Blick ins Buch

Fachbücher

Nichtmuttersein

4,5(74)
Softcover18,00 €
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Ist man nur als Mutter wirklich Frau?

Nadine Pungs möchte keine Mutter sein – eine Tatsache, die viele nicht akzeptieren können. Fremde Menschen nehmen sich das Recht heraus, sie als egoistisch, narzisstisch oder auch unnatürlich zu bezeichnen. Denn eine Frau, die sich der Mutterschaft verweigert, rebelliert gegen Rollenklischees. Immer noch. Woher kommt diese Vorstellung, dass jede »normale« Frau den Wunsch nach eigenen Kindern hegen muss? Wieso können wir nicht akzeptieren, dass der Uterus einer Frau niemand anderen etwas angeht?
Pungs legt den Finger in die Wunde. Sie spricht mit Müttern und Nichtmüttern über Ängste und Hoffnungen, erzählt von ihrem eigenen Kampf um Akzeptanz und argumentiert für weibliche Körperherrschaft. Sie plädiert für das Kinderwunschlosglück und zeigt, was Selbstermächtigung in letzter Konsequenz und aller Radikalität bedeutet. Mal zart, mal zornig macht Pungs klar, wie politisch für Frauen selbst das Intimste ist.

ISBN9783492062879
VerlagPiper
Erscheinungsdatum28.07.22
Seitenzahl240

Rezensionen & Bewertungen

74 Bewertungen

13 Rezensionen

4,5

Tippen zum Filtern

  • matilda.billerby
    matilda.billerby

    104 Follower

    4,0

    Kinderwunschlos•gesellschaftliche Erwartungen

    Nadine Pungs' Buch „Nicht Muttersein - Von der Entscheidung ohne Kinder zu Leben“ beleuchtet ein oft tabuisiertes Thema auf eine sehr persönliche und reflektierte Weise. In ihrem Werk setzt sich Pungs eindringlich mit den gesellschaftlichen Erwartungen und individuellen Entscheidungen auseinander, die das Leben ohne Kinder begleiten. Die Autorin bietet einen tiefen Einblick in ihre eigenen Überlegungen und Erfahrungen, was dem Buch eine besondere Authentizität verleiht. Pungs' Erzählstil ist fesselnd und ehrlich. Sie beleuchtet die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und die oft unausgesprochenen Annahmen über Mutterschaft. Dabei gelingt es ihr, die persönlichen Geschichten und Überlegungen, die zu ihrer Entscheidung führten, anschaulich und nachvollziehbar darzustellen. Dies macht das Buch besonders wertvoll für Leser:innen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden oder die Beweggründe für ein Leben ohne Kinder besser verstehen wollen. Allerdings hätte ich mir an einigen Stellen mehr wissenschaftliche Tiefe gewünscht. Pungs' Argumentation basiert größtenteils auf persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die zwar authentisch und überzeugend sind, jedoch durch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse noch gestärkt werden könnten. Eine intensivere Auseinandersetzung mit psychologischen, soziologischen und historischen Studien hätte dem Buch mehr Gewicht und Nachdruck verliehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die sehr westlich-privilegierte Perspektive des Buches. Pungs' Erfahrungen und Überlegungen sind stark in einem westlichen, privilegierten Kontext verankert. Dies ist zwar verständlich, da es ihre persönliche Geschichte widerspiegelt, lässt aber die Vielfalt der Erfahrungen und Perspektiven von mehrfach-marginalisierten Personen vermissen. Mehr Diversität in den dargestellten Geschichten und eine tiefere Auseinandersetzung mit intersektionalen Aspekten der Kinderlosigkeit wären wünschenswert gewesen, um ein umfassenderes Bild der Thematik zu zeichnen. Mit einer Bewertung von 4/5 ist „Nicht Muttersein“ trotz der Kritikpunkte ein wichtiges und inspirierendes Buch. Es öffnet einen Raum für eine oft unterrepräsentierte Perspektive und ermutigt Frauen, ihre eigenen Lebensentscheidungen zu hinterfragen und selbstbewusst zu treffen. Pungs' Mut, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen und gesellschaftliche Normen in Frage zu stellen, macht das Buch zu einer wertvollen Bereicherung für Mutterschaft und kinderfreie Lebenswege.

    21. Juni 2024

  • schneckermann
    schneckermann

    34 Follower

    4,5

    Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die eigenen Kinder mehr bekümmern können als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des Partners. [...] Erst wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, sind Eltern glücklicher als Kinderlose, sagen wiederum Wissenschaftler der Universität Heidelberg.

    Die Autorin erzählt sehr persönlich über ihren Nichtkinderwunsch. Hierbei werden sowohl persönliche Ereignisse wie Abtreibung und Sterilisation sowie der Weg dahin erklärt. Auch wenn die Autorin sehr intime Einblicke teilt, so ergänzt sie die Themen auch immer mit diversen Studien. Ihr gelingt somit der perfekte Mix aus wissenschaftlichen Fakten als auch aus persönlichen Erlebnissen wie z.B. der Veränderung von Freundschaften. Mich hat das Buch total abgeholt, auch wenn ich die Autorin zuweilen als nichtkindermögend wahrgenommen habe. Dass man keine eigenen Kinder möchte, bedeutet ja nicht, dass man Kinder per se nicht mag. Bei der Autorin kam bei mir aber tatsächlich das Gefühl aus, dass dem so ist. Zumindest gibt sie offen zu sich gar nicht für Kinder zu interessieren, auch nicht für die ihrer Freundinnen. Ein empfehlenswertes Buch sowohl für Menschen mit als auch ohne Kinderwunsch, da es auch einen feministischen Ansatz hat. Beispiele dafür sind die Abtreibungsgesetze und die Hürden, die eine Frau (im Gegensatz zu Männern) nehmen muss wenn sie sich sterilisieren lassen will. Hier lässt das Patriarchat grüßen.

    Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die eigenen Kinder mehr bekümmern können als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des Partners. [...] Erst wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, sind Eltern glücklicher als Kinderlose, sagen wiederum Wissenschaftler der Universität Heidelberg.

    28. Jan. 2026

  • interpolar
    interpolar

    27 Follower

    5,0

    “Karlotta hat sich selbstbestimmt für eine Familie entschieden, ich selbstbestimmt dagegen. Wir stehen auf ungleichen Seiten. Aber wir sind gleich viel wert.” (Pungs 2022, S. 211) Früher oder später sieht man sich im Leben mit der Kinderfrage konfrontiert. Manche wissen es schon lange, andere warten ab und wieder andere drohen an der Frage zu verzweifeln. Nadine Pungs ist eine von den sogenannten “Frühentscheiderinnen”. Ihr ist schon als junges Mädchen klar, dass sie keine Mutter werden will. Logischer Schluss ist, dass der Titel ihres Buches “Nichtmuttersein” lautet. Pungs legt sowohl auf sachlicher, als auch auf persönlicher Ebene dar, was es bedeutet, als freiwillig kinderfreie Frau in unserer Gesellschaft zu leben. Dabei deckt die faktische Auseinandersetzung der Autorin mit der Kinderlosigkeit ein breites Spektrum ab. Von feministischen Standpunkten bekannter Autorinnen wie Simone de Beauvoir und Siri Hustvedt, über historische Betrachtungen der Mutter, bspw. im Nationalsozialismus, bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Phänomen wie dem der MILF (“mother I’d like to fuck”) – “[...] eine attraktive, reife Frau, die ihre Kinder umsorgt, autark lebt und trotzdem das versaute Luder bleibt, auf das sich Pubertierende ödipal inspiriert einen runterholen können.” wirft sie einen umfassenden Blick auf wesentliche Aspekte des Mutterseins oder eben des “Nichtmuttersein[s]”. Eine sehr persönliche Note bekommt das Werk vor allem durch Pungs’ Anekdoten über Erfahrungen mit Freund*innen, die Familien gründen und damit nahezu gänzlich aus ihrem Leben verschwinden. Oder über eine übergriffige männliche Bekanntschaft, die ihr versichert, dass sie ihre Sterilisation – für Pungs ein Akt der Selbstbestimmung – und damit auch ihre Kinderlosigkeit irgendwann bereuen wird. Besonders eindrücklich ist auch die Schilderung der Abtreibung, für die sie sich entschieden hat. Schwangerschaftsabbrüche beleuchtet sie ausführlich aus politischer und rechtlicher Sicht und macht deutlich: “Die Freiheit der Frau [ist] ein Seismograf für die Freiheit der Gesellschaft.” Nadine Pungs ist mit “Nichtmuttersein” ein aufklärendes, informatives und zugleich berührendes Buch zur Kinderfrage gelungen, das Platz schafft für eine Perspektive, die nicht nur zu wenig Beachtung findet, sondern noch immer auch kritisch beäugt wird. Denn wer ist man als Frau schon, wenn man keine Mutter ist?

    31. Okt. 2023

3 von 13 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Nadine Pungs

Nadine Pungs, 1981 im Rheinland geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Als Kleinkünstlerin spielte sie am Theater und organisierte Comedyshows, heute arbeitet sie als freie Autorin. Auf der Suche nach Intensität und Schönheit zieht es sie immer wieder in die Welt, häufig in den Nahen Osten. Zuletzt bereiste sie monatelang Saudi-Arabien. Von ihren Begegnungen und Beobachtungen erzählt sie in Büchern und in Vorträgen. Bei Malik erschienen von ihr »Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte« und »Meine Reise ins Übermorgenland. Allein unterwegs von Jordanien bis Oman«.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick