Blick ins Buch

Romane

Kinder von Hoy

4,2(43)
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Über das Buch

Hoyerswerda – einst DDR-Musterstadt, in der morgens die Eltern in Schichtbussen davonrollten und die Kinder in einem Kollektiv aufwuchsen - erlangte durch die rassistischen Ausschreitungen 1991 traurige Berühmtheit. In ihrem dokumentarischen Roman verschränkt Grit Lemke die Stimmen der Kinder von Hoy zu einer mitreißenden Oral History und gibt einer Generation Gehör, für die Traum und Trauma dicht beieinanderlagen. Sie versammelt Gespräche mit Freunden und Familie und erzählt von ihrem eigenen Leben als Teil einer proletarischen Boheme um Gerhard Gundermann, die sich nachts im Kellerclub trifft und tagsüber malocht. Als nach der Wiedervereinigung Neonazis das erste Pogrom der Nachkriegszeit verüben, bleibt die Kulturszene tatenlos. Danach ist nichts mehr, wie es war …

Editionen (2)

ISBN9783518473290
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum21.06.23
Seitenzahl259

Rezensionen & Bewertungen

43 Bewertungen

8 Rezensionen

4,2

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  • laroute
    laroute

    131 Follower

    4,0

    Bei diesem Buch bin ich auch aus einem persönlichen Interesse gelandet: 2011 habe ich als Zugezogene für etwa 2 Jahre in Hoyerswerda, der Stadt mit der größten Abwanderung seit 1990 in Deutschland, gelebt. Grit Lemke gibt hier einen umfangreichen Einblick in das Gefühl in der Stadt etwa zwischen 1960 bis 2020, wobei der Fokus auf der DDR und den 90ern liegt. Sie lässt in Form einer Reportage Menschen erzählen, die dabei waren. Die Auseinandersetzung ist gut gelungen und wichtig. Man erfährt vom Zusammenhalt der Menschen, die neu in Hoyerswerda ankommen und der Stadt, die aus dem Boden gestampft wird. Sie beschreibt die Kunst und Kultur, die sich entwickelt und bis heute in der Stadt deutlich zu erleben ist. Es geht auch darum, dass es oft wirklich eher um Kunst als um politische Einflussnahme geht. Und dann geht es um die mehrtägigen ausländerfeindlichen Angriffe in der Stadt und es wird klar benannt, dass diese sich nicht überraschend und aus dem Nichts ergeben haben und ein Großteil der Stadt nicht betroffen weggeschaut hat und auch hinterher nicht viel davon wissen und darüber reden wollte. Das ist auch etwas, was sich durchzieht. Mir hat das Buch sehr geholfen bei der Einordnung der Stadt, die ich kurz erlebt, aber nicht durchdrungen habe. Allerdings wird an vielen Stellen rassistische Sprache reproduziert. Die Begriffe sind kursiv geschrieben, aber es hätte andere Möglichkeiten gegeben, das zu lösen.

    23. Juli 2025

  • bea777
    bea777

    481 Follower

    4,0

    Informativer Erfahrungsbericht der Kinder von Hoy

    Eindrücklich beschreibt Grit Lemke die Geschichte der Neustadt Hoyerswerda. Dabei lässt sie auch in Form von Interviews die Kinder von Hoy zu Wort kommen. Man erfährt von ihrer Kindheit in den 1970er Jahren, ihren Träumen, dem Alltag ihrer Eltern als Schichtarbeiter*innen im Tagebau und auch viel über die Subkultur in der DDR. Ihre Schilderungen beschreiben in der zweiten Hälfte des Buches die Veränderungen nach der Wende. Das erstarken der Rechten, den Versuch des Widerstands, die Angst vor Übergriffe und dem Tod eines jungen Mannes. Sie spart auch das Wegschauen der Politik bis weit in die 2000er Jahre nicht aus. Das wird besonders eindrücklich am Umgang mit den Vertragsarbeitern aus Mosambik. Das Buch liest sich gut, hat jedoch im ersten Teil ein paar Längen. Für mich hätte die Zeit in den 90ern und 00er Jahren ausführlicher beschrieben werden können. Trotzdem eine klare Leseempfehlung, wenn man sich für das Thema interessiert.

    18. Feb. 2024

  • wortsalat
    wortsalat

    21 Follower

    4,0

    Geschichte Hoyerswerdas aus der Sicht der Bewohner

    Der Plot Hoyerswerda - aus dem Boden gestampft, die DDR mit Energie zu versorgen. Wir erfahren hier aus der Sicht der Bewohner die Geschichte der Jugend und Kultur der Stadt zur DDR-Zeit und nach Wende über die Pogrome des Jahres 1991 Meine Meinung Das Buch lässt mich etwas zwiegespalten zurück, das ich schlichtweg etwas anderes erwartet hatte Es handelt sich nicht um einen klassischen Roman, eher um eine Sammlung von Erinnerungen verschiedener Bewohner, die zu einem Text verwoben werden. Ein klassischer Roman ist es nicht, eher eine eingekleidete Oral History. Grundsätzlich ist die Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, sehr interessant. Es ist spannend nachzuverfolgen, wie das Leben in dieser wachsenden und sterbenden Stadt sich binnen kurzer Zeit entwickelt hat. Vor allem aus Sicht Kulturschaffender und Jugendlicher wird hier berichtet. Manchmal hat die Erzählung dabei ihre Längen, da man man meint, das ein oder andere ein paar Seiten zuvor schon gelesen zu haben. Interessant bleibt es trotzdem. Gerade wenn es um die Wende bzw. die Zeit danach geht, ist das noch aber sehr schockierend und man mag es nicht weg legen. Beschämend zu sehen, wie Terror, Hass und Rechtsradikalismus bis in unsere Zeit wenig Gegenwehr erfahren haben. Hier hat das noch seine starke Seite und sollte von vielen Menschen gelesen werden.

    23. Juni 2024

3 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Grit Lemke

Grit Lemke, geboren in Spremberg, aufgewachsen in Hoyerswerda, arbeitet als Dokumentarfilmregisseurin und Autorin. Ihr Film Gundermann Revier wurde 2020 für den Grimmepreis nominiert.

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