
Schweigen, Verantwortung, Vorurteil
Der Titel des Romans ,Ungebetene Gäste‘ trifft den Kern des Romans. Vor dem Hintergrund eines tragischen Unfalls entspannt die Autorin ein sozio-politisches Geflecht aus Figuren, die auf verschiedenen Ebenen aufeinandertreffen - jede einmal selbst in der Rolle als ungebetener Gast. Der erste Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, die Sprache ist direkt und unbeschönigt. Das große Unbehagen, in das Naomi durch die bloße Anwesenheit des arabischen Arbeiters versetzt wird, ist so eindringlich beschrieben, dass sich beim Lesen direkt eine Atmosphäre der Beklemmung ausbreitet, die sich im weiteren Verlauf in jeder Beziehung durchzieht. Die Handlung lebt vielmehr von den Dingen die nicht gesagt werden als von denen, die gesagt werden- das macht den Roman aus. Trotzdem habe ich die Leerstellen als zu groß empfunden. Im zweiten und dritten Teil werden viele neue Ebenen betreten, aber nur kurz ausgeführt oder angeschnitten. Dabei hätte jede es verdient, sich dafür etwas mehr Zeit zu nehmen (z.B. Beziehung zwischen Ayobami und Naomi, Juvals Job beim Militär in Nigeria und Angola, Kindheitstraumata der Psychologin Noga). Durch die Vielschichtigkeit geht der Fokus verloren. Die häufigen Abzweigungen in einen neuen Handlungsstrang haben mich irritiert und meine anfängliche Begeisterung ist leider schnell abgeflacht. Zudem bin ich an einigen Stellen über die etwas befremdliche Übersetzung gestolpert. So wird eine Frau abwertend als ‚kritische Hündin‘ (S.231) oder ,zahnlose Hündin‘ (S.264) bezeichnet; als eine Frau mit einem Mann schläft wollte sie, dass er ,reinschlüpfte‘ (S.255). Ich würde das Buch nur eingeschränkt weiterempfehlen.



























































