Blick ins Buch

Romane

Und Federn überall

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Über das Buch

Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin über sechs Menschen, die ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen

In einer kleinen Stadt im Emsland beginnt für eine Handvoll Menschen der Montag mit großen Erwartungen: Sonia hofft auf eine Versetzung weit weg vom Fließband des riesigen Geflügelschlachthofs. Für Ingenieurin Anna steht mit dem Testlauf eines neuen Verfahrens viel auf dem Spiel. Merkhausen, zuständig für die Prozessoptimierung, fiebert einem Date am Abend entgegen. Und der geflüchtete Afghane Nassim, der eine Affäre mit der 20 Jahre älteren Justyna hat, hofft, mit seinen Gedichten die deutschen Beamten zu erweichen. Um diese zu übersetzen, ist Roshi, deutsch-iranische Autorin, angereist.

Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in die Leben der sechs Menschen und verknüpft sie zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?

Ungekürzte Lesung mit Elisabeth Günther, Sarah Sandeh
9h 6min

Editionen (3)

ISBN9783844555875
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum29.09.25

Rezensionen & Bewertungen

105 Bewertungen

36 Rezensionen

4,0

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  • theagri
    theagri

    776 Follower

    4,0

    Die Ereignisse eines Tages in der norddeutschen Provinz inklusive Migration. Sehr interessant und vielschichtig, gesellschaftskritisch, ehrlich. Lesenswert. In den ersten Kapiteln lernen wir die Hauptprotagonisten in ihrem Alltag kennen, jeder gestresst, jeder an der Belastungsgrenze, keiner glücklich. Eine interessante Ausgangslage und man fragt sich, wie diese Menschen verbunden werden, wobei der Geflügelbetrieb im niedersächsischen, dünn besiedelten Land für alle mehr oder weniger eine Rolle spielt. Der Text lässt sich gut und flüssig lesen und man kann sich alles ausgezeichnet vorstellen, verliert sogar fast die Lust auf Hähnchenfleisch bei der Beschreibung der Schlachtung und Zerlegung der Tiere und der dabei entstehenden Gerüche. Und die Probleme die Sonja, alleinerziehend, mit ihrer pupertierenden Tochter hat, fühlen sich so real an, dass man am liebsten helfend eingreifen möchte. Beim Lesen ist eine düstere Stimmung fast greifbar, da jeder Charakter Probleme hat, sich überfordert fühlt, keiner einem anderen Menschen wirklich nah ist oder Geborgenheit fühlt. Auch die Liebe scheint hoffnungs- und perspektivlos. Sehr schön deutlich gemacht werden auch die Unterschiede im Denken und Fühlen zwischen der Polin, dem afghanischen Flüchtling, der deutschen oder der Menschen mit Migrationshintergrund und deren Bedürfnisse. Und es wird aufgezeigt, wie wichtig Vergangenheit ist, denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann Zukunft gestalten. Im Laufe des Romans wird immer deutlicher, wo Migration tatsächlich eine Rolle spielt und die Handlungen beeinflusst. Das überrascht und ist gut gelungen. Und ein Plädoyer für ein harmonisches Miteinander. Nava Ebrahimi ist es gelungen, dem Lesenden die Charaktere so nahe zu bringen, dass man mitfühlt. Dadurch entsteht ab ca. der Mitte des Buches ein Spannungsbogen, so dass man das Buch kaum weg legen mag. Und man liest und hofft und wüscht, dass es für alle ein gutes Ende nimmt. Am liebsten würde man noch ein paar Tage da bleiben ...

    20. Sept. 2025

  • anja._liest
    anja._liest

    331 Follower

    4,0

    Ein Geflügelimperium und die Menschen in einem kleinen Ort im Emsland. Die alleinerziehende Sonia, gefangen in einem harten Job im Geflügelschlachthof, ist zunehmend überfordert mit ihrer Arbeit und ihren pubertierenden Kindern. Sie hofft auf einen besseren Job. Merkhausen ist in dieser Firma in einer leitenden Position tätig, sucht eine Frau fürs Leben mit polnischen Wurzeln. Nassim, ein Flüchtling mit einer Augenkrankheit, schreibt Gedichte und ist auf der Suche nach einem bessern Leben. Die Polin Justyna trifft Nassim gelegentlich. Sie mag ihn sehr aber mehr als eine Freundschaft Plus ist für sie nicht drin. Er ist zwanzig Jahre jünger und sie auf der Suche nach einem deutschen Mann via Internet. Roshi ist eine iranische Schriftstellerin. Nassim versucht sie zu überzeugen seine Gedichte ins Deutsche zu übersetzen. Anna verkauft eine selbstentwickelte Software zur Überprüfung der Fleischqualität an die Firma, so können zukünftig Arbeitsplätze eingespart werden. Diese Personen und deren komplexe Beziehung untereinander werden verwebt zu einer gemeinsamen Geschichte, in der Flucht, Geschlechterrollen und Migration eine große Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht der Geflügelkonzern. Die Arbeit dort ist anstrengend und monoton. Einfühlsam und poetisch erzählt wird dieser gesellschaftskritische Roman, der berührt und fasziniert zugleich. Jeder kämpft für sich allein, hat eigene Sorgen und Nöte. Trotz der vielen Protagonisten kommen wir den einzelnen Menschen sehr nah, bekommen Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Eine Momentaufnahme aus der Realität stellvertretend für viele andere Menschen. Ich hab den Roman sehr gern gelesen, allerdings kam mir das Ende zu schnell. Da hätte es sich für mich gern noch einiges aufklären dürfen. Für alle Liebhaber von gesellschaftskritischen Romanen, in denen Migration eine große Rolle spielt, ist dieses Buch eine Empfehlung.

    8. Okt. 2025

  • benjischwenki
    benjischwenki

    904 Follower

    4,0

    Nur 1 Tag...und trotzdem so viel Tiefe in den 350 Seiten !!! Großes Kompliment dafür, wie die Autorin es schafft, uns 6 sehr unterschiedliche Menschen so nahe zu bringen, indem sie uns einen Tag in ihrem Leben schildert. Ich hatte das Gefühl, sie schon länger zu kennen! Sehr raffiniert fand ich die Idee, wie sich diese 6 Personen im Laufe dieses Tages tangieren . Die Themen des Romans sind sehr vielschichtig, es geht um Migration, Mobbing, Stress, Krieg, Arbeitslager und vieles mehr. Mit dem Schluss konnte ich leider nichts anfangen.Und die Hühnerthematik wird mich wohl noch einige Zeit beschäftigen...

    14. Mai 2026

3 von 36 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Nava Ebrahimi

Nava Ebrahimi, 1978 in Teheran geboren, zählt zu den wichtigen Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Sie erhielt 2021 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Ihr Roman »Und Federn überall« war für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert und gilt als einer der »100 besten Romane des Jahres« (DIE ZEIT). Er wurde mit dem Péter-Horváth-Preis ausgezeichnet.Für ihr Debüt »Sechzehn Wörter« wurde sie mit dem Österreichischen Buchpreis, Kategorie Debüt, sowie dem Morgenstern-Preis ausgezeichnet. Nava Ebrahimi ist regelmäßige Kolumnistin der Süddeutschen Zeitung. Sie lebt mit ihrer Familie in Graz.

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