Blick ins Buch

Fachbücher

Nüchtern

4,2(154)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Lange Zeit gehörte das Trinken so selbstverständlich zu Daniel Schreibers Leben wie die Arbeit. Manchmal fragte er sich, ob er nicht dabei war, eine Schwelle zu übertreten, doch meistens war die Rechtfertigung so griffbereit wie das nächste Glas Wein. Bis ihm irgendwann klar wurde, dass er längst dabei war, sein Leben zu zerstören – und sich Hilfe suchte. Mit großer Aufrichtigkeit und literarischer Kraft erzählt Schreiber von den Mechanismen der Selbsttäuschung, die es so vielen Menschen erlauben, ihr Alkoholproblem zu ignorieren. Und er fragt, warum sich eine Gesellschaft eine Droge gestattet und dann diejenigen stigmatisiert, die damit nicht umgehen können.

Editionen (2)

ISBN9783446246508
VerlagHanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum25.08.14
Seitenzahl160

Rezensionen & Bewertungen

154 Bewertungen

29 Rezensionen

4,2

Tippen zum Filtern

  • buchfang
    buchfang

    378 Follower

    5,0

    Ein Schlag auf die Leber

    Daniel Schreiber erzählt in seinem Essay „Trocken“ so nüchtern und schonungslos von seiner Alkoholkrankheit, dass sich mir beim Lesen regelrechter der Atem gestockt hat. Diese absolute Ehrlichkeit mit sich selbst und der Welt beeindruckt mich und lässt mich meinen Alkoholkonsum ziemlich kritisch hinterfragen. Es war ein Buch, bei dem ich mir so viele Gedanken gemacht habe, wie selten beim Lesen. Ich konnte eine Nacht kaum einschlafen weil sich mein Gedankenkarussel so schnell gedreht hat. Alkohol gehört in Deutschland dazu, wie das Amen in der Kirche. Ob man jetzt Essen geht, ins Stadion oder feiern. Überall wird man schief angeschaut, wenn sagt, man trinkt nichts. Es ist zu sehr in unserer Gesellschaft verankert. Trotzdem schauen wir abfällig auf die, die davon krank werden, was jedoch leider viel mehr Menschen betrifft, als man glaubt. Auch ich hätte von mir gesagt, dass ich keinen kritischen Alkoholkonsum habe. Doch beim Lesen dieses Buches habe ich so manches alkoholgetränkte Verhalten anders reflektiert. Es hat mich auch sensibilisiert, für die Menschen, die an Alkoholsucht leiden, was eine Krankheit wie Krebs oder Aids ist, jedoch wesentlich stärker stigmatisiert wird. Das ist auf jeden Fall ein Buch, über das ich noch lange nachdenken werde und von dem ich viel mitnehme.

    20. März 2025

  • taunusleserin
    taunusleserin

    300 Follower

    4,0

    Ich mag Daniel Schreiber als Autor und als Mensch sehr gerne. Mein erstes Buch von ihm war 'Allein', in dem er über das Alleinsein (als Single während der Corona -Pandemie) sinniert. Jetzt habe ich sein über 10 Jahre altes Buch 'Nüchtern' gelesen, in das der Autor viele persönliche und ehrliche Erfahrungen einbaut und zudem Alkohol und Alkoholismus von allen Seiten beleuchtet. Alkohol ist ein Nervengift, das jedes Jahr zahllose Todesopfer fordert, und dennoch selten als solches benannt wird, vielmehr Teil des Alltags der meisten Deutschen ist. Das Buch hat keinen Tag an Aktualität verloren.

    17. März 2025

  • dasbuchzuhause
    dasbuchzuhause

    56 Follower

    5,0

    Wenn du dich nicht komplett abschädelst, Haus und Hof versäufst und die Fassade nach außen nicht bröckelt, wird das Trinken von Alkohol in unserer Gesellschaft als völlig normal angesehen. Bei Männern wird auch das "einen über den Durst Trinken" eher mit einem Augenzwinkern gesehen als bei Frauen. So gibt es viele in unserer Gesellschaft, ungefähr ein Drittel der Erwachsenen, die entweder schon alkoholkrank sind oder als gefährdet gelten. Einer, der dazu gehört, ist der Autor Daniel Schreiber. Er hat mit "Nüchtern Über das Trinken und das Glück" ein Buch über seinen persönlichen Weg aus der Sucht geschrieben und dabei liefert er nebenbei eine treffend Gesellschaftsanalyse. Alkohol zu trinken oder das Gefühl zu haben, ihn zu brauchen, hat viel mit Selbstbetrug zu tun und oftmals fällt erst spät auf, dass die Grenze zur Abhängigkeit überschritten wurde, Dann klappt es zwar, eine Weile gar keinen Alkohol zu trinken, sobald dann aber die selbst auferlegte trinkfreie Zeit vorbei ist, wir das Verpasste oftmals nachgeholt. Schreiber schreibt nicht davon, wie schrecklich es mit dem Alkohol und ihm war, sondern wie er sich aus dieser Beziehung gelöst hat, welche Schritte für ihn wichtig waren. Es war kein Zusammenbruch, Entzug mit Zittern und Schwitzen, sondern ein Prozess, bei dem die Unterstützung einer Selbsthilfegruppe besonders wichtig war. Er erzählt vom Verzeihen, sich selbst Verzeihen, um erfolgreich als Abhängiger ohne Alkohol leben zu können. Er hat gelernt, ohne Alkohol glücklich zu sein und beschreibt dies zwar persönlich, aber ohne uns einem Seelen-Striptease auszusetzen. Er geht auf gesellschaftliche Phänomene ein wie die Tatsache, dass solange bei der Arbeit abgeliefert wird, Alkohol kein Problem zu sein scheint, ja, sogar dazu gehört. Es ist interessant zu verfolgen, wie er in seinem neuen Leben angekommen ist und es gab vieles, was mich zum Nachdenken gebracht hat. Auch hat er es in wirklich schöne Worte gekleidet.

    6 Tage vor

3 von 29 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Daniel Schreiber

Daniel Schreiber, geboren 1977, ist Schriftsteller. Mit seinen Texten hat er eine neue Form des literarischen Essays geprägt. Seine Bücher – "Nüchtern" (2014), "Zuhause" (2017), "Allein" (2021) und "Die Zeit der Verluste" (2023) – wurden vom Feuilleton begeistert aufgenommen und standen teils monatelang auf der SPIEGEL-Bestseller und Sachbuch-Bestenliste. Er lebt in Berlin.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick