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Urlaub vom Patriarchat

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Über das Buch

Ein mitreißender Reisebericht aus einem der letzten Matriarchate der Welt

Ermüdet und genervt vom Alltag im Patriarchat bricht Friederike Oertel zu einer Reise nach Mexiko auf – in eines der letzten Matriarchate der Welt. Sie möchte Abstand gewinnen, von den Frauen vor Ort lernen, mit neuen Perspektiven nach Hause zurückkehren. Doch auch im Matriarchat ist Frausein komplizierter als erwartet.

In Juchitán läuft vieles anders: Frauen sind die Oberhäupter ihrer Familie, Besitz wird von Müttern an die Töchter vererbt und Muxe , Menschen eines dritten Geschlechts, sind gesellschaftlich normalisiert. Auf dem dicht gedrängten Markt, den Friederike Oertel mit ihrer Gastschwester besucht, betreiben Frauen den Handel, auf Festen geben sie den Ton an. Diese »Stadt der Frauen« gilt in Dokumentarfilmen und Büchern als Matriarchat und damit als gelebter Gegenentwurf zum Patriarchat.

In einer Sprache, die die flirrenden Farben des Ortes lebendig werden lässt, und mit einem einfühlsamen Blick auf eine Stadtgesellschaft, die nach eigenen Regeln funktioniert, erkundet die Autorin ihr eigenes Frausein, geht Selbstzweifeln und Widersprüchen nach, hinterfragt Rollenerwartungen und lässt sich von Gefühlen überrollen und durchspülen. Die jahrhundertealte Idee des Matriarchats ist gleichzeitig Mythos und Realität, sie stellt Friederike Oertels Leben auf den Kopf und hilft ihr, das Frausein im Patriarchat neu zu betrachten.

Editionen (1)

ISBN9783462006285
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum08.05.25
Seitenzahl336

Rezensionen & Bewertungen

54 Bewertungen

25 Rezensionen

4,5

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  • i.smell.rain
    i.smell.rain

    187 Follower

    5,0

    Meisterliches Werk

    “Vielleicht ist das eine der größten Ambivalenzen, die es auszuhalten gilt: Zu verstehen und anzuerkennen, dass ich Teil dieser Welt bin, dass mich das Patriarchat prägt, beeinflusst und kleinhält, ob ich will oder nicht - und dabei nicht den Mut zu verlieren, es infrage zu stellen und verändern zu wollen.” Puh diese Reise war wild, ich war dabei auf jeder Seite so mächtig voller Neugierde. Friederike Oertel erzählt von einer wahren Begebenheiten, - sie hat genug von ihrem Alltag und stellt sich viele Fragen, sie recherchiert und stößt dabei auf Juchitán eine Stadt in Mexiko. Hier soll nach dem Matriarchat gelebt werden, die Frauen haben also die Oberhand in einer Familie, als Händlerinnen bestimmen sie die lokale Wirtschaft, verwalten das Geld und ernähren die Familie. Friederike muss herausfinden, ob etwas dran ist und was es bedeutet, - wie leben die Frauen dort? Während ich dieses Buch gelesen habe, ist mein Kopf explodiert mit bunten Farben, ständig habe ich die knalligsten und leuchtendsten Farben vor mir gesehen, passend zu diesem tollen Cover. So konnte ich mir die Frauen in Tracht und das tanzen richtig bildlich vorstellen. So auch die Friedhöfe, die voller bunter Blumen durch die Frauen erblühen, nicht nur ein Ort der Trauer, ebenfalls der Gemeinschaft. Es ist ein Buch, welches viel auf die Geschichte eingeht, von Frauen aus dem traditionellen Mexico, so zb. Frieda Kahlo die Königin, die sich zwei Zöpfe zur Krone erwähnt hat. Um Frauengeschichten, derer Frauen die durch Wut soviel bewirkt haben. Eine Wut ohne die wir noch heute nicht als Frau wählen gehen oder ein Konto eröffnen könnten. Mit unter gibt es auch grausame Erzählungen von Frauen und abermals ganz besonders mit Männern inbegriffen. Stellt sich also die Frage, - wo liegt der Unterschied zu unserem vermehrten patriarchalen Maßlinien, - zu dem Leben in Juchitán und gibt es diesen wirklich? Es durchleuchtet in vielerlei Hinsicht mehrere Perspektiven und Ansichten. Es lässt einen vielleicht manchmal wehmütig, geschockt und traurig zurück. “Juchitán ist indigen und kolonialisiert, widerständig, anpassungsfähig, offen und verschlossen, voller Härte und Gewalt, aber auch voller Liebe und Zärtlichkeit, voller harter Arbeit und ausgelassener Feiern. Juchitán ist Matriarchat und Patriarchat in einem, alles gleichzeitig und nichts von alldem allein.” Es geht um die Lebensweise in Mexiko, das Leben der Autorin in der ich soviel Wut und Stärke mitfühlen durfte, mich zu oft wiedergefunden habe. Über das was es heißt Frau in dieser Welt zu sein, aber auch über die allgemeine Zeitentwicklung, Erzählungen von Heute und Früher. Es gibt einen unglaublich viel Input und hat mich zutiefst beeindruckt, ich könnte ewig darüber erzählen. Lest dieses Buch, von mir gibt es eine absolute Empfehlung. “Hu.., Hexe, Heilige, all das kann ich sein - muss es es aber nicht. Es ist so einfach und gleichzeitig so kompliziert. Das Matriarchat das bin ich.” 👊🏻❤️‍🔥

    Meisterliches Werk

    8. Mai 2025

  • clara_2705
    clara_2705

    142 Follower

    5,0

    Für mich persönlich ein Meisterwerk der feministischen Literatur

    Friederike Oertel hat mit diesem Buch ein ganz besonderes Werk geschaffen: Eine Mischung aus Reisebericht und Sachbuch. Persönliche Erfahrungen und eine wissenschaftlich-historische Auseinandersetzung mit dem Thema Frauenrechte und die Stellung der Frau in der Gesellschaft in verschiedenen Ländern und Epochen werden hier ideal vereint in einem sehr lebhaften Schreibstil. Man lernt zum Einen sehr viel über den Mythos der Matriarchate, die - vermeintlich - nur in wenigen Orten der Welt existieren. Ob das Matriarchat in Friederikes Reisedestination Juchitán, Mexiko, jedoch wirklich ein richtiges Pendant zum Patriarchat darstellt, analysiert sie im Buch anhand ihrer eigenen Erfahrungen und der früherer Forscher/-innen und Beobachter/-innen. Darüber hinaus erörtert Friederike Oertel in umfangreichen Unterkapiteln verschiedene gesellschaftspolitische Aspekte zu dem eingangs erwähnten Thema. Hierbei wurden ihre Erlebnisse, die in Gedankengängen münden, ideal in die jeweiligen Recherchen und wissenschaftliche Auseinandersetzungen eingefädelt. Ich konnte hierbei mein Wissen zu vielen Dingen sehr gut auffrischen und auch vieles dazulernen. Ich durfte Friederike Oertel außerdem vor einigen Monaten auf einer Lesung in Heidelberg persönlich treffen und mir das Buch signieren lassen, was dem Buch für mich persönlich natürlich noch eine ganz besondere Note schenkt. 5/5 ⭐️

    Für mich persönlich ein Meisterwerk der feministischen Literatur

    14. Sept. 2025

  • weinphilosoph
    weinphilosoph

    578 Follower

    4,0

    Friederike Oertels Buch ist mehr als nur ein Reisebericht, persönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Aufarbeitung von Frauenrechten und deren Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Reise nach Juchitán in Mexiko ist trotz oder wegen einer vorherigen Euphorie begleitet von unterschwelliger Ernüchterung. Der Ausbruch aus dem Patriarchat in eine vermeintlich bessere Welt hat der Autorin fortwährend vor Augen geführt, wie gering Unterschiede in täglichem Wirken sein können. Nichtsdestotrotz ist das Buch voller Lebensfreude und Einblicke in eine Gesellschaft, die der westeuropäischen in einigen Bereichen der Akzeptanz einiges voraus hat. Auch wenn einige Gesellschaftsfelder mithin rückschrittlicher zu sein scheinen, ist die Akzeptanz anderer sozialer Geschlechter augenscheinlich höher. Die Bilder sind so eindrücklich beschrieben, dass man sich den Menschen in Juchitán so nah fühlen kann, wie es Friederike Oertel gewesen zu sein scheint. Die Beschreibungen des Lebens vor Ort in Verbindung mit den Ausbrüchen und Vergleichen zum Patriarchat sind ein feministischer Weckruf, den viele Männer gelesen haben sollten. Auch aufgrund einer weitestgehend fehlenden persönlichen Einordnung durch Friederike Oertel bleibt es den Lesenden offen, wie man die Eindrücke - gepaart mit nüchternen Fakten - einordnet und bewertet. Der einzige Kritikpunkt ist für mich lediglich die handwerklich getroffene Entscheidung von langen Kapiteln ohne teilweise klare Abtrennungen, die den Lesefluss an einigen Stellen etwas unsauber haben fließen lassen.

    4. Okt. 2025

3 von 25 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 5622%
taenja
taenja5. Mai 2025

Das Gefühl, dass erfahrene Diskriminierung häufig strukturell ist, kann ich gut nachfühlen. Die bisher geteilten Fakten sind mir weitestgehend neu und d wahnsinnig interessant.

Seite 16052%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Friederike Oertel

Friederike Oertel, 1991 in Dresden geboren, ist Journalistin und lebt in Berlin. Sie hat Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Spanisch studiert und die Reportageschule in Reutlingen besucht. Nach mehreren Auslandsaufenthalten in Lateinamerika arbeitet sie heute als Redakteurin bei der ZEIT, dort schreibt sie am liebsten Reportagen, Porträts und Langstrecken. Für ihre Texte wurde sie mehrfach ausgezeichnet. »Urlaub vom Patriarchat« ist ihr erstes Buch.

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