Dolores Haze – die Lolita aus Vladimir Nabokovs gleichnamigem Roman – ist vom Mädchen zur Frau geworden. Mit Ende dreißig blickt sie zurück auf ihr beschädigtes Leben und fragt sich, wie sie die geworden ist, die sie heute ist. Lea Ruckpaul erzählt in ihrem Debütroman von einer Überlebenden, die sich freischreibt und die um keinen Preis ein Opfer sein will.
„Bye Bye Lolita“ ist der wütende Abgesang auf ein Klischee, welches das Bild von jungen Frauen bis heute prägt – und auf die Machtverhältnisse, die das ermöglichen.
Ein Roman über das größte Missverständnis der Literaturgeschichte.
Ich hab dieses Buch so sehr gebraucht nach „Lolita“
Ich will gar nicht zu viel sagen. Aber. Wenn ihr Lolita gelesen habt, dann lest bitte auch unbedingt dieses Buch aus ihrer Sicht. 🥹 zu lesen, wie Dolores selbst alles wahrgenommen hat, war zwar anfangs schockierend, aber grade zum Ende hin heilend. ❤️🩹
14. Juli 2025
5,0
Ich hab dieses Buch so sehr gebraucht nach „Lolita“
Ich will gar nicht zu viel sagen. Aber. Wenn ihr Lolita gelesen habt, dann lest bitte auch unbedingt dieses Buch aus ihrer Sicht. 🥹 zu lesen, wie Dolores selbst alles wahrgenommen hat, war zwar anfangs schockierend, aber grade zum Ende hin heilend. ❤️🩹
Eines der größten Werke der Literaturgeschichte aus einer neuen Perspektive erzählt: Lolita! 🤩
Braucht die Literaturwelt eine erwachsene, fast 40-Jährige Lolita, die ihre Sicht der Dinge, die sich mit Humbert Humbert zugetragen haben, schildert?! Ein ganz klares -Ja-!!
Ebenso befreiend wie beklemmend wirken Dolores Hazes‘ Worte auf mich, die zurückblickt auf das, was ihr angetan wurde: Verschleppung und Missbrauch als 12-jähriges Mädchen durch den sehr viel älteren Humbert Humbert. Er machte sie nach dem Unfalltod ihrer Mutter von sich abhängig, wurde zu ihrem Vormund. Er ist die Hauptfigur des 1955 erschienenen Hauptwerks Vladimir Nabokovs „Lolita“.
Auf der Handlungsebene hat sich im Vergleich zum Original nicht viel geändert. Einen enormen Unterschied gibt es aber: Nobokovs Ich-Erzähler Humbert Humbert wird durch Lolita bzw. Dolores Haze ersetzt, die sich ohne Scheu sexualmoralische Fragen stellt:
"Wenn ich jetzt zu dem Schluss käme, dass ich einmal oder sogar mehrmals Lust empfunden habe, beim Ficken mit Humbert Humbert, würde das dann heißen, er hat mich nicht vergewaltigt?" Lea Ruckpaul lässt weibliches Begehren auf toxische Männlichkeit treffen.
Dolores schreibt Tagebucheinträge in ein Tagebuch, das sie zuvor Humbert Humbert gestohlen hat - sie kontrastiert seine Einträge und Schilderungen mit ihren eigenen Erinnerungen. Daraus lässt sie ihre Version der Geschichte entstehen - eine Geschichte, voll sexueller Gewalt und brutaler Abhängigkeit. In der Rolle der Lolita ist Dolores keineswegs die süße Nymphe, sondern Opfer endloser Übergriffe und Demütigungen. Als Erwachsene Frau versteht sie nun, was ihr angetan wurde und dass sie kein Einzelfall ist. In einer harten Sprache verfasst sie eine schonungslose Anklage, die zugleich auch ein Hilferuf ist, eine Abrechnung, aber vor allem eins: eine Selbstermächtigung!
„Sein Fluch hat sich erfüllt. Ich stecke im Kind fest, im kleinen Mädchen. Beim Schreiben, so hatte ich gehofft, würden sich meine Erlebnisse vereindeutigen, um das schrumpfen, was nicht in den von mir verwendeten Worten enthalten ist. Wie wenn man Plätzchen aussticht aus einem Teig. Eine Vergangenheit aus Begriffen; ohne Wucherung, ohne Rand, ohne Widersprüchlichkeit."
„Bye Bye Lolita“ wirft einige Ambivalenzen auf, die für mich teils schwer auszuhalten waren beim Lesen. Ist Lolita als schützenswertes, missbrauchtes Kind zu betrachten?! Ist Lolita nicht vielmehr eine tollkühne Verführerin?! Meiner Meinung nach sollte man sie vor allem als eins nicht betrachten: Als eine ultimative Kindsfrau.
‼️Triggerwarnung: Die Missbrauchsszenen sind schwer zu ertragen‼️
Lea Ruckpaul hat mit „Bye Bye Lolita“ Geschlechterrollen und Machtverhältnisse neu unter die Lupe genommen, dabei hat sie mich sprachlich leider nicht so abgeholt wie erhofft. Sie räumt auf mit klischierten Vorstellungen über eins der größten Werke der Literaturgeschichte. Wer hier einen feministischen Roman erwartet, wird enttäuscht. Es geht um die Selbstpositionierung einer Frau im Strudel von moralischen Fragestellungen und Wiedersprüchen.
Die Quintessenz von „Bye Bye Lolita“ war für mich persönlich, dass jede Frau ein Recht auf Nichtkonformität hat - eine Freiheit, die jedem Individuum erlaubt mehr zu sein als das, was andere von einem denken.
28. Sept. 2024
4,0
Eines der größten Werke der Literaturgeschichte aus einer neuen Perspektive erzählt: Lolita! 🤩
Braucht die Literaturwelt eine erwachsene, fast 40-Jährige Lolita, die ihre Sicht der Dinge, die sich mit Humbert Humbert zugetragen haben, schildert?! Ein ganz klares -Ja-!!
Ebenso befreiend wie beklemmend wirken Dolores Hazes‘ Worte auf mich, die zurückblickt auf das, was ihr angetan wurde: Verschleppung und Missbrauch als 12-jähriges Mädchen durch den sehr viel älteren Humbert Humbert. Er machte sie nach dem Unfalltod ihrer Mutter von sich abhängig, wurde zu ihrem Vormund. Er ist die Hauptfigur des 1955 erschienenen Hauptwerks Vladimir Nabokovs „Lolita“.
Auf der Handlungsebene hat sich im Vergleich zum Original nicht viel geändert. Einen enormen Unterschied gibt es aber: Nobokovs Ich-Erzähler Humbert Humbert wird durch Lolita bzw. Dolores Haze ersetzt, die sich ohne Scheu sexualmoralische Fragen stellt:
"Wenn ich jetzt zu dem Schluss käme, dass ich einmal oder sogar mehrmals Lust empfunden habe, beim Ficken mit Humbert Humbert, würde das dann heißen, er hat mich nicht vergewaltigt?" Lea Ruckpaul lässt weibliches Begehren auf toxische Männlichkeit treffen.
Dolores schreibt Tagebucheinträge in ein Tagebuch, das sie zuvor Humbert Humbert gestohlen hat - sie kontrastiert seine Einträge und Schilderungen mit ihren eigenen Erinnerungen. Daraus lässt sie ihre Version der Geschichte entstehen - eine Geschichte, voll sexueller Gewalt und brutaler Abhängigkeit. In der Rolle der Lolita ist Dolores keineswegs die süße Nymphe, sondern Opfer endloser Übergriffe und Demütigungen. Als Erwachsene Frau versteht sie nun, was ihr angetan wurde und dass sie kein Einzelfall ist. In einer harten Sprache verfasst sie eine schonungslose Anklage, die zugleich auch ein Hilferuf ist, eine Abrechnung, aber vor allem eins: eine Selbstermächtigung!
„Sein Fluch hat sich erfüllt. Ich stecke im Kind fest, im kleinen Mädchen. Beim Schreiben, so hatte ich gehofft, würden sich meine Erlebnisse vereindeutigen, um das schrumpfen, was nicht in den von mir verwendeten Worten enthalten ist. Wie wenn man Plätzchen aussticht aus einem Teig. Eine Vergangenheit aus Begriffen; ohne Wucherung, ohne Rand, ohne Widersprüchlichkeit."
„Bye Bye Lolita“ wirft einige Ambivalenzen auf, die für mich teils schwer auszuhalten waren beim Lesen. Ist Lolita als schützenswertes, missbrauchtes Kind zu betrachten?! Ist Lolita nicht vielmehr eine tollkühne Verführerin?! Meiner Meinung nach sollte man sie vor allem als eins nicht betrachten: Als eine ultimative Kindsfrau.
‼️Triggerwarnung: Die Missbrauchsszenen sind schwer zu ertragen‼️
Lea Ruckpaul hat mit „Bye Bye Lolita“ Geschlechterrollen und Machtverhältnisse neu unter die Lupe genommen, dabei hat sie mich sprachlich leider nicht so abgeholt wie erhofft. Sie räumt auf mit klischierten Vorstellungen über eins der größten Werke der Literaturgeschichte. Wer hier einen feministischen Roman erwartet, wird enttäuscht. Es geht um die Selbstpositionierung einer Frau im Strudel von moralischen Fragestellungen und Wiedersprüchen.
Die Quintessenz von „Bye Bye Lolita“ war für mich persönlich, dass jede Frau ein Recht auf Nichtkonformität hat - eine Freiheit, die jedem Individuum erlaubt mehr zu sein als das, was andere von einem denken.
Befreiungsschlag & längst überfällige Neuinterpretation von Nabokovs "Lolita". Wenn man das schwere Thema (Kindesmissbrauch & Vergewaltigung) aushalten kann, lohnt sich das Buch, auch wenn ich sprachlich & stilistisch ein paar Probleme damit hatte.
1. Okt. 2024
3,5
Befreiungsschlag & längst überfällige Neuinterpretation von Nabokovs "Lolita". Wenn man das schwere Thema (Kindesmissbrauch & Vergewaltigung) aushalten kann, lohnt sich das Buch, auch wenn ich sprachlich & stilistisch ein paar Probleme damit hatte.
1. Okt. 2024
3 von 11 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Lea Ruckpaul
Lea Ruckpaul, 1987 in Ost-Berlin geboren, war nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ an verschiedenen Theatern als Schauspielerin tätig. Seit 2023 ist sie Ensemblemitglied des Residenztheaters München. Ihre ersten Texte entstanden für das Theater. Ihr Debüt „My Private Jesus“ wurde 2023 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt und zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. „Bye Bye Lolita“ ist ihr erster Roman.