Lichtungen

Lichtungen

Softcover
3.7442

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Description

»Ein ganz großes literarisches Kunstwerk.« Denis Scheck, WDR

Shortlist Deutscher Buchpreis 2024

Ausgezeichnet mit dem Uwe-Johnson-Preis

Zwischen Lev und Kato besteht seit ihren Kindertagen eine besondere Verbindung. Doch die Öffnung der europäischen Grenzen weitet ihre Lebensentwürfe und verändert ihre Beziehung für immer. Voller Schönheit und Hingabe erzählt Iris Wolff in ihrem großen neuen Roman von zeitloser Freundschaft und davon, was es braucht, um sich von den Prägungen der eigenen Herkunft zu lösen.

Als der elfjährige Lev über Wochen ans Bett gefesselt ist, wird ausgerechnet die gescheite, aber von allen gemiedene Kato zu ihm ans Krankenbett geschickt, um ihm die Hausaufgaben zu bringen. Zwischen dem ungleichen Paar entsteht eine unverbrüchliche Verbindung, die Lev aus seiner Versteinerung löst und den beiden Heranwachsenden im kommunistischen Vielvölkerstaat Rumänien einen Halt bietet. Ein halbes Leben später läuft Lev noch immer die Pfade ihrer Kindheit ab, während Kato schon vor Jahren in den Westen aufgebrochen ist. Geblieben sind Lev nur ihre gezeichneten Postkarten aus ganz Europa. Bis ihn eines Tages eine Karte aus Zürich erreicht, darauf nur ein einziger Satz: »Wann kommst du?« Kunstvoll und poetisch verwandelt Iris Wolff jenen Moment in Sprache, wenn ein Leben ans andere rührt, und zeichnet in ihrem großen europäischen Roman das Porträt einer berührenden Freundschaft, die sich als Reise in die Vergangenheit offenbart und deren Leuchten noch lange nachklingt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Generational Novels
Format
Softcover
Pages
256
Price
13.40 €

Author Description

Iris Wolff, geboren in Hermannstadt, Siebenbürgen. Die Autorin wurde für ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Eichendorff-Literaturpreis, dem Marieluise-Fleißer-Preis sowie dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Solothurner Literaturpreis für ihr Gesamtwerk. Zuletzt erschien 2024 der Roman »Lichtungen«, der mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Spycher: Literaturpreis Leuk ausgezeichnet sowie für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Die Autorin lebt in Freiburg im Breisgau.

Posts

123
All
4.5

Einblicke in die Jahre des Umbruchs, der Transformation in Rumänien

Meine letzten Urlaube haben mich zwei Mal in das wunderbare Rumänien geführt. Somit waren mir die Orte, an den die Handlung spielte ein stückweit vertraut und ich sah die Städte der K. und K. Zeit, aber auch die hügelige Landschaft der Maramureș förmlich vor mir. Und so habe ich die Freunde Kato und Lev von Beginn an sehr gerne durch das sozialistische Rumänien und die Zeiten des Umbruchs begleitet. Kato und Lev kennen sich aus der Schule. Nach einem traumatischen Erlebnis ist Lev ans Bett gefesselt und Kato geht mit ihm den Schulstoff durch, liest ihm vor und schenkt ihm den Kater Khalil - ein treuer Wegbegleiter für die nächsten Jahrzehnte. Kato und Lev nähern sich an, verbringen ihre Jugend im Sozialismus, werden Erwachsen und erleben die neuen Möglichkeiten nach dem Ende der Ceaușescu-Ära sehr unterschiedlich. Das besondere an dem Buch ist, dass Iris Wolff die Geschichte rückwärts erzählt und so wissen wir immer schon, was passiert, aber nie, wie es dazu kam. Das hat mich begeistert, aber auch mit vielen Fragen zurück gelassen. Vieles bleibt ungesagt und zwischen den Zeilen. Gerne hätte ich das Leben der anderen Personen auch weiter verfolgt. Nun habe ich viel Raum für Phantasie und Interpretation. Ein Buch und ein Land, dass ich allen ans Herz legen möchte.

Einblicke in die Jahre des Umbruchs, der Transformation in Rumänien
5

Man möchte gleich nochmal Anfangen das Buch zu lesen. Eine Geschichte die heute beginnt und mit jedem Kapitel mehr in die Vergangenheit rückt. Und man versteht Lev immer besser. Ein wundervoller Plot. Iris Wolff geht so liebevoll mit ihren Protagonisten um. Ein Leben so voller Leben und Liebe und Erfahrungen und Geschichten. Eine klare Leseempfehlung von mir.

4

Schöner poetischer Roman über Liebe und Freundschaft. Ungewöhnlich ( aber nicht negativ) war das Buch. Man liest es praktisch rückwärts, da musste ich mich teilweise schon sehr konzentrieren. Alles in allem empfehlenswert//esenswert😌

5

Auf einer Bank hatte jemand ein Buch liegen gelassen. Eine Frau brach in Tränen aus, ohne dass jemand sie tröstete. Wolken zogen auf, die Straße wurde dunkel. In dieser Dunkelheit ließ sich die Distanz besser überwinden zwischen Zugehörigkeit und Fremdsein, Erinnern und Vergessen. -Zitat, Seite 23 Sas pe Thai nas pe. - Es war, und es war nicht. Die mündliche Einleitungsformel für Roma-Märchen hat die Autorin in ihrem Roman dem ersten, oder vielmehr neunten Kapitel vorangestellt. Und diese Geschichte von Lew (und von Kato) hat tatsächlich einen märchenhaft schönen Charakter. Wie man an der Nummerierung der Kapitel erkennen kann, erzählt Iris Wolff die Geschichte rückwärts gewandt. Zunächst begleiten wir Lew ins schweizerische Zürich, wo er von seiner Freundin aus Kindertagen erwartet wird, die ihn mit einer Postkarte aus seiner Heimat gelockt hat. Hermannstadt ist auch der Geburtsort der Autorin. Ein Ort, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch zu Österreich-Ungarn gehörte, dann zum Königreich Rumänien, dann wieder kurz zu Ungarn und schließlich ein Teil des rumänischen Staates wurde. So unruhig wie die Geschichte seiner Heimat, so ist es auch in Lews Innenleben. Mit ihrem zauberhaft lyrischen Schreibstil erzählt uns Iris Wolff eine Geschichte über Familie und Freundschaft, Liebe und Einsamkeit, Vertrauen und Verlust, Wurzeln und Trieben. Warum bleiben wir Menschen, Orten oder auch nur Erinnerungen verbunden? Und welche Bilder tragen wir in uns, die uns wie Getriebene auf die Suche nach einem Ort schicken, den wir Heimat nennen können? Eine kleine Warnung: Bitte lest den Klappentext erst nach der Lektüre! Sonst kann sich der langsam entblätternde Zauber der Geschichte nicht richtig entfalten! FAZIT Eine Geschichte voller Poesie, die auf Kontraste setzt. Die Autorin hat ein feines Gespür und setzt gezielt Lichtpunkte, welche die dunkle Melancholie der Realität an den richtigen Stellen erhellen. Zurecht ist dieser Roman auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2024 zu finden. Unbedingt lesenswert.

3

Verwirrend

Wieder so ein Buchpreis Kandidat, der mir schwer gefallen ist. Es war nicht die Geschichte an sich, sondern die Art der Erzählung. Die Zeitsprünge und das rückwärts gerichtete erzählen haben meinen Leserfluss sehr gestört. Auch war die Freundschaft zwischen Kato und Lev durch die vielen Erzählstränge oft in den Hintergrund getreten. Viele Charaktere und ihre Beziehungen zueinander haben für mich das Ganze unübersichtlich gemacht.

4.5

"Lev konnte nicht schlafen, verschränkte die Hände hinterm Kopf, starrte zur Decke, hörte dem Atem des Hauses zu. Er wusste nicht, ob er schlief, ob er träumte, ob er wach war, ob er überhaupt war." Die Sprache von Iris Wolff ist großartig, wie warme, flüssige Schokolade. Sie fließt- langsam und angenehm, sehr einnehmend und poetisch. Leider bleibt vieles der Geschichte über Lev, Kato und Rumänien nur an der Oberfläche, wird angekratzt, aber nicht aufgeklärt oder zu Ende erzählt, was mich auch ein bisschen frustriert und mit vielen Fragen zurücklässt.

"Zugehörigkeit, sagte Ferry, ist vielleicht nichts anderes als eine Entscheidung." Iris Wolff, die selbst in Siebenbürgen geboren wurde, nimmt uns mit auf eine Reise in das Land ihrer Kindheit. In ihrem Roman "Lichtungen", der es 2024 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, erzählt sie in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge die Geschichte von Lev und Kato, die nicht unterschiedlicher sein könnten, über 30 Jahre hinweg, und damit auch ein bisschen die wechselvolle Geschichte Rumäniens im sich wandelnden Europa. Der Erzählstil kommt poetisch und leichtfüßig daher, das Nichtgesagte steht zwischen den Zeilen, vieles ergibt sich erst am Ende oder beim nochmaligen Lesen. Nachdem ich erstmal reingekommen war, empfand ich es als Lesegenuss.

4.5

Ein berührender Roman über Freundschaft, Familie, Loslassen, der Suche nach sich selbst, eingebettet in die Geschichte der Region Siebenbürgen. Die Protagonisten Kato und Lev habe ich direkt ins Herz geschlossen und bin mit großer Freude diesem ungewöhnlichen Erzählstil gefolgt. Wolff erzählt rückwärts, so dass wir immer tiefer zu den Wurzeln gelangen. Wie die Jahresringe bei einem Baum, von außen nach innen. Ich habe direkt ungeheure Lust diesen Roman erneut zu lesen. Für mich ist die Autorin eine große Künstlerin!

5

Eine Liebesgeschichte in Zeiten des Aufbruchs, anders erzählt.

"Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen." (Seite 76) Fragmente eines Lebens, aufgeteilt in Kapitel. Stück für Stück lernen wir Lev und Kato kennen. Eine Liebesgeschichte, die nicht als solche daher kommt. Nüchtern erzählt und doch mit einer Tiefe, die begeistert. Und das besondere: Der Anfang ist das Ende oder der Beginn von etwas, das wir nicht mehr erfahren werden. Die Geschichte wird rückwärts erzählt. Das führt dazu, daß der ein oder Fakt vorweggenommen wird, aber auf eine besondere Weise macht gebau das Spaß beim Lesen. Durch die Erzählweise erschließt sich das sich das ein oder andere und es gibt viele kleine AHA Momente. Iris Wolff schreibt mit einer Melancholie, die nie schwer ist. Sie lässt uns eintauchen in eine andere Zeit, in eine andere Welt, die gar nicht so fremd und gar nicht so fern erscheint. Vielleicht spricht sie mich als ostsozalisierte und in den 70ern Geborene besonders an, aber ich denke dass die meisten Lesenden diese Stimmungs des Aufbruchs und der Unsicherheit spüren können. 'Lichtungen' steht zurecht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Eine Liebesgeschichte in Zeiten des Aufbruchs, anders erzählt.
5

Das erste Highlight des Jahres

Gelesen im Rahmen der Bestseller-Challenge des Eat.Read.Sleep-Podcasts und für mich das erste richtige Highlight des Jahres. Lev und Kato treffen sich wieder. Sie sind seit Kindertagen beste Freunde, doch irgendwas steht zwischen ihnen. Tom, mit dem Kato die Stadt verlassen hat? Die Ereignisse in Rumänien? Tschernobyl? Der Unfall, der Lev ans Bett fesselte? Ein ungewöhnlicher Roman, der von der Gegenwart in die Vergangenheit erzählt, in einer Art, die das Buch an den Fingern kleben lässt. Ganze 24 Stunden habe ich für dieses Buch gebraucht und habe jetzt nach langer Zeit mal wieder einen Bookhangover. Unbedingt lesen!

4

“Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen. Man begegnete ihnen zufällig und wusste nie, was man darin fand.” Rückwärts streifen wir durch die Erinnerungen eines jungen Mannes und entdecken Menschen sowie Momente, die sein Leben geprägt haben.  Die Erinnerungen von Lev erwachen in poetischer Sprache. Es entsteht eine sensible und interessante Figur und eine einfühlsame Erzählung über Verbindungen und das Loslassen. "Die Kunst war ein Spiel zwischen Zeigen und Verbergen. Das Leben auch? Es gab das Sichtbare und das Unsichtbare, und nur das Wenigste kam überhaupt ans Licht. Manches konnte man in sich verstecken, bis man vergaß, dass es einmal dagewesen war. Anderes nicht." Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Roman entfaltet Levs Geschichte zunehmend berührende Momente, die mir gut gefallen haben. Dieser Roman fasziniert durch Poesie und Authentizität.

5

Wunderbare Sprache und ungewöhnliche Erzählstruktur Geschichten aus Siebenbürgen

Ein schönes und selten anderes Buch, das die Geschichte von Kato und Lev erzählt. Rückwärts. Mit jedem Kapitel erfahren wir ein wenig mehr über die Beiden, ihr Leben, wie sie wurden wer sie sind und über ihre Heimat, ein Dorf in Rumänien. Ein Buch wie ein Bild, das man gerne immer wieder ansieht über alle grossen Fragen: Heimat und Fremde, Liebe und Freundschaft, Leben und Tod und vieles mehr.

4

Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich in die Erzählung einzufinden. Das Buch ist sehr anspruchsvoll geschrieben, aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen. Die Geschichte erzählt von einer Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Jungen, die in Rumänien zur Zeit Ceaușescus beginnt und bis zur Öffnung der Grenzen überdauert. Sehr berührend.

4

Poetisch. Einfühlsam.

Ich würde sagen, die Geschichte von Lev und Kato löste in mir eher ein Gefühl aus, als dass ich sie wirklich verstanden hätte. Was ich spannend fand war, dass die Geschichte rückwärts erzählt wurde. Sie fängt mit Lev an, der in der Gegenwart zu seiner Kindheitsfreundin fährt die ihn mittels einer Postkarte mit dem einfachen Satz “Wann kommst du?” zu sich eingeladen hatte. Und von da aus gehen wir rückwärts. Mit jedem Kapitel dringen wir weiter in das bisherige Leben von Lev vor, so als würden wir die Ringe eines Baumes betrachten. Es geht um Identität, Zugehörigkeit, Intuition. Es geht um Tradition und Geschichte. Um menschliche Abgründe und tiefe Freundschaft. Verdientermaßen auf der Shortlist.

4

Iris Wolff ist meiner Meinung nach eine unheimlich talentierte und herausragende Autorin dieser Zeit und sie und ihre Erzählungen sind für mich längst nicht mehr wegzudenken. Selbst geboren in der Region Siebenbürgen, verorten sich auch Wolffs Romane stets in dem kulturell höchstspannenden Vielvölkerstaat Rumänien. Sprache, Identität, Erinnerung, aber auch Umbruch, Verlust und Neuanfang sind wiederkehrende Motive ihrer Erzählungen. Diese Erzählungen sind zwar nicht vordergründig politisch, vielmehr werden sie von den Figuren und ihren Zwischenmenschlichkeiten getragen. Und dennoch werden ebendiese Zwischenmenschlichkeiten maßgeblich von einer Atmosphäre getragen, die ohne die gesellschaftspolitischen Dimensionen und Dynamiken nicht bestehen würde. „Lichtungen“ ist erst vor Kurzem erschienen. Iris Wolff, die lange an diesem Roman geschrieben hat, ist hier gewissermaßen ein erzählerisches Wagnis eingegangen. So erzählt „Lichtungen“ die Geschichte von Lev und Kato rückwärts - sie kennen sich nämlich bereits seit Kindertagen, wir Leser:innen aber lernen sie zunächst Jahre später kennen. Nach und nach erfahren wir also immer mehr über die gemeinsame Vergangenheit dieser beiden Menschen. „Lichtungen“ erzählt von Freundschaft und Liebe, Nähe und Distanz, Grenzen und Freiheit - ein wahres Wechselbad der Gefühle. Ob und wie Lev und Kato (wieder) zueinander finden… Na, lest doch einfach selbst. Zugegeben habe ich mich mit „Lichtungen“ zunächst etwas schwerer getan als mit seinen Vorgängern. Sobald ich jedoch die Ruhe (und die braucht es tatsächlich für Iris Wolffs Bücher) gefunden hatte, mich dieser Geschichte hinzugeben, hat mich der gewohnte Zauber ihrer Sprache wieder umgeben und mir ein wunderbar besonderes und entschleunigendes Leseerlebnis beschert. Ein herzlicher Dank geht an den Klett-Cotta Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Post image
3

Sprachlich sehr schön geschrieben, aber ich bin nicht in die Geschichte hineingekommen. Die Story wird rückwärts erzählt. Dadurch blieb mir zu viel offen. Oder ich habe nicht genug zwischen den Zeilen gelesen.

3.5

Von der Gegenwart in die Vergangenheit

Man muss sich auf dieses Buch schon einlassen. Im Grunde beginnt „Lichtungen“ mit dem Ende und geht dann zurück. Mit sinnlichem und poetischen Schreibstil, erleben wir die Freundschaft zwischen Lev und Kato. Deren Beziehung, für mich auch das Highlight in diesem Buch darstellt. Ansonsten war die Geschichte manchmal etwas Zäh und verwirrend, aufgrund des rückwärtsgewandten Erzählstil. Man müsste es, um es so richtig zu verstehen, nochmal lesen.

Von der Gegenwart in die Vergangenheit
5

"Jeder Augenblick, dachte Lev, enthielt alles Gewesene, und war doch immer wieder ein Neubeginn." "Immer, wenn ihn diese Erinnerungen bedrängten, rückte er sie fort und kam sich dabei vor, als würde er die Äste eines Baumes abschlagen, die gleich wieder nachwuchsen." " Gut war man geworden. Im Wegsehen, Weghören. Auch: Wegdenken." " Ob eine Sprache für ein Land reichte? Für das Sagbare und Unsagbare, Offensichtliche und Verborgene, Wahre und Unwahre?" "Das Verschwinden war schlimm genug. Aber das Vergessen, sagte sie, sei noch schlimmer." Die Geschichte von Lev und Kato, die sich seit Kindertagen kennen, ruhig und melancholisch erzählt. Rückwärts geschrieben, beginnend in der Gegenwart, arbeitet sich der Roman kapitelweise zurück in die Vergangenheit. Dadurch erklären sich Zusammenhänge und das macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. Man sollte sich Zeit beim Lesen nehmen und genießen, es gibt so viele schöne Sätze. Die besondere Art der Erzählung verlangt auch Aufmerksamkeit, aber es herrscht auch eine besondere Stimmung schafft, da man schon weiß, wie die Geschichte endet. Die poetische Sprache und Ausdrucksweise mochte ich sehr. Für mich absolut verdient auf der Longlist und auf jeden Fall eine Leseempfehlung ⭐

4.5

Poetisch und leise erzählt

Rückwärts erzählt, sehr ruhige Erzählweise. Ich hätte es schneller am Stück lesen sollen, daher wird es auf jeden Fall ein Reread.

3.5

Es ist eine Geschichte über das Festhalten und Loslassen, über Heimat, Freundschaft, unerwiderter Liebe, Erinnerung und Selbstfindung

*Lichtungen* erzählt die Geschichte von Lev und Kato, zwei Freunden, die in Rumänien aufwachsen - aus der Perspektive von Lev. 🐦 Anfangs wollte ich das Buch weglegen, doch der Schreibstil hat mich überzeugt. 🐦 Etwas verwirrend war, dass die Geschichte mit dem letzten Kapitel beginnt, vermutlich notwendig, um den Zusammenhang besser zu verstehen? 🐦 Erst gegen Ende des Buches fand ich in einen richtigen Lesefluss rein, davor wollte ich es echt beiseitelegen. Obwohl ich viele positive Stimmen darüber gehört hatte. 🐦 Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht vollständig fesseln. Die Autorin verfügt zweifellos über ein grosses schriftstellerisches Talent, das sich in der poetischen Sprache und der liebevollen Darstellung der Charaktere zeigt. Auch das Titelbild hat mir gut gefallen, doch der Klappentext könnte besser gewählt sein.

4

Tolles Buch. Fordernd beim Lesen aber einmalig in Sachen Inhalt und Sprache.

5

Im Klappentext heißt es, der Roman sei ernst und sprachtrunken und genauso empfand ich es auch. Ich hatte angefangen Passagen mit Klebezetteln zu versehen und es bald aufgegeben, denn ich hätte so viel markieren wollen. "Er nahm das Rauschen des Waldes, nahm Wolkenweiß." Der Roman wird rückwärts erzählt und das hat für mich überraschend gut funktioniert. Musste ich mir doch keine "Sorgen " machen, wie das Buch endet. Sehr berührend und in so wunderschöner Sprache wird hier die Geschichte rund um Lev erzählt. Wie er als junger Mann seiner Jugend- und Kindheitsfreundin Kato hinterher reist. Nach und nach erfahren wir wie diese Freundschaft entstand, Familienverhältnisse werden aufgedröselt. Für mich ein ganz wunderbarer Roman und ich bin gespannt, ob er es auf die Shortlist zum Buchpreis schafft.

5

🫶

Kann eine Geschichte immer wieder überraschen und fesseln, wenn sie vom Ende her erzählt wird? Ich war jedenfalls ziemlich überrascht, als ich feststellte, dass das Buch mit Kapitel 9 beginnt und mit 1 endet. Doch der Erzählstil und die Sprache nahmen mich dann recht schnell gefangen. Am Ende fühlte es sich an, wie eine Geschichte mit 9 Abschieden, 9 mal Loslassen. Am Ende jedes Kapitels wusste ich ja, dass dieser Teil der Geschichte von Lev und Kato nun nicht mehr weiter erzählt werden wird. Und so bleibt vieles unerzählt. Doch die Art, wie die Fäden so zart verwoben sind und doch mit ihren Enden im wortlosen Raum enden, hat mich berührt und fasziniert. Große Leseempfehlung an alle, die sich für eine ruhigen, zarten, besonderen Erzählstil erwärmen können und es gut aushalten, wenn nicht alles auserzählt wird.

5

Ein wunderschönes Buch in dem man versinken kann, aufgrund des besonderen Sprachgefühls. Es wird eine besondere Stimmung vermittelt, welche einen in seinen Bann zieht. Die Geschichte wird rückwärts erzählt und ist dadurch ungewohnt, aber es hat seinen Reiz, da man schon einige Dinge und Personen kennt.

4.5

„Kunstvoll und poetisch verwandelt Iris Wolff jenen Moment in Sprache, wenn ein Leben ans andere rührt, und zeichnet in ihrem großartigen europäischen Roman das Porträt einer berührenden Freundschaft, die sich als Reise in die Vergangenheit offenbart und deren Leuchten noch lange nachklingt.“ So weit der Klappentext, dem fast nichts hinzuzufügen ist. In neun rückwärts erzählten Episoden aus Levs Erinnerungen erzählt Iris Wolff das Leben des am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts im Vielvölkerstaat Rumänien geborenen. Dabei geht es um Freundschaft, um Familie und ein bisschen auch um das Ende des Kommunismus. Virtuos und sprachmächtig erzählt, sind es aber dennoch die kleinen Dinge, die berühren - Wegbegleiter, die kommen und gehen; der Großvater, der in den Westen flüchtet; der Fluss, der so viele Gesichter hat. Iris Wolff erzählt leise und berührend.

5

Rückwärts in ein Leben

Um dieses Buch bin ich lange herumgeschlichen. Doch irgendwie zog es mich immer wieder magisch hin, weil ich mir davon sprachlich etwas ganz Großes erwartete. Meine Hoffnungen wurden erfüllt. „Das Verschwinden war schlimm genug. Aber das Vergessen, sagte sie, sei noch schlimmer.“ Lev und Kato sind über eine lange Zeit eng miteinander verbunden. Doch Kato geht und lässt Lev in Rumänien zurück um im Westen ihr Glück zu machen. Es müssen viele Jahre vergehen, bis er ihrem Ruf folgt. So beginnt die Geschichte, und wir tasten uns langsam von hinten nach vorne, bis in Levs frühste Kindheit. Der Zeitstrahl geht rückwärts und so werden auch die Kapitel rückwärts gezählt, beginnen mit 9 und enden mit 1. Wir begleiten Lev durch sein Scheitern, seine Adoleszenz, seinen Unfall und die erste Begegnung mit Kato, sowie die letzten Erinnerungen an seinen Vater. Wir wissen, wer zur Familie gehört, doch erst, wenn der Roman abgeschlossen ist erfahren wir, wie sie zu dem wurden, was sie am Ende sind. Wir reisen durch die politischen Veränderungen, Rumäniens, und können nachspüren, wie sich Haltungen entwickeln und Mentalitäten in festigen. Der Anfang ist das Ende, doch das „Warum“ müssen wir uns durch lesen erschließen. Dabei ist nicht alles miteinander verbunden, wirkt manchmal so als würden wir einen Blick auf die Meilensteine in Levs Leben werfen. Tiefer und tiefer tauchen wir in seine Wurzeln ein. Man trifft interessanten Figuren, die mir vorkamen, als wär ich Ihnen schon einmal begegnet. Es ist, als ob man neue Leute kennenlernt und erst mit mehr und mehr Vertrautheit beginnen Sie zu einem zu sprechen und von ihren Erfahrungen zu erzählen und jetzt setzt sich wie ein Puzzle ein Bild von Ihnen zusammen. Man sitzt mit am Tisch, man geht neben her und man schaut Kat beim Malen zu. Neben Lev hat Ferry mein Interesse an seiner Person geweckt, über ihn hätte ich gerne noch mehr erfahren. Die Beziehungen, die untereinander gewebt werden, kann man anfangs nur erahnen, doch je weiter wir in die Vergangenheit eindringen desto fester werden die Bindungen. Wolff schafft es, ihre besondere Erzählweise sprachlich so ansprechend zu gestalten, dass ich mich wie auf Federn gebettet fühlte. Dass sie den Roman am Ende beginnt ist ein Stilmittel, dass mir richtig gut gefallen hat und zum Ende hin flog ich nur so durch die Seiten. „Alles war rückwärtsgelaufen, weniger geworden, und wo sich die Zeit am Anfang dehnte, verkürzte sie sich jetzt unbarmherzig“ Sprachlich ein sehr intensives Leseerlebnis, voller Poesie und Anteilnahme.

4.5

Ein besonderes Buch

Es ist ganz schön geschrieben. Zugegeben mit diesem rückwärts ist es nicht so ohne. In einem Kapitel verstirbt seine altersschwache Katze, was sehr würdevoll und mit großer Tierliebe und Vertrauen beschrieben wird. Und dann im nächsten Kapitel springt sie wieder herum … Aber irgendwie war mir die Geschichte gar nicht so wichtig, weil man immer im hier und jetzt gefühlt ist. Ich glaube in ein paar Wochen lese ich es von hinten nach vorne…🤔😉

4

Rückwärts erzählte, quasi-episodische Geschichte, die dem Kennenlernen eines Menschen nachempfunden scheint. Erkundet die verschiedenen Spielarten von Heimat und menschlicher Verbundenheit sowie ihre Schwellen und Übergänge. Außerdem ein Portrait Rumäniens im Umbruch des späten 20. Jh. Leichtfüßiger Stil und klare Bildsprache. Die Figuren verschwimmen hinter den Rollen, die sie verkörpern. Etwas zu konzeptig, um stark zu emotionalisieren und damit ein eher intellektueller Genuss.

4.5

Interessanter, Schreibstil. Tolle Sprache.

Der Roman Lichtungen von Iris Wolff hat einen ganz besonderen Aufbau, den ich so bisher noch nicht kannte. beginnend bei Kapitel 9, wird rückwärts erzählt. Man erfährt die Geschichte von Protagonist Lev. Diese Art des Erzählens empfand ich hier sehr passend. Es war, als erzähle mir Lev nach und nach etwas aus seinem Leben, wobei er in der Gegenwart beginnt und dann immer weiter in die Vergangeheit blickt. Ich denke, wenn man von der anderen Seite beginnen würde, wäre der Verlauf bei weitem nicht so interessant. Viele Informationen muss man zunächst so hinnehmen, bis man später die genauen Hintergründe oder Ursachen erfährt. So war ich immer gespannt, wie es weiter geht, obwohl die Thematik an sich eher ruhig ist. Sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Iris Wolff hat eine wirklich schöne Art, sich auszudrücken. Es wird immer so viel wie nötig gesagt und als Leser*in bleibt noch Interpretationsspielraum. Was die Charaktere angeht, waren mir Lev und Kato direkt sympathisch. Auch so mancher Nebencharakter war interessant. Inhaltlich möchte gar nicht viel sagen, da gerade darin das Spannende liegt. Toll fand ich, dass man ganz nebenbei Infirmationen über das Leben in Rumänien, oder die wechselnde Zugehörigkeit von Siebenbürgen im Laufe der letzten 120 Jahre erfahren hat.

4

Sehr vielschichtig, in sich stimmig und sprachlich ein absolutes Meisterwerk

Die wohl größte Hürde dieses Buches ist, dass es rückwärts geschrieben ist. Wir starten mit Kapitel neun und enden mit Kapitel eins. Sobald ich mich mit dieser Eigenart bzw. künstlerischen Freiheit arrangiert hatte - was schneller passiert, als zu Beginn vermutet -, ist das Buch ein wahrer Schatz. Die Autorin schafft es, trotz des rückwärtigen Aufbaus nichts vorwegzunehmen, sondern spielt vielmehr damit, Neugierde zu wecken, was denn „vorher“ passiert ist und in „früheren“ Kapiteln das Wissen aus „späteren“ Kapiteln zu nutzen, um sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Es ist gut, dass das Buch „nur“ 256 Seiten umfasst, denn auch wenn der Aufbau sehr gut funktioniert, empfehle ich nicht, das Buch nur „mal eben nebenbei“ zu lesen. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leseerlebnis deutlich schmälern. Sprachlich empfand ich das Buch als eine Wucht. Die Klugheit im Alltag ohne Altklugheit - ich könnte mir fast jeden Satz markieren. Die erzählte Geschichte selbst wirkte überraschenderweise nicht zerstückelt. Sie steht nie wirklich im Mittelpunkt, aber ist auch zu keinem Zeitpunkt wirklich zweitrangig - dieser Effekt wurde ebenfalls durch den Rückwärtsaufbau verursacht. Auch wenn „Lichtungen“ kein Lieblingsbuch von mir wird, kann ich es bedenkenlos jedem empfehlen, der Spaß am Unkonventionellen hat, Spielereien mit Sprache liebt und seine Gedanken treiben lassen kann ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Ein wirklich souveräner Need-to-Read.

Sehr vielschichtig, in sich stimmig und sprachlich ein absolutes Meisterwerk
2.5

Ergab in seiner Rückwärtserzählweise nur wenig "Licht" und der oft übertrieben blumige Umgang mit Sprache hat die Handlung nahezu verschluckt!

4

Ihr wollt mal eine rückwärts erzählte Geschichte mit einem poetischen Schreibstil lesen? Dann ist „Lichtungen“ genau das Richtige für Euch 🫶📚💜🥳

Durch Härte und Sanftmut geprägt - so wirkt die Darstellung von Levs Leben auf mich, das die Autorin Iris Wolff hier erzählt. Der Roman ist 2023 im Klett-Cotta Verlag erschienen. Die Lebensgeschichte der 2 Hauptpersonen Lev und Kato wird rückwirkend erzählt. Sie fängt mit Kapitel 9 an, es folgt Kapitel 8 usw.. Es reicht von einer freien Welt in die Zeiten des Eisernen Vorhangs. Hineingeboren in einen sozialistischen Staat, nämlich Rumänien, wächst Lev im Regime Ceaușescus mit all seinen Hürden und Einschränkungen, aber auch den vorhandenen Schlupflöchern, auf, hauptsächlich bei seiner Mutter, ab und an kommen auch die Großeltern ins Spiel. Früh macht er die Erfahrung von Mobbing in der Schule, entscheidet sich dafür, selbige zu verlassen und mit seinen deutlich älteren Brüdern im Wald zu arbeiten. Das bekommt ihm auf Dauer nicht - nach einem schweren Unfall ist er monatelang zu Hause ans Bett gefesselt. Dort bringt ihm Kato die Aufgaben und erklärt sie ihm. Nach einer anfänglichen Ablehnung durch Lev freunden sie sich an - Kato wird zu seinem Lebensmenschen, der Person, mit der er alles teilen kann. Irgendwann folgt sie dem Deutschen Tom, der auf seinem Fahrrad durchs Dorf geradelt kommt, in die Welt - und entgleitet damit Lev und seiner Welt. Doch das ist nur ein Abstand auf Zeit, denn Lebensmenschen verlieren sich nicht. Iris Wolff besticht durch ihre poetische Sprache, die Kraft, die in ihr steckt, sprachgewaltig, aber ebenso durch Zartheit geprägt an den passenden Stellen. Sie erzählt sozusagen rückwärts, lässt vieles aus, beziehungsweise überlässt den Lesern den Raum, aus bestimmten Zusammenhängen Rückschlüsse zu ziehen. Ich habe durch diesen Roman zahlreiche Anregungen zur Recherche von Hintergründen erhalten. Ein schmaler, aber gewichtiger Band. Ein Roman, der seinen Fußabdruck in der Literaturgeschichte hinterlassen wird, dessen bin ich mir sicher.

2.5

Kein schlechtes Buch. Besonders weil man am Ende der Geschichte beginnt und sich an den Anfang vorarbeitet. Hat mich leider nicht gepackt. Ich mochte den Protagonisten Lev und wollte auch wissen wie es weiter geht, hätte das Buch aber auch zur Seite legen können. Vieles war mir zu nebulös beschrieben. Das ‚warum‘ Dinge passieren wurde oft nicht beschrieben. Damit blieb es etwas spannend, aber die Auflösung hat gefehlt.

4

Sprachlich grandios, musste ich mir doch fast auf jeder Seite Markierungen setzen… dass die Geschichte rückwärts erzählt wird, macht es etwas schwierig. Ein Buch, dass definitiv noch einmal gelesen werden muss.

4

Besondere Geschichte, die von hinten erzählt wurde. Einnehmend und bedrückend sowie fesselnd.

5

Dieses wunderschöne Buch liegt schon länger auf meinem SuB. Da es auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht, fand ich den Zeitpunkt gekommen, es zu lesen 😊 „Es war und es war nicht“ – mit dieser Einleitungsformel für Märchen der Roma beginnt dieses aussergewöhnliche Buch. Und ich finde, passendere Worte hätte man für die Einleitung nicht finden können, denn märchenhaft und poetisch ist die Sprache von Iris Wolff. Die Geschichte von Lev und Kato, die sich als Schüler begegnen und sich bis in die Gegenwart nicht verlieren, ist die Geschichte einer einzigartigen Freundschaft. Eine Freundschaft, die weder durch das soziale Umfeld, noch durch Schicksalsschläge, ambivalente Gefühlslagen oder Entfernungen entzweit werden kann. Lev, der Waldarbeiter, der in jungen Jahren bereits viel durchmachen musste, der bodenständig und mit seiner Heimat verwurzelt scheint. Kato, die Künstlerin, die Konstante in Levs Leben, obwohl es sie hinauszieht in die weite Welt. „Jeder Augenblick, dachte Lev, enthielt alles Gewesene, und war doch immer wieder ein Neubeginn.“ (S. 34) 🐦 Das Besondere an diesem Buch ist, dass es rückwärts erzählt ist. Als Leserin erfahre ich also offiziell erst am Schluss, was ich vom Klappentext her schon weiß. Diese Erzählweise ist hin und wieder anspruchsvoll, weil verschiedene Zusammenhänge erst später auch als solche erkennbar sind. Lev als Hauptprotagonist ist mir sehr sympathisch und auch Kato und die anderen Nebencharaktere kommen mir nahbar und authentisch vor. Vor allem begeistert hat mich aber die unheimlich poetische, wunderschöne Sprache, die mich wirklich durch dieses Buch getragen hat. „Vor ihm lag eine Lichtung. Zwei Wölfe kämpften ohne einen Laut. Kein Wind, kein Vogel war zu hören, es war, als würde die ganze Lichtung zusehen, den Atem anhalten, nicht nur er – alles, die ganze Welt des Waldes, das Gewicht der Berge schmolz auf diesen Punkt hin.“ (S.132) Zum Schluss noch eine Lebensweisheit für Euch, die ich genauso unterschreiben würde. "Ferrys Ansicht nach gab es eigentlich nur Heilige und Verrückte, kluge Leute und Idioten. Bedauerlicherweise wurde das Verrückte immer normaler, und das Idiotische immer salonfähiger, sodass man kaum mehr dahinter kam, wer was war." Für mich absolut nachvollziehbar, warum dieses Buch auf der Longlist steht und ich kann es von Herzen empfehlen, wenn Ihr mal wieder ein Buch zum Träumen braucht.

5

Lev trifft Kato nach Jahren in der Schweiz , wohin sie aus Rumänien ausgewandert ist während er selbst im Land geblieben ist. Damit beginnt der sprachgewaltige Roman von Iris Wolff. Ab hier wird die Geschichte rückwärts erzählt, wir begleiten Kato und Lev durch die Jahre der Jugend und Kindheit zurück bis zu dem Moment, wo ihre Freundschaft ihren Anfang nahm. Aber wir begleiten nicht nur diese beiden Menschen (und ihre Familien) durch die Jahre zurück, sondern lesen uns auch durch die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und die Einstellungen der Menschen in Rumänien im Lauf der letzten Jahre/Jahrzehnte. Ich liebe die Erzählgeschwindigkeit und die Sprache von Iris Wolff. Auch als Hörbuch sehr zu empfehlen!

4

Kato und Lev verbindet eine Freundschaft seit Kindertagen. „Lichtungen“ gewährt Einblicke in ihre Entwicklung und das Leben drumherum. Während sich Handlung innerhalb der einzelnen Kapitel vorwärts bewegt, sind diese rückwärts, also vom Heute zur Vergangenheit hin, angeordnet. So ist uns der Ausblick von Anfang an bekannt, während wir uns nach und nach in der Zeit zurückbegeben. Der Roman besteht aus Episoden im Leben der Protagonisten, die viel über die Zustände ihres Landes, Rumänien, offenbaren, einer Diktatur, die Angst schürt und Menschen fliehen lässt, die aber auch viel offenlassen. Durch das Rückwärtserzählen und das Episodenhafte wird das Erfassen der Zusammenhänge etwas erschwert. Die auktoriale Erzählstimme verwendet eine poetische Sprache, um Alltägliches zu beschreiben. „Diese Stille, dachte Lev, war eine, die aus Tönen kommt, die noch von ihnen erzählt, die satt ist und voll, die sich erst verflüchtigen muss, wie Rauch.“ Es ist diese schöne Sprache, die mich im Buch versinken und mich darüber hinwegsehen ließ, dass mir womöglich ein Detail entgangen ist; es lohnt sich allemal!

2.5

Iris Wolff erzählt von der Hauptfigur Lev, und das Besondere an der Erzählung ist, dass sie rückwärts geschrieben wurde. Da Buch beginnt mit Kapitel 9, als Lev ein erwachsener Mann ist, und endet mit Kapitel 1, als er ein kleiner Junge war. Wir lernen wichtige Personen aus seinem Leben kennen, seine Mutter, seine Brüder und die Schwester, die Großmutter, den Großvater. Sie alle spielen eine mehr oder weniger wichtige Rolle in Levs Leben. Die wichtigste aber spielt Kato, ein Mädchen, das Lev kennenlernt, als sie ihm Schulaufgaben ans Bett bringt, nachdem er durch ein traumatisches Ereignis vorübergehend gelähmt ist. Die Verbindung und Liebe zu ihr bleibt bestehen, auch wenn sich beide immer wieder aus den Augen verlieren. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit diesem Buch. Die Geschichte um Lev und die episodenhafte Schilderung seines Lebens wird durch eine ruhige, bildhafte Erzählweise getragen. Mir persönlich war es oft zu ruhig, an der Grenze zur Langeweile. Dazu beigetragen hat, dass ich zu den Personen keine gefühlsmäßige Bindung aufbauen konnte. So berührte mich Levs Leben wenig bis gar nicht und ich blieb dem Buch gegenüber sehr distanziert.

4

Sandkastenliebe, rückwärts erzählt. Schöne Sprache

4

Für den neuen Roman von Iris Wolff braucht man Zeit: Zeit, sich in die Geschichte einzufinden; Zeit, sich mit der Struktur der Erzählung vertraut zu machen; Zeit, jedes Wort genau zu lesen und den Sinn zwischen den Zeilen zu erkennen.

Es ist ein überraschend aufwühlender Roman, der mich zunächst zum Verzweifeln gebracht hat: Die Kapitel sind rückwärts nummeriert, der Einstieg startet also mit dem Ende. Nicht nur Levs und Katos Geschichte gerät dadurch aus den Fugen, auch bei dem:der Leser:in entsteht das Gefühl der Haltlosigkeit - die fehlende Einführung in Charaktere, Orte oder zusammenhängende Geschehnisse haben bei mir Ratlosigkeit hervorgerufen. Zwischendurch habe ich das Buch von hinten nach vorne gelesen, weil ich mir nicht sicher war, ob die veränderte Leserichtung im Sinne eines detektivischen Stilmittels genutzt wurde. Ab der Mitte des Buches habe ich endlich zu Lev und seinen Gedanken gefunden und war sehr berührt von seiner Geschichte und seiner Wortwahl. Iris Wolff verzaubert mit ihrer Sprache, ihren tiefgründigen Beobachtungen ihrer Protagonisten und das macht den Roman lesenswert.

3.5

Ich mochte diese synästhetische Sprache, die Beschreibungen kleiner Abläufe und die Sprachenebene (deutsch-rumänisch) sehr! Ehrlicherweise hat es recht lang gedauert bis ich die rückgewandte Chronologie verstanden habe und die Beziehung der beiden Protagonist:innen ist für mich nicht so stark spürbar geworden.

4.5

Eine sprachlich sehr schöne und inhaltlich bewegende Geschichte. Große Fragen über Zugehörigkeit, Identität, Flucht und Fortgehen sowie Ankommen und Bleiben werden behandelt. Sehr gelungen, auch wenn nicht gleich erkannt, finde ich den formalen Aufbau des Buches. Die Geschichte wird rückwärts erzählt. Was für mich hervorragend zu der inhaltlichen Thematik passt. Es wird zu den Wurzeln gegangen, zu den Prägungen der Vergangenheit, die so leise und fein das Netz unserer Gegenwart und unseres Selbst bilden. Trotz alledem hat die Geschichte für mich beim Lesen keine Sogwirkung entfalten. Der Drang weiterzulesen, war stellenweise sehr schwach. Am Anfang und am Ende war es aber sehr packend. Eine Geschichte, die nachhallen wird und zum Nachdenken anregt.

5

„Die Ameise läuft über deinen Arm und weiß es nicht, der Wind fällt auf die Hügel und weiß es nicht; aber du, du weißt: Sie ist fort.“ In wundervoll feinsinniger und poetischer Sprache beginnt die Geschichte von Lev und Kato an ihrem Ende. Ausgehend von einer Fährfahrt taucht man ein in die Geschichte der beiden und bewegt sich Kapitel für Kapitel gemeinsam mit ihnen rückwärts hin zu ihrem Kennenlernen in ihrer Kindheit. Es ist eine Geschichte des Zusammen- und Getrenntseins, des Abschieds, der Freundschaft, Verbundenheit und des Wiedersehens. Lev und Kato lernen sich im kommunistischen Rumänien kennen, als der junge Lev bewegungsunfähig an sein Bett gefesselt ist. Seine Mitschülerin und Außenseiterin Kato kommt ihn (zunächst eher gegen seinen Willen) am Krankenbett besuchen. Hier zeigt sich bereits, dass mit der freiheitsliebenden, wissbegierigen und künstlerisch begabten Kato und dem eher ängstlichen, in der Heimat verwurzelten und lange bewegungsunfähigen Lev Gegensätze aufeinander treffen und gleichzeitig eine Nähe und Anziehung entsteht. Diese sowie auch die politischen Spannungen im Land prägen die gesamte Erzählung und Beziehung zwischen den beiden. Sie führt zum schmerzenden Abschied, als Kato die Heimat mit Fahrrad und anderem Mann verlässt, weil Lev sich nie zum Aufbruch im Stande sah, aber auch zur Karte mit dem Satz „Wann kommst du?“… In zarter, fast poetischer Art und Weise erzählt @iriswolff diese feinsinnige Geschichte, die mich sowohl inhaltlich als auch stilistisch sehr beeindruckt hat. Ganz besonders gemocht habe ich die Leerstellen am Ende der Kapitel. Diese haben mich so richtig in die Geschichte und die Stimmung eintauchen und sie wirklich fühlen lassen. Poetisch, anrührend, politisch und erzählerisch ganz groß - absolute Leseempfehlung!

5

Wundervolle Sprache, mir hat gefallen, dass die Geschichte rückwärts erzählt wird.

Wundervolle Sprache, mir hat gefallen, dass die Geschichte rückwärts erzählt wird.
4

Dass der Roman rückwärts erzählt wird, fand ich sehr ungewöhnlich und es hat mich zwischendurch auch verwirrt. Das wird aber mit Fortschreiten der Geschichte immer besser. Ich mag den achtsamen und manchmal philosophischen Schreibtstil. Das Buch ist nicht wie beschrieben die Liebesgeschichte zwischen Kato und Lev, sondern Levs Lebensgeschichte. Ich möchte sehr die Einblicke, die man in das Leben in Rumänien bekommen hat und hätte gerne mehr davon gehabt.

4.5

Ein schönes Verweilen in der Vergangenheit

Ich komme selbst aus Rumänien, Grenzgebiet. Die Mischung aus Deutsch, Rumänisch und Ungarisch aber auch das ganze Leben von Lev auf dem Dorf konnte ich richtig inhalieren und nachleben. Es war schön an meine Herkunft erinnert zu werden, vor allem weil ich nicht so viele Bücher in der Richtung gefunden habe. Hier spielt natürlich das Persönliche und Emotionale eine große Rolle. Ich fand den Schreibstil aber auch sehr schön und auch von der Zukunft in die Vergangenheit zu lesen fand ich spannend, wenn doch es auch manchmal den Lesefluss und das Einfinden behinderte.

3.5

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Dass die Geschichte rückwärts erzählt wurde, hatte zwar einen gewissen Charme, war teilweise aber auch etwas verwirrend.

3.5

S. 76 "Erinnerungen waren über die Zeit verstreut wie Lichtungen. Man begegnete ihnen nur zufällig und wusste nie, was man darin fand."

Als ich das Buch aufschlug und die ersten Seiten las, konnte ich damit nichts anfangen. Erst beim 2. Anlauf konnte ich einen Zugang zu diesem Buch finden und mich darauf einlassen. Poetische Sprache, trotzdem vieles ungesagt. Das Ende ist der Anfang und der Anfang zeigt bereits das offene Ende der Geschichte. Die Geschichte ist wie eine Tarte Tatin: man startet quasi im Hier und Jetzt und bewegt sich dann immer weiter in die Vergangenheit. Mein Hyperfokus zwang mich mich mit den Hintergründe der Geschichte zu beschäftigen: Siebenbürgen, Donauschwaben, die Geschichte Rumäniens sowie die Geschichte der Region Banat. Erstaunlich, dass ich das letzte Zitat in der Schäßburger Mundart als Luxemburgerin ohne Schwierigkeiten verstehen konnte 😳😊 Am Ende möchte man das Buch noch einmal von vorne lesen um mehr zu verstehen.

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