Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen

Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen

Hardback
3.359
MantelSapiski SumasschedschewoKlassikerAufzeichnungen

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

»Seit Gogol ist die russische Literatur komisch«, attestierte einst Thomas Mann dem Meister des absurden und doch so tiefsinnigen Humors. Hier sind zwei Paradebeispiele für Gogols einzigartige Erzählkunst vereint: In den »Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen« gleitet der Titularrat Poprischtschin immer weiter hinab in eine grotesk verzerrte Welt des Irrsinns, bis sie schließlich vollkommen von ihm Besitz ergreift. Der Newski-Prospekt, Petersburgs Prachtboulevard, ist in der gleichnamigen Erzählung Schauplatz einer kurzen Begegnung zweier Herren, die schmerzlich erfahren müssen, dass die Kluft zwischen mondänem Schein und ernüchternder Realität unüberbrückbar ist.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
80
Price
4.95 €

Author Description

Nikolaj Gogol (1809-1852) wurde auf einem Landgut in der Ukraine geboren. 1828 ging er nach Petersburg, wo er eine Anstellung im Staatsdienst erhielt. Bereits seine ersten Erzählungen, die er 1831 veröffentlichte, waren ein Erfolg und verschafften ihm Zugang zu den literarischen Kreisen der Stadt. Ab 1831 unterrichtete er an einer Mädchenschule, später an der Universität. Er veröffentlichte weitere Erzählungen und Theaterstücke, die begeistert aufgenommen wurden; er selbst fühlte sich jedoch als bloßer Zeitkritiker missverstanden und lebte von 1836 bis 1848 mit kurzen Unterbrechungen im Ausland, überwiegend in Rom. Seine tiefe Religiosität stürzte ihn in den 1840er Jahren in eine Schaffenskrise. Sein einziger Roman «Die toten Seelen» erschien 1842; den zweiten Teil verbrannte er jedoch. Gogols einzigartige, kunstvolle Sprache, seine unnachahmliche Figurenzeichnung und der gedankliche Reichtum seiner Werke machten ihn zu einem Vorbild für folgende Dichtergenerationen.

Posts

8
All
4

„Der König von Spanien 🇪🇸“ oder doch nur ein kleiner, russischer Beamter?

„Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ ist eine zugleich komische und beklemmende Erzählung über sozialen Druck, Einsamkeit und den Wunsch nach Bedeutung. Der schleichende Übergang vom Alltag in den Wahnsinn macht die Geschichte besonders eindringlich und überraschend modern. Besonders stark fand ich die ironische Erzählweise und die langsame Steigerung des Wahnsinns. Poprischtschin ist zu Beginn des Buches ein unbedeutender Titularrat, der sich permanent gedemütigt fühlt und dessen Liebe zu der Tochter eines Vorgesetzten nicht erwidert wird. Seine Fixierung auf Rang und Status zeigt sehr deutlich, wie sehr die Gesellschaft Menschen über ihre Position definiert. Ich mag außerdem das Tagebuchformat und dass die Erzählung an Kafkas Die Verwandlung erinnert. Ein Punkt Abzug weil ich es schwer fand reinzukommen und mir das Ende nicht ganz ausreichte. 🫶🏽

3.5

Aber auf dieser Welt ist nichts von Dauer, darum ist auch die Freude in der zweiten Minute niemals so lebhaft wie in der ersten.

In „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ von Nikolai Gogol lesen wir die Tagebucheinträge des Beamten Poprischtschin. Wir verfolgen seine Gedanken und Erlebnisse, während er sich in die Tochter seines Chefs verliebt. Nach und nach zeigen sich immer deutlichere Anzeichen seines aufkommenden Wahnsinns – beginnend damit, dass er glaubt, Hunde sprechen zu hören. All dies lässt sich als ein verzweifelter Ruf nach Sichtbarkeit und Anerkennung verstehen. In „Die Nase“ folgen wir sowohl dem Barbier Iwan Jakowlewitsch als auch Major Kowaljow. Der Barbier entdeckt eines Morgens beim Frühstück plötzlich die Nase des Majors in einem frischgebackenen Brot. Kowaljow wiederum wacht ohne seine Nase auf und verfällt in panische Verzweiflung, während er alles daransetzt, sie wiederzufinden. Ein starkes Motiv dieser Erzählung ist die Entmenschlichung durch den Verlust der Nase. Kowaljow fühlt sich ohne sie gesellschaftlich wertlos und meint sogar, er wäre lieber arm, solange er nur seine Nase – und damit seine gesellschaftliche Stellung – behalten könnte. Gogol kritisiert hier eindrücklich das Rangdenken und die Oberflächlichkeit des Beamtentums. Der Mantel“ schließlich gilt vielleicht als die beste von Gogols Petersburger Erzählungen. Wir begleiten den armen, unscheinbaren Beamten Akatij Akakijewitsch, der etwa fünfzig Jahre alt ist. Als er bemerkt, dass sein alter Mantel völlig unbrauchbar geworden ist, spart er mühsam das Geld für einen neuen zusammen – sogar, indem er hungert. Der neue Mantel bringt ihm nicht nur Wärme und Freude, sondern auch endlich Anerkennung unter seinen Kollegen. Gogol kritisiert hier deutlich die Bürokratie, die nicht nur langsam und ineffizient ist, sondern vor allem die Schwachen und Armen benachteiligt. Am besten gefiel mir persönlich die letzte der drei Geschichten, da sie die emotionalste ist und das Schicksal des kleinen, unscheinbaren Menschen am eindringlichsten zeigt.

4

Sehr interessan. Drei Geschichten und ein Haufen Leute deren Alltag in den Wahnsinn übergeht.

Wie lesen unter anderem einen Briefwechsel zwischen Hunden, begleiten den König von Spanien und suchen einen Nase. Hat mir gut gefallen. Man erkennt oft auch gut die Wahrheit hinter dem was der jeweilige Hauptcharakter sich einbildet. Kurz aber unterhaltsam. :)

4.5

Man verfolgt wie der Protagonist langsam dem Wahnsinn verfällt und im Verlauf der Geschichte ein ausgeprägtes Wahnsystem erzeugt. Das ganze ist so eindrücklich und gut geschildert und die ganzen Wahnideen und ihre Ursprünge so gut beschrieben, das es ein furchtbar bedrückendes Gefühl zurücklässt.

4

Wer sich vor Tolstoi scheut, kann sich ruhig einmal an Gogol versuchen. Der ist nämlich das genaue Gegenteil der grossen Russen: er fasst sich kurz und vor allem schreibt er sehr humoristisch. Dabei fängt er jedoch die feinen Gepflogenheiten und Traditionen der damaligen russischen Gesellschaft ebenso ein, wie es die Grossen zu tun pflegen. Je mehr man von Gogol liest, desto mehr merkt man auch, dass er sich selbst ebenfalls nicht allzu ernst nimmt. Deshalb ist es schön, ab und zu mal etwas Goglisches" dazwischenzuschieben.

3

Ganz unterhaltsam, aber für mich nichts, das hängen geblieben ist.

Ich mochte den Humor und die überdrehte Perspektive, mit der Gogol hier die Absurdität von Bürokratie, Macht und Wahnsinn zeigt. Aber im Vergleich zu Newski-Prospekt hat mich dieses Werk weniger berührt oder begeistert. Es war stellenweise ganz amüsant, aber für mich fehlte das Gefühl, etwas wirklich Bedeutendes mitzunehmen. Weder sprachlich noch inhaltlich hat es besonders nachgewirkt. Einfach ein netter, skurriler Text, der mich persönlich aber nicht besonders gepackt hat.

Create Post