Ungebetene Gäste
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Description
Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.
Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.
Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
Book Information
Author Description
Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, studierte Psychologie in Tel Aviv, später Film und Drehbuch in Jerusalem. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihrem ersten Roman Eine Nacht, Markowitz (2013) wurde der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt Israels verliehen. Für ihre Bestseller Löwen wecken (2015), Lügnerin (2017) sowie Wo der Wolf lauert (2021) sind Filmadaptionen in Planung. Zuletzt erschien bei Kein & Aber Ungebetene Gäste (2025). Ayelet Gundar-Goshen lebt in Tel Aviv.
Characteristics
6 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Das hat man auch selten: eine Protagonistin, die Jüdin Naomi, die so unsympathisch ist und die man gleichzeitig so gern haben kann, die gefangen ist in ihrer Prägung voller Ängste, so dass diese ein anderes Denken und Handeln blockieren. Woher kommt die Angst, die sie blockiert und in eine Art Starre fallen lässt und die sie hindert die Wahrheit zu sagen? Dann der sympathische, höfliche, arabische Arbeiter, der gleich ohne Nachfrage als Terrorist abgestempelt und für schuldig befunden wird. Wieso? Gern hätte ich noch mehr über ihn erfahren. Dann gibt es auch Juval, Naomis Eheman, der eigene Schuld auf andere projiziert und dadurch ungerecht agiert. Der es zulässt, dass das Ereignis sein Verhältnis und seine Zuneigung zu Naomi und Uri verändert und zerstört. Und so handeln beide richtig, ohne von der Richtigkeit überzeugt zu sein. Sie handeln, weil der andere es erwartet, nicht aus Überzeugung. Den ersten Teil des Romans fand ich außergewönlich stark. In den zweiten Teil hineinzufinden fiel mir etwas schwerer, da mit dem Umzug nach Nigeria noch zusätzliche Themen aufgemacht wurden, die für mich den Fokus zu sehr von dem ursprünglichen Geschehen weglenkten. Hier wäre weniger mehr gewesen. Ein psychologisch, politisches Drama, gesellschaftspolitisch und individuell tiefgehend. Mitleidlos und vorverurteilend begegnen sich Menschen. Gelebter Rassismus weltweit. Das macht betroffen und traurig. Wir erfahren aber auch was es heißt unter einer ständige Bedrohung leben zu müssen, der man als Mensch vom Beginn des Lebens an (schuldlos) ausgesetzt wird. Eine Geschichte, die in der Zerrissenheit der Protagonisten und ihrer Weltanschauung, die ihr Handeln bestimmt, die so viele Denkanstöße bietet und im Gedächtnis hängen bleibt.
Nachdenklicher Roman mit Sogwirkung
Das war mein erstes Buch der Autorin und sicher nicht mein letztes. Der Roman entfaltet sofort eine Sogwirkung, die es schwer fallen lässt, das Buch beiseite zu legen. Gundar-Goshen versteht es ausgezeichnet, in die Psyche ihrer Figuren einzudringen und diese entsprechend handeln zu lassen. Spannend war für mich die Zeit in Afrika, da mir bisher nicht bewusst war, wie stark sich Israel dort einmischt. Mit dieser politischen Komponente hatte ich nicht gerechnet. Dennoch war es am Ende doch ein bisschen viel Angerissenes. (Der Aufenthalt in Angola zwar Aufen öffnend, aber zu beiläufig. Der Shitstorm auf Facebook versandet plötzlich. Die Familie mit dem schwierigen Kind nur Mittel zum Zweck.) Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen und ich kann es unbedingt weiterempfehlen. Gundar-Goshen ist eine hervorragende Erzählerin mit einem präzisen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Mich haben die Figuren allesamt berührt, auch wenn due wenigstens dabei sympathisch waren.
Ich hab „Lügnerin“ von Ayelet Gundar-Goshen gelesen und mochte es sehr. Die Autorin gestaltet Figuren derart lebendig, dass ich sie förmlich spüren kann. Sie schreibt ihre Geschichten so fesselnd, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen kann. Und sie schaffte es, mir menschliche „Makel“ von so vielen Seiten aufzuzeigen, dass ich mich manchmal selbst ertappt fühle und ich auch die andere Sichtweise präsentiert bekomme. Die Geschichte beginnt in Israel. Ein arabischer Handwerker erledigt Arbeiten in Naomis Wohnung und durch einen unachtsamen Moment schmeißt Uri, Naomis einjähriger Sohn, dessen Hammer vom Balkon. Unten auf der Straße wird der Sohn des Händlers vom Lebensmittelladen getroffen und stirbt. Es wird sofort als terroristischer Akt des Handwerkers gedeutet und er wird festgenommen. Naomi und ihr Mann Juval verschweigen eine Weile die Wahrheit. Ich muss sagen, ich hatte eine andere Geschichte erwartet. Denn nach diesem ersten Teil, der in Israel anfängt, flieht das Ehepaar nach Nigeria und landet bei der israelischen Therapeutin Noga. Der Weg der Hauptfiguren verändert sich und ich bekomme neue ethische Fragen aufgezeigt. Neue Charaktere kommen dazu und machen die Geschichte lebendiger. Nicht alle werden zu Ende erzählt, aber sie erzeugen neue Perspektiven und werfen neue moralische Fragen auf. Mich hat die Geschichte von Beginn an gefesselt. Ich durfte von der ersten Seite an all die Ängste von Naomi mitverfolgen. Einerseits habe ich nicht nachvollziehen können, warum sie diesem netten Handwerker so skeptisch gegenübersteht, und andererseits habe ich gespürt, wie tief die Ängste in der israelischen Bevölkerung verwurzelt sind. Kaum in Nigeria gelandet, entdeckte ich andere Vorurteile und Ängste und konnte beobachten, wie sie das Denken der betreffenden Personen beeinflussen. Für mich ein packendes Psychodrama, bei dem ich auch geschichtlich Neues gelernt habe. S. 51 „Er sah Menschen erneut den kaputten Stuhl hochreißen, um ihn dem Jungen auf den Kopf zu hauen. Der Araber ballte die Fäuste und zog sie nahe ans Gesicht. So lag er da, mitten auf dem Gehsteig: mit geballten Fäusten und geschlossenen Augen, wie die Pose, die Juval seinen Soldaten beigebracht hatte, um sich gegen Handgranaten zu schützen.“ S.52 „ Noch immer entschuldigte sich keiner. Trotz allem glaubten sie nicht, sich geirrt zu haben. Und vielleicht konnten sie es sich auch nicht erlauben, einen Irrtum einzugestehen.“ S.185 „Als sie sich zum Rausgehen umwandte, sah sie, dass die Wohnungstür offen stand und der Schlüssel im Schlüsselloch steckte. Idiotin, beschimpfte sie sich, so was kann man in Israel machen, nicht hier. Trotz der Zäune ums Viertel, der Wachmänner in der Vorhalle und auf dem Parkplatz, und trotz der Überwachungskameras, die alle Gebäude der Gegend und das Gelände dazwischen abdeckten, fühlte sie sich nicht völlig sicher.“ S.218 „ „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand außerhalb Israels vom Uganda-Plan gehört haben könnte“, sagte Naomi überrascht und bereute ihre Worte sofort - dass sie ihre Gastgeberin bloß nicht mit diesen Vorurteilen kränkte.“
Ungebetene Gäste ist das erste Buch, das ich von Ayelet Gundar-Goshen gelesen habe, aber ganz sicher nicht das letzte. Das Buch hat einen unheimlichen Sog entfaltet, ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Naomi und Juval leben in Tel Aviv, sie sind Eltern des anderthalbjährigen Uri. Seit Uris Geburt ist Naomi nicht berufstätig. Die Tage allein mit dem Kind zuhause kommen ihr lang vor, sie langweilt sich. Eines Tages wird der Balkon in ihrer Wohnung renoviert. Naomi fühlt sich unwohl allein mit einem arabischen Arbeiter. Während dieser auf Toilette ist, schlüpft Uri auf den Balkon und versetzt dem Hammer einen leichten Stoß. Der Hammer fällt vom Balkon und erschlägt einen Teenager. Nur kurze Zeit später stürmen Polizisten in die Wohnung und nehmen den Arbeiter fest. Naomi verfällt in Panik, und überlegt fieberhaft, ob sie den Arbeiter entlasten sollte. Dann kommt ihr Mann nach Hause und während die beiden miteinander schlafen, steht auf einmal Said in der Tür, der Sohn des festgenommenen Arbeiters. Er wollte seinen Vater abholen. Auf dem Weg von Naomis Wohnung nach Hause wird der arabische Junge von den jüdischen Bewohnern des Viertels angegriffen und verprügelt. Juval rettet ihn vor der erzürnten Meute. Er bietet ihm an, ihn nach Hause zu fahren. Naomi fährt mit Uri mit. Im Dunkeln erreichen sie das ärmliche arabische Dorf und werden von Saids Mutter und seinen Geschwistern herzlich empfangen und bewirtet. Doch vor der Rückkehr nach Tel Aviv kommt es zu einem verstörenden Zwischenfall. Ein Jahr später lebt die Familie in Nigeria, wo Juval einer lukrativen Beschäftigung für die nigerianische Luftwaffe nachgeht. Uri leidet jede Nacht an Albträumen und die Familie wendet sich an die israelische Psychologin Noga. Der Unfall mit Todesfolge hat nicht nur das Leben von Naomi und Juval verändert, sondern noch viel mehr das des trauernden Vaters und das von Saids Familie. Der Ausgang des Gerichtsprozesses, in dem es um die Schuldfrage ging, hat mich leider nicht überrascht. Am interessantesten von den vielen vorgestellten Charakteren fand ich die Figur der Psychologin. Sie gerät in große Schwierigkeiten, nachdem sie die Behandlung eines Jungen abgelehnt hatte, dessen Verhalten sie getriggert hatte. Die Autorin beschreibt psychologisch sehr feinfühlig die Beziehung zwischen Naomi und Juval und Noga und Juval. Dieses Buch, das ich als Tragödie bezeichnen würde, bietet viel Diskussionsstoff und eignet sich perfekt für einen Lesekreis. Das spannende Psychodrama hat mich berührt und gefesselt. Ein unvergessliches Leseerlebnis, das ich allen ans Herz legen möchte.
Der Roman ist wirklich spannend geschrieben. Allein die Anfangsszene (siehe auch Klappentext) finde ich genial. Im weiteren Verlauf werden Themen wie Rassismus und Umgang mit Traumata innerhalb einer Familie elegant beleuchtet. Keine leichte Kost, aber sehr tiefgründig. Man merkt, dass sich die Autorin mit den psychischen Automatismen von Traumata auskennt. Aber auch gesellschaftliche Fragen stellt. Kann ich auf jeden Fall empfehlen 👍
Ein Jugendlicher stirbt, wird von einem Hammer erschlagen. Für alle Außenstehenden ist sofort klar, es muss der arabische Handwerker gewesen sein. An das Kleinkind, das seiner überforderten Mutter entwischt ist, denkt niemand. Der Handwerker wird festgenommen, die Mutter sagt nichts. Schuldgefühle plagen sie, was soll sie tun? Sich selbst anzeigen, dass sie nicht richtig auf ihr Kind aufgepasst hat? Sie möchte den vermeintlichen Verdächtigen entlasten aber die Folgen für ihn kann sie kaum noch ändern. Sie flüchtet mit ihrem Mann und ihrem Sohn in ein anderes Land, doch die Schuldgefühle und zunehmenden Ängste begleiten sie. Auch ihr Sohn hat einen Schaden davongetragen und ihre Ehe wird auch nicht einfacher. Ein intensiver Roman über Schuld, Misstrauen und Vorurteile. Die Sprache ist derb und klar. Hier wird nichts schöngeredet. Die Familie droht zu zerbrechen an diesem Vorfall, es wird verdrängt und geschwiegen. Jeder versucht für sich einen Weg zu finden. Die erste Hälfte des Romans hat mir richtig gut gefallen, doch zunehmend kamen mehr Charaktere ins Spiel. Alle wurden intensiv beleuchtet hatten ihre eigene traurige Geschichte. Für mich ist dann die eigentliche Geschichte etwas in den Hintergrund gerückt. Die psychologischen Themen waren sehr spannend für mich, hätten gern noch mehr Raum einnehmen dürfen. Insgesamt ein Buch, dass dahin zeigt wo es weh tut.
Ein paar Sekunden nur ist Naomi unaufmerksam und ihr 1 1/2- jähriger Sohn krabbelt auf den Balkon und schubst den Hammer, den der arabische Handwerker dort abgelegt hat, bevor er auf Toilette ging, nach unten und verursacht den Tod eines 17- jährigen. Starr vor Entsetzen schweigt sie, als der Handwerker verhaftet und sein Sohn fast gelyncht wird. Der Unfall ereignet sich inmitten des Wahlkampfs in Israel und trifft auf eine aufgeheizte Stimmung, wird direkt von rechten Kräften instrumentalisiert. Ayelet Gundar-Goshen schreibt über menschliche Abgründe und Konflikte mit psychologisch genauem Blick. Ich habe das Buch verschlungen und es wird mich noch eine Weile beschäftigen.
Ein psychologisches Meisterwerk, voller Abgründe mit bemerkenswerter Tiefe. 🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤
In Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen entfaltet sich ein Psychodrama. War ich bei ihrem ersten Buch noch zwiegespalten, hat mich "Ungebetene Gäste" absolut gefesselt. Im Zentrum steht Naomi, die mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Tel Aviv lebt. Ein tragischer Unfall, ein vom Balkon fallender Hammer, der einen Teenager tödlich trifft, setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die nicht nur Naomis Familie, sondern auch mich moralisch erschüttert hat. Anstatt die Wahrheit auszusprechen, lässt sie zu, dass ein arabischer Handwerker verdächtigt wird, und verschließt sich in Schweigen. Diese Entscheidung macht den Roman zu einer intensiven Studie über Schuld, Angst und Verantwortung. I LOVE IT. Die psychologische Tiefe der Protagonisten ist bemerkenswert, vor allem von Naomi. Sie schwankt zwischen der Rolle einer beschützenden Mutter, ihren eigenen Ängsten und dem moralischen Druck, die Wahrheit zu offenbaren. Sie ist weder klar sympathisch noch eindeutig unsympathisch, sondern voller Widersprüche, die sie menschlich wirken lassen. Ihre innere Zerrissenheit zeigt, wie lähmend Schuldgefühle und die Angst vor Konsequenzen sein können. Das Buch wirft fundamentale moralische Fragen auf: ❓Wer trägt Verantwortung, wenn eine Verkettung von Umständen ein Menschenleben kostet❓ ❓Ist Schweigen ein Akt des Selbstschutzes oder ein Verrat an der Wahrheit❓ Gundar-Goshen macht deutlich, dass es keine einfachen Antworten gibt, sondern dass jede Entscheidung schwerwiegende Konsequenzen hat, für Naomi, ihre Familie und die Menschen, die unschuldig in die Ereignisse hineingezogen werden. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Auseinandersetzung mit Rassismus. Der arabische Handwerker wird nicht aufgrund von Beweisen, sondern aufgrund seiner Herkunft zum Hauptverdächtigen. Naomi selbst spürt in Momenten Misstrauen und Vorurteile, die ihr unangenehm bewusst werden und sie beschämen. Damit zeigt der Roman, wie tief rassistische Denkmuster in gesellschaftlichen Strukturen verankert sind, wie schnell eine Gemeinschaft in Vorurteilen denkt und wie gefährlich die Dynamik von Stereotypen und Angst sein kann. Diese Dimension verleiht der Geschichte eine gesellschaftspolitische Tiefe, die weit über die familiäre Tragödie hinausgeht. Auf die teils vulgäre und brutale Sprache der Autorin muss man sich ein wenig einlassen. Fazit: Ungebetene Gäste ist damit ein Roman, der fordert, bewegt und verstört. Er zwingt dazu, über eigene moralische Grenzen nachzudenken, über die Macht von Vorurteilen und Schweige . Wer sich auf diese Mischung aus psychologischer Tiefe, moralischem Dilemma und gesellschaftlicher Kritik einlässt, findet hier ein Werk, das lange nachhallt.

"Vielleicht haben die Menschen deswegen lieber echte Blumen als welche aus Plastik. Plastik ist unverwüstlich und muss daher nicht geschützt werden. Was zunächst als Vorteil erscheint, ist nichts als ein großer Nachteil: Was nicht schutzbedürftig ist, regt und nicht zur Liebe an." Das ist eine meisterhaft und berührend erzählte Geschichte. Die einzelnen Charaktere sind so glaubwürdig skizziert, dass man ihre Handlungen jederzeit verstehen oder zumindest nachvollziehen kann. Mein erster Roman von Ayelet Gundar-Goshen, aber bestimmt nicht mein letzter!
„Irgendwie hatte sie immer schon gewusst, ohne jemals richtig darüber nachzudenken, dass Juval Katzir eine hübsche Familie haben würde. Doch als sie sie nun in ein großes, teures Auto steigen sah, spürte sie erneut, dass dieser Familie etwas zugestoßen war. Als sei mit Juval, seiner Frau und dem Kind eben etwas weiteres in den Wagen gestiegen, eine namenlose Wesenheit, wie eine Krankheit.“
Naomi lebt mit ihrem einjährigen Sohn Uri in Tel Aviv. Ein Handwerker arbeitet auf ihrem Balkon – und in einem winzigen Moment der Unachtsamkeit passiert das Unvorstellbare: Während der Handwerker kurz auf der Toilette ist, lässt Uri einen Hammer vom Balkon. Unten auf der Straße trifft er einen Jugendlichen, der an den Folgen stirbt. Noch bevor die Hintergründe klar sind, gerät der freundliche arabische Handwerker ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit und wird vorschnell als Terrorist verurteilt. Naomi weiß, was wirklich geschehen ist, doch sie schweigt – und trägt diese Last mit sich, selbst als sie mit Uri und ihrem Mann nach Namibia zieht. Ayelet Gundar-Goshen erzählt diese Geschichte in einer dichten, präzisen Sprache und einer Spannung, die sofort fesselt. Naomi und ihre Familie sind so lebendig gezeichnet, dass ich sie direkt in mein Herz geschlossen habe. Der dritte Teil des Romans, der in Namibia spielt, schlägt thematisch neue Wege ein und verliert dabei stellenweise etwas den Fokus – doch am Ende führt die Autorin alle Handlungsstränge überzeugend wieder zusammen. Ein fesselnder Roman, der noch lange nachhallt. Nicht mein letztes Buch dieser Autorin! 📚✨

»Denn der schwerste Teil war nicht, das zu erzählen, was geschehen war, sondern das, was beinah nicht geschehen wäre.«
Der einjährige Sohn Uri von Naomi und ihrem Mann Juval schmeißt ausversehen einen Hammer vom Balkon und ein junger Mann wird tödlich getroffen. Der arabische Handwerker wird verdächtig, die Tat begangen zu haben. Und Naomi sagt nichts. Daran entspinnt sich eine spannende Geschichte um die kleine Familie. Um Schuld, Wahrheit und Dinge die verschwiegen werden. Zwischenzeitlich hatte mich die Story kurz verloren, dann wurde es jedoch wieder fesselnd. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen.

UNGEBETENE GÄSTE Ayelet Gundar-Goshen Naomi und Juval leben mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn Uri in einem Hochhaus in Tel Aviv. Während Juval arbeitet, kümmert sich Naomi um das Kind. Sie ist eine ängstliche Mutter, stillt Uri noch immer – sehr zum Unmut ihres Mannes – und nutzt jede Gelegenheit, ihn hochzunehmen, zu trösten oder zu stillen. Eines Tages führt ein arabischer Arbeiter Reparaturen am Balkon durch. Naomi begegnet ihm mit Misstrauen und fragt sich, wie ihr Mann es zulassen konnte, dass sie und Uri mit einem Araber allein sind. Naomi beobachtet den Arbeiter nervös, bietet ihm Kaffee und Plätzchen an – doch Uri, der ihre ungeteilte Aufmerksamkeit gewohnt ist, beginnt zu quengeln. Dann passiert es: Ein Moment der Unachtsamkeit. Uri greift nach dem Hammer, den der Arbeiter liegen gelassen hat, und wirft ihn vom Balkon. Der Hammer trifft nicht den Boden, sondern tötet einen Jugendlichen – den Sohn des Kaufmanns gegenüber, der eigentlich in der Schule hätte sein sollen. Unter dem Balkon bildet sich schnell eine Menschenmenge. Der Verdacht fällt nicht auf Naomi oder Uri, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als die Polizei eintrifft, könnte Naomi die Wahrheit sagen – doch sie schweigt. Der Arbeiter wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Die Lage spitzt sich weiter zu, als der Sohn des Arbeiters nach seinem Vater sucht. Der Mob vermutet sofort einen weiteren Anschlag. Wie das Drama weitergeht – und ob Naomi den Mut findet, die Wahrheit zu sagen – solltet ihr selbst lesen. Ich habe bereits Gundar-Goshens Vorgänger "Wo der Wolf lauert" mit großer Begeisterung gelesen – und auch ihr neues Buch steht dem in nichts nach. Die Autorin hat ein vielschichtiges, politisches Psychodrama geschrieben, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder moralische Belehrung. Ich durfte das Buch lesen und hören – und wie schon beim letzten Hörbuch hat mich die Stimme von Milena Karas vollkommen in ihren Bann gezogen. Fazit: Ein spannendes, hochbrisantes Psychodrama, das ich euch unbedingt empfehlen möchte. 4½|5

Als ihr einjähriger Sohn den Hammer des arabischen Arbeiters von Balkon stößt und dabei einen Teenager tödlich trifft, ist Naomi wie gelähmt. Wie im Reflex lässt sie eine Lüge entstehen, stellt nicht richtig, dass nicht der Arbeiter Schuld trägt, der nun verhaftet und abgeführt wird. Als die Familie von Tel Aviv für einen Arbeitseinsatz ihres Manes nach Lagos, Nigeria, geht, ist die Schuld weiter mit im Gepäck und belastet nicht nur das eigene Familienleben. Gundar- Goshen knüpft hier einen Teppich aus kleinen und großen Lügen, unausgeprochenenen Ängsten und Verletzungen, zeichnet unheimlich gut greifbare Charaktere durch verschiedene Erzählperspektiven, mal von außen blickend, mal in den Gedanken der Personen steckend. Und sie bringt mich als Leserin auf so vielen Ebenen zum Nachdenken - über Vorurteile, über richtig und falsch, über Ungerechtigkeit, über seelischen Schmerz und seine Folgen. Das war flüssig und spannend zu lesen und hat mir richtig gut gefallen.
Ein psychologischer Gesellschaftsroman Ich mag die Bücher der israelischen Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen. Sie schreibt gesellschaftskritisch und schafft es immer wieder menschliche Schwachstellen zu thematisieren und den Finger genau in die Wunde zu legen. Mit ihrem beruflichen Hintergrund als Psychologin hat sie einfach genau das richtige Gespür für die Ängste und Traumata ihrer Landsleute. In ihrem neuesten Buch, dass uns zunächst nach Tel Aviv mitnimmt, geht es um Naomi, Mutter eines einjährigen Sohnes, die sich unwohl fühlt, weil sie mit dem arabischen Handwerker, der auf ihrem Balkon arbeitet alleine ist. Sie schämt sich für ihre Vorurteile, doch dann passiert ein Unglück. Ihr kleiner Sohn wirft in einem unbeobachteten Moment den Hammer des Arbeiters vom Balkon. Ein Teenager wird getroffen und verstirbt. Als man den Araber als vermeintlichen Attentäter verhaftet, klärt Naomi das Missverständnis nicht auf. Ein einziger Augenblick verändert das Leben gleich mehrerer Familien. Der Sohn des arabischen Arbeiters, der mit seinem Vater zu Mittag essen will und kurz nach der Verhaftung an dem Schauplatz ankommt, wird dort von einer wütenden Menge verprügelt und kommt nur dank der Intervention von Naomi‘s Mann gerade noch mit dem Leben davon. Bei dieser tragischen Geschichte spiegelt die Autorin natürlich auch die Urängste der Israelis, das gelebte Mißtrauen gegenüber den arabischen Israelis und den Palästinensern. Jeder Araber könnte schon den nächsten Anschlag planen. Im 2.Teil des Buches folgen wir Naomi, ihrem Sohn und ihrem Mann Juval nach Nigeria. Es ist ein beruflicher Wechsel und eine Flucht vor den Folgen des Unfalls. Juval ist als Kampfflieger für das israelische Militär in Nigeria um dort Rettungseinsätze mit den Nigerianern zu planen, eine Tätigkeit die durchaus umstritten ist, da das nigerianische Militär auch gegen die eigene Bevölkerung agiert. Wir befinden uns überraschenderweise also plötzlich in einem ganz anderen Setting und die Geschichte nimmt eine recht unerwartete Wendung. Das Ende war mir etwas zu plötzlich aber ansonsten habe ich nichts zu meckern. Es war wieder eine großartige, fesselnde Geschichte.
Mich hat Ungebetene Gäste von Anfang an gepackt. Was mit einer alltäglichen Situation beginnt eine Mutter, ihr Kind und ein Handwerker entwickelt sich zu einem intensiven Psychodrama über Schuld, Angst und moralische Zerrissenheit. Als Naomi erkennt, dass ihr kleiner Sohn unbeabsichtigt den Tod eines Teenagers verursacht hat und der Verdacht auf den arabischen Arbeiter fällt, entscheidet sie sich fürs Schweigen. Diese Entscheidung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Die Geschichte ist ruhig, aber emotional stark, und besonders beeindruckt hat mich, wie glaubwürdig die inneren Konflikte dargestellt werden. Gundar-Goshen erzählt mit klarer Sprache und viel Feingefühl, ohne zu urteilen. Ein stilles, eindringliches Buch, das mich tief bewegt und zum Nachdenken gebracht hat über Verantwortung, Wahrheit und Mitgefühl
Politisch beklemmend
Ein unangenehmes Buch und das meine ich im besten Sinne. Schon auf den ersten Seiten denkt man: „Oh nein, bitte nicht …“, und genau das macht den Reiz aus. Es ist schockierend, manchmal auch verwirrend, aber auf eine Art, die fesselt. Die Protagonisten sind in alten Mustern gefangen, was die Geschichte beklemmend echt wirken lässt. Allerdings muss ich zugeben: Es hat bei mir etwas länger gedauert, es zu beenden, da sich die Handlung zwischendurch ein wenig zog oder ich die Personen vertauschte. Trotzdem ist es insgesamt eine spannende, politisch kritische Geschichte, die nachhallt und zum Nachdenken anregt.
Tja, bis kurz vor Schluss war das ein wirklich fesselndes Buch – spannend erzählt, mit echtem Sog, wichtigen Themen und vor allem das Setting sowie die Bezüge zur israelischen Community in Nigeria fand ich äußerst interessant. Umso enttäuschender war dann das Ende: Vielleicht mag es eine logische Konsequenz sein, und nicht jede Geschichte muss bis ins Detail auserzählt werden – aber hier wirkte es auf mich einfach zu abrupt; so als hätte die Autorin mitten im Schreiben aufgehört. Ich bleibe als Leserin mit zu vielen offenen Fragen zu einzelnen Figuren und seltsam unerfüllt zurück. Schade.
„Ungebetene Gäste“ von Ayelet Gundar-Goshen Verlag: Kein & Aber Ein Buch, das bleibt – unter der Haut, im Kopf, im Herzen. Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri in ihrer Wohnung in Tel Aviv und fühlt sich unwohl. Der arabische Arbeiter, den ihr Mann Juval zur Balkonrenovierung beauftragt hat, ist freundlich, aber sie will einfach nur allein mit ihrem Kind sein. Uri hat seinen gewohnten Tagesrhythmus, und dieser fremde Mann stört und macht ihr ein bisschen Angst. Als er auch noch ihre Toilette benutzt und draußen plötzlich laute Schreie zu hören sind, kippt die Stimmung. Ein junger Mann wurde von einem herabfallenden Hammer erschlagen und Naomi begreift in einem erschütternden Moment: Es war ihr Sohn. Der Hammer fiel nicht von selbst. Uri hat ihn geworfen. Doch der Verdacht fällt auf den arabischen Arbeiter. Er wird festgenommen. Und Naomi? Schweigt. Erstarrt. Sie kann die Wahrheit nicht sagen. Aus Angst. Aus Schuld. Ihr Ehemann ist entsetzt, als er erfährt, was wirklich passiert ist. Die Ehe, das Vertrauen, das ganze Leben – alles gerät ins Wanken. Die Familie flieht nach Afrika. Doch die Schuld reist mit. Immer. Die Autorin versteht es meisterhaft, innere Konflikte sichtbar zu machen. Wie fühlt es sich an, nach so einem Einschnitt weiterzuleben? Wie geht man mit Schuld um, wenn das eigene Kind einen Menschen getötet hat? Ein Albtraum für die arabische Familie. Ein Riss in der israelischen. Ein Zusammenbruch für einen Unschuldigen. Der Roman zeigt eindrucksvoll: Schuld ist nicht nur eine Tat, Schuld ist auch ein Schweigen, ein Wegschauen, ein Nicht-Handeln. Und sie verändert. Jeden. Naomi, Juval, den arabischen Handwerker, der ohne eigenes Zutun alles verliert – Würde, Freiheit, Vertrauen. Ayelet Gundar-Goshen gelingt es meisterhaft, diese innere Zerrissenheit zu zeigen. Ihre Sprache ist klar, eindringlich, manchmal schmerzhaft schön. Die Figuren wirken authentisch, sie handeln irrational, widersprüchlich , so wie echte Menschen eben. Und genau das macht diesen Roman so kraftvoll, so bedrückend, so nah. Die Flucht nach Afrika mag räumlich Distanz bringen, innerlich bleibt der Vorfall unausweichlich. Er lebt mit, reist mit, sitzt mit am Tisch. Ungebetene Gäste ist nicht nur der Titel, es ist ein Gefühl, ein Zustand, ein moralisches Vakuum, das alle Beteiligten begleitet. Dieses Buch hallt nach. Es lässt sich nicht abschütteln, nicht weglegen. Es zwingt zum Nachdenken über Schuld, Gerechtigkeit, Angst, Verantwortung und über das, was wir tun, wenn wir glauben, keine andere Wahl zu haben. Ein starkes, tiefgründiges, sprachlich brillantes Buch. Fesselnd und verstörend zugleich. Ein literarisches Psychodrama, das unter die Haut geht und dort bleibt. Eine absolute Leseempfehlung (5 Sterne).
Komplex, spannend, verwirrend, brutal, kurzum: facettenreiches Psychogramm menschlicher Emotionen auf dem Fundament von ethnischen Rassismen
Ayelet Gundar-Goshen lebt in Tel-Aviv, studierte Psychologie und schreibt Romane wie mit scheint in der ganz speziellen Form von Familiendramen, die transgenerativ und strukturell politisch über sich selbst hinaus wachsen und weisen. „Ungebetene Gäste“ war mein erster Roman von Ayelet Gundar-Goshen in der deutschen Erstausgabe übersetzt von Ruth Achlama. Die Übersetzungsleistung ist bei Bewertung nicht außer Acht zu lassen, auch wenn ich das hebräische Original nicht kenne, wirkt die Perspektive kongruent mit charakterisieren Morphemen und poetischen Fingerspitzengefühl. Die Narration ist düster und verstrickt sich in den drei Teilen des Buches immer weiter in Abgründe von Scham und Schuld. In Teil 1 lernen wir die vermeintliche Protagonistin Naomi kennen. Sie ist mit Juval verheiratet und hat einen 14-Monate alten Sohn. Dieser begeht im Grunde Totschlag, der Kontext und die Situation sind absurd: der arabische Handwerker sitzt kackend auf dem Klo, während Naomi die Geräuschkulisse zu verdecken versucht, indem sie Kaffee kocht und Uri auf dem Balkon des Hammer des Arbeiters zu Fall bringt, wodurch der Sohn des russischen Gemüsehändlers, der zu einer Zeit an einem Ort ist, an dem er nicht sein sollte, zu Tode kommt. Das Drama nimmt seinen Lauf. In Teil 2 begleiten wir die Familie nach Nigeria, wohin sie geflohen ist. Wir lernen die Psychologin Noga kennen und erfahren erstaunlich viel über diese Figur, ihre Geschichte, ihre Bekanntschaft mit Juval; die israelische Community in Nigeria wird dadurch erstaunlich vernetzt. Eine interessante Rolle spielt in diesem Teil Ayobami, da mit ihrer Figur Rassismus, Sezissmus und Sexualität als Themen klarer hinzukommen. Teil 3 rundet die Geschichte ab. Jedenfalls irgendwie. Das Drama des Anfangs kommt mit Stas Lewajew, dem Landenbesitzer aus Tel-Aviv per One-Way-Ticket nach Nigeria und bringt die Story auf eine letzte Ebene von Verzweiflung. Auch die Beziehung(en) von Noemi, Juval, Noga, und Ayobami verstricken sich in menschlichem Sein zwischen Begehren, Sehnsucht nach emotionaler Verbundenheit, Enttäuschung und Scham. Das Ende bleibt für dass Gesamtwerk an Komplexität und deren Konstruktion (bewusst?) unerwartet. Ich hatte Probleme, in die Geschichte und die Verstrickungen hineinzuwachsen, fand manche Beziehung zwischen Figuren zu konstruiert und hätte mir statt noch eines weiteren Abgrundes durch eine andere Figur gewünscht, dass der Fokus stärker auf Noemi geblieben wäre. Das Schreiben der Rezension, ohne zu viel oder zu wenig zu beschreiben, fällt schwer und zeigt vielleicht, wie dicht die 314 Seiten geschrieben sind. Denn neben dem facettenreichen Mensch-Sein werden zahlreiche politische Themen angetippt, deren Strukturen die Figuren zu Tage fördern, ohne dass ich sie erfassen konnte. Ich habe viel gelernt und bin mit der Lektüre eingeladen worden, zu vertiefen und vielleicht sogar mahnend dazu angehalten. Deswegen hab ich mich teilweise vielleicht auch so schwer mit dem Lesen getan. Im letzten Drittel konnte ich’s dann aber nicht mehr aus der Hand legen.

Hab das Buch in einem Rutsch gelesen. Fand die Prämisse spannend, was alles passieren kann, wenn man im Leben auch nur einen kurzen Augenblick mal unaufmerksam ist. Wie man mit den eigenen Schuldgefühlen umgeht, insbesondere wenn sich einem die Gelegenheit bietet, nicht zur eigenen Schuld zu stehen. Aber irgendwie war das Buch dann anders als ich es erwartet habe. Starker Start, dann lässt es leider nach. Gern gelesen habe ich es trotzdem.
Manchmal reicht ein einziger Moment – und ein ganzes Leben gerät aus den Fugen.
„Ungebetene Gäste“ von Ayelet Gundar-Goshen ist ein Roman, der mich beim Lesen immer wieder innehalten ließ. Nicht, weil so viel passiert, sondern weil er so präzise zeigt, wie Menschen unter Druck handeln – oder eben nicht handeln. Im Mittelpunkt steht Naomi, eine junge Mutter in Israel. Als ein arabischer Handwerker in ihrer Wohnung arbeitet, passiert durch einen unachtsamen Moment ein tragischer Unfall: Ein Hammer fällt vom Balkon und trifft einen vorbeigehenden Jungen tödlich. Schnell wird der Handwerker verdächtigt – und Naomi steht vor einer Entscheidung: die Wahrheit sagen oder schweigen. Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist die psychologische Tiefe. Ayelet Gundar-Goshen ist selbst Psychologin, und das merkt man in jeder Szene. Sie beschreibt sehr genau, wie Angst, Schuld, Vorurteile und gesellschaftlicher Druck das Verhalten von Menschen beeinflussen können. Die Geschichte bleibt nicht bei diesem einen Ereignis stehen. Sie entwickelt sich weiter, stellt immer neue moralische Fragen und zwingt einen als Leser:in immer wieder, die eigene Haltung zu hinterfragen. Was hätte ich getan? Hätte ich den Mut gehabt, die Wahrheit zu sagen? Besonders spannend fand ich, wie die Autorin verschiedene Perspektiven aufzeigt und dabei Themen wie Angst, Rassismus, Schuld und Verantwortung miteinander verknüpft. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark politische Spannungen und gesellschaftliche Vorurteile das Denken und Handeln der Figuren beeinflussen. Die Figuren sind nicht unbedingt sympathisch – aber unglaublich menschlich. Mich hat der Roman sehr gefesselt, auch weil er zeigt, wie schnell eine Entscheidung – oder ein Schweigen – weitreichende Konsequenzen haben kann. Ein intensiver, psychologisch kluger Roman über Schuld, Moral und die Frage, was richtiges Handeln eigentlich bedeutet. | unbezahlte Werbung, selbst erworben |

Lesenswert!
Was passiert, wenn ein einziger Moment dein ganzes Leben aus der Bahn wirft? ⠀ "Ungebetene Gäste" von Ayelet Gundar-Goshen bietet zu dieser Frage jede Menge Stoff zum Nachdenken. Der Roman beginnt wie ein stiller Familienkrimi, entwickelt sich aber schnell zu einem intensiven moralischen Drama. ⠀ Zwischen Israel und Nigeria, zwischen Mutterliebe und Schuld, zwischen kulturellen Spannungen und persönlichen Dilemmata entfaltet sich eine Geschichte, die mich gut unterhalten. ⠀ Ein lesenswerter Roman, der nicht laut ist, aber einiges in Bewegung bringt – vor allem, wenn man sich für zwischenmenschliche Konflikte und moralische Grauzonen interessiert. ⠀
Ein traumatischer Unfall verändert das Leben mehrerer Familien auf dramatische Weise
und gibt dabei spannende Einblicke in die israelische Gesellschaft, besonders zu rassistischen Vorurteilen gegenüber Arabern. Die Perspektivwechsel erfolgen schnell, was durch die starke Sprecherin gut getragen wird und die Spannung durchgehend aufrechterhält. Die Sprache ist sehr direkt und stellenweise vulgär, wobei viele Figuren und Themen eher klischeehaft dargestellt werden. Obwohl die Handlung gut aufgebaut ist und die einzelnen Stränge wirkungsvoll miteinander verwoben sind, bleibt im letzten Teil vieles offen, die Andeutungen sind nur vage. Trotz dieser Schwäche fand ich das Thema sehr interessant und das Hörbuch insgesamt spannend umgesetzt.

Ein arabischer Handwerker arbeitet bei der israelischen Naomi und ihrem einjähriger Sohn Uri in der Wohnung, als ein schrecklicher Unfall passiert. Uri nimmt in einem unbeaufsichtigten Moment den Hammer des Handwerkers und wirft ihn vom Balkon. Unten auf der Straße wird jemand am Kopf getroffen. Ein Anschlag wird vermutet, der arabische Handwerker schnell als Terrorist betrachtet und verhaftet. Naomi durchblickt die Situation zwar, schweigt aber während der Handwerker abgeführt wird.... Das Buch hat eine sehr spannende Prämisse und ist, insbesondere zu Anfang, teilweise emotional fordernd, was die grausame Härte der Ereignisse angeht. Mit fortschreiten des Buches geht die Autorin jedoch immer mehr weg von dem Ausgangsdilemma und es werden weitere Handlungsstränge, Themen und Perspektiven verfolgt. Dabei gibt es auch Rückblenden in die Vergangenheit mancher Protagonisten. Am Ende wird zwar einiges zusammengeführt, es war mir persönlich dennoch manchmal etwas zu ausschweifend erzählt. Die Ausleuchtung der Psyche der einzelnen Protagonisten, insbesondere der Nominis und ihres Mannes, ist großartig gelungen. Die Autorin präsentiert Motivationen und Beweggründe für eindeutig unmoralisches Handeln mehrerer Figuren so nachvollziehbar, dass es beim lesen fast unangenehm wird. Nämlich dann, wenn unwillkürlich die Frage im Kopf auftaucht, was man selbst gemacht hätte, in den unterschiedlichen schwierigen Ausnahmesituationen. Ein wirklich gutes Buch, das ein noch besseres Buch hätte sein können, mit ein bis zwei "Nebenschauplätzen" weniger. Trotzdem sehr lesenswert!
Schreckliche Geschichte- fesselnd geschrieben
Eine Geschichte bei der man immer wieder innehält und sich denkt, dass kann doch nicht war sein! Und die Mutter an den Schultern packen und schütteln will. Eigentlich sind alle Hauptpersonen in diesem Buch sehr negativ dargestellt - tragische Personen- und keiner ist wirklich glücklich in seinem Leben. Dazu eine Geschichte die einen zum fassungslosen Zuschauer macht, erst in Israel und dann geht es genauso in Nigeria weiter. Schreibstil ist toll und der Roman fesselt, habe es in einem Rutsch durchgelesen. Aber er lässt mich etwas ratlos zurück.
Ein Blick in die Tiefen der Seele. Menschlichen, einfühlsam und spannend in einem
Ein Teenager wird erschlagen, als ein Hammer von einem Balkon herunterfällt. Sofort wird ein arabischer Handwerker wird des Anschlages bezichtigt und verhaftet. Naomi erkennt sofort, dass ihr kleiner Sohn Uri in einem kurzen unbeaufsichtigten Moment das Werkzeug über die Brüstung gestoßen haben muss. Sie zögert aber, um das Missverständnis aufzuklären und setzt so eine Kette von Missverständnissen in Gang. Abends taucht der nichts ahnende Sohn des Arbeiters unvermittelt in ihrer Wohnung auf, die Nachbarn sind außer sich und lynchen den Jungen fast, schnell ist von Terrorismus die Rede. Naomis Mann Juval rettet dem Jungen das Leben und sie bringen ihn zu seiner Familie, wo sie überschwänglich gastfreundlich aufgenommen werden. Und Naomi, die bringt es nicht übers Herz, die Vorfälle aufzuklären. Erst Tage später sollte Naomi ihrem Mann alles gestehen und ihre Aussage bei der Polizei machen. Die Schuldgefühle aber bleiben. Wie verhält man sich gegenüber dem Nachbarn, dessen Sohn gestorben ist? Wie geht das Leben in der kleinen Wohnung mit all den Erinnerungen weiter? Nicht einmal ein Umzug von Tel Aviv nach Lagos bringt der kleinen Familie Erleichterung. Dort hat Juval aus politischer Sicht einen etwas dubiosen Job angenommen. Naomi versucht, in der dortigen israelischen Gemeinschaft Anschluss zu finden. Naomi ist eine sehr fürsorgliche Mutter, die ihren Sohn immer noch stillt, was auch zu Spannungen mit ihrem Mann Juval führt. Als die beiden wegen der nächtlichen Albträume des Kleinen eine Psychologin aufsuchen, werden sie erneut mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Psychologisch ist „Ungebetene Gäste“ eine sehr tiefgreifende Geschichte, die aber dennoch durch das ganze Buch hindurch eine gewisse Spannung aufrecht erhält. Die Figuren sind so fein gezeichnet, dass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann. Sei es Naomis Konflikt, die erst wie gelähmt ist, und dann aus Angst vor den Folgen sich nicht mehr überwinden kann, sich ihrem Mann anzuvertrauen. Sei es die Ehe der beiden, die recht zerbrechlich wirkt, was sich in der unterschiedlichen Auffassung der Eheleute in Bezug auf die Betreuung – das Stillen – des Sohnes zeigt. Der abendliche Ausflug ins Dorf der arabischen Familie des Arbeiters, welche Naomi und Juval mit offenen Armen empfängt, ändert schließlich alles und danach ist nichts mehr wie es war. Auch die Psychologin Noga kämpft mit sich selbst, gibt es doch ein Geheimnis, das etwas mit ihrer und Juvals Vergangenheit zu tun hat. Schuld, Moral, Lähmung aus Angst, Rassismus, Sprachlosigkeit, Trauer. Das sind so Begriffe, die mir spontan einfallen. Der Roman hat mich so gefesselt und in die Tiefen der israelischen Gesellschaft mitgenommen, und wird definitiv noch eine ganze Weile nachhallen. Ein richtig gutes Psychodrama, das unheimlich beklemmend und trotzdem ein großes Lesevergnügen für mich war.
Psychologisch interessant und gesellschaftskritisch Ein tödlicher Unfall, dessen Hergang zunächst verschwiegen wird, hat gravierende Auswirkungen auf das Leben der beteiligten Familien. Eine Vielfalt an relevanten Themen widmet sich die Autorin in ungeschönter Erzählweise. Schuld, Trauma, moralisches Dilemma, Rassismus, Vorurteile und auch den Spannungen zwischen Israel und Palästina. Dieser Roman regt zum Diskutieren an, sich mit seinen eigenen Gedanken auseinanderzusetzen und eignet sich hervorragend für Buchclubs. Die subtile Spannung und die psychologische Raffinesse haben mir sehr gefallen, allerdings wurden mir zu viele Themen angerissen und ich wäre lieber intensiver in den Hauptplot eingetaucht.
Ayelet Gundar-Goshen erzählt in „Ungebetene Gäste“ von einer israelischen Familie, deren Leben durch das Auftauchen eines Fremden aus den Fugen gerät. Angst, Unsicherheit und moralische Fragen stehen im Raum: Wie viel Solidarität sind wir bereit zu zeigen, wenn es unsere eigene Sicherheit gefährdet? Der Roman verbindet gesellschaftlich hochaktuelle Themen wie Migration, Bedrohung und Vorurteile mit einer psychologisch dichten Figurenzeichnung. Gundar-Goshen schreibt mit großem Gespür für die inneren Konflikte ihrer Figuren. Das Ergebnis ist ein spannender, zugleich nachdenklich machender Roman. Der dazu animiert, über unsere eigenen Haltungen nachzudenken – und der noch lange im Kopf bleibt. Ein kluger, packender Gesellschaftsroman über Angst, Empathie und Menschlichkeit in unsicheren Zeiten, der den ich gerne empfehle!
Psychologisch gut ausgefeilte Geschichte, die davon lebt wie die Charaktere handeln, was sie denken und was sie bewegt. Nicht jeder Handlungsstrang ist mir dann bis aufs Letzte klar geworden, aber die Gesamtgeschichte hat mir gut gefallen. Es schwebte die ganze Zeit so eine ungewisse Bedrohlichkeit unter dem Text, was ich super finde. Außerdem werden tiefe moralische Fragen aufgeworfen, die sich auch um die Herkunft der Menschen dreht.
🪟 Ungebetene Gäste – Ein Augenblick, der alles verändert Manchmal beginnt ein Roman so beklemmend, dass man ihn am liebsten weglegen möchte – und doch kann man nicht aufhören zu lesen.
👦 Ein Kind spielt auf dem Balkon. 🚽 Ein arabischer Arbeiter geht zurToilette. 🔨 Ein Hammer fällt. 😱 Ein unachtsamer Moment – und schon setzt sich ein Räderwerk aus Verzweiflung, Trauer, Angst, Vorurteilen und Schuld in Bewegung. Ich fand den Anfang ziemlich gruselig, nicht wegen Monster oder Thriller-Effekten, sondern weil er so erschreckend real wirkt. Man spürt die Hilflosigkeit und den plötzlichen Bruch im Alltag, und als Leserin sitzt man fast selbst mit klopfendem Herzen daneben. 💭 Besonders berührt hat mich Naomi, die Mutter. Ihre Scham, ihre Angst und ihr Schweigen sind so menschlich, dass es weh tut. 🌀 Das Buch erzählt keine klassische Kriminalgeschichte. Es gibt kein Happy End, keine Auflösung. Das Geheimnis, das sich um den Unfall und die Folgen spinnt, bleibt bestehen – und genau das lässt die Geschichte lange nachhallen. Man bleibt zurück mit vielen großen Fragen. ☕ Die Szene mit der brummenden Kaffeemaschine und dem peinlichen Schweigen hat sich mir besonders eingeprägt. 💔 Ungebetene Gäste ist kein Wohlfühlbuch– weil es zeigt, wie brüchig Moral und Menschlichkeit sein können und wie schwer es ist, Schuld zu tragen und zu vergeben. 📚 Ein stilles, aber packendes Psychodrama, das keine einfachen Antworten bietet. Es hat mich traurig gemach – und gleichzeitig nachdenklich für Literatur, die nicht wegsieht. Was das Cover mit dem Buch zu tun hat frage ich mich immer noch. Passt nicht.
In Ungebetene Gäste verbindet Ayelet Gundar-Goshen wie gewohnt eine feinfühlige Sprache mit komplexen gesellschaftlichen Themen. Der Roman führt die Leser:innen nach Nigeria und Israel und zeigt zugleich die Spannungen innerhalb der israelischen Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf Rassismus und kulturelle Zugehörigkeit. Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet, die Handlung bleibt über weite Strecken fesselnd. Lediglich das offene Ende hinterlässt Fragen und ein gewisses Gefühl der Unvollständigkeit. Dennoch überzeugt das Buch als kluge, vielschichtige Erzählung über Identität, Verantwortung und kulturelle Begegnungen.
Ein hochaktueller Roman
Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri allein. Sie sind Juden. Ein arabischer Handwerker bringt den Balkon in Ordnung. Als dieser auf die Toilette geht und Naomi einen Kaffee zubereitet, fällt ein Hammer vom Balkon, wahrscheinlich hat ihn Uri versehentlich runter geschmissen und erschlägt einen Jungen auf der Straße, der sofort tot ist. Die kurz darauf eintreffende Polizei geht selbstverständlich davon aus, dass es der Araber war und nimmt ihn fest. Naomi ist wie gelähmt, schafft es nicht die Wahrheit zu sagen. Und schon ist man mitten drin, in einem Psychodrama über Schuld, Rache, Rassenvorurteile und Selbstjustiz. Ayelet Gundar-Goshen versteht es, die inneren Konflikten zu beschreiben, denen von nun an die Familie ausgesetzt ist. Wie lebt es sich nach solch einem fundamentalen Einschnitt? Wie geht man mit der Schuld um? Ich bin durch die Seiten geflogen, sprachlich ist der Roman brillant. Das Setting in Tel Aviv und später in Nigeria sehr interessant und informativ. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und spreche eine große Leseempfehlung aus, da er spannend, interessant und informativ ist.
Puh, harte Kost! Aber wirklich richtig, richtig gut. Ober das Ende kann man streiten.
Besonders die eindringliche Anfangsszene – die auch im Klappentext angedeutet wird – erzeugte bei mir sofort eine intensive Spannung und zog mich direkt in die Geschichte hinein. Ayelet Gundar-Goshen beweist hier ihr Talent, psychologische Konflikte präzise und fesselnd zu inszenieren. Im Verlauf des Romans entfaltet sich eine vielschichtige Erzählung, die weit über eine bloße Familiengeschichte hinausgeht. Themen wie Rassismus, gesellschaftliche Vorurteile und der Umgang mit Traumata werden sensibel und zugleich schonungslos beleuchtet. Besonders beeindruckend fand ich, wie subtil die Dynamiken innerhalb einer Familie darstellt wurde – die unausgesprochenen Spannungen, die inneren Konflikte und die psychologischen Mechanismen, die das Handeln der Figuren bestimmen. Die Figuren wirken authentisch, oft ambivalent, und genau das machte sie für mich so glaubwürdig. Es gibt keine einfachen Antworten oder klaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen – stattdessen wurde ich immer wieder dazu angeregt, eigene moralische Urteile zu hinterfragen. Trotz der ernsten und teils schweren Themen empfand ich das Buch erstaunlich flüssig geschrieben. Die Sprache ist klar, eindringlich und gleichzeitig elegant. Es ist definitiv keine leichte Lektüre, aber eine, die bei mir ordentlich nachhallt und zum Nachdenken anregt. Der Grund, warum ich dem Buch 4 von 5 Sternen gegeben habe, liegt nur am Ende. Auch wenn es stimmig und konsequent wirkt, hatte ich persönlich das Gefühl, dass noch „etwas fehlt“ – vielleicht eine stärkere emotionale Auflösung oder ein letzter gedanklicher Impuls, der die Geschichte für mich vollkommen rund gemacht hätte. Dennoch bleibt „Ungebetene Gäste“ ein absolut lesenswertes Buch für mich! 👉🏻Tiefgründig, klug und emotional fordernd. 👈🏻 Wer sich für psychologisch dichte Geschichten interessiert, die gesellschaftliche Themen nicht scheuen, wird hier definitiv fündig. Fazit: Ein intensiver, kluger Roman mit großer thematischer Tiefe – sehr empfehlenswert. 👍🏻💫
Schuld, Verlust und Nähe: ein vielschichtiger Roman
Ein Buch, das mich sofort gepackt hat. Der Schreibstil ist sehr zugänglich und gleichzeitig emotional so intensiv, dass ich die Geschichte kaum aus der Hand legen konnte. Naomi als Hauptfigur ist wahnsinnig komplex. Ihre Distanziertheit hat mich oft irritiert, aber gerade das macht sie so interessant. Besonders stark fand ich die Szenen in Afrika, die für mich eine ganz eigene Tiefe hatten. Das Buch hat ein kluges Tempo und steigert sich emotional bis zum Schluss. Das Ende ist schlüssig und dramatisch, aber auch traurig, weil die Perspektive des Mannes, der seinen Sohn verliert, nur am Rand auftaucht. Ich hätte mir gewünscht, dass sein Schmerz mehr Raum bekommt. Trotzdem bleibt das Buch lange im Kopf und wirft wichtige Fragen auf über Schuld, Beziehung und das, was oft nicht erzählt wird.
Leider hab ich immer wieder die gleichen Probleme mit der Autorin: Vielversprechender Klappentext, aber der Inhalt weicht stark davon ab und am Ende gibt es keine Auflösung.
Ich fand das Buch leider nur mittelmäßig: Es gibt kaum sympathische Figuren. Den Vater der Familie find ich absolut zum Kotzen! So ein Arschloch!! Die Mutter ist bisschen übervorsichtig. Ab 60% zieht es sich mMn. Danach geht es hauptsächlich um die (geheimen) militärischen Operationen Israels in Afrika. Und den Erzählstrang eines mathematisch begabten Nachbarjungen fand ich komplett überflüssig. Am Ende hat mir eine Auflösung gefehlt: Was ist jetzt mit der Familie des Mannes?? Ähnlich ging es mir auch mit dem letzten Buch der Autorin „Wo der Wolf lauert“. Ich weiß wohl sehr wenig über Israel. Ich hatte mir Israel immer sehr fortschrittlich vorgestellt. Aber: In der Heimatstadt der Familie gibt es wohl Armenviertel, in denen wilde Hunde die Leute angreifen - WTF?! Es ist wohl normal, dass die Frau total paranoide Gedanken über den arabischen Arbeiter in ihrer Wohnung hat, obwohl er total freundlich ist und lieb zu ihrem kleinen Sohn ist und von seiner Tochter erzählt. Es ist anscheinend auch normal, dass jüdische Nachbarn einen arabischen Jugendlichen auf der Straße zusammenschlagen und niemand sie anzeigt!! Bei Verhören der Polizei werden die Verdächtigen so geschlagen, dass sie bleibende Schäden davontragen!? Was für eine kaputte Gesellschaft! 🤯 Ich kapier auch nicht, was die Familie in Nigeria überhaupt macht?! Warum kann man da haufenweise Geld verdienen und private Fahrer anstellen?
Schweigen, Verantwortung, Vorurteil
Der Titel des Romans ,Ungebetene Gäste‘ trifft den Kern des Romans. Vor dem Hintergrund eines tragischen Unfalls entspannt die Autorin ein sozio-politisches Geflecht aus Figuren, die auf verschiedenen Ebenen aufeinandertreffen - jede einmal selbst in der Rolle als ungebetener Gast. Der erste Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, die Sprache ist direkt und unbeschönigt. Das große Unbehagen, in das Naomi durch die bloße Anwesenheit des arabischen Arbeiters versetzt wird, ist so eindringlich beschrieben, dass sich beim Lesen direkt eine Atmosphäre der Beklemmung ausbreitet, die sich im weiteren Verlauf in jeder Beziehung durchzieht. Die Handlung lebt vielmehr von den Dingen die nicht gesagt werden als von denen, die gesagt werden- das macht den Roman aus. Trotzdem habe ich die Leerstellen als zu groß empfunden. Im zweiten und dritten Teil werden viele neue Ebenen betreten, aber nur kurz ausgeführt oder angeschnitten. Dabei hätte jede es verdient, sich dafür etwas mehr Zeit zu nehmen (z.B. Beziehung zwischen Ayobami und Naomi, Juvals Job beim Militär in Nigeria und Angola, Kindheitstraumata der Psychologin Noga). Durch die Vielschichtigkeit geht der Fokus verloren. Die häufigen Abzweigungen in einen neuen Handlungsstrang haben mich irritiert und meine anfängliche Begeisterung ist leider schnell abgeflacht. Zudem bin ich an einigen Stellen über die etwas befremdliche Übersetzung gestolpert. So wird eine Frau abwertend als ‚kritische Hündin‘ (S.231) oder ,zahnlose Hündin‘ (S.264) bezeichnet; als eine Frau mit einem Mann schläft wollte sie, dass er ,reinschlüpfte‘ (S.255). Ich würde das Buch nur eingeschränkt weiterempfehlen.

Wenn das Schweigen zur Falle wird
Was würdest DU tun, wenn jemand wegen (d)eines Fehlers stirbt? 😰 Und was, wenn jemand anderes dafür büßen muss? In „Ungebetene Gäste“ reicht ein einziger Moment der Unachtsamkeit aus, um alles zu zerstören. Man hat die Chance, sofort die Wahrheit zu sagen – oder zu schweigen. Aber je länger man wartet, desto unmöglicher scheint es, über den eigenen Schatten zu springen... Spannender Background zur Autorin: Hinter dieser Geschichte steckt die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen. Dass sie im Hauptberuf klinische Psychologin ist, spürt man in jeder Zeile! Sie seziert das menschliche Verhalten in Extremsituationen wie kaum eine andere. Mein Fazit: Das Buch hat mich schon nach den ersten drei Kapiteln total gefesselt! 📖 Die geballte Ladung an Emotionen – Schuld, Scham, Sühne und Resignation – wird hier meisterhaft eingefangen. Besonders bedrückend: Auch der Versuch eines Neustarts will nicht gelingen, denn überall warten neue Tücken und Fallstricke. Zugegeben: Zum Ende hin wurde es für mich ein wenig zäher, aber insgesamt war es ein extrem spannendes und psychologisch tiefgründiges Werk. Absolute Empfehlung für alle, die gerne hinter die Fassade blicken!

Berührend, regt zum Nachdenken an!
Fein gezeichneten, ambivalenten Figuren, die mit ihren Ängsten, Schatten aus der Vergangenheit und mitunter verschiedenen Traumen kämpfen. Eine Geschichte, die mehrere Schicksale verbindet und sehr eingehend zeigt wie Vorurteile und Angst vor anderen Kulturen und /oder Religion in sinnloser Gewalt und Tragödien ausarten kann. Sehr gute Szenen, ich konnte nicht aufhören zu lesen! Unbedingt lesen!
Sogwirkung
Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Die behandelten Themen sind allesamt schwer verdaulich und bleiben lange im Kopf. Besonders spannend fand ich, wie geschickt die Autorin den Umstand immer wieder aufgreift, dass Menschen dazu neigen, die Unwissenheit der Wahrheit vorzuziehen, um ihr eigenes „heiles“ Weltbild und Leben nicht zu gefährden. Die guten alten Scheuklappen. Regt zum Nachdenken an. Wenn die Wahrheit dein eigenes Leben zerstören kann, bist du bereit sie zu erzählen?
👍👍👍
Eine verrückte Idee dient der grossartigen Ayelet Gundar-Goshen als Ausgangslage für eine Geschichte über die Befindlichkeiten und Dynamiken im Post-7.-Oktober-Israel: Naomi ist nicht erfreut, dass der Balkon ihrer Familienwohnung in Tel Aviv von einem arabischen Handwerker renoviert wird, als sie alleine mit ihrem kleinen Sohn zu Hause ist. Sie hat Angst und wird nervös - und Nervosität breitet sich dann auch unter dem Balkon auf der Strasse aus, wo ein junger Mensch von einem herunterfallenden Hammer erschlagen worden ist. Wer liess den Hammer fallen? Der Handwerker oder der Sohn von Naomi? Und wieso soll Naomi die Schuld nicht unabhängig davon dem Araber zuschieben? Die Dimension des Israel-Konflikts wird spürbar - aber für meinen Geschmack leider nicht ganz so meisterhaft wie bei Jaffa Road (👍👍👍👍👍) von Daniel Speck. Dennoch: Ungebetene Gäste ist sehr lesenswert!
Strudel der Absurdität
„Hinterher entschuldigte sie sich, aber das macht es nur noch schlimmer. Wenn jemand um Verzeihung bittet, nimmt er dir das einzig Verbliebene - die Erlaubnis, wütend auf sein Verhalten zu sein.“ (S. 155f.) Ich hab mich sehr auf den neuen Roman von Ayelet Gundar-Goshen gefreut und sie hat mich wieder in den Strudel ihrer Erzählung gezogen. Wie gewohnt schreibt sie informativ, stilistisch überzeugend und spannend. Dabei schafft sie es, ihre Finger noch tiefer in jede Wunde zu legen, immer noch etwas bissiger zu sein und zu zeigen, wie vermeintliche Kleinigkeiten innerhalb gesamtgesellschaftlicher Vorurteile rasend schnell zu Dynamit werden. Absolute Empfehlung!
Psychodrama von einer, die es versteht, den Finger in die Wunde zu legen
Ayelet Gundar-Goshen versteht wirklich, wie man den Finger in die Wunde legt. Das erste Viertel ihres neuen Romans kommt mit einer so schmerzlichen Brutalität, dass es schwerfällt, an der Geschichte dran zu bleiben statt sie erleichtert beiseite zu legen. Später lässt Gundar-Goshen ihre Leserschaft ein wenig aufatmen, doch was keine Pause macht, ist die immerwährende Frage nach Schuld und Verantwortung. Was hätte man selbst getan? Ich war ständig drauf und dran die Figuren zu rügen, oder genervt von ihren schlechten Entscheidungen zu sein. Keine von ihnen konnte ich richtig mögen und so war Lesen tatsächlich mal kein Wellness (gibt nämlich beide Arten von Lektüre, Denis!). Für diesen Titel empfehle ich von ganzem Herzen einen BuddyRead oder eine Lesegruppe, denn man möchte tatsächlich nach jeder Szene mit jemandem darüber sprechen. Auch das Ende entlässt uns nicht in eine gesättigte Ruhe - ich schreibe diese Rezension in einem Zustand, der sich ungefähr so beschreiben lassen würde: 🤷🏻♀️🤯😭🙎🏻🤦🏻♀️. Wer Lust auf ein perfekt ausgearbeitetes Psychodrama hat, der rennt jetzt in die Buchhandlung ihres oder seines Vertrauens und macht sich auf eine große Portion emotional damage gefasst. Ungebetene Gäste tut weh, aber es stellt die richtigen Fragen. Oder: Es stellt die richtigen Fragen, also tut es weh.
Bedrückendes Eintauchen in eine fremde Welt/Kultur
Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen ist ein bedrückendes Buch, das Einblick in eine Welt bietet, die man sich bei uns nicht vorstellen kann. Wer würde hierzulande einen Gedanken daran verschwenden, ob man den Feind/einen Terroristen vor sich hat, wenn ein Handwerker im Haus ist. Das an sich ist schon eine verstörende Erfahrung - es wird aber noch schlimmer. Das Verhalten der Protagonisten Naomi und Juval wird - nach dem Hammer-Vorfall - immer unerträglicher; man windet sich geradezu beim Lesen ob soviel Naivität, Verschlossenheit, Leichtsinnigkeit und Empathielosigkeit. Ich fragte mich die ganze Zeit, welche Grundlage das Protagonisten-Paar überhaupt für seine Beziehung hat - und dabei hat der Hammer-Vorfall nicht einmal grundlegend was damit zu tun. Sätze wie, „Für jemanden, der schon länger hier (Anm.: Nigeria) lebte, war klar: auf manchen Straßen wird dir nichts passieren, und manch andere solltest du lieber nicht begehen. Auch in der Paarbeziehung gibt es solche Gebiete. Vielleicht sind sie nicht immer so gut gekennzeichnet, aber bei Juval und ihr bestand kein Zweifel an dem Namen der Straße, die es zu meiden galt.“, machten mich fast sprachlos. Aus meiner Sicht leidet das Buch ein wenig an den Zeitsprüngen, die immer wieder neue Geschichten aufbringen und Seitenstränge eröffnen, bei denen man nicht immer erkennen kann, was die Autorin damit zum Ausdruck bringen will. Alles in allem durchaus lesenswert, wenn auch anders, als erwartet - die kulturelle „Ferne“ ist eindrücklich, macht es aber auch schwer, sich in die Charaktere einzufühlen.

Characteristics
6 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.
Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.
Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
Book Information
Author Description
Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, studierte Psychologie in Tel Aviv, später Film und Drehbuch in Jerusalem. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihrem ersten Roman Eine Nacht, Markowitz (2013) wurde der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt Israels verliehen. Für ihre Bestseller Löwen wecken (2015), Lügnerin (2017) sowie Wo der Wolf lauert (2021) sind Filmadaptionen in Planung. Zuletzt erschien bei Kein & Aber Ungebetene Gäste (2025). Ayelet Gundar-Goshen lebt in Tel Aviv.
Posts
Das hat man auch selten: eine Protagonistin, die Jüdin Naomi, die so unsympathisch ist und die man gleichzeitig so gern haben kann, die gefangen ist in ihrer Prägung voller Ängste, so dass diese ein anderes Denken und Handeln blockieren. Woher kommt die Angst, die sie blockiert und in eine Art Starre fallen lässt und die sie hindert die Wahrheit zu sagen? Dann der sympathische, höfliche, arabische Arbeiter, der gleich ohne Nachfrage als Terrorist abgestempelt und für schuldig befunden wird. Wieso? Gern hätte ich noch mehr über ihn erfahren. Dann gibt es auch Juval, Naomis Eheman, der eigene Schuld auf andere projiziert und dadurch ungerecht agiert. Der es zulässt, dass das Ereignis sein Verhältnis und seine Zuneigung zu Naomi und Uri verändert und zerstört. Und so handeln beide richtig, ohne von der Richtigkeit überzeugt zu sein. Sie handeln, weil der andere es erwartet, nicht aus Überzeugung. Den ersten Teil des Romans fand ich außergewönlich stark. In den zweiten Teil hineinzufinden fiel mir etwas schwerer, da mit dem Umzug nach Nigeria noch zusätzliche Themen aufgemacht wurden, die für mich den Fokus zu sehr von dem ursprünglichen Geschehen weglenkten. Hier wäre weniger mehr gewesen. Ein psychologisch, politisches Drama, gesellschaftspolitisch und individuell tiefgehend. Mitleidlos und vorverurteilend begegnen sich Menschen. Gelebter Rassismus weltweit. Das macht betroffen und traurig. Wir erfahren aber auch was es heißt unter einer ständige Bedrohung leben zu müssen, der man als Mensch vom Beginn des Lebens an (schuldlos) ausgesetzt wird. Eine Geschichte, die in der Zerrissenheit der Protagonisten und ihrer Weltanschauung, die ihr Handeln bestimmt, die so viele Denkanstöße bietet und im Gedächtnis hängen bleibt.
Nachdenklicher Roman mit Sogwirkung
Das war mein erstes Buch der Autorin und sicher nicht mein letztes. Der Roman entfaltet sofort eine Sogwirkung, die es schwer fallen lässt, das Buch beiseite zu legen. Gundar-Goshen versteht es ausgezeichnet, in die Psyche ihrer Figuren einzudringen und diese entsprechend handeln zu lassen. Spannend war für mich die Zeit in Afrika, da mir bisher nicht bewusst war, wie stark sich Israel dort einmischt. Mit dieser politischen Komponente hatte ich nicht gerechnet. Dennoch war es am Ende doch ein bisschen viel Angerissenes. (Der Aufenthalt in Angola zwar Aufen öffnend, aber zu beiläufig. Der Shitstorm auf Facebook versandet plötzlich. Die Familie mit dem schwierigen Kind nur Mittel zum Zweck.) Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen und ich kann es unbedingt weiterempfehlen. Gundar-Goshen ist eine hervorragende Erzählerin mit einem präzisen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Mich haben die Figuren allesamt berührt, auch wenn due wenigstens dabei sympathisch waren.
Ich hab „Lügnerin“ von Ayelet Gundar-Goshen gelesen und mochte es sehr. Die Autorin gestaltet Figuren derart lebendig, dass ich sie förmlich spüren kann. Sie schreibt ihre Geschichten so fesselnd, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen kann. Und sie schaffte es, mir menschliche „Makel“ von so vielen Seiten aufzuzeigen, dass ich mich manchmal selbst ertappt fühle und ich auch die andere Sichtweise präsentiert bekomme. Die Geschichte beginnt in Israel. Ein arabischer Handwerker erledigt Arbeiten in Naomis Wohnung und durch einen unachtsamen Moment schmeißt Uri, Naomis einjähriger Sohn, dessen Hammer vom Balkon. Unten auf der Straße wird der Sohn des Händlers vom Lebensmittelladen getroffen und stirbt. Es wird sofort als terroristischer Akt des Handwerkers gedeutet und er wird festgenommen. Naomi und ihr Mann Juval verschweigen eine Weile die Wahrheit. Ich muss sagen, ich hatte eine andere Geschichte erwartet. Denn nach diesem ersten Teil, der in Israel anfängt, flieht das Ehepaar nach Nigeria und landet bei der israelischen Therapeutin Noga. Der Weg der Hauptfiguren verändert sich und ich bekomme neue ethische Fragen aufgezeigt. Neue Charaktere kommen dazu und machen die Geschichte lebendiger. Nicht alle werden zu Ende erzählt, aber sie erzeugen neue Perspektiven und werfen neue moralische Fragen auf. Mich hat die Geschichte von Beginn an gefesselt. Ich durfte von der ersten Seite an all die Ängste von Naomi mitverfolgen. Einerseits habe ich nicht nachvollziehen können, warum sie diesem netten Handwerker so skeptisch gegenübersteht, und andererseits habe ich gespürt, wie tief die Ängste in der israelischen Bevölkerung verwurzelt sind. Kaum in Nigeria gelandet, entdeckte ich andere Vorurteile und Ängste und konnte beobachten, wie sie das Denken der betreffenden Personen beeinflussen. Für mich ein packendes Psychodrama, bei dem ich auch geschichtlich Neues gelernt habe. S. 51 „Er sah Menschen erneut den kaputten Stuhl hochreißen, um ihn dem Jungen auf den Kopf zu hauen. Der Araber ballte die Fäuste und zog sie nahe ans Gesicht. So lag er da, mitten auf dem Gehsteig: mit geballten Fäusten und geschlossenen Augen, wie die Pose, die Juval seinen Soldaten beigebracht hatte, um sich gegen Handgranaten zu schützen.“ S.52 „ Noch immer entschuldigte sich keiner. Trotz allem glaubten sie nicht, sich geirrt zu haben. Und vielleicht konnten sie es sich auch nicht erlauben, einen Irrtum einzugestehen.“ S.185 „Als sie sich zum Rausgehen umwandte, sah sie, dass die Wohnungstür offen stand und der Schlüssel im Schlüsselloch steckte. Idiotin, beschimpfte sie sich, so was kann man in Israel machen, nicht hier. Trotz der Zäune ums Viertel, der Wachmänner in der Vorhalle und auf dem Parkplatz, und trotz der Überwachungskameras, die alle Gebäude der Gegend und das Gelände dazwischen abdeckten, fühlte sie sich nicht völlig sicher.“ S.218 „ „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand außerhalb Israels vom Uganda-Plan gehört haben könnte“, sagte Naomi überrascht und bereute ihre Worte sofort - dass sie ihre Gastgeberin bloß nicht mit diesen Vorurteilen kränkte.“
Ungebetene Gäste ist das erste Buch, das ich von Ayelet Gundar-Goshen gelesen habe, aber ganz sicher nicht das letzte. Das Buch hat einen unheimlichen Sog entfaltet, ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Naomi und Juval leben in Tel Aviv, sie sind Eltern des anderthalbjährigen Uri. Seit Uris Geburt ist Naomi nicht berufstätig. Die Tage allein mit dem Kind zuhause kommen ihr lang vor, sie langweilt sich. Eines Tages wird der Balkon in ihrer Wohnung renoviert. Naomi fühlt sich unwohl allein mit einem arabischen Arbeiter. Während dieser auf Toilette ist, schlüpft Uri auf den Balkon und versetzt dem Hammer einen leichten Stoß. Der Hammer fällt vom Balkon und erschlägt einen Teenager. Nur kurze Zeit später stürmen Polizisten in die Wohnung und nehmen den Arbeiter fest. Naomi verfällt in Panik, und überlegt fieberhaft, ob sie den Arbeiter entlasten sollte. Dann kommt ihr Mann nach Hause und während die beiden miteinander schlafen, steht auf einmal Said in der Tür, der Sohn des festgenommenen Arbeiters. Er wollte seinen Vater abholen. Auf dem Weg von Naomis Wohnung nach Hause wird der arabische Junge von den jüdischen Bewohnern des Viertels angegriffen und verprügelt. Juval rettet ihn vor der erzürnten Meute. Er bietet ihm an, ihn nach Hause zu fahren. Naomi fährt mit Uri mit. Im Dunkeln erreichen sie das ärmliche arabische Dorf und werden von Saids Mutter und seinen Geschwistern herzlich empfangen und bewirtet. Doch vor der Rückkehr nach Tel Aviv kommt es zu einem verstörenden Zwischenfall. Ein Jahr später lebt die Familie in Nigeria, wo Juval einer lukrativen Beschäftigung für die nigerianische Luftwaffe nachgeht. Uri leidet jede Nacht an Albträumen und die Familie wendet sich an die israelische Psychologin Noga. Der Unfall mit Todesfolge hat nicht nur das Leben von Naomi und Juval verändert, sondern noch viel mehr das des trauernden Vaters und das von Saids Familie. Der Ausgang des Gerichtsprozesses, in dem es um die Schuldfrage ging, hat mich leider nicht überrascht. Am interessantesten von den vielen vorgestellten Charakteren fand ich die Figur der Psychologin. Sie gerät in große Schwierigkeiten, nachdem sie die Behandlung eines Jungen abgelehnt hatte, dessen Verhalten sie getriggert hatte. Die Autorin beschreibt psychologisch sehr feinfühlig die Beziehung zwischen Naomi und Juval und Noga und Juval. Dieses Buch, das ich als Tragödie bezeichnen würde, bietet viel Diskussionsstoff und eignet sich perfekt für einen Lesekreis. Das spannende Psychodrama hat mich berührt und gefesselt. Ein unvergessliches Leseerlebnis, das ich allen ans Herz legen möchte.
Der Roman ist wirklich spannend geschrieben. Allein die Anfangsszene (siehe auch Klappentext) finde ich genial. Im weiteren Verlauf werden Themen wie Rassismus und Umgang mit Traumata innerhalb einer Familie elegant beleuchtet. Keine leichte Kost, aber sehr tiefgründig. Man merkt, dass sich die Autorin mit den psychischen Automatismen von Traumata auskennt. Aber auch gesellschaftliche Fragen stellt. Kann ich auf jeden Fall empfehlen 👍
Ein Jugendlicher stirbt, wird von einem Hammer erschlagen. Für alle Außenstehenden ist sofort klar, es muss der arabische Handwerker gewesen sein. An das Kleinkind, das seiner überforderten Mutter entwischt ist, denkt niemand. Der Handwerker wird festgenommen, die Mutter sagt nichts. Schuldgefühle plagen sie, was soll sie tun? Sich selbst anzeigen, dass sie nicht richtig auf ihr Kind aufgepasst hat? Sie möchte den vermeintlichen Verdächtigen entlasten aber die Folgen für ihn kann sie kaum noch ändern. Sie flüchtet mit ihrem Mann und ihrem Sohn in ein anderes Land, doch die Schuldgefühle und zunehmenden Ängste begleiten sie. Auch ihr Sohn hat einen Schaden davongetragen und ihre Ehe wird auch nicht einfacher. Ein intensiver Roman über Schuld, Misstrauen und Vorurteile. Die Sprache ist derb und klar. Hier wird nichts schöngeredet. Die Familie droht zu zerbrechen an diesem Vorfall, es wird verdrängt und geschwiegen. Jeder versucht für sich einen Weg zu finden. Die erste Hälfte des Romans hat mir richtig gut gefallen, doch zunehmend kamen mehr Charaktere ins Spiel. Alle wurden intensiv beleuchtet hatten ihre eigene traurige Geschichte. Für mich ist dann die eigentliche Geschichte etwas in den Hintergrund gerückt. Die psychologischen Themen waren sehr spannend für mich, hätten gern noch mehr Raum einnehmen dürfen. Insgesamt ein Buch, dass dahin zeigt wo es weh tut.
Ein paar Sekunden nur ist Naomi unaufmerksam und ihr 1 1/2- jähriger Sohn krabbelt auf den Balkon und schubst den Hammer, den der arabische Handwerker dort abgelegt hat, bevor er auf Toilette ging, nach unten und verursacht den Tod eines 17- jährigen. Starr vor Entsetzen schweigt sie, als der Handwerker verhaftet und sein Sohn fast gelyncht wird. Der Unfall ereignet sich inmitten des Wahlkampfs in Israel und trifft auf eine aufgeheizte Stimmung, wird direkt von rechten Kräften instrumentalisiert. Ayelet Gundar-Goshen schreibt über menschliche Abgründe und Konflikte mit psychologisch genauem Blick. Ich habe das Buch verschlungen und es wird mich noch eine Weile beschäftigen.
Ein psychologisches Meisterwerk, voller Abgründe mit bemerkenswerter Tiefe. 🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤🖤
In Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen entfaltet sich ein Psychodrama. War ich bei ihrem ersten Buch noch zwiegespalten, hat mich "Ungebetene Gäste" absolut gefesselt. Im Zentrum steht Naomi, die mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Tel Aviv lebt. Ein tragischer Unfall, ein vom Balkon fallender Hammer, der einen Teenager tödlich trifft, setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die nicht nur Naomis Familie, sondern auch mich moralisch erschüttert hat. Anstatt die Wahrheit auszusprechen, lässt sie zu, dass ein arabischer Handwerker verdächtigt wird, und verschließt sich in Schweigen. Diese Entscheidung macht den Roman zu einer intensiven Studie über Schuld, Angst und Verantwortung. I LOVE IT. Die psychologische Tiefe der Protagonisten ist bemerkenswert, vor allem von Naomi. Sie schwankt zwischen der Rolle einer beschützenden Mutter, ihren eigenen Ängsten und dem moralischen Druck, die Wahrheit zu offenbaren. Sie ist weder klar sympathisch noch eindeutig unsympathisch, sondern voller Widersprüche, die sie menschlich wirken lassen. Ihre innere Zerrissenheit zeigt, wie lähmend Schuldgefühle und die Angst vor Konsequenzen sein können. Das Buch wirft fundamentale moralische Fragen auf: ❓Wer trägt Verantwortung, wenn eine Verkettung von Umständen ein Menschenleben kostet❓ ❓Ist Schweigen ein Akt des Selbstschutzes oder ein Verrat an der Wahrheit❓ Gundar-Goshen macht deutlich, dass es keine einfachen Antworten gibt, sondern dass jede Entscheidung schwerwiegende Konsequenzen hat, für Naomi, ihre Familie und die Menschen, die unschuldig in die Ereignisse hineingezogen werden. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Auseinandersetzung mit Rassismus. Der arabische Handwerker wird nicht aufgrund von Beweisen, sondern aufgrund seiner Herkunft zum Hauptverdächtigen. Naomi selbst spürt in Momenten Misstrauen und Vorurteile, die ihr unangenehm bewusst werden und sie beschämen. Damit zeigt der Roman, wie tief rassistische Denkmuster in gesellschaftlichen Strukturen verankert sind, wie schnell eine Gemeinschaft in Vorurteilen denkt und wie gefährlich die Dynamik von Stereotypen und Angst sein kann. Diese Dimension verleiht der Geschichte eine gesellschaftspolitische Tiefe, die weit über die familiäre Tragödie hinausgeht. Auf die teils vulgäre und brutale Sprache der Autorin muss man sich ein wenig einlassen. Fazit: Ungebetene Gäste ist damit ein Roman, der fordert, bewegt und verstört. Er zwingt dazu, über eigene moralische Grenzen nachzudenken, über die Macht von Vorurteilen und Schweige . Wer sich auf diese Mischung aus psychologischer Tiefe, moralischem Dilemma und gesellschaftlicher Kritik einlässt, findet hier ein Werk, das lange nachhallt.

"Vielleicht haben die Menschen deswegen lieber echte Blumen als welche aus Plastik. Plastik ist unverwüstlich und muss daher nicht geschützt werden. Was zunächst als Vorteil erscheint, ist nichts als ein großer Nachteil: Was nicht schutzbedürftig ist, regt und nicht zur Liebe an." Das ist eine meisterhaft und berührend erzählte Geschichte. Die einzelnen Charaktere sind so glaubwürdig skizziert, dass man ihre Handlungen jederzeit verstehen oder zumindest nachvollziehen kann. Mein erster Roman von Ayelet Gundar-Goshen, aber bestimmt nicht mein letzter!
„Irgendwie hatte sie immer schon gewusst, ohne jemals richtig darüber nachzudenken, dass Juval Katzir eine hübsche Familie haben würde. Doch als sie sie nun in ein großes, teures Auto steigen sah, spürte sie erneut, dass dieser Familie etwas zugestoßen war. Als sei mit Juval, seiner Frau und dem Kind eben etwas weiteres in den Wagen gestiegen, eine namenlose Wesenheit, wie eine Krankheit.“
Naomi lebt mit ihrem einjährigen Sohn Uri in Tel Aviv. Ein Handwerker arbeitet auf ihrem Balkon – und in einem winzigen Moment der Unachtsamkeit passiert das Unvorstellbare: Während der Handwerker kurz auf der Toilette ist, lässt Uri einen Hammer vom Balkon. Unten auf der Straße trifft er einen Jugendlichen, der an den Folgen stirbt. Noch bevor die Hintergründe klar sind, gerät der freundliche arabische Handwerker ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit und wird vorschnell als Terrorist verurteilt. Naomi weiß, was wirklich geschehen ist, doch sie schweigt – und trägt diese Last mit sich, selbst als sie mit Uri und ihrem Mann nach Namibia zieht. Ayelet Gundar-Goshen erzählt diese Geschichte in einer dichten, präzisen Sprache und einer Spannung, die sofort fesselt. Naomi und ihre Familie sind so lebendig gezeichnet, dass ich sie direkt in mein Herz geschlossen habe. Der dritte Teil des Romans, der in Namibia spielt, schlägt thematisch neue Wege ein und verliert dabei stellenweise etwas den Fokus – doch am Ende führt die Autorin alle Handlungsstränge überzeugend wieder zusammen. Ein fesselnder Roman, der noch lange nachhallt. Nicht mein letztes Buch dieser Autorin! 📚✨

»Denn der schwerste Teil war nicht, das zu erzählen, was geschehen war, sondern das, was beinah nicht geschehen wäre.«
Der einjährige Sohn Uri von Naomi und ihrem Mann Juval schmeißt ausversehen einen Hammer vom Balkon und ein junger Mann wird tödlich getroffen. Der arabische Handwerker wird verdächtig, die Tat begangen zu haben. Und Naomi sagt nichts. Daran entspinnt sich eine spannende Geschichte um die kleine Familie. Um Schuld, Wahrheit und Dinge die verschwiegen werden. Zwischenzeitlich hatte mich die Story kurz verloren, dann wurde es jedoch wieder fesselnd. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen.

UNGEBETENE GÄSTE Ayelet Gundar-Goshen Naomi und Juval leben mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn Uri in einem Hochhaus in Tel Aviv. Während Juval arbeitet, kümmert sich Naomi um das Kind. Sie ist eine ängstliche Mutter, stillt Uri noch immer – sehr zum Unmut ihres Mannes – und nutzt jede Gelegenheit, ihn hochzunehmen, zu trösten oder zu stillen. Eines Tages führt ein arabischer Arbeiter Reparaturen am Balkon durch. Naomi begegnet ihm mit Misstrauen und fragt sich, wie ihr Mann es zulassen konnte, dass sie und Uri mit einem Araber allein sind. Naomi beobachtet den Arbeiter nervös, bietet ihm Kaffee und Plätzchen an – doch Uri, der ihre ungeteilte Aufmerksamkeit gewohnt ist, beginnt zu quengeln. Dann passiert es: Ein Moment der Unachtsamkeit. Uri greift nach dem Hammer, den der Arbeiter liegen gelassen hat, und wirft ihn vom Balkon. Der Hammer trifft nicht den Boden, sondern tötet einen Jugendlichen – den Sohn des Kaufmanns gegenüber, der eigentlich in der Schule hätte sein sollen. Unter dem Balkon bildet sich schnell eine Menschenmenge. Der Verdacht fällt nicht auf Naomi oder Uri, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als die Polizei eintrifft, könnte Naomi die Wahrheit sagen – doch sie schweigt. Der Arbeiter wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft. Die Lage spitzt sich weiter zu, als der Sohn des Arbeiters nach seinem Vater sucht. Der Mob vermutet sofort einen weiteren Anschlag. Wie das Drama weitergeht – und ob Naomi den Mut findet, die Wahrheit zu sagen – solltet ihr selbst lesen. Ich habe bereits Gundar-Goshens Vorgänger "Wo der Wolf lauert" mit großer Begeisterung gelesen – und auch ihr neues Buch steht dem in nichts nach. Die Autorin hat ein vielschichtiges, politisches Psychodrama geschrieben, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder moralische Belehrung. Ich durfte das Buch lesen und hören – und wie schon beim letzten Hörbuch hat mich die Stimme von Milena Karas vollkommen in ihren Bann gezogen. Fazit: Ein spannendes, hochbrisantes Psychodrama, das ich euch unbedingt empfehlen möchte. 4½|5

Als ihr einjähriger Sohn den Hammer des arabischen Arbeiters von Balkon stößt und dabei einen Teenager tödlich trifft, ist Naomi wie gelähmt. Wie im Reflex lässt sie eine Lüge entstehen, stellt nicht richtig, dass nicht der Arbeiter Schuld trägt, der nun verhaftet und abgeführt wird. Als die Familie von Tel Aviv für einen Arbeitseinsatz ihres Manes nach Lagos, Nigeria, geht, ist die Schuld weiter mit im Gepäck und belastet nicht nur das eigene Familienleben. Gundar- Goshen knüpft hier einen Teppich aus kleinen und großen Lügen, unausgeprochenenen Ängsten und Verletzungen, zeichnet unheimlich gut greifbare Charaktere durch verschiedene Erzählperspektiven, mal von außen blickend, mal in den Gedanken der Personen steckend. Und sie bringt mich als Leserin auf so vielen Ebenen zum Nachdenken - über Vorurteile, über richtig und falsch, über Ungerechtigkeit, über seelischen Schmerz und seine Folgen. Das war flüssig und spannend zu lesen und hat mir richtig gut gefallen.
Ein psychologischer Gesellschaftsroman Ich mag die Bücher der israelischen Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen. Sie schreibt gesellschaftskritisch und schafft es immer wieder menschliche Schwachstellen zu thematisieren und den Finger genau in die Wunde zu legen. Mit ihrem beruflichen Hintergrund als Psychologin hat sie einfach genau das richtige Gespür für die Ängste und Traumata ihrer Landsleute. In ihrem neuesten Buch, dass uns zunächst nach Tel Aviv mitnimmt, geht es um Naomi, Mutter eines einjährigen Sohnes, die sich unwohl fühlt, weil sie mit dem arabischen Handwerker, der auf ihrem Balkon arbeitet alleine ist. Sie schämt sich für ihre Vorurteile, doch dann passiert ein Unglück. Ihr kleiner Sohn wirft in einem unbeobachteten Moment den Hammer des Arbeiters vom Balkon. Ein Teenager wird getroffen und verstirbt. Als man den Araber als vermeintlichen Attentäter verhaftet, klärt Naomi das Missverständnis nicht auf. Ein einziger Augenblick verändert das Leben gleich mehrerer Familien. Der Sohn des arabischen Arbeiters, der mit seinem Vater zu Mittag essen will und kurz nach der Verhaftung an dem Schauplatz ankommt, wird dort von einer wütenden Menge verprügelt und kommt nur dank der Intervention von Naomi‘s Mann gerade noch mit dem Leben davon. Bei dieser tragischen Geschichte spiegelt die Autorin natürlich auch die Urängste der Israelis, das gelebte Mißtrauen gegenüber den arabischen Israelis und den Palästinensern. Jeder Araber könnte schon den nächsten Anschlag planen. Im 2.Teil des Buches folgen wir Naomi, ihrem Sohn und ihrem Mann Juval nach Nigeria. Es ist ein beruflicher Wechsel und eine Flucht vor den Folgen des Unfalls. Juval ist als Kampfflieger für das israelische Militär in Nigeria um dort Rettungseinsätze mit den Nigerianern zu planen, eine Tätigkeit die durchaus umstritten ist, da das nigerianische Militär auch gegen die eigene Bevölkerung agiert. Wir befinden uns überraschenderweise also plötzlich in einem ganz anderen Setting und die Geschichte nimmt eine recht unerwartete Wendung. Das Ende war mir etwas zu plötzlich aber ansonsten habe ich nichts zu meckern. Es war wieder eine großartige, fesselnde Geschichte.
Mich hat Ungebetene Gäste von Anfang an gepackt. Was mit einer alltäglichen Situation beginnt eine Mutter, ihr Kind und ein Handwerker entwickelt sich zu einem intensiven Psychodrama über Schuld, Angst und moralische Zerrissenheit. Als Naomi erkennt, dass ihr kleiner Sohn unbeabsichtigt den Tod eines Teenagers verursacht hat und der Verdacht auf den arabischen Arbeiter fällt, entscheidet sie sich fürs Schweigen. Diese Entscheidung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Die Geschichte ist ruhig, aber emotional stark, und besonders beeindruckt hat mich, wie glaubwürdig die inneren Konflikte dargestellt werden. Gundar-Goshen erzählt mit klarer Sprache und viel Feingefühl, ohne zu urteilen. Ein stilles, eindringliches Buch, das mich tief bewegt und zum Nachdenken gebracht hat über Verantwortung, Wahrheit und Mitgefühl
Politisch beklemmend
Ein unangenehmes Buch und das meine ich im besten Sinne. Schon auf den ersten Seiten denkt man: „Oh nein, bitte nicht …“, und genau das macht den Reiz aus. Es ist schockierend, manchmal auch verwirrend, aber auf eine Art, die fesselt. Die Protagonisten sind in alten Mustern gefangen, was die Geschichte beklemmend echt wirken lässt. Allerdings muss ich zugeben: Es hat bei mir etwas länger gedauert, es zu beenden, da sich die Handlung zwischendurch ein wenig zog oder ich die Personen vertauschte. Trotzdem ist es insgesamt eine spannende, politisch kritische Geschichte, die nachhallt und zum Nachdenken anregt.
Tja, bis kurz vor Schluss war das ein wirklich fesselndes Buch – spannend erzählt, mit echtem Sog, wichtigen Themen und vor allem das Setting sowie die Bezüge zur israelischen Community in Nigeria fand ich äußerst interessant. Umso enttäuschender war dann das Ende: Vielleicht mag es eine logische Konsequenz sein, und nicht jede Geschichte muss bis ins Detail auserzählt werden – aber hier wirkte es auf mich einfach zu abrupt; so als hätte die Autorin mitten im Schreiben aufgehört. Ich bleibe als Leserin mit zu vielen offenen Fragen zu einzelnen Figuren und seltsam unerfüllt zurück. Schade.
„Ungebetene Gäste“ von Ayelet Gundar-Goshen Verlag: Kein & Aber Ein Buch, das bleibt – unter der Haut, im Kopf, im Herzen. Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri in ihrer Wohnung in Tel Aviv und fühlt sich unwohl. Der arabische Arbeiter, den ihr Mann Juval zur Balkonrenovierung beauftragt hat, ist freundlich, aber sie will einfach nur allein mit ihrem Kind sein. Uri hat seinen gewohnten Tagesrhythmus, und dieser fremde Mann stört und macht ihr ein bisschen Angst. Als er auch noch ihre Toilette benutzt und draußen plötzlich laute Schreie zu hören sind, kippt die Stimmung. Ein junger Mann wurde von einem herabfallenden Hammer erschlagen und Naomi begreift in einem erschütternden Moment: Es war ihr Sohn. Der Hammer fiel nicht von selbst. Uri hat ihn geworfen. Doch der Verdacht fällt auf den arabischen Arbeiter. Er wird festgenommen. Und Naomi? Schweigt. Erstarrt. Sie kann die Wahrheit nicht sagen. Aus Angst. Aus Schuld. Ihr Ehemann ist entsetzt, als er erfährt, was wirklich passiert ist. Die Ehe, das Vertrauen, das ganze Leben – alles gerät ins Wanken. Die Familie flieht nach Afrika. Doch die Schuld reist mit. Immer. Die Autorin versteht es meisterhaft, innere Konflikte sichtbar zu machen. Wie fühlt es sich an, nach so einem Einschnitt weiterzuleben? Wie geht man mit Schuld um, wenn das eigene Kind einen Menschen getötet hat? Ein Albtraum für die arabische Familie. Ein Riss in der israelischen. Ein Zusammenbruch für einen Unschuldigen. Der Roman zeigt eindrucksvoll: Schuld ist nicht nur eine Tat, Schuld ist auch ein Schweigen, ein Wegschauen, ein Nicht-Handeln. Und sie verändert. Jeden. Naomi, Juval, den arabischen Handwerker, der ohne eigenes Zutun alles verliert – Würde, Freiheit, Vertrauen. Ayelet Gundar-Goshen gelingt es meisterhaft, diese innere Zerrissenheit zu zeigen. Ihre Sprache ist klar, eindringlich, manchmal schmerzhaft schön. Die Figuren wirken authentisch, sie handeln irrational, widersprüchlich , so wie echte Menschen eben. Und genau das macht diesen Roman so kraftvoll, so bedrückend, so nah. Die Flucht nach Afrika mag räumlich Distanz bringen, innerlich bleibt der Vorfall unausweichlich. Er lebt mit, reist mit, sitzt mit am Tisch. Ungebetene Gäste ist nicht nur der Titel, es ist ein Gefühl, ein Zustand, ein moralisches Vakuum, das alle Beteiligten begleitet. Dieses Buch hallt nach. Es lässt sich nicht abschütteln, nicht weglegen. Es zwingt zum Nachdenken über Schuld, Gerechtigkeit, Angst, Verantwortung und über das, was wir tun, wenn wir glauben, keine andere Wahl zu haben. Ein starkes, tiefgründiges, sprachlich brillantes Buch. Fesselnd und verstörend zugleich. Ein literarisches Psychodrama, das unter die Haut geht und dort bleibt. Eine absolute Leseempfehlung (5 Sterne).
Komplex, spannend, verwirrend, brutal, kurzum: facettenreiches Psychogramm menschlicher Emotionen auf dem Fundament von ethnischen Rassismen
Ayelet Gundar-Goshen lebt in Tel-Aviv, studierte Psychologie und schreibt Romane wie mit scheint in der ganz speziellen Form von Familiendramen, die transgenerativ und strukturell politisch über sich selbst hinaus wachsen und weisen. „Ungebetene Gäste“ war mein erster Roman von Ayelet Gundar-Goshen in der deutschen Erstausgabe übersetzt von Ruth Achlama. Die Übersetzungsleistung ist bei Bewertung nicht außer Acht zu lassen, auch wenn ich das hebräische Original nicht kenne, wirkt die Perspektive kongruent mit charakterisieren Morphemen und poetischen Fingerspitzengefühl. Die Narration ist düster und verstrickt sich in den drei Teilen des Buches immer weiter in Abgründe von Scham und Schuld. In Teil 1 lernen wir die vermeintliche Protagonistin Naomi kennen. Sie ist mit Juval verheiratet und hat einen 14-Monate alten Sohn. Dieser begeht im Grunde Totschlag, der Kontext und die Situation sind absurd: der arabische Handwerker sitzt kackend auf dem Klo, während Naomi die Geräuschkulisse zu verdecken versucht, indem sie Kaffee kocht und Uri auf dem Balkon des Hammer des Arbeiters zu Fall bringt, wodurch der Sohn des russischen Gemüsehändlers, der zu einer Zeit an einem Ort ist, an dem er nicht sein sollte, zu Tode kommt. Das Drama nimmt seinen Lauf. In Teil 2 begleiten wir die Familie nach Nigeria, wohin sie geflohen ist. Wir lernen die Psychologin Noga kennen und erfahren erstaunlich viel über diese Figur, ihre Geschichte, ihre Bekanntschaft mit Juval; die israelische Community in Nigeria wird dadurch erstaunlich vernetzt. Eine interessante Rolle spielt in diesem Teil Ayobami, da mit ihrer Figur Rassismus, Sezissmus und Sexualität als Themen klarer hinzukommen. Teil 3 rundet die Geschichte ab. Jedenfalls irgendwie. Das Drama des Anfangs kommt mit Stas Lewajew, dem Landenbesitzer aus Tel-Aviv per One-Way-Ticket nach Nigeria und bringt die Story auf eine letzte Ebene von Verzweiflung. Auch die Beziehung(en) von Noemi, Juval, Noga, und Ayobami verstricken sich in menschlichem Sein zwischen Begehren, Sehnsucht nach emotionaler Verbundenheit, Enttäuschung und Scham. Das Ende bleibt für dass Gesamtwerk an Komplexität und deren Konstruktion (bewusst?) unerwartet. Ich hatte Probleme, in die Geschichte und die Verstrickungen hineinzuwachsen, fand manche Beziehung zwischen Figuren zu konstruiert und hätte mir statt noch eines weiteren Abgrundes durch eine andere Figur gewünscht, dass der Fokus stärker auf Noemi geblieben wäre. Das Schreiben der Rezension, ohne zu viel oder zu wenig zu beschreiben, fällt schwer und zeigt vielleicht, wie dicht die 314 Seiten geschrieben sind. Denn neben dem facettenreichen Mensch-Sein werden zahlreiche politische Themen angetippt, deren Strukturen die Figuren zu Tage fördern, ohne dass ich sie erfassen konnte. Ich habe viel gelernt und bin mit der Lektüre eingeladen worden, zu vertiefen und vielleicht sogar mahnend dazu angehalten. Deswegen hab ich mich teilweise vielleicht auch so schwer mit dem Lesen getan. Im letzten Drittel konnte ich’s dann aber nicht mehr aus der Hand legen.

Hab das Buch in einem Rutsch gelesen. Fand die Prämisse spannend, was alles passieren kann, wenn man im Leben auch nur einen kurzen Augenblick mal unaufmerksam ist. Wie man mit den eigenen Schuldgefühlen umgeht, insbesondere wenn sich einem die Gelegenheit bietet, nicht zur eigenen Schuld zu stehen. Aber irgendwie war das Buch dann anders als ich es erwartet habe. Starker Start, dann lässt es leider nach. Gern gelesen habe ich es trotzdem.
Manchmal reicht ein einziger Moment – und ein ganzes Leben gerät aus den Fugen.
„Ungebetene Gäste“ von Ayelet Gundar-Goshen ist ein Roman, der mich beim Lesen immer wieder innehalten ließ. Nicht, weil so viel passiert, sondern weil er so präzise zeigt, wie Menschen unter Druck handeln – oder eben nicht handeln. Im Mittelpunkt steht Naomi, eine junge Mutter in Israel. Als ein arabischer Handwerker in ihrer Wohnung arbeitet, passiert durch einen unachtsamen Moment ein tragischer Unfall: Ein Hammer fällt vom Balkon und trifft einen vorbeigehenden Jungen tödlich. Schnell wird der Handwerker verdächtigt – und Naomi steht vor einer Entscheidung: die Wahrheit sagen oder schweigen. Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist die psychologische Tiefe. Ayelet Gundar-Goshen ist selbst Psychologin, und das merkt man in jeder Szene. Sie beschreibt sehr genau, wie Angst, Schuld, Vorurteile und gesellschaftlicher Druck das Verhalten von Menschen beeinflussen können. Die Geschichte bleibt nicht bei diesem einen Ereignis stehen. Sie entwickelt sich weiter, stellt immer neue moralische Fragen und zwingt einen als Leser:in immer wieder, die eigene Haltung zu hinterfragen. Was hätte ich getan? Hätte ich den Mut gehabt, die Wahrheit zu sagen? Besonders spannend fand ich, wie die Autorin verschiedene Perspektiven aufzeigt und dabei Themen wie Angst, Rassismus, Schuld und Verantwortung miteinander verknüpft. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark politische Spannungen und gesellschaftliche Vorurteile das Denken und Handeln der Figuren beeinflussen. Die Figuren sind nicht unbedingt sympathisch – aber unglaublich menschlich. Mich hat der Roman sehr gefesselt, auch weil er zeigt, wie schnell eine Entscheidung – oder ein Schweigen – weitreichende Konsequenzen haben kann. Ein intensiver, psychologisch kluger Roman über Schuld, Moral und die Frage, was richtiges Handeln eigentlich bedeutet. | unbezahlte Werbung, selbst erworben |

Lesenswert!
Was passiert, wenn ein einziger Moment dein ganzes Leben aus der Bahn wirft? ⠀ "Ungebetene Gäste" von Ayelet Gundar-Goshen bietet zu dieser Frage jede Menge Stoff zum Nachdenken. Der Roman beginnt wie ein stiller Familienkrimi, entwickelt sich aber schnell zu einem intensiven moralischen Drama. ⠀ Zwischen Israel und Nigeria, zwischen Mutterliebe und Schuld, zwischen kulturellen Spannungen und persönlichen Dilemmata entfaltet sich eine Geschichte, die mich gut unterhalten. ⠀ Ein lesenswerter Roman, der nicht laut ist, aber einiges in Bewegung bringt – vor allem, wenn man sich für zwischenmenschliche Konflikte und moralische Grauzonen interessiert. ⠀
Ein traumatischer Unfall verändert das Leben mehrerer Familien auf dramatische Weise
und gibt dabei spannende Einblicke in die israelische Gesellschaft, besonders zu rassistischen Vorurteilen gegenüber Arabern. Die Perspektivwechsel erfolgen schnell, was durch die starke Sprecherin gut getragen wird und die Spannung durchgehend aufrechterhält. Die Sprache ist sehr direkt und stellenweise vulgär, wobei viele Figuren und Themen eher klischeehaft dargestellt werden. Obwohl die Handlung gut aufgebaut ist und die einzelnen Stränge wirkungsvoll miteinander verwoben sind, bleibt im letzten Teil vieles offen, die Andeutungen sind nur vage. Trotz dieser Schwäche fand ich das Thema sehr interessant und das Hörbuch insgesamt spannend umgesetzt.

Ein arabischer Handwerker arbeitet bei der israelischen Naomi und ihrem einjähriger Sohn Uri in der Wohnung, als ein schrecklicher Unfall passiert. Uri nimmt in einem unbeaufsichtigten Moment den Hammer des Handwerkers und wirft ihn vom Balkon. Unten auf der Straße wird jemand am Kopf getroffen. Ein Anschlag wird vermutet, der arabische Handwerker schnell als Terrorist betrachtet und verhaftet. Naomi durchblickt die Situation zwar, schweigt aber während der Handwerker abgeführt wird.... Das Buch hat eine sehr spannende Prämisse und ist, insbesondere zu Anfang, teilweise emotional fordernd, was die grausame Härte der Ereignisse angeht. Mit fortschreiten des Buches geht die Autorin jedoch immer mehr weg von dem Ausgangsdilemma und es werden weitere Handlungsstränge, Themen und Perspektiven verfolgt. Dabei gibt es auch Rückblenden in die Vergangenheit mancher Protagonisten. Am Ende wird zwar einiges zusammengeführt, es war mir persönlich dennoch manchmal etwas zu ausschweifend erzählt. Die Ausleuchtung der Psyche der einzelnen Protagonisten, insbesondere der Nominis und ihres Mannes, ist großartig gelungen. Die Autorin präsentiert Motivationen und Beweggründe für eindeutig unmoralisches Handeln mehrerer Figuren so nachvollziehbar, dass es beim lesen fast unangenehm wird. Nämlich dann, wenn unwillkürlich die Frage im Kopf auftaucht, was man selbst gemacht hätte, in den unterschiedlichen schwierigen Ausnahmesituationen. Ein wirklich gutes Buch, das ein noch besseres Buch hätte sein können, mit ein bis zwei "Nebenschauplätzen" weniger. Trotzdem sehr lesenswert!
Schreckliche Geschichte- fesselnd geschrieben
Eine Geschichte bei der man immer wieder innehält und sich denkt, dass kann doch nicht war sein! Und die Mutter an den Schultern packen und schütteln will. Eigentlich sind alle Hauptpersonen in diesem Buch sehr negativ dargestellt - tragische Personen- und keiner ist wirklich glücklich in seinem Leben. Dazu eine Geschichte die einen zum fassungslosen Zuschauer macht, erst in Israel und dann geht es genauso in Nigeria weiter. Schreibstil ist toll und der Roman fesselt, habe es in einem Rutsch durchgelesen. Aber er lässt mich etwas ratlos zurück.
Ein Blick in die Tiefen der Seele. Menschlichen, einfühlsam und spannend in einem
Ein Teenager wird erschlagen, als ein Hammer von einem Balkon herunterfällt. Sofort wird ein arabischer Handwerker wird des Anschlages bezichtigt und verhaftet. Naomi erkennt sofort, dass ihr kleiner Sohn Uri in einem kurzen unbeaufsichtigten Moment das Werkzeug über die Brüstung gestoßen haben muss. Sie zögert aber, um das Missverständnis aufzuklären und setzt so eine Kette von Missverständnissen in Gang. Abends taucht der nichts ahnende Sohn des Arbeiters unvermittelt in ihrer Wohnung auf, die Nachbarn sind außer sich und lynchen den Jungen fast, schnell ist von Terrorismus die Rede. Naomis Mann Juval rettet dem Jungen das Leben und sie bringen ihn zu seiner Familie, wo sie überschwänglich gastfreundlich aufgenommen werden. Und Naomi, die bringt es nicht übers Herz, die Vorfälle aufzuklären. Erst Tage später sollte Naomi ihrem Mann alles gestehen und ihre Aussage bei der Polizei machen. Die Schuldgefühle aber bleiben. Wie verhält man sich gegenüber dem Nachbarn, dessen Sohn gestorben ist? Wie geht das Leben in der kleinen Wohnung mit all den Erinnerungen weiter? Nicht einmal ein Umzug von Tel Aviv nach Lagos bringt der kleinen Familie Erleichterung. Dort hat Juval aus politischer Sicht einen etwas dubiosen Job angenommen. Naomi versucht, in der dortigen israelischen Gemeinschaft Anschluss zu finden. Naomi ist eine sehr fürsorgliche Mutter, die ihren Sohn immer noch stillt, was auch zu Spannungen mit ihrem Mann Juval führt. Als die beiden wegen der nächtlichen Albträume des Kleinen eine Psychologin aufsuchen, werden sie erneut mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Psychologisch ist „Ungebetene Gäste“ eine sehr tiefgreifende Geschichte, die aber dennoch durch das ganze Buch hindurch eine gewisse Spannung aufrecht erhält. Die Figuren sind so fein gezeichnet, dass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann. Sei es Naomis Konflikt, die erst wie gelähmt ist, und dann aus Angst vor den Folgen sich nicht mehr überwinden kann, sich ihrem Mann anzuvertrauen. Sei es die Ehe der beiden, die recht zerbrechlich wirkt, was sich in der unterschiedlichen Auffassung der Eheleute in Bezug auf die Betreuung – das Stillen – des Sohnes zeigt. Der abendliche Ausflug ins Dorf der arabischen Familie des Arbeiters, welche Naomi und Juval mit offenen Armen empfängt, ändert schließlich alles und danach ist nichts mehr wie es war. Auch die Psychologin Noga kämpft mit sich selbst, gibt es doch ein Geheimnis, das etwas mit ihrer und Juvals Vergangenheit zu tun hat. Schuld, Moral, Lähmung aus Angst, Rassismus, Sprachlosigkeit, Trauer. Das sind so Begriffe, die mir spontan einfallen. Der Roman hat mich so gefesselt und in die Tiefen der israelischen Gesellschaft mitgenommen, und wird definitiv noch eine ganze Weile nachhallen. Ein richtig gutes Psychodrama, das unheimlich beklemmend und trotzdem ein großes Lesevergnügen für mich war.
Psychologisch interessant und gesellschaftskritisch Ein tödlicher Unfall, dessen Hergang zunächst verschwiegen wird, hat gravierende Auswirkungen auf das Leben der beteiligten Familien. Eine Vielfalt an relevanten Themen widmet sich die Autorin in ungeschönter Erzählweise. Schuld, Trauma, moralisches Dilemma, Rassismus, Vorurteile und auch den Spannungen zwischen Israel und Palästina. Dieser Roman regt zum Diskutieren an, sich mit seinen eigenen Gedanken auseinanderzusetzen und eignet sich hervorragend für Buchclubs. Die subtile Spannung und die psychologische Raffinesse haben mir sehr gefallen, allerdings wurden mir zu viele Themen angerissen und ich wäre lieber intensiver in den Hauptplot eingetaucht.
Ayelet Gundar-Goshen erzählt in „Ungebetene Gäste“ von einer israelischen Familie, deren Leben durch das Auftauchen eines Fremden aus den Fugen gerät. Angst, Unsicherheit und moralische Fragen stehen im Raum: Wie viel Solidarität sind wir bereit zu zeigen, wenn es unsere eigene Sicherheit gefährdet? Der Roman verbindet gesellschaftlich hochaktuelle Themen wie Migration, Bedrohung und Vorurteile mit einer psychologisch dichten Figurenzeichnung. Gundar-Goshen schreibt mit großem Gespür für die inneren Konflikte ihrer Figuren. Das Ergebnis ist ein spannender, zugleich nachdenklich machender Roman. Der dazu animiert, über unsere eigenen Haltungen nachzudenken – und der noch lange im Kopf bleibt. Ein kluger, packender Gesellschaftsroman über Angst, Empathie und Menschlichkeit in unsicheren Zeiten, der den ich gerne empfehle!
Psychologisch gut ausgefeilte Geschichte, die davon lebt wie die Charaktere handeln, was sie denken und was sie bewegt. Nicht jeder Handlungsstrang ist mir dann bis aufs Letzte klar geworden, aber die Gesamtgeschichte hat mir gut gefallen. Es schwebte die ganze Zeit so eine ungewisse Bedrohlichkeit unter dem Text, was ich super finde. Außerdem werden tiefe moralische Fragen aufgeworfen, die sich auch um die Herkunft der Menschen dreht.
🪟 Ungebetene Gäste – Ein Augenblick, der alles verändert Manchmal beginnt ein Roman so beklemmend, dass man ihn am liebsten weglegen möchte – und doch kann man nicht aufhören zu lesen.
👦 Ein Kind spielt auf dem Balkon. 🚽 Ein arabischer Arbeiter geht zurToilette. 🔨 Ein Hammer fällt. 😱 Ein unachtsamer Moment – und schon setzt sich ein Räderwerk aus Verzweiflung, Trauer, Angst, Vorurteilen und Schuld in Bewegung. Ich fand den Anfang ziemlich gruselig, nicht wegen Monster oder Thriller-Effekten, sondern weil er so erschreckend real wirkt. Man spürt die Hilflosigkeit und den plötzlichen Bruch im Alltag, und als Leserin sitzt man fast selbst mit klopfendem Herzen daneben. 💭 Besonders berührt hat mich Naomi, die Mutter. Ihre Scham, ihre Angst und ihr Schweigen sind so menschlich, dass es weh tut. 🌀 Das Buch erzählt keine klassische Kriminalgeschichte. Es gibt kein Happy End, keine Auflösung. Das Geheimnis, das sich um den Unfall und die Folgen spinnt, bleibt bestehen – und genau das lässt die Geschichte lange nachhallen. Man bleibt zurück mit vielen großen Fragen. ☕ Die Szene mit der brummenden Kaffeemaschine und dem peinlichen Schweigen hat sich mir besonders eingeprägt. 💔 Ungebetene Gäste ist kein Wohlfühlbuch– weil es zeigt, wie brüchig Moral und Menschlichkeit sein können und wie schwer es ist, Schuld zu tragen und zu vergeben. 📚 Ein stilles, aber packendes Psychodrama, das keine einfachen Antworten bietet. Es hat mich traurig gemach – und gleichzeitig nachdenklich für Literatur, die nicht wegsieht. Was das Cover mit dem Buch zu tun hat frage ich mich immer noch. Passt nicht.
In Ungebetene Gäste verbindet Ayelet Gundar-Goshen wie gewohnt eine feinfühlige Sprache mit komplexen gesellschaftlichen Themen. Der Roman führt die Leser:innen nach Nigeria und Israel und zeigt zugleich die Spannungen innerhalb der israelischen Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf Rassismus und kulturelle Zugehörigkeit. Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet, die Handlung bleibt über weite Strecken fesselnd. Lediglich das offene Ende hinterlässt Fragen und ein gewisses Gefühl der Unvollständigkeit. Dennoch überzeugt das Buch als kluge, vielschichtige Erzählung über Identität, Verantwortung und kulturelle Begegnungen.
Ein hochaktueller Roman
Naomi ist mit ihrem einjährigen Sohn Uri allein. Sie sind Juden. Ein arabischer Handwerker bringt den Balkon in Ordnung. Als dieser auf die Toilette geht und Naomi einen Kaffee zubereitet, fällt ein Hammer vom Balkon, wahrscheinlich hat ihn Uri versehentlich runter geschmissen und erschlägt einen Jungen auf der Straße, der sofort tot ist. Die kurz darauf eintreffende Polizei geht selbstverständlich davon aus, dass es der Araber war und nimmt ihn fest. Naomi ist wie gelähmt, schafft es nicht die Wahrheit zu sagen. Und schon ist man mitten drin, in einem Psychodrama über Schuld, Rache, Rassenvorurteile und Selbstjustiz. Ayelet Gundar-Goshen versteht es, die inneren Konflikten zu beschreiben, denen von nun an die Familie ausgesetzt ist. Wie lebt es sich nach solch einem fundamentalen Einschnitt? Wie geht man mit der Schuld um? Ich bin durch die Seiten geflogen, sprachlich ist der Roman brillant. Das Setting in Tel Aviv und später in Nigeria sehr interessant und informativ. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und spreche eine große Leseempfehlung aus, da er spannend, interessant und informativ ist.
Puh, harte Kost! Aber wirklich richtig, richtig gut. Ober das Ende kann man streiten.
Besonders die eindringliche Anfangsszene – die auch im Klappentext angedeutet wird – erzeugte bei mir sofort eine intensive Spannung und zog mich direkt in die Geschichte hinein. Ayelet Gundar-Goshen beweist hier ihr Talent, psychologische Konflikte präzise und fesselnd zu inszenieren. Im Verlauf des Romans entfaltet sich eine vielschichtige Erzählung, die weit über eine bloße Familiengeschichte hinausgeht. Themen wie Rassismus, gesellschaftliche Vorurteile und der Umgang mit Traumata werden sensibel und zugleich schonungslos beleuchtet. Besonders beeindruckend fand ich, wie subtil die Dynamiken innerhalb einer Familie darstellt wurde – die unausgesprochenen Spannungen, die inneren Konflikte und die psychologischen Mechanismen, die das Handeln der Figuren bestimmen. Die Figuren wirken authentisch, oft ambivalent, und genau das machte sie für mich so glaubwürdig. Es gibt keine einfachen Antworten oder klaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen – stattdessen wurde ich immer wieder dazu angeregt, eigene moralische Urteile zu hinterfragen. Trotz der ernsten und teils schweren Themen empfand ich das Buch erstaunlich flüssig geschrieben. Die Sprache ist klar, eindringlich und gleichzeitig elegant. Es ist definitiv keine leichte Lektüre, aber eine, die bei mir ordentlich nachhallt und zum Nachdenken anregt. Der Grund, warum ich dem Buch 4 von 5 Sternen gegeben habe, liegt nur am Ende. Auch wenn es stimmig und konsequent wirkt, hatte ich persönlich das Gefühl, dass noch „etwas fehlt“ – vielleicht eine stärkere emotionale Auflösung oder ein letzter gedanklicher Impuls, der die Geschichte für mich vollkommen rund gemacht hätte. Dennoch bleibt „Ungebetene Gäste“ ein absolut lesenswertes Buch für mich! 👉🏻Tiefgründig, klug und emotional fordernd. 👈🏻 Wer sich für psychologisch dichte Geschichten interessiert, die gesellschaftliche Themen nicht scheuen, wird hier definitiv fündig. Fazit: Ein intensiver, kluger Roman mit großer thematischer Tiefe – sehr empfehlenswert. 👍🏻💫
Schuld, Verlust und Nähe: ein vielschichtiger Roman
Ein Buch, das mich sofort gepackt hat. Der Schreibstil ist sehr zugänglich und gleichzeitig emotional so intensiv, dass ich die Geschichte kaum aus der Hand legen konnte. Naomi als Hauptfigur ist wahnsinnig komplex. Ihre Distanziertheit hat mich oft irritiert, aber gerade das macht sie so interessant. Besonders stark fand ich die Szenen in Afrika, die für mich eine ganz eigene Tiefe hatten. Das Buch hat ein kluges Tempo und steigert sich emotional bis zum Schluss. Das Ende ist schlüssig und dramatisch, aber auch traurig, weil die Perspektive des Mannes, der seinen Sohn verliert, nur am Rand auftaucht. Ich hätte mir gewünscht, dass sein Schmerz mehr Raum bekommt. Trotzdem bleibt das Buch lange im Kopf und wirft wichtige Fragen auf über Schuld, Beziehung und das, was oft nicht erzählt wird.
Leider hab ich immer wieder die gleichen Probleme mit der Autorin: Vielversprechender Klappentext, aber der Inhalt weicht stark davon ab und am Ende gibt es keine Auflösung.
Ich fand das Buch leider nur mittelmäßig: Es gibt kaum sympathische Figuren. Den Vater der Familie find ich absolut zum Kotzen! So ein Arschloch!! Die Mutter ist bisschen übervorsichtig. Ab 60% zieht es sich mMn. Danach geht es hauptsächlich um die (geheimen) militärischen Operationen Israels in Afrika. Und den Erzählstrang eines mathematisch begabten Nachbarjungen fand ich komplett überflüssig. Am Ende hat mir eine Auflösung gefehlt: Was ist jetzt mit der Familie des Mannes?? Ähnlich ging es mir auch mit dem letzten Buch der Autorin „Wo der Wolf lauert“. Ich weiß wohl sehr wenig über Israel. Ich hatte mir Israel immer sehr fortschrittlich vorgestellt. Aber: In der Heimatstadt der Familie gibt es wohl Armenviertel, in denen wilde Hunde die Leute angreifen - WTF?! Es ist wohl normal, dass die Frau total paranoide Gedanken über den arabischen Arbeiter in ihrer Wohnung hat, obwohl er total freundlich ist und lieb zu ihrem kleinen Sohn ist und von seiner Tochter erzählt. Es ist anscheinend auch normal, dass jüdische Nachbarn einen arabischen Jugendlichen auf der Straße zusammenschlagen und niemand sie anzeigt!! Bei Verhören der Polizei werden die Verdächtigen so geschlagen, dass sie bleibende Schäden davontragen!? Was für eine kaputte Gesellschaft! 🤯 Ich kapier auch nicht, was die Familie in Nigeria überhaupt macht?! Warum kann man da haufenweise Geld verdienen und private Fahrer anstellen?
Schweigen, Verantwortung, Vorurteil
Der Titel des Romans ,Ungebetene Gäste‘ trifft den Kern des Romans. Vor dem Hintergrund eines tragischen Unfalls entspannt die Autorin ein sozio-politisches Geflecht aus Figuren, die auf verschiedenen Ebenen aufeinandertreffen - jede einmal selbst in der Rolle als ungebetener Gast. Der erste Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, die Sprache ist direkt und unbeschönigt. Das große Unbehagen, in das Naomi durch die bloße Anwesenheit des arabischen Arbeiters versetzt wird, ist so eindringlich beschrieben, dass sich beim Lesen direkt eine Atmosphäre der Beklemmung ausbreitet, die sich im weiteren Verlauf in jeder Beziehung durchzieht. Die Handlung lebt vielmehr von den Dingen die nicht gesagt werden als von denen, die gesagt werden- das macht den Roman aus. Trotzdem habe ich die Leerstellen als zu groß empfunden. Im zweiten und dritten Teil werden viele neue Ebenen betreten, aber nur kurz ausgeführt oder angeschnitten. Dabei hätte jede es verdient, sich dafür etwas mehr Zeit zu nehmen (z.B. Beziehung zwischen Ayobami und Naomi, Juvals Job beim Militär in Nigeria und Angola, Kindheitstraumata der Psychologin Noga). Durch die Vielschichtigkeit geht der Fokus verloren. Die häufigen Abzweigungen in einen neuen Handlungsstrang haben mich irritiert und meine anfängliche Begeisterung ist leider schnell abgeflacht. Zudem bin ich an einigen Stellen über die etwas befremdliche Übersetzung gestolpert. So wird eine Frau abwertend als ‚kritische Hündin‘ (S.231) oder ,zahnlose Hündin‘ (S.264) bezeichnet; als eine Frau mit einem Mann schläft wollte sie, dass er ,reinschlüpfte‘ (S.255). Ich würde das Buch nur eingeschränkt weiterempfehlen.

Wenn das Schweigen zur Falle wird
Was würdest DU tun, wenn jemand wegen (d)eines Fehlers stirbt? 😰 Und was, wenn jemand anderes dafür büßen muss? In „Ungebetene Gäste“ reicht ein einziger Moment der Unachtsamkeit aus, um alles zu zerstören. Man hat die Chance, sofort die Wahrheit zu sagen – oder zu schweigen. Aber je länger man wartet, desto unmöglicher scheint es, über den eigenen Schatten zu springen... Spannender Background zur Autorin: Hinter dieser Geschichte steckt die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen. Dass sie im Hauptberuf klinische Psychologin ist, spürt man in jeder Zeile! Sie seziert das menschliche Verhalten in Extremsituationen wie kaum eine andere. Mein Fazit: Das Buch hat mich schon nach den ersten drei Kapiteln total gefesselt! 📖 Die geballte Ladung an Emotionen – Schuld, Scham, Sühne und Resignation – wird hier meisterhaft eingefangen. Besonders bedrückend: Auch der Versuch eines Neustarts will nicht gelingen, denn überall warten neue Tücken und Fallstricke. Zugegeben: Zum Ende hin wurde es für mich ein wenig zäher, aber insgesamt war es ein extrem spannendes und psychologisch tiefgründiges Werk. Absolute Empfehlung für alle, die gerne hinter die Fassade blicken!

Berührend, regt zum Nachdenken an!
Fein gezeichneten, ambivalenten Figuren, die mit ihren Ängsten, Schatten aus der Vergangenheit und mitunter verschiedenen Traumen kämpfen. Eine Geschichte, die mehrere Schicksale verbindet und sehr eingehend zeigt wie Vorurteile und Angst vor anderen Kulturen und /oder Religion in sinnloser Gewalt und Tragödien ausarten kann. Sehr gute Szenen, ich konnte nicht aufhören zu lesen! Unbedingt lesen!
Sogwirkung
Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Die behandelten Themen sind allesamt schwer verdaulich und bleiben lange im Kopf. Besonders spannend fand ich, wie geschickt die Autorin den Umstand immer wieder aufgreift, dass Menschen dazu neigen, die Unwissenheit der Wahrheit vorzuziehen, um ihr eigenes „heiles“ Weltbild und Leben nicht zu gefährden. Die guten alten Scheuklappen. Regt zum Nachdenken an. Wenn die Wahrheit dein eigenes Leben zerstören kann, bist du bereit sie zu erzählen?
👍👍👍
Eine verrückte Idee dient der grossartigen Ayelet Gundar-Goshen als Ausgangslage für eine Geschichte über die Befindlichkeiten und Dynamiken im Post-7.-Oktober-Israel: Naomi ist nicht erfreut, dass der Balkon ihrer Familienwohnung in Tel Aviv von einem arabischen Handwerker renoviert wird, als sie alleine mit ihrem kleinen Sohn zu Hause ist. Sie hat Angst und wird nervös - und Nervosität breitet sich dann auch unter dem Balkon auf der Strasse aus, wo ein junger Mensch von einem herunterfallenden Hammer erschlagen worden ist. Wer liess den Hammer fallen? Der Handwerker oder der Sohn von Naomi? Und wieso soll Naomi die Schuld nicht unabhängig davon dem Araber zuschieben? Die Dimension des Israel-Konflikts wird spürbar - aber für meinen Geschmack leider nicht ganz so meisterhaft wie bei Jaffa Road (👍👍👍👍👍) von Daniel Speck. Dennoch: Ungebetene Gäste ist sehr lesenswert!
Strudel der Absurdität
„Hinterher entschuldigte sie sich, aber das macht es nur noch schlimmer. Wenn jemand um Verzeihung bittet, nimmt er dir das einzig Verbliebene - die Erlaubnis, wütend auf sein Verhalten zu sein.“ (S. 155f.) Ich hab mich sehr auf den neuen Roman von Ayelet Gundar-Goshen gefreut und sie hat mich wieder in den Strudel ihrer Erzählung gezogen. Wie gewohnt schreibt sie informativ, stilistisch überzeugend und spannend. Dabei schafft sie es, ihre Finger noch tiefer in jede Wunde zu legen, immer noch etwas bissiger zu sein und zu zeigen, wie vermeintliche Kleinigkeiten innerhalb gesamtgesellschaftlicher Vorurteile rasend schnell zu Dynamit werden. Absolute Empfehlung!
Psychodrama von einer, die es versteht, den Finger in die Wunde zu legen
Ayelet Gundar-Goshen versteht wirklich, wie man den Finger in die Wunde legt. Das erste Viertel ihres neuen Romans kommt mit einer so schmerzlichen Brutalität, dass es schwerfällt, an der Geschichte dran zu bleiben statt sie erleichtert beiseite zu legen. Später lässt Gundar-Goshen ihre Leserschaft ein wenig aufatmen, doch was keine Pause macht, ist die immerwährende Frage nach Schuld und Verantwortung. Was hätte man selbst getan? Ich war ständig drauf und dran die Figuren zu rügen, oder genervt von ihren schlechten Entscheidungen zu sein. Keine von ihnen konnte ich richtig mögen und so war Lesen tatsächlich mal kein Wellness (gibt nämlich beide Arten von Lektüre, Denis!). Für diesen Titel empfehle ich von ganzem Herzen einen BuddyRead oder eine Lesegruppe, denn man möchte tatsächlich nach jeder Szene mit jemandem darüber sprechen. Auch das Ende entlässt uns nicht in eine gesättigte Ruhe - ich schreibe diese Rezension in einem Zustand, der sich ungefähr so beschreiben lassen würde: 🤷🏻♀️🤯😭🙎🏻🤦🏻♀️. Wer Lust auf ein perfekt ausgearbeitetes Psychodrama hat, der rennt jetzt in die Buchhandlung ihres oder seines Vertrauens und macht sich auf eine große Portion emotional damage gefasst. Ungebetene Gäste tut weh, aber es stellt die richtigen Fragen. Oder: Es stellt die richtigen Fragen, also tut es weh.
Bedrückendes Eintauchen in eine fremde Welt/Kultur
Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen ist ein bedrückendes Buch, das Einblick in eine Welt bietet, die man sich bei uns nicht vorstellen kann. Wer würde hierzulande einen Gedanken daran verschwenden, ob man den Feind/einen Terroristen vor sich hat, wenn ein Handwerker im Haus ist. Das an sich ist schon eine verstörende Erfahrung - es wird aber noch schlimmer. Das Verhalten der Protagonisten Naomi und Juval wird - nach dem Hammer-Vorfall - immer unerträglicher; man windet sich geradezu beim Lesen ob soviel Naivität, Verschlossenheit, Leichtsinnigkeit und Empathielosigkeit. Ich fragte mich die ganze Zeit, welche Grundlage das Protagonisten-Paar überhaupt für seine Beziehung hat - und dabei hat der Hammer-Vorfall nicht einmal grundlegend was damit zu tun. Sätze wie, „Für jemanden, der schon länger hier (Anm.: Nigeria) lebte, war klar: auf manchen Straßen wird dir nichts passieren, und manch andere solltest du lieber nicht begehen. Auch in der Paarbeziehung gibt es solche Gebiete. Vielleicht sind sie nicht immer so gut gekennzeichnet, aber bei Juval und ihr bestand kein Zweifel an dem Namen der Straße, die es zu meiden galt.“, machten mich fast sprachlos. Aus meiner Sicht leidet das Buch ein wenig an den Zeitsprüngen, die immer wieder neue Geschichten aufbringen und Seitenstränge eröffnen, bei denen man nicht immer erkennen kann, was die Autorin damit zum Ausdruck bringen will. Alles in allem durchaus lesenswert, wenn auch anders, als erwartet - die kulturelle „Ferne“ ist eindrücklich, macht es aber auch schwer, sich in die Charaktere einzufühlen.






















































