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Romane

Geliebte Mutter – Canım Annem

4,5(63)
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Über das Buch

Als Aynur mit Alvin verheiratet wird, blühen in Istanbul die Tulpen. Aynur ist 19 Jahre alt, trägt gerne Schlaghosen und taillierte Blusen und hat für Frauen mit Kopftuch nur Spott übrig. Alvin, ein Mann vom Dorf, ungebildet und aus einer frommen Familie, arbeitet in Deutschland unter Tage. Almanya ist eine Verheißung, die Aynur nie gelockt hat, doch ihr Bruder will sie aus dem Haus haben und sie muss sich fügen. Die Geschwister Meryem und Ada sind längst erwachsen als Alvin stirbt. Für sie ist es ein glücklicher Tag. Zu tief sind die Wunden, die ihnen beide Eltern in ihrem gemeinsamen Unglück zugefügt haben. Çiğdem Akyol erzählt von den Folgen einer erzwungenen Ehe, vom Verlust von Identität und einer andauernden Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Heimkehr. Die Geschichte zeigt aber auch, wie es Ada und Meryem gelingt, aus Klassenschranken auszubrechen, sich selbst zu behaupten und aufzusteigen. Tragik, Hoffnung und Freude stehen in diesem Roman eng nebeneinander.

Editionen (1)

ISBN9783969994320
VerlagSteidl Verlag
Erscheinungsdatum23.10.24
Seitenzahl192

Rezensionen & Bewertungen

63 Bewertungen

15 Rezensionen

4,5

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  • bea777
    bea777

    482 Follower

    4,5

    ...Ada und sie waren Kinder, die es ohne Gewalt gar nicht gegeben hätte. Zitat S. 169

    Çiĝdem Akyol schildert in ihrem ersten Roman die Familiengeschichte von Meryem. Sie ist die Tochter von Alvin und Ayrun. Ihre Mutter Ayrun führte ein sorgloses, freies und unbeschwertes Leben in Istanbul bis sie von ihrem Bruder mit Alvin zwangsverheiratet wurde. Mit ihm zog sie frisch verheiratet, nicht verliebt und unglücklich nach Herne. Das Kontrastprogramm zu Istanbul kann man sich vorstellen. Die Ehe besteht aus Gewalt, Gemeinheiten, der Spielsucht von Alvin, Geldproblemen und ab und zu auch ein Funken Glück. DieGeschwister Ada und Meryem werden in diesem trostlosen zu Hause groß und sind der Gewalt beider Elternteile ausgesetzt. Dennoch schaffen sie es aus der Tristesse auszubrechen und ihren Weg zu gehen. Dieser führt sie auch durch psychische Krankheiten und Therapien, die auf ihre Kindheit zurück zu führen sind. Das Buch handelt auch von der Vergebung, die die Geschwister im Angesicht des Todes ihren Eltern und insbesondere gegenüber ihrem Vater aufbringen können. Das Buch ist harter Stoff und ließ mich bewegt zurück. Die Autorin wechselt in verschiedenen Zeitebenen. Das erfordert etwas Konzentration. Der Plot ist aber mitreißend, so dass das kein Problem darstellt. Auch der Erzählstil wechselt. Mal schreibt die Autorin in der Ich-Form und man hat den Eindruck, dass sich Çiĝdem Akyol an ihre eigene Mutter richtet. An anderen Stellen wird ein distanzierterer Stil verwendet in dem die Situationen in der 3. Person geschildert. Ich empfehle das Buch, warne aber vor den expliziten Gewaltszenen.

    20. Feb. 2025

  • ma_dana
    ma_dana

    57 Follower

    5,0

    So fremd und doch so nah

    Eine sehr bewegende, intensive Familiengeschichte, in der es um Zwangsheirat, Gewalt, Vorurteile und Integration geht. Tiefe Emotionen und große Herausforderungen prägen das Leben der türkischen Gastarbeiterfamilie. Die Autorin schafft es mit ihrem einzigartigen Schreibstil, dem wiederkehrenden Perspektivenwechsel und kurzen, prägnanten Kapiteln eine Spannung zu erzeugen, welche an das Buch fesselt. Durch Bekanntes und Triviales, dann wieder völlig Unvorstellbares und Schockierendes fühlt man sich den Personen sehr nah. Welch ein berührender und intimer Einblick in die Lebensumstände und in die Herzen der Menschen mit einem ganz besonderen Lebensweg. Absolute Leseempfehlung!

    22. Jan. 2026

  • hamburger.lesemaus
    hamburger.lesemaus

    400 Follower

    5,0

    „Kennst du die Angst, nach Hause zu kommen und nicht zu wissen, ob die Mutter vielleicht mit ner Vase erschlagen in der Ecke liegt?“ (S.139) GELIEBTE MUTTER CANIN ANNEM Çiğdem Akyol 1974: Aynur wird mit 18 Jahren von ihrem Bruder zwangsverheiratet - mit einem Mann, der unter ihrem Stand ist, der aus allen Poren nach Armut riecht und diesen Geruch sein Leben lang nicht loswerden wird. Ihr Bruder will sie einfach nur aus dem Haus haben und redet ihr ein, der Bewerber Alvin lebe in Deutschland ein luxuriöses Leben und habe eine bedeutende Arbeit. Doch die Realität ist eine andere: Alvin schuftet unter Tage, sie wohnen zu viert in einer kleinen Wohnung ohne Bad und Geld gibt es kaum. In Deutschland kennt sie niemanden, die Sprache spricht sie nicht, und die Tage ziehen endlos an ihr vorbei. Erst mit der Geburt ihrer beiden Kinder, Ada und Meryem, empfindet sie für eine kurze Zeit so etwas wie Glück. Sie beginnt in einer Fabrik zu arbeiten und endlich können sie sich eine eigene Wohnung leisten. Doch Alvin verfällt dem Glücksspiel. Die Schulden türmen sich, er versetzt alles, was er zu Geld machen kann. Immer häufiger schlägt er seine Familie. Auch Aynur lässt ihre Verzweiflung an ihrer Tochter Meryem aus - mal aus Hilflosigkeit, mal aus Frustration. Während Aynur sich aufreibt, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, zerbricht in ihnen eine ganze Welt. Die heranwachsenden Kinder schwanken zwischen Scham und Sehnsucht: Scham über Eltern, die nach all den Jahren noch immer gebrochenes Deutsch sprechen und die Sehnsucht danach, von ihnen geliebt und anerkannt zu werden. Sie wollen anders sein - freier, selbstbestimmter - und doch suchen sie immer wieder den Stolz in den Augen ihrer Eltern. Çiğdem Akyol zeichnet in diesem Roman ein beklemmendes, toxisches Familienporträt. Die Gewalt und Spielsucht des Vaters stehen im Mittelpunkt. Doch statt ihre Kinder zu schützen, hält die Mutter an ihm fest - aus Angst, aus Abhängigkeit, vielleicht auch aus Resignation. Ein Leben in einem Land, dessen Sprache sie noch immer nicht sicher spricht, ganz allein? Unvorstellbar. Was dieses Buch neben seiner Tragik so besonders macht, ist der großartige Schreibstil der Autorin. Flüssig, eindringlich - und immer wieder unterbrochen von Passagen, in denen Meryem in der Ich-Perspektive direkt an ihre Mutter schreibt. Mich hat das Buch tief berührt. Noch lange werde ich darüber nachdenken. Und immer wieder stellte ich mir beim Lesen die Frage: Wie unwillkommen mussten sich die Gastarbeiter damals gefühlt haben? Ohne Integration, ohne echtes Ankommen? Ein Meisterwerk, das gelesen werden muss! #Highlight – Eine große Leseempfehlung! 5/5

    9. Feb. 2025

3 von 15 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Çiğdem Akyol

Çiğdem Akyol, geboren 1978 in Herne, studierte Osteuropäische Geschichte und Völkerrecht in Köln, mit Stationen in Russland. Nach dem Besuch der Berliner Journalisten-Schule war sie Redakteurin bei der taz in Berlin. Anschließend war sie Korrespondentin für die österreichische Nachrichtenagentur APA in Istanbul, von wo sie auch über den Putschversuch 2016 berichtete. Die Journalistin berichtete u.a. auch für Zeit Online, die FAZ, die NZZ und ntv.de. Von ihr erschienen sind u.a. Erdoğan. Die Biografie (Herder, 2016) undDie gespaltene Republik. Die Türkei von Atatürk bis Erdoğan (S. Fischer, 2023). Derzeit arbeitet sie als Reporterin Internationales für die Wochenzeitung in Zürich. Ihre Bücher und Texte wurden für den österreichischen Wissenschaftspreis, den NDR-Sachbuchpreis und den deutschen Reporterpreis nominiert. Geliebte Mutter – Canım Annem ist ihr erster Roman.

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