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Nüchtern

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Über das Buch

Lange Zeit gehörte das Trinken so selbstverständlich zu Daniel Schreibers Leben wie die Arbeit. Manchmal fragte er sich, ob er nicht dabei war, eine Schwelle zu übertreten, doch meistens war die Rechtfertigung so griffbereit wie das nächste Glas Wein. Bis ihm irgendwann klar wurde, dass er längst dabei war, sein Leben zu zerstören – und sich Hilfe suchte. Mit großer Aufrichtigkeit und literarischer Kraft erzählt Schreiber von den Mechanismen der Selbsttäuschung, die es so vielen Menschen erlauben, ihr Alkoholproblem zu ignorieren. Und er fragt, warum sich eine Gesellschaft eine Droge gestattet und dann diejenigen stigmatisiert, die damit nicht umgehen können.

Editionen (2)

ISBN9783446246997
VerlagHanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum25.08.14
Seitenzahl160

Rezensionen & Bewertungen

154 Bewertungen

29 Rezensionen

4,2

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  • buchfang
    buchfang

    378 Follower

    5,0

    Ein Schlag auf die Leber

    Daniel Schreiber erzählt in seinem Essay „Trocken“ so nüchtern und schonungslos von seiner Alkoholkrankheit, dass sich mir beim Lesen regelrechter der Atem gestockt hat. Diese absolute Ehrlichkeit mit sich selbst und der Welt beeindruckt mich und lässt mich meinen Alkoholkonsum ziemlich kritisch hinterfragen. Es war ein Buch, bei dem ich mir so viele Gedanken gemacht habe, wie selten beim Lesen. Ich konnte eine Nacht kaum einschlafen weil sich mein Gedankenkarussel so schnell gedreht hat. Alkohol gehört in Deutschland dazu, wie das Amen in der Kirche. Ob man jetzt Essen geht, ins Stadion oder feiern. Überall wird man schief angeschaut, wenn sagt, man trinkt nichts. Es ist zu sehr in unserer Gesellschaft verankert. Trotzdem schauen wir abfällig auf die, die davon krank werden, was jedoch leider viel mehr Menschen betrifft, als man glaubt. Auch ich hätte von mir gesagt, dass ich keinen kritischen Alkoholkonsum habe. Doch beim Lesen dieses Buches habe ich so manches alkoholgetränkte Verhalten anders reflektiert. Es hat mich auch sensibilisiert, für die Menschen, die an Alkoholsucht leiden, was eine Krankheit wie Krebs oder Aids ist, jedoch wesentlich stärker stigmatisiert wird. Das ist auf jeden Fall ein Buch, über das ich noch lange nachdenken werde und von dem ich viel mitnehme.

    20. März 2025

  • taunusleserin
    taunusleserin

    300 Follower

    4,0

    Ich mag Daniel Schreiber als Autor und als Mensch sehr gerne. Mein erstes Buch von ihm war 'Allein', in dem er über das Alleinsein (als Single während der Corona -Pandemie) sinniert. Jetzt habe ich sein über 10 Jahre altes Buch 'Nüchtern' gelesen, in das der Autor viele persönliche und ehrliche Erfahrungen einbaut und zudem Alkohol und Alkoholismus von allen Seiten beleuchtet. Alkohol ist ein Nervengift, das jedes Jahr zahllose Todesopfer fordert, und dennoch selten als solches benannt wird, vielmehr Teil des Alltags der meisten Deutschen ist. Das Buch hat keinen Tag an Aktualität verloren.

    17. März 2025

  • cheap.and.cheerful
    cheap.and.cheerful

    148 Follower

    5,0

    "Mir fällt es immer noch schwer, dieses alkoholkranke Unglück in die Geschichte meines Lebens zu integrieren, diese Lebensphase in das Reservoir meiner ureigenen Geschichte aufzunehmen." Daniel Schreiber hat mit 'Nüchtern' ein schmerzhaft ehrliches Buch über das Trinken und Nicht-Trinken von Alkohol geschrieben. Er betrachtet das Thema sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus persönlicher Perspektive, mitunter auch aus medizinischer. Mit sehr viel Selbstreflexion schildert Schreiber, wie er zum "funktionierenden Alkoholiker" wurde, von außen nicht als solcher erkennbar. Und überhaupt, dass die meisten alkoholabhängigen Menschen gar nicht dem entsprechen, wie man sie sich vermutlich vorstellt. Denn Alkohol ist so integriert in unserer Gesellschaft, wird in privaten, beruflichen, kulturellen und medialen Kontexten andauernd massiv verharmlost. Jemand, der "nur" in gesellschaftlichem Rahmen trinkt, dafür aber jedes Mal, wird vermutlich nicht als Trinker*in angesehen - obwohl damit bereits eine Abhängigkeit einhergehen kann. Schreiber schreibt nicht nur über das große Ganze, den gesellschaftlichen Betrug in Bezug auf die größte "Volksdroge". Er skizziert auch die privaten Momente voller Schuld und Scham, die man erlebt, wenn man zu viel getrunken hat. Momente, die sicherlich auch viele Menschen kennen, die (noch) nicht suchtgefährdet sind. Darüber hinaus ist es auch ein Buch über Selbstakzeptanz und über die Suche nach dem eigenen Glück, und auch dazu fand ich Schreibers Gedanken sehr eingängig und wholesome. Ich bin sehr beeindruckt von der Ehrlichkeit, mit der Schreiber dieses Thema öffnet und sich selbst dabei so verletzbar macht. Ebenso von der tiefen Reflexion und der Beobachtungsgabe, mit der er soziale Situationen analysiert. 'Nüchtern' hat etwas in mir ausgelöst, und ich kann es von Herzen empfehlen - unabhängig davon, wie die eigene Beziehung zu Alkohol aussieht, da wir alle Menschen kennen, die wissentlich oder unwissentlich ein problematisches Trinkverhalten haben/hatten. Abhängigkeit ist von so vielen Vorurteilen begleitet, Schreiber hilft dabei, diese zu verstehen und sich ihnen zu widersetzen. CN: Sucht, Su1zid, Depr3ssionen, I-Wort, Krebs, T0d, Trauer

    10. Jan. 2025

3 von 29 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Daniel Schreiber

Daniel Schreiber, geboren 1977, ist Schriftsteller, Übersetzer und Kolumnist bei WELTKUNST und ZEIT am Wochenende. Mit seinen hochgelobten und vielgelesenen Büchern Nüchtern (2014) und Zuhause (2017) hat er eine neue Form des literarischen Essays geprägt. Sein Buch Allein (2021) stand monatelang auf der SPIEGEL-Bestseller und Sachbuch-Bestenliste und war auch international ein großer Erfolg. Er lebt in Berlin.

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