
481 Follower
Ein historischer Kriminalroman - informativ und spannend erzählt
Cay Rademacher nimmt die Lesenden mit in das nahezu vollständig zerstörte Köln im März 1945. Joe Salmon kehrt nach seiner Flucht Ende der 1930er Jahre in seine Heimatstadt zurück. Zwischenzeitlich hat er die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und dient als Leutnant in der US Army. Er erhält den Auftrag, den Lynchmord an einem Piloten, der sich mit einem Fallschirmsprung aus dem abstürzenden Bomber retten konnte, aufzuklären. Dabei begegnet er auch seiner eigenen Vergangenheit und großen Liebe Hilda und versucht Informationen zum Schicksal des gemeinsamen Freundes Jakub Blum zu erlangen. Bei der Aufklärung des Mordes beginnt er historischen Figuren wie dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der Schriftstellerin Irmgard Keun und dem Autoren und Journalisten George Orwell. Diese Figuren waren im März 1945 tatsächlich alle in Köln. Cay Rademacher hat mit diesem Kriminalroman durch eine detaillierte Recherche die Zustände in der Domstadt sehr eindrücklich beschrieben. Man hat eine Vorstellung von den Ausmaßen der Zerstörung und den furchtbaren Lebensumständen in den Ruinen. Folgende Zitate seien beispielhaft erwähnt: S. 97 "Von achtzigtausend Häusern sind noch etwa dreihundert intakt", bestätigt Winkler. " Viele davon haben die Amerikaner beschlagnahmt. Die meisten Menschen leben also in Ruinen. " Auch das Ausmaß der Verbrechen an den jüdischen Menschen während des NS-Regimes wird eindrücklich beschrieben. Zitat S. 99: Winkler seufzt: "Wenn man Deserteure, Kommunisten und die anderen mit einrechnen, ja, das waren Tausende. Aber untergetaucht Juden? Von denen haben vielleicht fünfzig durchgehalten. " "Fünfzig...", flüstert Joe. Ihn schwindelig. Vor der Nazizeit haben mindestens fünfzehntausend Juden in Köln gelebt. Cay Rademacher verwendet in seinem Buch altmodische Begriffe und Wörter (z.B. Schickse), die den Zeitgeist wiedergeben und Authentizität vermitteln sollen. Dabei kommen auch Wörter zur Anwendung, die heute eindeutig diskriminierend sind und zurecht nahezu aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. In seinem Nachwort schildert Rademacher seine nachvollziehbaren Beweggründe zur Verwendung dieser Begriffe. Hier ordnet er auch die historischen Fakten ein und gibt Hinweisefür weiterführende Literatur. Ich habe das Buch gerne gelesen und kann es wirklich weiterempfehlen.
27. Mai 2025
Ein historischer Kriminalroman - informativ und spannend erzählt
Cay Rademacher nimmt die Lesenden mit in das nahezu vollständig zerstörte Köln im März 1945. Joe Salmon kehrt nach seiner Flucht Ende der 1930er Jahre in seine Heimatstadt zurück. Zwischenzeitlich hat er die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und dient als Leutnant in der US Army. Er erhält den Auftrag, den Lynchmord an einem Piloten, der sich mit einem Fallschirmsprung aus dem abstürzenden Bomber retten konnte, aufzuklären. Dabei begegnet er auch seiner eigenen Vergangenheit und großen Liebe Hilda und versucht Informationen zum Schicksal des gemeinsamen Freundes Jakub Blum zu erlangen. Bei der Aufklärung des Mordes beginnt er historischen Figuren wie dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der Schriftstellerin Irmgard Keun und dem Autoren und Journalisten George Orwell. Diese Figuren waren im März 1945 tatsächlich alle in Köln. Cay Rademacher hat mit diesem Kriminalroman durch eine detaillierte Recherche die Zustände in der Domstadt sehr eindrücklich beschrieben. Man hat eine Vorstellung von den Ausmaßen der Zerstörung und den furchtbaren Lebensumständen in den Ruinen. Folgende Zitate seien beispielhaft erwähnt: S. 97 "Von achtzigtausend Häusern sind noch etwa dreihundert intakt", bestätigt Winkler. " Viele davon haben die Amerikaner beschlagnahmt. Die meisten Menschen leben also in Ruinen. " Auch das Ausmaß der Verbrechen an den jüdischen Menschen während des NS-Regimes wird eindrücklich beschrieben. Zitat S. 99: Winkler seufzt: "Wenn man Deserteure, Kommunisten und die anderen mit einrechnen, ja, das waren Tausende. Aber untergetaucht Juden? Von denen haben vielleicht fünfzig durchgehalten. " "Fünfzig...", flüstert Joe. Ihn schwindelig. Vor der Nazizeit haben mindestens fünfzehntausend Juden in Köln gelebt. Cay Rademacher verwendet in seinem Buch altmodische Begriffe und Wörter (z.B. Schickse), die den Zeitgeist wiedergeben und Authentizität vermitteln sollen. Dabei kommen auch Wörter zur Anwendung, die heute eindeutig diskriminierend sind und zurecht nahezu aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. In seinem Nachwort schildert Rademacher seine nachvollziehbaren Beweggründe zur Verwendung dieser Begriffe. Hier ordnet er auch die historischen Fakten ein und gibt Hinweisefür weiterführende Literatur. Ich habe das Buch gerne gelesen und kann es wirklich weiterempfehlen.
27. Mai 2025








