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Also das war ja mal garnix
Achtung, SPOILER!! Erstmal das harmloseste Problem: das Buch hätte eine E-Mail sein können. Es ist der Inbegriff von Plot-Driven anstatt Character-Driven. Die drei Hauptcharaktere Thomas, Charlie und Livia lassen sich von den Umständen dahintreiben und die wichtigste Entscheidung, die sie treffen, ist, sich aufzuteilen, damit einer einen Lehrer etwas fragen kann während die anderen beiden schonmal nach London weiterreisen. Die POV wechselt wild hin und her zwischen Erzähler, dann erste Person, dann wieder Erzähler und zwischendurch bekommen random Nebencharaktere ein Kapitel gewidmet, deren Inhalt zu größten Teil irrelevant ist. Das zweite Problem: die Welt macht keinen Sinn. Man kann nicht einfach einen Zeitpunkt in unserer Welt nehmen und ein Konzept wie "deine dunkelsten Gedanken sind für alle als Rauch sichtbar" obendraufklatschen ohne sonst etwas zu ändern. Das ganze hätte vielleicht sogar funktioniert, wenn der Rauch nicht ansteckend und süchtig machend wäre. So macht es null Sinn, dass der Adel, der den Rauch durch Selbstdisziplin unterdrückt, an der Macht ist. Wie in London, das als ein Sündenpfuhl beschrieben wird, wo Gewalt und Prostitution Tagesordnung sind, die fein gestriegelten Gentlemen die Kanalisation renovieren wollen ohne belästigt zu werden, ist mir ein Rätsel. Mehr Sinn würde es machen, wenn es eine kriminelle Unterwelt gäbe, die sich um die Menschen mit dem am süchtig machendsten Rauch dreht oder so etwas. Und was Rauch eigentlich ist erfahren wir auch nie. Ich habe die ganze zweite Hälfte auf einen Plottwist gewartet, der nie kam. Oh, es gab nicht immer Rauch und muss einen Auslöser gehabt haben? Irrelevant. Oh, es gibt Leute, die ohne Rauch geboren werden? Irrelevant. Oh, es gibt Leute, die ihren Rauch durch eine Krankheit verlieren können? Irrelevant. Stattdessen bekommen wir ewig lange Diskussionen über das Wesen des Rauches und ob es jetzt Sünde ist oder nur ausgelebte Leidenschaft. Beide Möglichkeiten führen zu sehr fragwürdigen Rückschlüssen. Ist der Rauch Sünde? Dann ist die Moral, dass kriminelle Menschen nicht gerettet werden können und man sich von ihnen fernhalten sollte, weil man sich sonst ansteckt. Ist er keine Sünde? Dann ist die Moral, dass körperliche Gewalt genauso natürlich ist wie Sexualität. Wenn die Moral deiner Geschichte literally an den Moralvorstellungen der Viktorianer hängt, hast du vielleicht etwas falsch gemacht. Ach, und am Ende ist der große Plan von Livias Mutter Lady Naylor, eine große Rauchexplosion zu verursachen, die eine einmonatigen Zeit der Anarchie auslösen soll, um... äh... die Leute durch entfesselte Leidenschaft zueinander zu bringen? Gerechtigkeit zu schaffen? "Gott neu zu erfinden??" Also offensichtlich ein dummer Plan, der von jemand anderem vereitelt wird während das Trio zuguckt. Aber dann reden sie mit Lady Naylor und finden, dass sie Recht hat, also beenden sie den Plan doch. Ich musste für das Ende noch nicht einmal erklären was mit Thomas los ist, weil das komplett und vollkommen irrelevant ist!! So, und jetzt der Punkt, der dafür gesorgt hat, dass ich das Buch an die Wand werfen wollte. Heilige Scheiße, ist es misogyn. Es gibt zwei weibliche Charaktere, die wichtig sind, ZWEI, und das sind Livia und ihre Mutter. Lady Naylor ist eine Wissenschaftlerin, die einfach nur das Werk ihres Ehemanns vollenden will, und Livia startet als prüde und eingebildet und ihre Charakterentwicklung besteht daraus, dass sie ihre Sexualität entdeckt und sich in beide Jungs gleichzeitig verliebt. Charlie ok meinetwegen, hätte ich akzeptiert. Aber Thomas und sie sagen sich nicht EIN nettes Wort das gesamte Buch über. Als Charlie nicht da ist, fühlt sie sich vage "zu ihm hingezogen" so als würde der Author sich weigern einen männlichen Körper als attraktiv zu beschreiben, dann kuschelt sie sich an einem Abend an seine Schulter und als Charlie wieder da ist, bemerkt er, dass sich "etwas zwischen ihnen verändert hat". Und wie Livia teilweise beschrieben wird ist ekelhaft. An einem Punkt fangen die Jungs an, an ihrem Rauch zu schnuppern, um zu erriechen was sie fühlt, und dann gibt es folgende Zitate, für die ich dem Autoren gerne einen Schürhaken über den Kopf ziehen würde: Lady Naylor zu ihrer Tochter: "Glaubst du, du bist das erste Mädchen, das sich fragt ob es lieber mit einem netten Jungen glücklich oder mit einem Schuft unglücklich werden soll? Das ist völlig normal." ??? "Oh, wie gut sie die beiden versteht. Alles ist in ihrem Rauch geschrieben. Charlies Zweifel und Thomas' heimliche Sehnsucht nach dem Rauch. Und sie selbst, Fleisch und Blut, das, was jeder von ihnen mir ihr anstellen will; das unverwandte Staunen über den Körper unter ihrem Kleid. Es ist, als wären sie alle nackt." Bitte?? "Das edle Kleid entlockt den Londonern Kommentare, Pfiffe. Kappen werden in gespielter Ehrerbietung gelüftet. (...) Livia tauscht fahlen Rauch mit ihren aufdringlichen Verehrern aus; die Rüschen ihrer Ärmel färben sich grau. In ihrem Rauch schwingt ein Hauch Erregung mit, weil sie beachtet wird." *würg* Also ja, lest dieses Buch nicht, es lohnt sich nicht.
5 days ago
Also das war ja mal garnix
Achtung, SPOILER!! Erstmal das harmloseste Problem: das Buch hätte eine E-Mail sein können. Es ist der Inbegriff von Plot-Driven anstatt Character-Driven. Die drei Hauptcharaktere Thomas, Charlie und Livia lassen sich von den Umständen dahintreiben und die wichtigste Entscheidung, die sie treffen, ist, sich aufzuteilen, damit einer einen Lehrer etwas fragen kann während die anderen beiden schonmal nach London weiterreisen. Die POV wechselt wild hin und her zwischen Erzähler, dann erste Person, dann wieder Erzähler und zwischendurch bekommen random Nebencharaktere ein Kapitel gewidmet, deren Inhalt zu größten Teil irrelevant ist. Das zweite Problem: die Welt macht keinen Sinn. Man kann nicht einfach einen Zeitpunkt in unserer Welt nehmen und ein Konzept wie "deine dunkelsten Gedanken sind für alle als Rauch sichtbar" obendraufklatschen ohne sonst etwas zu ändern. Das ganze hätte vielleicht sogar funktioniert, wenn der Rauch nicht ansteckend und süchtig machend wäre. So macht es null Sinn, dass der Adel, der den Rauch durch Selbstdisziplin unterdrückt, an der Macht ist. Wie in London, das als ein Sündenpfuhl beschrieben wird, wo Gewalt und Prostitution Tagesordnung sind, die fein gestriegelten Gentlemen die Kanalisation renovieren wollen ohne belästigt zu werden, ist mir ein Rätsel. Mehr Sinn würde es machen, wenn es eine kriminelle Unterwelt gäbe, die sich um die Menschen mit dem am süchtig machendsten Rauch dreht oder so etwas. Und was Rauch eigentlich ist erfahren wir auch nie. Ich habe die ganze zweite Hälfte auf einen Plottwist gewartet, der nie kam. Oh, es gab nicht immer Rauch und muss einen Auslöser gehabt haben? Irrelevant. Oh, es gibt Leute, die ohne Rauch geboren werden? Irrelevant. Oh, es gibt Leute, die ihren Rauch durch eine Krankheit verlieren können? Irrelevant. Stattdessen bekommen wir ewig lange Diskussionen über das Wesen des Rauches und ob es jetzt Sünde ist oder nur ausgelebte Leidenschaft. Beide Möglichkeiten führen zu sehr fragwürdigen Rückschlüssen. Ist der Rauch Sünde? Dann ist die Moral, dass kriminelle Menschen nicht gerettet werden können und man sich von ihnen fernhalten sollte, weil man sich sonst ansteckt. Ist er keine Sünde? Dann ist die Moral, dass körperliche Gewalt genauso natürlich ist wie Sexualität. Wenn die Moral deiner Geschichte literally an den Moralvorstellungen der Viktorianer hängt, hast du vielleicht etwas falsch gemacht. Ach, und am Ende ist der große Plan von Livias Mutter Lady Naylor, eine große Rauchexplosion zu verursachen, die eine einmonatigen Zeit der Anarchie auslösen soll, um... äh... die Leute durch entfesselte Leidenschaft zueinander zu bringen? Gerechtigkeit zu schaffen? "Gott neu zu erfinden??" Also offensichtlich ein dummer Plan, der von jemand anderem vereitelt wird während das Trio zuguckt. Aber dann reden sie mit Lady Naylor und finden, dass sie Recht hat, also beenden sie den Plan doch. Ich musste für das Ende noch nicht einmal erklären was mit Thomas los ist, weil das komplett und vollkommen irrelevant ist!! So, und jetzt der Punkt, der dafür gesorgt hat, dass ich das Buch an die Wand werfen wollte. Heilige Scheiße, ist es misogyn. Es gibt zwei weibliche Charaktere, die wichtig sind, ZWEI, und das sind Livia und ihre Mutter. Lady Naylor ist eine Wissenschaftlerin, die einfach nur das Werk ihres Ehemanns vollenden will, und Livia startet als prüde und eingebildet und ihre Charakterentwicklung besteht daraus, dass sie ihre Sexualität entdeckt und sich in beide Jungs gleichzeitig verliebt. Charlie ok meinetwegen, hätte ich akzeptiert. Aber Thomas und sie sagen sich nicht EIN nettes Wort das gesamte Buch über. Als Charlie nicht da ist, fühlt sie sich vage "zu ihm hingezogen" so als würde der Author sich weigern einen männlichen Körper als attraktiv zu beschreiben, dann kuschelt sie sich an einem Abend an seine Schulter und als Charlie wieder da ist, bemerkt er, dass sich "etwas zwischen ihnen verändert hat". Und wie Livia teilweise beschrieben wird ist ekelhaft. An einem Punkt fangen die Jungs an, an ihrem Rauch zu schnuppern, um zu erriechen was sie fühlt, und dann gibt es folgende Zitate, für die ich dem Autoren gerne einen Schürhaken über den Kopf ziehen würde: Lady Naylor zu ihrer Tochter: "Glaubst du, du bist das erste Mädchen, das sich fragt ob es lieber mit einem netten Jungen glücklich oder mit einem Schuft unglücklich werden soll? Das ist völlig normal." ??? "Oh, wie gut sie die beiden versteht. Alles ist in ihrem Rauch geschrieben. Charlies Zweifel und Thomas' heimliche Sehnsucht nach dem Rauch. Und sie selbst, Fleisch und Blut, das, was jeder von ihnen mir ihr anstellen will; das unverwandte Staunen über den Körper unter ihrem Kleid. Es ist, als wären sie alle nackt." Bitte?? "Das edle Kleid entlockt den Londonern Kommentare, Pfiffe. Kappen werden in gespielter Ehrerbietung gelüftet. (...) Livia tauscht fahlen Rauch mit ihren aufdringlichen Verehrern aus; die Rüschen ihrer Ärmel färben sich grau. In ihrem Rauch schwingt ein Hauch Erregung mit, weil sie beachtet wird." *würg* Also ja, lest dieses Buch nicht, es lohnt sich nicht.
5 days ago






