueltaten auf. Und auch der Rückblick auf die weitere europäische Geschichte - Griechenland, Römisches Reich, Leibeigenschaft im Mittelalter - zeigen auf, dass das Thema Sklaverei und Überheblichkeit der Menschen ein wichtiges Thema ist. Und hier hat die Autorin nun die allen bekannte Versklavung der schwarzen Menschen aus Afrika aufgenommen und umgekehrt. Dabei ist es ihr gelungen, auch alle Facetten der Folgen mit umzukehren. So gibt es durchaus freie Waisse - die aber als verarmte Tagelöhner ihr Dasein fristen - Halbschwaarze - Kinder von Waisen Sklavinrn und ihren Herren. Die weißen Sklaven erhalten von ihren Herren afrikanische Namen, die sie kaum aussprechen können und haben sich eine Kauderwelsch-Sprache angeeignet, die leicht dümmlich wirkt (hier lohnt zum Vergleich mal der Blick in JAMES von P. Everett). Außerdem haben sie eine laute Religion entwickelt, hinter der sie ihre eigentlichen christlichen Messen verbergen. Wird durch Afrikaner die Zivilisation der Europiden betrachtet, so kommt es ihnen fremd und primitiv vor - der Leser erkennt allerdings normale Gebräuche des Mittelalters; wobei die Autorin dem Afrikaner im entsprechenden Abschnitt tatsächlich unmenschliche Verhalten der „primitiven Bewohner“ zeigt - nämlich denen rund um die Hexenverfolgung (Folter, Hexenprobe und Hinrichtungen). Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Teil 1 beschreibt den Fluchtversuch der Haussklavin Doris - einer Bauerstochter aus England; hierbei erfährt der Leser über Zeitsprünge auch etwas über die Herkunft von der Doris. Teil 2 enthält das Essay eines bedeutenden Sklavenhalters, in welchem er genau auseinandersetzt, warum die Negriden Menschen über die Menschlichen herrschen und was deren Unterlegenheit ausmacht. Teil 3 beschreibt dann zum einen das Leben der Sklaven auf einer Zuckerrohrplantage sowie die Schrecken der Gefangennahme und Verschiffung der Sklaven. Und was zunächst wie eine Satire beginnt, wandelt sich zu einem erschreckendem Blick in die Abgründe der Menschheit. Ein Buch was, leicht gelesen, einen schweren Eindruck hinterlässt. Für mich mit 5/5 eine klare Empfehlung für Alle, die sich mit dem Thema noch einmal anders auseinandersetzen möchten.
Aufreibend, packend & schonungslos
Was wäre wenn die Kolonialgeschichte anders gekommen wäre! -Rezensionsexemplar- . Genre: Ein Roman Mit einer Geschichte, fiktiv, herausfordernd, schonungslos & dabei unglaublich packend. Ich mag ihre Bücher einfach! . Setting: Doris lebt in Schottland mit ihren Eltern, Leibeigene von einem Herren und bestellt etwas Land. Doch eines Tages gelangt sie in die Hände von Sklavenhändlern und landet in Aphrika - mit all der Brutalität, der Andersheit & im Leben einer Sklavin. . Schnapp dir einen Kaffee & was wäre wenn, es andersrum gewesen wäre.
Ein Schalter der Geschichte
Bernardine Evaristo eröffnet mit ihrem Buch eine Welt, in der es sich anfühlt als hätte jemand einen unscheinbaren Schalter der Geschichte umgelegt. Den Rollenwechsel zwischen dem Schicksal von Schwarzen und Weißen Menschen empfand ich vor allem dann inspirierend, wenn es darum ging, was in welcher Kultur als „normal“ galt und wie die jeweils andere Kultur im Gegensatz dazu stand. Auch die wechselnden Perspektiven, aus denen die Kapitel erzählt wurden, ermöglichten einen Einblick in die Absurdität und grundlosen Grausamkeiten von rassistischen Gedanken und Handlungen. Da ich mich schon des Öfteren mit der Geschichte der Sklaverei beschäftigt habe, bot das Buch für mich jetzt nicht den erleuchtenden Moment, der mich meine Wahrnehmung oder Werte hinterfragen ließ. Dennoch habe ich mit der Hauptfigur mitgefühlt, wurde wütend und versuchte stets mir dem Perspektiv- und Rollenwechsel bewusst zu bleiben. Evaristo schrieb ein spannendes Buch, dass aber keine verborgenen Geheimnisse zur Geschichte der Sklaverei verrät, sondern grundsätzlich der Frage folgt „Was wäre wenn?“ 🪞
Was wäre, wenn die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels umgekehrt geschrieben wäre? In ihrem Roman "Blondes Herz" entwirft Bernardine Evaristo ein provokantes Gedankenexperiment, das die bekannten kolonialen Machtverhältnisse auf den Kopf stellt. Evaristo, geboren in London als Tochter eines Nigerianers und einer Engländerin, ist eine bedeutende Stimme der britischen Gegenwartsliteratur. Ihre Bücher thematisieren oft Identität, Rassismus und Geschlechterrollen. Mit „Mädchen, Frau etc.“ gewann sie als erste Schwarze Frau den Booker Prize – ein Meilenstein für die Literaturwelt. "Blondes Herz", bereits 2008 erschienen und 2025 erstmals auf Deutsch veröffentlicht, ist ihr drittes Werk, das ich gelesen habe. Worum geht’s genau? "Blondes Herz" erzählt die Geschichte von Doris, einem weißen Mädchen aus England, das von ambossanischen Sklavenjägern verschleppt und auf dem afrikanischen Kontinent als Sklavin verkauft wird. In dieser alternativen Weltordnung ist Europa kolonialisiert und Aphrika die Weltmacht. Doris muss auf einem Sklavenschiff in die sogenannte „Neue Welt“ reisen, überlebt die grausame Überfahrt knapp und wird zur Zwangsarbeiterin eines ambossanischen Herrschers. Auf den Zuckerrohrplantagen lernt sie die unerschrockene Ye Mémé kennen und findet allmählich zu innerer Stärke. Trotz Brutalität, Entmenschlichung und sexualisierter Gewalt behält sie einen ungebrochenen Freiheitswillen. Die Flucht scheint ihre einzige Hoffnung – doch der Weg dorthin ist steinig und gefährlich. Meine Meinung "Blondes Herz" war mein drittes Buch von Bernardine Evaristo – nach den großartigen Erfahrungen mit „Mädchen, Frau etc.“ und „Zuleika“ war meine Erwartung entsprechend hoch. Das Konzept des Romans hat mich zunächst sehr begeistert: eine Umkehr der kolonialen Geschichte, in der Afrikaner:innen Europa kolonisieren und Weiße versklaven. Der Perspektivwechsel ist kraftvoll und legt die Doppelmoral historischer Narrative offen – ohne zu beschönigen. Evaristo zeigt klar die Grausamkeit eines Systems, das Menschen zu Eigentum degradiert – ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben. Besonders eindrücklich war die Schilderung der Überfahrt auf dem Sklavenschiff, die an reale historische Berichte erinnert. So heißt es an einer Stelle im Buch: „Vierhundert Versklavte waren verladen worden. Zweihundertsiebenundzwanzig kamen lebend an.“ (S. 110). Solche Zahlen lassen erschaudern. Auch die Welt, die sie entwirft – mit Namen wie „Londolo“ oder „Großambossanien“ – ist durchdacht und detailreich. Der fiktive Kolonialismus basiert auf einer Pseudo-Wissenschaft, die mit „systematischen Vermessungen menschlicher Schädel“ rassistische Theorien rechtfertigt – eine kluge, kritische Anspielung auf realhistorische Argumentationen der europäischen Aufklärung. Und doch – so beeindruckend das Setting und die Idee sind – hat mich "Blondes Herz" emotional nicht erreicht. Ich konnte Doris’ Schicksal nachvollziehen, aber nicht mitfühlen. Sie blieb mir fremd, zu distanziert. Der Stil, nüchtern und sachlich, ließ für mich kaum Raum für emotionale Tiefe. Die poetische Sprache, die ich bei „Zuleika“ so geliebt habe, blitzte hier nur vereinzelt auf. Besonders im letzten Drittel wurde das vermehrt vorkommende „Denglish“ störend. Der Code-Switch zwischen Deutsch und englischen Ausdrücken wirkte bemüht und anstrengend zu lesen. Diese sprachliche Mixtur, obwohl sie vielleicht Authentizität vermitteln soll, hat mich in meinem Lesefluss ganz schön gestört. Ein Beispiel dazu gleich... Thematisch gibt es starke Szenen – etwa wenn Ye Mémé über sexualisierte Gewalt spricht: „Aber Truth is, wir können's nicht [unsere little Girls beschützen] … Alle Hearts auf diesen Islands hier sind broken, Miss Omo. Komplett broken.“ (S. 212). Solche Stellen gehen unter die Haut. Trotzdem fehlte mir über das ganze Buch hinweg ein emotionaler Sog. Ich wurde nie ganz in die Geschichte hineingezogen. Vielleicht liegt es auch an der episodischen Struktur oder daran, dass Evaristo hier noch nicht ganz die erzählerische Souveränität erreicht hatte, die sie für mich in ihren späteren Romanen zeigt. Fazit Ein wichtiges, mutiges Buch mit einer beeindruckenden Idee – aber für mich blieb es auf Distanz. Trotz starker Themen und kritischer Tiefe fehlt es mir persönlich bei "Blondes Herz" an emotionaler Verbindung und stilistischer Stringenz. Es regt zum Nachdenken an, aber es berührt nicht. Deshalb vergebe ich 3 von 5 Sternen.
Spannendes Thema, dem es sich lohnt zuzuwenden!
Das Thema rund um die Sklaverei eröffnet neue Perspektiven und hat mich sehr in den Bann gezogen. Meiner Meinung nach darf man nicht zart besaitet sein, denn Vorgänge der Folter werden teils genau beschrieben. An einigen Stellen gibt es Passagen, die meiner Meinung auch kürzer hätten erzählt werden können. Insgesamt auf jeden Fall gelungen und lohnenswert.













