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Romane

Die Kreutzersonate

3,5(58)
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Über das Buch

"Die Kreutzersonate", (1889) das berüchtigte Alterswerk Tolstois, eine so eindringliche wie irritierende Schilderung eines Ehedramas und Gattinenmordes, das Psychogramm einer wahnhaften Eifersucht, ist – auch in seiner Zwielichtigkeit – ein fesselndes Stück der Weltliteratur. In einem nächtlichen Zugabteil unterhalten sich einige Reisende über Ehe und Treue. Aufgewühlt durch das Gespräch legt der zunächst verschlossene Posdnyschew einem jüngeren Mitreisenden gegenüber seine Lebensbeichte ab. Im wechselnden Ton von Selbstanklage und Verbitterung schildert er seine verhängnissvolle Ehe bis hin zum Mord an seiner Frau. Auch wenn einige Motive zur Ehe, Lebensform oder grundlegenden Orientierung, besonders in der Rede Posdnyschews, in heutigen Ohren antiquiert oder gar misogyn klingen mögen, werden doch Fragen aufgeworfen, die unversehens aktuell sind. Sofja Tolstaja, die Ehefrau Tolstois, setzte sich zunächst für die Veröffentlichung des durch die Zensurbehörde nicht freigegebenen Werkes ein, antwortete aber gleichwohl einige Jahre später mit einem Gegenroman: "Wessen Fehl? Die Erzählung einer Frau. (anläßlich der "Kreutzersonate" Lew Tolstois. Niedergeschrieben von der Gattin Lew Tolstois in den Jahren 1892/1893)".

Editionen (30)

ISBN9783944891804
Verlagonomato
Erscheinungsdatum13.12.19
Seitenzahl4

Rezensionen & Bewertungen

58 Bewertungen

12 Rezensionen

3,5

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  • ribrob99
    ribrob99

    89 Follower

    4,0

    Eine normale Zugfahrt entwickelt sich zu einem komplizierten Gesprach über Moral, Eifersucht und Liebe. Tolstois schwungvoller Schreibstil hat mir sehr gefallen, selbst wenn die angesprochenen Theorien teils sehr komisch waren. Betrachtet man das Erscheinungsjahr, macht das natürlich mehr Sinn. Angenehme Fluglektüre :)

    8. Juli 2025

  • anton.abdr
    anton.abdr

    1 Follower

    4,0

    Tolstois Interpretation der Lehren Christis in unserem Sozial- und Sexualleben

    Die Handlung dieser Novelle lässt sich relativ leicht erklären. Während einer Zugfahrt kommt eine Diskussion über Ehe und vorallem die romantische Liebe auf. Als sich diese auflöst beginnt ein Gespräch, in welchem Posdnyschew von seinem Werdegang, Ehe und vorallem dem Mord an seiner Frau berichtet. Er geht dabei in der ersten hälfte des Buches vorallem auf seine Motive und Sichtweisen, auf die „Sinnliche Liebe“ sowie Lust ein. Posdnyschew tötet seine Frau aus Eifersucht bald nachdem Sie und ihr Musiklehrer Beethoven‘s „Kreutzersonate“ spielen, welche er quasi als Geständnis des Ehebruchs auffasst. Die Begründung der Eifersucht legimitiert das Gericht und er sitzt letzendlich nichtmal ein Jahr im Gefängnis. Das Werk war schon zur Zeit der Veröffentlichung stark umstritten und wurde in mehreren Ländern (zb. RU, USA, DE) aufgrund der Darstellung der Ehe (für ihn quasi institutionelle Prostitution) verboten. In seinem Nachwort beschreibt Tolstoi das Christliche Ideal nach Christus welches jeder Anstreben sollte und nicht mit diversen shortcuts vereinfacht werden darf. Er verurteilt die Ehe als entmenschlichend und insbesondere die kirchliche Ehe lehnt er ab. Tolstoi bezieht sich auf Bibelstellen und provoziert die Orthodoxe Kirche weiter, laut ihm ist Ehe schlichtweg Institution der Kirche. Außerdem beteuert er ausgiebig seine Haltung zu Enthaltsamkeit: Laut ihm soll sich der Mensch keinem Genuss hingeben d.h kein Sex, kein Sport, kein Fleisch, kein Alkohol. Ausschließlich harte körperliche Arbeit ist erstrebenswert. Dies ist meiner Meinung nach keine schöne Sicht auf das Leben und sorgt dafür das man sich selber in Ketten legt. Ein Zentraler Kritikpunkt dieser Novelle ist die Frauenfeindlichkeit Tolstois. Frauen werden als Verführerinnen dargestellt die den Mann ins Verderben ziehen, sie werden auf ihr äußeres reduziert und die ermordete Ehefrau wird nie tiefere Beachtung gezeigt. Gleichermaßen schießt Tolstoi gegen Männer und ich werfe ihm eher allgemeine Menschenfeindlichkeit im Bezug zu Sexualität vor. Männer werden als Triebgesteuerte, eifersüchtige Kreaturen gezeichnet die unfähig sind zu lieben. Dies liegt wahrscheinlich Tolstois radikaler Ablehnung der Sexualität zu Grunde welche sich im Zuge seiner religiösen Aufklärung ausprägte. Insbesondere aus heutiger Sicht ist dieses Werk absolut nicht haltbar, jedoch hat der Text eine historische Relevanz und Tolstois Sprache ist einfach Zeitlos. Gerade wegen der Kontroversen empfehle ich jedem diese Novelle, sie gibt einen wichtigen Einblick auf Gesellschaftliche Konstellationen von früher und (habe ich zwar noch nicht gelesen) Tolstois Frau Sofia hat einen eigenen Text „Eine Frage der Schuld“ als Gegendarstellung verfasst. 4/5

    Tolstois Interpretation der Lehren Christis in unserem Sozial- und Sexualleben

    7. Sept. 2025

  • matrask
    matrask

    5 Follower

    5,0

    Misanthrop? Opfer? Wahnsinniger? Oder einfach nur Heuchler und Mörder?

    Etwas schwieriger Start aber dann sehr fesselnde Erzählung mit einem eher unerwarteten Plädoyer am Ende für christliche Liebe. Die Charakterisierung des menschlichen Wesens ist sehr gelungen, atmosphärisch sehr dicht und nah am wirklichen Leben.

    12. Mai 2025

3 von 12 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Leo Tolstoi

Lew Nikolajewitsch Tolstoi, Leo Tolstoi wurde am 28. August als viertes von fünf Kindern in Jasnaja Poljana bei Tula geboren. Sowohl seine Mutter, Marija Nikolajewna als auch der Vater Nikolai Iljitsch enstammten alten russichen Adelsfamilien. Bereits mit 9 Jahren wurde Tolstoi Vollweise. Seine ältere Schwester übernahm die Vormundschaft für den jüngeren Bruder. An der Universität Kasan begann er 1844 ein Studium der orientalischen Sprachen, wechselte aber bald an die juristische Fakultät der Petersburger Universität. Nach einigen Quellen brach er das Studium 1847 ab und kehrte auf das Stammgut der Familie in Jasnaja Poljana zurück, um sich an Landreformen zur Verbesserung der Lage der Leibeigenen zu beteiligen. Nach anderer Darstellung schloss er das Studium zuvor noch mit dem juristischen Examen ab. Seit 1855 lebte er abwechselnd auf dem Gut Jasnaja Poljana, in Moskau und in Sankt Petersburg. 1857 und 1860/61 bereiste er mehrere europäische Länder und besuchte Schriftsteller und Künstler. Sein besonderes Interesse galt auch reformpädagogischen Initiativen. Nach seiner Rückkehr gründete er Dorfschulen nach dem Vorbild Jean Jacques Rousseaus. 1862 heiratete er die 18-jährige deutschstämmige Sofja Andrejewna Behrs. Das Paar bekam 13 Kinder. In den folgenden Jahren schrieb er die grossen epischen Romane Krieg und Frieden (1862–1869) sowie Anna Karenina (1873–1878), die seinen literarischen Ruhm begründeten. Kritisch gegenüber religiösen Institutionen und kanonischen Formen führte ihn sein Interesse an religiösen Grundfragen zur Betonung einer urchristlichen, jesuanischen Form und Essenz des Glaubens. Dabei waren für ihn die Lehren der Bergpredigt mit den Kernaussagen zur Nächstenliebe, ja Feindesliebe zentral und führten ihn unter anderm auch zur Vorstellung des gewaltlosen Widerstands als politisches und soziales Mittel. Er übte einen grossen Einfluss auf Gandhi, aber etwa auch die Freunde des "Prager Kreises", Franz Kafka, Max Brod und Felix Weltsch aus. Die Verbreitung seiner Anschauungen und Schriften (Kirche und Staat, Was darf ein Christ und was nicht?) brachte ihn in Konflikt mit den politischen und kirchlichen Einrichtungen seiner Zeit. Tolstoi starb am 7. November 1910, in Astapowo, dem heutigen Oblast Lipezk.

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