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Beeindruckende Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus mit Längen
Was passiert, wenn du die Seiten aufschlägst? Der Roman folgt dem chinesischen Waisenjungen Robin Swift, der am renommierten Institut "Babel" in Oxford studiert, wo er lernt, mithilfe von Silber und Übersetzungen eine magische Wirkung zu erzeugen, die das britische Empire unterstützen soll. Wie bin ich auf das Buch gekommen? Ich habe mit Begeisterung den Folgeroman der Autorin "Yellowface" gelesen und bin auch über Rezensionen in READO neugierig auf den Roman geworden. Abgeschreckt hat mich ehrlich gesagt erst einmal der Umfang des Romans, der dann doch ein bisschen auf meinem SUB verweilt hat. Was hat mir gefallen? Die Autorin entwirft auf den ersten hundert Seiten in einem wirklich eindrücklichen Schreibstil die Welt von Oxford im 19 Jhd. Die geniale Idee, dass Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen Energie freisetzt, die genutzt werden kann, gibt dem Ganzen einen fantastischen bzw. Mythischen Dreh und verschafft dem Roman zu Beginn eine Atmosphäre wie in einem Text von Haruki Murakami. Man folgt der Hauptfigur und seinem Erwachsenwerden, seiner Freundschaft mit einer Gruppe von Kommilitonen. Doch sehr schnell bekommt das Buch eine politische Dimension und thematisiert die ausbeuterischen Strukturen des britischen Empires und Robins Kampf zwischen seiner Liebe zur Sprache und der Erkenntnis, dass das wissenschaftliche Institut Babel sein Heimatland ausbeutet. Die Figuren sind vielseitig, der Roman ist interessant konstruiert und außergewöhnlich, die Handlung ist gerade zu Beginn spannend. Die vielfältigen Themen, die angesprochen werden, wie sprachwissenschaftliche Erkenntnisse, latenter Rassismus, Folgen der Globalisierung, Kolonialisierung, Diskriminierung im wissenschaftlichen Umfeld und die Möglichkeiten des Widerstandes gegen gesellschaftliche Missstände haben mich zum wirklich länger zum Nachdenken gebracht. Was könnte besser sein? Die Autorin verliert sich phasenweise in der Vielzahl der Themen und langen sprachwissenschaftlichen Exkursen. Das Buch hätte meiner Meinung nach durch eine Kürzung von 100 Seiten gewonnen. Auch die Identifikation mit den Figuren funktioniert für mich spätestens im letzten Drittel des Romans nicht mehr: Der gewaltsame und immer radikalere Kampf gegen die gesellschaftlichen Missstände machte es mir schwierig, mit dem Schicksal der Figuren bis zum Schluss mitzufühlen. Wer sollte den Roman lesen? Wer Interesse an historischen und gesellschaftskritischen Romanen hat, sich mit Sprachwissenschaft beschäftigt, die fantastischen Einsprengsel nicht scheut und vor dicken Wälzern nicht zurückschreckt, ist hier gut aufgehoben! Empfehlung!
Oct 30, 2025
Beeindruckende Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus mit Längen
Was passiert, wenn du die Seiten aufschlägst? Der Roman folgt dem chinesischen Waisenjungen Robin Swift, der am renommierten Institut "Babel" in Oxford studiert, wo er lernt, mithilfe von Silber und Übersetzungen eine magische Wirkung zu erzeugen, die das britische Empire unterstützen soll. Wie bin ich auf das Buch gekommen? Ich habe mit Begeisterung den Folgeroman der Autorin "Yellowface" gelesen und bin auch über Rezensionen in READO neugierig auf den Roman geworden. Abgeschreckt hat mich ehrlich gesagt erst einmal der Umfang des Romans, der dann doch ein bisschen auf meinem SUB verweilt hat. Was hat mir gefallen? Die Autorin entwirft auf den ersten hundert Seiten in einem wirklich eindrücklichen Schreibstil die Welt von Oxford im 19 Jhd. Die geniale Idee, dass Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen Energie freisetzt, die genutzt werden kann, gibt dem Ganzen einen fantastischen bzw. Mythischen Dreh und verschafft dem Roman zu Beginn eine Atmosphäre wie in einem Text von Haruki Murakami. Man folgt der Hauptfigur und seinem Erwachsenwerden, seiner Freundschaft mit einer Gruppe von Kommilitonen. Doch sehr schnell bekommt das Buch eine politische Dimension und thematisiert die ausbeuterischen Strukturen des britischen Empires und Robins Kampf zwischen seiner Liebe zur Sprache und der Erkenntnis, dass das wissenschaftliche Institut Babel sein Heimatland ausbeutet. Die Figuren sind vielseitig, der Roman ist interessant konstruiert und außergewöhnlich, die Handlung ist gerade zu Beginn spannend. Die vielfältigen Themen, die angesprochen werden, wie sprachwissenschaftliche Erkenntnisse, latenter Rassismus, Folgen der Globalisierung, Kolonialisierung, Diskriminierung im wissenschaftlichen Umfeld und die Möglichkeiten des Widerstandes gegen gesellschaftliche Missstände haben mich zum wirklich länger zum Nachdenken gebracht. Was könnte besser sein? Die Autorin verliert sich phasenweise in der Vielzahl der Themen und langen sprachwissenschaftlichen Exkursen. Das Buch hätte meiner Meinung nach durch eine Kürzung von 100 Seiten gewonnen. Auch die Identifikation mit den Figuren funktioniert für mich spätestens im letzten Drittel des Romans nicht mehr: Der gewaltsame und immer radikalere Kampf gegen die gesellschaftlichen Missstände machte es mir schwierig, mit dem Schicksal der Figuren bis zum Schluss mitzufühlen. Wer sollte den Roman lesen? Wer Interesse an historischen und gesellschaftskritischen Romanen hat, sich mit Sprachwissenschaft beschäftigt, die fantastischen Einsprengsel nicht scheut und vor dicken Wälzern nicht zurückschreckt, ist hier gut aufgehoben! Empfehlung!
Oct 30, 2025







