Blick ins Buch

Romane

Unter Grund

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Über das Buch

*Ausgezeichnet mit dem Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals und dem Publikumspreis beim Franz-Tumler-Literaturpreis*

Inmitten des Schweigens ihrer Familie hat Franka sich schon immer verloren gefühlt. Bereits ihre Großmutter, genannt die Fuchsin, hortete Geheimnisse wie die schwarzen Steine in ihrer Schürze. Als Franka mit Ende Zwanzig in die fränkische Provinz mit den Himmelsweihern und Spiegelkarpfen zurückfährt, sieht sie endlich hin: Wie das war in den Nullerjahren, als Deutschland Weltmeister im eigenen Land werden wollte. Als ihr Vater starb und sie in Patrick und Janna Gleichgesinnte fand, die Unsicherheit mit Krawall, Frustration mit Faustschlägen übertünchten. Als sie immer tiefer in die rechte Szene einstieg. Sie beginnt Fragen zu stellen und sucht nach einer Haltung zur Vergangenheit.

Ein hochaktuelles Debüt über eine Jugend auf dem Land zwischen der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, radikaler Wut und den blinden Flecken der eigenen Familie.

» Was auch heute in Deutschland mehr oder minder im Untergrund rumort, bringt Annegret Liepold mutig zur Sprache .« Abendzeitung

Editionen (2)

ISBN9783896677662
VerlagBlessing
Erscheinungsdatum26.02.25
Seitenzahl256

Merkmale

3 Bewertungen

GlaubwürdigEntwickelndNachdenklichVerstörendVielschichtigLangsam

Rezensionen & Bewertungen

190 Bewertungen

46 Rezensionen

4,0

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  • kathisol
    kathisol

    258 Follower

    3,5

    Warum rutschen Jugendliche in die rechte Szene ab?

    Franka wächst in einer ländlichen Umgebung auf, ist eher Außenseiterin, fühlt sich nirgends zugehörig und muss den Tod ihres Vaters verarbeiten. Mit 15 lernt sie andere Jugendliche kennen und gelangt über sie in die rechte Szene. Jahre später kehrt sie in ihre Heimat zurück und stellt sich ihrer Vergangenheit und dem Schweigen ihrer Familie. Der Start in das Buch ist etwas zäh und ich kam längere Zeit nicht so richtig in den Lesefluss. Es wird zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin- und hergesprungen, was manchmal etwas unübersichtlich ist. Aber dann war ich irgendwann drinnen und es ließ sich besser lesen. In dem Buch geht es um die Aufarbeitung der Vergangenheit und der Familiengeschichte, um mögliche Gründe, warum Jugendliche sich radikalisieren, um die Frage nach Schuld und Eigenverantwortung. Es wird aufgezeigt, wie erschreckend schnell es gehen kann, dass Jugendliche, die einsam, vernachlässigt und wütend sind, in dem gemeinsamen Feindbild und der Gruppenzugehörigkeit aufgehen und dabei jeglichen moralischen Kompass verlieren. Die Atmosphäre in dem Buch ist schwer, bedrückend und stellenweise fand ich es aufgrund der Thematik schwer, weiterzulesen. Franka als Protagonistin ist eher unsympathisch, aber nicht unnachvollziehbar; bleibt jedoch distanziert. Viele Themen werden eher angerissen und es gab einige Szenen, die viel Raum bekamen, obwohl sie für die Handlung nicht relevant waren. Einige Handlungsstränge hätte ich gerne vertiefter gesehen, wie Frankas Beziehung zur Großmutter oder auch ihren Ausstieg aus der rechten Szene. Insgesamt aber ein sehr relevantes Buch mit leider immer noch aktuellen Themen, das viel Stoff zum Diskutieren/Reflektieren bietet.

    28. Feb. 2026

  • anja._liest
    anja._liest

    331 Follower

    4,0

    Franka lebt in München und ist Referendarin. Zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Hannah steht sie mit ihrer Klasse vorm Oberlandesgericht und Hannah erzählt vom NSU Prozess gegen Zschäpe. Niemand hier in München weiß von Frankas Vergangenheit, niemand weiß was sie noch vor 5 Jahren getan hat. Franka beginnt nach Antworten zu suchen und kehrt zurück in ihr Heimatdorf, zum Weiher, dem Fuchsbau, ihrer Familie und den Freunden und Menschen, vor denen sie vor 5 Jahren geflohen ist. Ein eindringlicher und hochaktueller Roman, der uns zeigt wie einfach es für manche Jugendliche ist, in eine radikalisierten Gruppe zu gelangen, ohne vorher eine politische Gesinnung zu haben. Franka fühlt sich schnell wohl bei Patrick und Janna. Alle haben Probleme zu Hause und unglaublich viel Wut in sich. Sie sind unsicher aber zusammen fühlen sie sich stark und zugehörig. Frankas Familie ist gut im Schweigen. Viel von damals weiß sie nicht. Ihre Mutter schämt sich für ihre Tochter, weiß nicht mit ihr umzugehen. Ihre Großmutter wird im Dorf „Die Füchsin“ genannt. Sie hat einen sehr großen Einfluss auf die Familie und war in ihrer Jugend Anhängerin rechter Ideologien. Gesprochen wird darüber aber nicht. Die Autorin schreibt ruhig und unaufgeregt. Die Beschreibung des Dorfes und der Familie ist sehr gut gelungen. Die Menschen im Dorf haben Angst vor fremden Menschen, haben viele Vorurteile. Das war gut eingefangen. Der Einblick in die rechte Szene war ganz spannend. Ich hätte gern noch etwas mehr über den Ausstieg erfahren. Das wurde eher angedeutet. Insgesamt keine leichte Kost aber sehr lesenswert.

    8. März 2025

  • monsieurschaernee
    monsieurschaernee

    157 Follower

    4,0

    Coming-of-age ins Nazi-Milieu und folgender Ausstieg - mit aktuellem Bezug

    Annegret Liepold erzählt in Ihrem Roman „Unter Grund“ die Jugendgeschichte der Protagonistin Franka, die in einer strukturschwachen Gegend in Bayern aufwächst und immer wieder bei Mitschüler*innen aneckt und sich als Außenseiterin sieht. Das Buch arbeitet dabei mit Rückblicken aus der jetzt-Zeit, in der Franka (eigentlich Franziska) Lehrerin ist und mit ihren Schüler*innen eine Verhandlung im Gerichtsprozess gegen das NSU-Mitglied Beate Zschäpe besucht. Die Darstellung der handelnden Personen, allen voran Franka, überzeugt aus meiner Sicht nicht vollends. Der Aufbau ist für meinen Geschmack zu vorhersehbar. Schöne Kindheit mit schönen Erinnerungen, schwierigere Jugend, weil Vater früh verstorben, dann falsche Freunde und schließlich Mitläuferin und Initiatorin bei rechtsextremen Aktionen. Die Entwicklung an sich lässt sich - geht man vom Hintergrund einer strukturschwachen Gegend, wie der beschriebenen, aus, durchaus gut nachvollziehen; das kann und wird sicherlich so geschehen. Vielerorts. Die Protagonistin ist aber eine sehr feinfühlige, sehr naturverbundene, sehr gedankenverlorene und gar poetisch-lyrische Person und gerade deshalb kann ich ihr nicht abnehmen, dass sie wirklich in das Nazi-Milieu abrutscht. Auch die nachfolgende „Läuterung“ ist für meinen Geschmack zu glatt und zu schablonenhaft. Was mich hingegen durchaus überzeugt hat, ist die Schilderung der Großeltern- und Elterngeneration. Frankas Oma, die „Fuchsin“ war stramme Nationalsozialistin, das belegen Funde aus dem Dachboden (Liedhefte, etc.) und Recherchen aus dem Gemeindearchiv, die belegen, dass das Familienhaus im dritten Reich von einer verjagten jüdischen Familie für wenig Geld zwangsverkauft wurde. Jeder war dabei, jeder wusste es und trotzdem hat keiner was gewusst. Das ist glaubwürdig - und letztlich ist aus diesem bewussten Vergessen noch viel zu wenig aufgearbeitet. Und die Aufarbeitung wird immer schwieriger, weil die Zeitzeugen wegsterben. Und damit geraten wir wieder ins Vergessen. Insgesamt ein durchwachsener Roman, der mich halb/halb überzeugt hat.

    Coming-of-age ins Nazi-Milieu und folgender Ausstieg - mit aktuellem Bezug

    18. Jan. 2026

3 von 46 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Annegret Liepold

Annegret Liepold, geboren 1990 in Nürnberg, hat Komparatistik und Politikwissenschaften in München und Paris studiert. Für die Arbeit an ihrem Debüt Unter Grund erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. das Literaturstipendium der Stadt München sowie die Einladung zur 15. Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung und zur Romanwerkstatt des Literaturforums im Brecht-Haus Berlin. 2022 war sie Finalistin des open mike. 2025 erhielt sie den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals und den Publikumspreis beim Franz-Tumler-Literaturpreis. Sie arbeitet für die »Bayerische Akademie des Schreibens« am Literaturhaus München.

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