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Biografien

Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat

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Über das Buch

„Eine erstklassige Mischung aus Anekdoten, Analysen und Alkohol. Und die große Frage, ob wir so leben wollen, wie wir leben sollen. Hört auf diese Frauen!“ Katja Oskamp Drei Freundinnen, ein Küchentisch, vor den Fenstern die Nacht: Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann reden. Über sich als „Ostfrauen“, was auch immer diese Schublade bedeutet, über das Glück krummer Lebensläufe, über die Gegenwart mit ihrer sich ständig reindrängelnden Vergangenheit. Es wird getrunken, gelacht und gerungen, es geht um Erinnerungsfetzen und Widersprüche, um die Vielschichtigkeit von Prägungen und um mit den Jahren fremd gewordene Ideale. Im japanischen Volksglauben gibt es Geister, die aus achtlos weggeworfenen Dingen geboren werden – „wie sähe der Dinggeist der DDR aus?“, fragen die drei. Ihr Buch ist dem Erinnern und dem Sich-neu-Erfinden gegenüber so gewitzt und warmherzig, wie es jede große Gesellschaftsdiskussion verdient.

Editionen (2)

ISBN9783446279841
VerlagHanser, Carl
Erscheinungsdatum18.03.24
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

41 Bewertungen

11 Rezensionen

4,1

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  • bea777
    bea777

    481 Follower

    4,5

    Nachdenklich und bereichert lässt mich das Buch zurück!

    Zitat S. 203: Der Osten in mir ist solidarisch und zärtlich. Annett Gröscher, Peggy Mädler und Wenke Seemann treffen sich in sieben Nächten, um über gesellschaftliche Zustände, ihre Erinnerungen an die DDR und den Transformationsprozess zu sprechen. Das machen sie auf eine sehr sympathische Art und Weise, so dass man auch die Debatte zur Dialektik oder anderen eher abstrakten Begriffen gut folgen kann. Während ihrer Gespräche geben die drei Protagonistinnen auch Einblicke in ihr persönliches Leben. Aufgrund ihres Alters konnte insbesondere Annett Gröscher aus persönlicher Erfahrung von den Verhandlungen am Runden Tisch für eine gemeinsame Verfassung oder der Frauenbewegung in der DDR berichten. Bis zu diesem Buch hatte ich noch nichts von der Lila Offensive gehört. Besonders toll fand ich die vielen Bezüge zu anderen Kunstschaffenden, insbesondere Autor*innen wie Manja Präkels, Hendrik Bolz und Grit Lemke, aber auch zu Wissenschaftler*innen wie Steffen Mau und Andrej Holm. Dadurch haben die Lesenden viele Anregungen sich mit dem Thema DDR und Transformation zu beschäftigen. Ein kurzweiliges und tolles Buch mit einer klaren Leseempfehlung von mir!

    25. Sept. 2024

  • milanpablo
    milanpablo

    62 Follower

    4,5

    Reden (und trinken) über Erfahrungen als ostdeutsche Frauen. Ein informatives, ernstes und humorvolles Buch voller schöner Fußnoten, biografischen Erzählungen und diskursiven Annäherungen!

    „Annett: Ich hatte Anfang der Neunziger nicht das Gefühl, dass ich nicht demokratiefähig oder zivilisatorisch zurückgeblieben bin. Aber ich wusste, auf mich hat niemand im Westen gewartet, ich bin überflüssig. Und ich fand mich selbst durch die Diktatur beschädigt.“ (Gröschner, Mädler, Seemann 2024, S. 218) Schaut man in die jüngere Buchvergangenheit, so häuft sich die Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen in den neuen Bundesländern in den 90ern des wiedervereinigten Deutschlands. Während ich mich selbst und meine ostdeutschen Erfahrungen in Hendrik Bolz’ „Nullerjahre“ wiederfinde, lernte ich durch Katharina Warda und Don Pablo Mulemba Perspektiven von People of Colour kennen und werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass wir in einer Aufarbeitung und der Bedeutung der ehemaligen DDR für unsere unmittelbaren vergangenen und gegenwärtigen Lebenswelt noch lange nicht dort angekommen sind, was uns nun mit jedem Wiedervereinigungsjubiläum weis gemacht wird. Umso interessierter war ich dann, als ein Freund mir von „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ erzählte und mich zur Leipziger Buchmesse mit zur Vorstellung des Buches mitnahm. Klischees über ostdeutsche Frauen sind mir nicht unbekannt - bin ich doch in einer Kleinstadt und Dorf des Ostens der gerade wiedervereinigten Bundesrepublik geboren, aufgezogen und sozialisiert worden. Sieben Nächte, drei ostdeutsche Frauen und verschiedene Getränke. Ein verloren gegangener Staat. Was ist geblieben? Was bleibt? Was ging oder wird noch gehen? Was heißt es ostdeutsche Erfahrungen wie einen Rucksack mit sich herumschleppen? Was hieß und heißt es, ostdeutsche Frau zu sein? So amüsant der Titel des Buches klingen mag (und stellenweise inhaltlich auch ist), verhandeln die Autorinnen darin viele politische Themen und nähern sich biografisch erzählend solchen Fragestellungen. Christa Wolf, die Lila Offensive, das Recht auf Abtreibung, die ökonomisch unabhängigere Frau in der DDR: Ich konnte so viel Neues, aber auch Vertrautes in diesem Buch entdecken. So wie ich mich beim Lesen über den nachquellenden Milchreis im Bett an meine Mutter erinnert gefühlt habe (die das bis heute noch so macht) und es mich bei „Auch Pferde? - Auch Pferde.“ komplett zerrissen hat (mein Vater lässt keine Gelegenheit ungenutzt, diese Manfred Krug Referenz anzubringen) - hörte ich doch auch gleichzeitig diejenigen Erwachsenen meiner Kindheit in meinem inneren Ohr, die (manchmal laut, meistens aber nur im Privaten) ihren Frust über den Westen und die Wiedervereinigung, ja, ihre Resignation artikulierten. Als Kind konnte ich nichts damit anfangen, je älter ich aber werde und je mehr ich ihre Stimmen nun höre, desto mehr wird mir klar, dass die Ungerechtigkeiten nachhallen und wohl noch länger nachwirken werden. Man merkt an der Länge: Ich könnte noch viel mehr dazu erzählen - es hat mich sehr bewegt, ich will euch das Buch aber lieber als unbedingte Lektüre ans Herz legen. Es bietet unzählige Fußnoten (viel Liebe dafür!), eine Vielzahl an Literaturverweisen zum tiefer Eintauchen und hat mir den finalen Motivationsschub gegeben, Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ nun endlich selbst zu lesen.

    Reden (und trinken) über Erfahrungen als ostdeutsche Frauen. Ein informatives, ernstes und humorvolles Buch voller schöner Fußnoten, biografischen Erzählungen und diskursiven Annäherungen!

    25. Apr. 2024

  • claudi
    claudi

    66 Follower

    5,0

    Intelligent und für mich horizonterweiternd - was für kluge Frauen mit klugen Gedanken! Ich habe das Buch mit Gewinn gelesen und dabei viel gelacht.

    17. Apr. 2024

3 von 11 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Annett Gröschner

Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 in Berlin und ist Schriftstellerin und Journalistin. 2021 erhielt sie den Großen Kunstpreis Berlin – Fontanepreis und den Klopstock-Preis des Landes Sachsen-Anhalt.

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