Es geht mir gut

Es geht mir gut

Hardcover
3.595

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Beschreibung

Es beginnt mit einem stillen Protest. Kathleen Beckett entscheidet sich, den ungewöhnlich warmen Novembersonntag anders zu verbringen – den Gottesdienst mit der Familie ausfallen zu lassen und in den Pool zu steigen. Im Wasser treibend, lässt Kathleen ihre verpassten Chancen und Träume an sich vorbeiziehen und rebelliert gegen die Person, die sie in den letzten Jahren war. Währenddessen ist ihr Mann Virgil gefangen zwischen Schuld und Verantwortung und versucht, das eigens gesponnene Netz aus Lügen aufrechtzuerhalten, um die Illusion ihrer Ehe nicht zu gefährden. Doch mit jedem Augenblick, den Kathleen länger im Pool bleibt, droht auch Virgils Fassade zu bröckeln.
Mit psychologischem Feingefühl und literarischer Tiefe erzählt Jessica Anthony von Zuneigung und gleichzeitigem Überdruss und von der Zerbrechlichkeit, aber auch von der Stärke der stillen Auflehnung. Ein kraftvoller Roman über das, was passiert, wenn wir dem innersten Drang, wirklich zu leben, nachgeben.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
160
Preis
23.70 €

Autorenbeschreibung

Jessica Anthony ist Autorin von vier Romanen, zuletzt erschien Es geht mir gut, der auf der Longlist für den National Book Award 2024 stand. Enter the Aardvark (2020) war Finalist für den New England Book Award. Jessica Anthonys Werke wurden in zahlreichen Ländern veröffentlicht. Sie erhielt diverse Literaturstipendien. Eine ihrer Kurzgeschichten wird derzeit für eine Fernsehserie adaptiert. Es geht mir gut ist ihr erster Roman, der auf Deutsch erchienen ist. Jessica Anthony lebt in Maine.

Merkmale

1 Bewertungen

Stimmung

Traurig
Witzig
Gruselig
Erotisch
Spannend
Romantisch
Verstörend
Nachdenklich
Informativ
Herzerwärmend
30%
N/A
N/A
N/A
88%
19%
65%
66%
N/A
46%

Hauptfigur(en)

Sympathisch
Glaubwürdig
Entwickelnd
Vielschichtig
49%
76%
77%
47%

Handlungsgeschwindigkeit

Schnell100%
Langsam0%
Mittel0%
Variabel0%

Schreibstil

Einfach0%
Komplex0%
Mittel100%
Bildhaft (100%)

Beiträge

15
Alle
2

Ich habe eine tief gehende Geschichte einer zerrütteten Ehe erwartet, die literarisch aufgebröselt wird, tragisch, aber gerne auch hoffnungsvoll daher kommt…ehm nein, einfach nein. Das war nix! Die ständigen Gedankensprünge der beiden Protas, machen das lesen außerdem anstrengend.

4

Kathy und Virgil sind seit neun Jahren verheiratet und haben 2 Kinder. Sie leben in einer Apartmentanlage mit vielen älteren Menschen zusammen, Sonntags geht es in die Kirche, Virgil arbeitet bei einer Versicherung. Auf den ersten Blick alles recht durchschnittlich, fast schon langweilig. Ein warmer Sonntag im November 1957 und Kathy streikt. Sie geht in den Pool und bleibt dort. Virgil wird immer unruhiger und versucht Kathy zu überzeugen aus dem Pool zu kommen. Im Wasser treibend beginnt Kathy ihre Ehe zu reflektieren. Eigentlich war sie eine erfolgreiche Tennisspielerin und verliebt in Billy. Auch Virgil reflektiert seine Ehe. Viele geplatzte Träume und einige Ehejahre später beginnen die Beiden sich mit sich auseinandersetzen. Hier bekommt man tiefe Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Warum haben sie eigentlich geheiratet? Ein Buch, das nachhallt und zum nachdenken anregt. Eine Rebellion gegen den Menschen, der man nie sein wollte, klug und scharfsinnig erzählt.

5

Über Träume, verpasste Chancen und die Frage aller Fragen

Schade, dass die Geschichte hier endet, dachte ich auf der letzten Seite. Ein nachdenklicher Roman über das gemeinsame und eigene Leben eines Ehepaares, sowie über Träume, Chancen und Entscheidungen und die Fragen Wer bin ich und wer will ich sein? Erst wenn wir aufrichtig mit und zu uns selbst sind, kann echte Verbindung entstehen.

4.5

Frauenleben in der Nachkriegszeit

Kathleen Beckett hat bislang in ihrem Leben immer alles wie von ihr erwartet gemacht. Sie hat den gutaussehenden und ziemlich langweiligen Versicherungsverkäufer Virgil geheiratet und ist ihm quer durchs Land mit ihren zwei Jungs im Schlepptau gefolgt. Eines Sonntags beschließt sie, auf den wöchentlichen Kirchgang zu verzichten und legt sich in den Pool der Wohnanlage. Virgil ist zwar überrascht, doch lässt er sie gewähren. Als Virgil zurückkommt bleibt seine Frau weiter im Pool, wo sie bis zum späten Abend bleiben wird. Ihr geht es dort gut, sie fühlt sich leicht und befreit und genießt die Schwerelosigkeit im Wasser. Auch als ihre Familie gerne essen möchte, weist sie auf den gefüllten Kühlschrank hin, als Virgil sie bittet, herauszukommen, treibt sie weiter im Pool und auch die Neugierde der Nachbarn bringt sie nicht dazu, aus dem Wasser zu steigen. Kathleen lässt ihr Leben Revue passieren. Im College war sie leidenschaftliche Tennisspielerin und fing ein Verhältnis mit ihrem Lehrer an, den sie auch später noch getroffen hat. Doch sie hat sich für ein Leben nach dem „American Dream“ der 50er Jahre entschieden – angepasst, abhängig und immer den Schein wahrend. Dass das für Kathleen kein Traumleben ist, das wird schon sehr früh in der Erzählung klar, ganz langsam entblättert Jessica Anthony den Dream von außen nach innen, bis am Ende nichts mehr so ist, wie es den Anschein hatte. Ich mochte diesen kurzen und sehr feinen, tiefgründigen Roman sehr gern. Es steckt so viel mehr drin als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Er zeigt, was in den 50er Jahren von Frauen oft erwartet wurde, wie das klassische Rollenbild in der Ehe ausgesehen hat und wie schwer es für Frauen war, ein anderes Leben zu denken oder gar zu leben. Sehr gut finde ich hier die Verbindung zu großen geschichtlichen Ereignissen wie dem Bau der Golden-Gate-Bridge zu Kathleens Kindheit und den Raketenprogrammen der beiden Großmächte. Auch das Reflektieren über ihre Leben allein und gemeinsam aus wechselnder Perspektive von Kathleen und Virgil hat mir gut gefallen. Ein wunderbarer Roman, der mich berührt hat und der mich zum Nachdenken gebracht hat. Einzig eine Wendung zu viel am Ende hätte es für mich nicht sein müssen. Doch gibt es von mir eine große Leseempfehlung gibt für alle, die gerne Romane lesen, die einen Einblick in die Zeit nach dem Krieg geben und die Rolle der Frau thematisieren. Das Cover hat mich sofort angesprochen – ich finde es einfach richtig schön!

3

„Sobald sie draußen war, würde alles wieder so sein wie immer, normal, und normal war nicht länger hinnehmbar. (…) Kathleen Beckett würde im Pool bleiben, schwerelos, so lange es sein musste.“ Kathleen beschließt eines Vormittags in den Pool ihrer Wohnanlage zu steigen und findet ihn ihm den perfekten Zufluchtsort vor ihrem Leben. Eigentlich gehen sie Sonntags in die Kirche, doch Kathleen geht (zum ersten Mal) ihren eigenen Interessen nach. Die Jungs und Virgil kommen zurück vom Gottesdienst, haben Hunger, doch Kathleen verweist sie auf den gut gefüllten Kühlschrank, entzieht sich ihrer (scheinbaren) Zuständigkeit und bleibt im Pool. Die Nachbarn werden auf das Geschehen aufmerksam und ihr Ehemann Virgil bittet sie, aus dem Pool zu kommen, doch Kathleen fühlt sich wohl in der Schwerelosigkeit des Wassers. Sie merkt, dass die Welt sich weiterdreht, auch wenn sie im Pool bleibt. Es wird dunkel und wieder erkundigt sich Virgil, ob ihr nicht langsam kalt wird, ihre Haut sei schon aufgedunsen, weiß und verschrumpelt, doch Kathleen lässt sich nicht beirren und bleibt im Pool. Kathleen lebt als angepasste Hausfrau (heute würden wir sagen: Stay-at-Home-Mum) in den 1960er Jahren in den USA zusammen mit ihrem Mann Virgil und den beiden Kindern. Augenscheinlich eine harmlose happy Family - doch der Schein trügt, denn unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Wir bekommen einen Einblick in ihre 9-jährige Ehe (inklusive vieler Geheimnisse, die die beiden voreinander verbergen) und Jessica Anthony erzählt uns ihre Story durch eine Selbstreflektion ihrer Figuren, indem sie Kathleen und Virgil jeweils voneinander unabhängig ihre Kindheit, wie sie aufwuchsen und schließlich den Zeitpunkt ihres Kennenlernens reflektieren lässt. Kathleen hätte eine Profikarriere als Tennisspielerin vor sich gehabt, hätte sie sich nicht dagegen und stattdessen für das Leben, was von ihr erwartet wird, entschieden. Sie erfüllt das klassische Rollenbild einer Ehefrau und später auch Mutter. Virgil strebte Zeit seines Lebens nach beruflichem Erfolg, vergeblich. Also sucht er sich die Bestätigung woanders und zwar in zahlreichen Affären - sein gutes Aussehen kam ihm dabei sehr zugute (seiner Ehe mit Kathleen war es hingegen weniger zuträglich). „Ein Mann musste nicht hübsch sein, um eine hübsche Frau zu verdienen, aber bei Virgil galten andere Regeln: Ein Mann konnte tatsächlich zu hübsch sein. Welche bedauernswerte Frau sich auch einverstanden erklärte, ihn zu heiraten, sie würde ihr Leben lang unter dem Gefühl leiden, ihm nicht gerecht zu werden. Virgil merkte das immer deutlicher an Kathleen. Es war ihm nicht entgangen, dass sie ihren Körper verbarg, wenn sie sich im Schlafzimmer anzogen. Sie war dem Altern in die Fänge geraten, wie sie beide wussten. Ihre Hüften, ihre Taille, ihr Gesicht, alles wurde breiter. Aber das interessierte Virgil kein bisschen. Übel nahm er ihr dagegen, dass sie seinen Körper mit Neid und Verachtung betrachtete.“ Diese Passage sagt so viel aus über die Beziehung von Kathleen und Virgil, dass ich sie Euch nicht vorenthalten wollte. Was hat dieser Mann nur für ein Frauenbild?! Eindeutig haben wir es hier nicht mit einem Feministen zu tun! Grausig, was für Ehen zu dieser Zeit geführt wurden, die ja gar nicht mal so weit zurückliegt. Immer wieder gibt es Rückblenden in die Vergangenheit und so denkt Kathleen an ihre Zeit in Newark zurück, mit dem Ergebnis, dass es ihr heute in Pawtucket besser geht. Sie schmiedet den Plan, mal etwas Schwung in ihre Ehe zu bringen und setzt ihn prompt in die Tat um: „Eines Nachmittags zog Kathleen aus Spaß ihren Regenmantel über das Nachthemd und betrachtete sich im Spiegel. Sie musste lachen und dachte, dass sie tatsächlich wie eine dieser Verrückten aussah. Emma Bovary in Pawtucket. Bertha Mason. Gab es in der Literatur überhaupt eine Frau, überlegte sie, die nicht krank oder wahnsinnig war, zerzauste ihre Haare, verschmierte ihren Lippenstift, und begeistert über ihre Maskerade verließ sie das Haus, überquerte die Exchange Street Bridge und ging zum Büro der Manifest Insurance Company.“ Letztendlich stieß das ganze Unterfangen auf wenig Begeisterung seitens Virgils: „Liebe mich“, rief sie und brach in Lachen aus. Virgil sprang wie von der Tarantel gestochen von seinem Stuhl auf. „Kathy, was zum Teufel!“ sagte er. „Du bist doch nicht etwa in diesem Aufzug hierhergekommen?“ Herrlich, was Kathleen mit ihrem „Auftritt“ für einen Mut bewies! Trotz der ganzen Stringenz und Härte der Eheführung im Amerika der Sechziger, liebe ich einfach, wie die Autorin ihre Figur immer wieder ausbrechen lässt, sie lässt sie auf ihre Bedürfnisse achten, sei es sexuell, als Frau, oder einfach als Mensch. Der Pool ist für mich das Sinnbild der Selbstermächtigung. Brauchen wir nicht alle manchmal einen Pool, der uns einen Moment Ruhe und Schwerelosigkeit von den Strapazen unseres Lebens beschert?! Ich auf jeden Fall - für mich sind „Mein Pool“ die Bücher, das Lesen, die Literatur, aber auch Sport (Laufen) und hoffentlich auch bald wieder das Klavierspielen. Wohin entflieht Ihr Euch, wenn Euch das Leben gerade zu viel wird?! Auch eher eskapistisch per Gedankenflucht in die Literatur oder ganz anders?! Verratet es mir gerne in den Kommentaren, ich fände es total spannend Eure Gedanken dazu zu erfahren! Zwar hätte ich mir allgemein mehr psychologische Tiefe gewünscht für „Es geht mir gut“ und ein Psychogramm der Figuren Kathleen und Virgil, aber ich mochte den thematischen Ansatz, den Jessica Anthony hier verfolgt. Mit Eskapismus erweckt man als Autor*in stets mein Interesse, dafür habe ich es gerne gelesen - was Sprache und die Umsetzung angeht, gibt es definitiv Luft nach oben. Ich würde wieder ein Buch von der Autorin lesen, sofern es mich thematisch anspricht. Macht Euch bitte Euer eigenes Bild von „Es geht mir gut“ - ich würde mich über einen Austausch mit Euch darüber freuen, denn eins ist sicher: Es bietet auf jeden Fall reichlich Diskussionsstoff! Daher wäre es auch ein gutes Buch für Buchclubs!

4

Viel Spannung auf wenigen Seiten

Scharfsinnig, tiefgründig und klar schildert die Autorin die bedeutsamen Ereignisse aus dem Leben eines Ehepaares, verrät uns dabei die geheimsten Gedanken und Gefühle der Partner. Dabei baut sie eine ganz besondere, etwas melancholische Stimmung auf und erzeugt eine Spannung, die uns das Buch nicht aus der Hand legen lässt. Unvorhersehbare Wendungen und sich entwickelnde Charaktere verstärken die Wirkung. Ein rund um gelungenes Werk, wäre da nicht das Ende, welches man sich vielleicht etwas anders wünscht.

4

Scharfsinnig, psychologisch, in klarer Sprache führt uns der Roman durch ein Eheleben, ein Frauenbild nach dem Krieg. Die Protagonistin bricht immer wieder aus & lehnt sich auf - schöne Wendungen - ich konnte es nicht aus der Hand legen

2

Jessica Anthony hat mit „Es geht mir gut“ das Porträt einer Ehe gezeichnet, die sich zwischen Erinnerungen, Reue und Hoffnung bewegt. Unsere Protagonistin steht an einem Scheideweg ihres Lebens und lässt ihre Vergangenheit Revue passieren. Was bedeutet Glück für sie? Reicht Liebe aus um eine Ehe über Jahrzehnte zusammenzuhalten. All diese Gedanken entspringen eines Tages als unsere Protagonistin den Tag im Pool verbringt. Drumherum passiert der Alltag, die Kinder gehen in die Kirche und der Ehemann geht Golf spielen.   Trotz der Melancholie die sich in dem Roman durchzieht wirkt es nicht schwerfällig oder ständig traurig, eher ehrlich und klar. Beide Ehepartner durchleben ähnliche Gedankengänge an vergangene Liebschaften und Leidenschaften. „Es geht mir gut“ kommt ohne großes Drama aus und erzählt uns eher ruhig über die leisen Risse in einer Ehe und von unmerklichen Verschiebungen die in einer Partnerschaft stattfinden. Zeitlich befinden wir uns in den 1950er Jahren.   Die Aussage „Es geht mir gut“ passt gut als Titel, diese vier Worte bedeuten manchmal mehr als man buchstäblich mit Worten ausdrücken kann. Dennoch konnte mich der Roman nicht wirklich überzeugen, sprachlich fand ich ihn gut und auch die Charaktere waren interessant, aber für mich hätte es tatsächlich etwas länger sein können. Ich hätte gerne etwas mehr über die bestehende Ehe gelesen und die Hintergründe. Es war mir zu kurzweilig. Dennoch wer genau das von einem Buch erwartet: kurz, knackig, klug, Partnerschaft, Ehe, Liebe, Leidenschaft und etwas Melancholie ist hiermit gut bedient. Instagram: leeexieh

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5

„Es geht mir gut“ von Jessica Anthony wurde aus dem Amerikanischen übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Verlag: Kein&Aber Die Autorin erzählt in ihrem Roman über eine Ehe im Jahr 1956. Virgil hatte sich im Krieg den Knöchel verstaucht, jedoch die Lüge eines gebrochenen Knöchels daraus gemacht, und nutze die Chance nach Hause geschickt zu werden. Er hinkte noch etwas, um bei den Mädchen Eindruck zu schinden und lernte auf Krücken gestürzt die große, schlanke und erfolgreiche Tennisspielerin Kathleen in der Bibliothek der University of Delaware kennen. Kathleen wusste schon damals, dass er ein Schwindler war. Die beiden heirateten und führten von Beginn an eine Ehe mit Geheimnissen, Lügen, Täuschungen und unerfüllten Sehnsüchten. Die Autorin lässt uns einen schonungslosen Blick auf die fragile Dynamik der Ehe werfen, die auf unausgesprochenen Wahrheiten beruht. Jessica Anthony zeigt uns durch ihre präzise Sprache und subtile Beobachtung ein tiefgründiges Porträt einer Ehe. Die Komplexität menschlicher Beziehungen wird durch diesen Tag im November aufgezeigt. Kathleen steigt in den Pool und verlässt diesen nicht mehr. Im Wasser treibend, aufgedunsen und doch unglaublich klar lässt sie ihr Leben Revue passieren. Und stellt sich die Frage, ob es so bleiben soll? Aber zuerst muss Virgil sprechen, er bekommt seine Chance zuerst die Wahrheit zu sagen. Kathleen hat mehr Ausdauer und die Dinge werden sich ändern, ob sie es will oder nicht. „Kathleen war noch nicht bereit, aus dem Pool zu steigen. Sobald sie draußen war, würde alles wieder so sein wie immer, normal, und normal war nicht mehr länger hinnehmbar.“ (Pos. 1559) Virgil kümmert sich nicht ernsthaft um seine Frau, geht dem gewohnten sonntäglichen Kirchgang und Golfspiel nach. Er versucht verzweifelt seine Ehe aufrecht zu halten. Seine Frau soll funktionieren, er liebt sie und doch lässt ihn dieser Tag nachdenken. Er möchte endlich die Wahrheit sagen, die Vergangenheit aufarbeiten und in die Zukunft blicken. Er war bereit oder? Die Autorin zeichnet ein einfühlsames und zugleich unbehagliches Buch. Die Geschichte dieser Ehe zeigt auf, wie schwer es ist, die Wahrheit in Beziehungen zu finden oder zu akzeptieren. Ich habe das Buch in einem Ruck durchgelesen, der Schreibstil war klar und präzise, die Charaktere gut ausgearbeitet und die Tatsache, dass sich alles an diesem einen Tag abspielt sehr faszinierend und unglaublich gut zur Geltung gebracht. Eine Beziehung aus dem Jahr 1956 und doch nicht in der Vergangenheit behaftet. Jessica Anthony zeigt mit diesem schmalen Roman auf, dass unter der Oberfläche alltäglicher Beziehungen oft ein ganzes Universum an Emotionen, Geheimnissen und Lügen verborgen liegt.

5

Sternebewertung fiktiv

Kathleen und Virgil sind seit neun Jahren verheiratet und haben Kinder, von außen betrachtet eine ganz normale kleine Familie mit einem routinierten Alltag. Doch an einem Sonntag, kurz bevor die Familie zum Gottesdienst aufbricht, sagt Kathleen, sie sei krank, und bleibt zu Hause. Kaum ist die Familie aus dem Haus, zieht sie ihren roten Badeanzug an und steigt an einem kalten Novembertag in den Pool. Und dort bleibt sie. Selbst als die Familie wieder zurück ist. Sie scheint etwas mit sich auszumachen, etwas, das sie nicht mehr loslässt. Jessica Anthony schafft hier eine beklemmende, fast surreale Atmosphäre. Kathleens Entscheidung, im Wasser zu bleiben, ist ein stiller, aber kraftvoller Akt des Widerstands gegen das Leben, das sie führt, gegen die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Wir begleiten Kathleen durch ihr gesamtes Eheleben. Die anfänglichen Hoffnungen, die kleinen und großen Lügen, die Träume und schließlich die Resignation, die sich langsam, aber unausweichlich einschleicht. Ehrlich gesagt hatte ich mir von diesem Buch mehr erhofft. Die Geschichte klang nach einem emotionalen Schlag in die Magengrube, nach einem Text, der mich aufwühlt aber genau das ist nicht passiert. Kathleens Gedankenkarussell und die Rückblicke auf ihre Ehe haben mich einfach nicht so gepackt, wie ich es erwartet hatte. Vielleicht, weil mir der große Moment, der emotionale Knall, gefehlt hat dieser eine Punkt, an dem alles zusammenbricht oder sich verändert. Trotzdem möchte ich dem Buch nicht Unrecht tun. Die Grundidee und die Art, wie Anthony die leisen inneren Kämpfe einer Frau beschreibt, sind auf ihre Weise stark. Vielleicht war es einfach nicht das richtige Buch für mich aber ich bin sicher, dass es viele Leser finden wird, die sich auf die ruhige, melancholische Atmosphäre und Kathleens leisen Kampf einlassen können.

4

Wie sehen ein Mann und eine Frau ihre gemeinsame Beziehung. Abwechselnd bekommen wir einen Einblick in seine und ihre Gedanken. Warum sind sie zusammen, immer noch und werden sie es bleiben?

5

Hinter der Fassade im Pool

Über Träume & Realität -Rezensionsexemplar- . Genre: Ein kurzweilige Ausschnitt aus einem Tag in den 60ern. Über das Zeitgefühl & die Träume aus der Jugend. . Setting: Kathleen war aufstrebende Tennisspielerin & hockt heute in dem Pool ihres Wohnblocks. Ihr Mann, attraktiver aber langweiliges Versicherungsmakler, kommt mit den 2 Kindern zurück aus der Kirche & stellt fest, daß seine Frau im Pool sitzt, in dem nie jemand ist. Banal, aber der Anstoß zu Gedanken, Realitätscheck, Geheimnissen & Träumen. Schnapp dir einen Kaffee & schnupper in die Zeit.

Hinter der Fassade im Pool
4

Eine Ehe am Scheidepunkt

An einem erstaunlich warmen Novembertag in den späten 50er Jahren spielt sich hier im Pool einer amerikanischen Wohnanlage ein leises Drama ab. Dabei ist Kathleen einfach nur im Pool schwimmen gegangen. Ihr stiller Protest lädt so nach und nach das Alltagsleben als auch die Ehe der beiden Hauptfiguren elektrisch auf. Der raffinierter Spannungsaufbau, der überschaubare Umfang und eine tolle Sprache machen das Werk dabei zu einem kurzweiligen Lesegenuss ohne langweilige Ehe-Klischees .

2

Die Idee des Buches hat mich angesprochen, ebenso wie die Darstellung der beiden Ehepaare, deren Gedankenwelten mich teilweise wirklich berührt haben. Auch der Titel ist stimmig gewählt – er passt sehr gut zu der leisen Melancholie, die sich durch die Seiten zieht. Trotzdem hat mich das Buch als Ganzes nicht erreicht. Es blieb für mich zu vage, zu kurz, fast unvollständig. Ich hätte mir mehr Tiefe, mehr Zeit mit den Charakteren gewünscht – mehr Raum, um wirklich einzutauchen. Es war nicht das richtige Buch für mich, auch wenn ich seine Ansätze durchaus schätze.

5

Endlich mal ein Buch, in dem die Themen Emanzipation, Patriachat und deren Strukturen, sowie Geschlechterrollen völlig unkompliziert und nicht wertend behandelt werden. Man verliebt sich in Kathy und Virgil gleichermaßen, versteht beide uneingeschränkt und wünscht sich ein Happy End für beide.

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