Der Debütroman von Toxische Pommes: »Diese Geschichten sind Pointen der Rührung, des Absurden, der politischen Erzählung. Und als Gesamtbild ein großes Glück.« Saša Stanišić
»Was hat uns das neue Leben gekostet? Meinen Vater seine Stimme, meine Mutter ihre Lebendigkeit. Und mich?«
Vor dem Krieg in Jugoslawien flüchtet die Familie in ein Einwanderungsland, das keines sein möchte. Dieses Buch erzählt von der Beziehung zwischen einer Tochter, deren einziger Lebenssinn darin besteht, die perfekte Migrantin zu werden, und ihrem Vater, der sich bei dem Versuch, ihr das zu ermöglichen, selbst verliert.
Erstmals gibt es die großartig lakonische Toxische Pommes in Romanform. Seit der Corona-Pandemie ist sie in den sozialen Medien mit satirischen Kurzvideos über die schönen und hässlichen Seiten der Gesellschaft erfolgreich, und seit kurzem steht sie mit ihrem Kabarettprogramm auch auf den analogen Bühnen.
Einwanderer-Autobiographie
Die Autorin ist die Tochter eines vor dem Jugoslawienkrieg geflüchteten Paares. Sie schreibt über ihre neue Heimat Österreich, über Demütigungen in der Schule und ihre Versuche der Anpassung und vor allen Dingen über ihren Vater, der so gar keinen Platz in der neuen Heimat finden kann.
Interessant
3. Mai 2026
4,0
Einwanderer-Autobiographie
Die Autorin ist die Tochter eines vor dem Jugoslawienkrieg geflüchteten Paares. Sie schreibt über ihre neue Heimat Österreich, über Demütigungen in der Schule und ihre Versuche der Anpassung und vor allen Dingen über ihren Vater, der so gar keinen Platz in der neuen Heimat finden kann.
Interessant
Für mich ist dieses Buch eine Liebeserklärung an den Vater. So voller Liebe. Wunderschön.
Erzählt wird die Geschichte der Protagonistin und ihrer Familie. Aus Kroatien flüchtet die Familie nach Österreich. Sie kommen am Anfang bei einer Familie unter, wo sie keine Miete zahlen müssen, aber dafür im Haushalt helfen. Beide Eltern sind Akademiker, müssen in Österreich wieder als Arbeiter anfangen. Der Vater bekommt aber keine Arbeitserlaubnis und so kommt es, dass seine Frau arbeitet, während er zu Hause tagsüber den Haushalt schmeißt, immer wieder Bohnensuppe kocht und abends vor dem Computer sitzt, um Wissen aufzusaugen, welches er an die Familie weitergibt. Durch die Arbeit der Mutter ziehen sie in eine eigene Wohnung und die Tochter gibt in der Schule ihr Bestes, um als Ausländerin was erreichen zu können. Waren der Vater und die junge Protagonistin anfangs noch ein Herz und eine Seele, ändert sich das im Verlauf der Geschichte. Der Vater nervt, weil er kein Deutsch spricht, auf Schnäppchenjagd geht und im Schwimmverein beim Eltern-Kind-Wettbewerb nicht alles gibt.
Das war für mich pures Lesevergnügen. Die Geschichte dieses schönen Ausländerkindes hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Auch wenn es eigentlich keine lustige Geschichte ist, ist sie mit so viel Liebe und Leichtigkeit erzählt, dass ich Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite voller Begeisterung den Erinnerungen der jungen Protagonistin folge und am Ende überrascht war, dass ich schon am Ende des Buches angelangt war. Ich habe so gut nachfühlen können, wie der Vater in der Fremde zu einem anderen Menschen wurde. Gebückter, unsicherer und wie das Kind sich für ihn schämt. Wie schwierig es ist, als Ausländer angenommen zu werden. Und doch spüre ich in jeder Zeile, dass die erwachsene Protagonistin nachfühlt, versteht und liebt. Außerdem mochte ich die fremdsprachigen Sätze, sind es doch Sätze, die meine Eltern auch zu mir gesprochen hatten. Große Leseempfehlung für alle, die nachfühlen möchten, wie es ist, in der Fremde anzukommen und zu leben.
S.17 „“Sie pticice iz gore“ ist ein kroatisches Volkslied, das Kindern zum Einschlafen vorgesungen wird. Wie so viele andere Lieder aus der Region, handelt sogar dieses Kinderlied von gebrochenen Herzen und unglücklicher Liebe, damit man auch wirklich und ganz sicher schon von klein auf zur Melancholie neigt.“
S.54 „Es gab eine Welt, in der er nicht nur das Vorbild war, das ich von zu Hause kannte, der Mensch, der mir beigebracht hatte, wie man liest, schreibt und sich vor nicht fürchtete. Sobald er die Türschwelle unseres Hauses überschritt und einen Fuß auf die Straße setzte, ließ er diesen Teil von sich zurück. Seine Körperhaltung veränderte sich, sein Gang wurde bedächtiger, sein Rücken gebückter und seine Stimme schwächer.“
S.180 „Je älter ich wurde, desto mehr Verständnis entwickelte ich für meinen Vater, desto mehr Ähnlichkeiten erkannte ich in unseren Werten, desto mehr seiner Ansichten vertrat ich tatsächlich selbst- auch wenn ich womöglich andere Worte für sie wählte.
S.187 „Statt auf dem Deck eines Schiffs saß er jetzt den ganzen Tag allein in einer Wohnung und wartete darauf, dass seine Ehefrau von der Arbeit nach Hause kam. Wäre er zumindest eine Frau gewesen, aber nein, er war ein Mann. Nicht nur das: Er war ein Mann vom Balkan.“
1. Mai 2025
4,5
Für mich ist dieses Buch eine Liebeserklärung an den Vater. So voller Liebe. Wunderschön.
Erzählt wird die Geschichte der Protagonistin und ihrer Familie. Aus Kroatien flüchtet die Familie nach Österreich. Sie kommen am Anfang bei einer Familie unter, wo sie keine Miete zahlen müssen, aber dafür im Haushalt helfen. Beide Eltern sind Akademiker, müssen in Österreich wieder als Arbeiter anfangen. Der Vater bekommt aber keine Arbeitserlaubnis und so kommt es, dass seine Frau arbeitet, während er zu Hause tagsüber den Haushalt schmeißt, immer wieder Bohnensuppe kocht und abends vor dem Computer sitzt, um Wissen aufzusaugen, welches er an die Familie weitergibt. Durch die Arbeit der Mutter ziehen sie in eine eigene Wohnung und die Tochter gibt in der Schule ihr Bestes, um als Ausländerin was erreichen zu können. Waren der Vater und die junge Protagonistin anfangs noch ein Herz und eine Seele, ändert sich das im Verlauf der Geschichte. Der Vater nervt, weil er kein Deutsch spricht, auf Schnäppchenjagd geht und im Schwimmverein beim Eltern-Kind-Wettbewerb nicht alles gibt.
Das war für mich pures Lesevergnügen. Die Geschichte dieses schönen Ausländerkindes hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Auch wenn es eigentlich keine lustige Geschichte ist, ist sie mit so viel Liebe und Leichtigkeit erzählt, dass ich Wort für Wort, Satz für Satz, Seite für Seite voller Begeisterung den Erinnerungen der jungen Protagonistin folge und am Ende überrascht war, dass ich schon am Ende des Buches angelangt war. Ich habe so gut nachfühlen können, wie der Vater in der Fremde zu einem anderen Menschen wurde. Gebückter, unsicherer und wie das Kind sich für ihn schämt. Wie schwierig es ist, als Ausländer angenommen zu werden. Und doch spüre ich in jeder Zeile, dass die erwachsene Protagonistin nachfühlt, versteht und liebt. Außerdem mochte ich die fremdsprachigen Sätze, sind es doch Sätze, die meine Eltern auch zu mir gesprochen hatten. Große Leseempfehlung für alle, die nachfühlen möchten, wie es ist, in der Fremde anzukommen und zu leben.
S.17 „“Sie pticice iz gore“ ist ein kroatisches Volkslied, das Kindern zum Einschlafen vorgesungen wird. Wie so viele andere Lieder aus der Region, handelt sogar dieses Kinderlied von gebrochenen Herzen und unglücklicher Liebe, damit man auch wirklich und ganz sicher schon von klein auf zur Melancholie neigt.“
S.54 „Es gab eine Welt, in der er nicht nur das Vorbild war, das ich von zu Hause kannte, der Mensch, der mir beigebracht hatte, wie man liest, schreibt und sich vor nicht fürchtete. Sobald er die Türschwelle unseres Hauses überschritt und einen Fuß auf die Straße setzte, ließ er diesen Teil von sich zurück. Seine Körperhaltung veränderte sich, sein Gang wurde bedächtiger, sein Rücken gebückter und seine Stimme schwächer.“
S.180 „Je älter ich wurde, desto mehr Verständnis entwickelte ich für meinen Vater, desto mehr Ähnlichkeiten erkannte ich in unseren Werten, desto mehr seiner Ansichten vertrat ich tatsächlich selbst- auch wenn ich womöglich andere Worte für sie wählte.
S.187 „Statt auf dem Deck eines Schiffs saß er jetzt den ganzen Tag allein in einer Wohnung und wartete darauf, dass seine Ehefrau von der Arbeit nach Hause kam. Wäre er zumindest eine Frau gewesen, aber nein, er war ein Mann. Nicht nur das: Er war ein Mann vom Balkan.“
Ein sehr berührender, autobiografischer Roman über das Leben einer nach Österreich ausgewanderten Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Im Fokus steht die Beziehung zwischen Tochter und Vater. Der Vater schafft es nicht im fremden Land Fuß zu fassen und verliert sich aufgrund der Perspektivlosigkeit immer mehr.
Es geht um Alltagsrassismus, vielen Problemen denen Migranten ausgesetzt sind, und den sich aufgrund dessen verändernden Strukturen innerhalb einer Familie.
Der Schreibstil ist sehr einfach, und unaufgeregt. Bisweilen bleibt einem trotz des Humors das Lachen im Halse stecken weil die Situation einfach nur traurig und bitter ist für die Betroffenen.
Es geht um Identität, dem Wunsch nach Anerkennung, Dazugehörigkeit, Wertschätzung usw. Alles was selbstverständlich sein sollte, hier aber leider immer wieder hart erkämpft werden muss. Besonders die Scham des Vaters hat mich sehr berührt.
18. Apr. 2025
5,0
Ein sehr berührender, autobiografischer Roman über das Leben einer nach Österreich ausgewanderten Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Im Fokus steht die Beziehung zwischen Tochter und Vater. Der Vater schafft es nicht im fremden Land Fuß zu fassen und verliert sich aufgrund der Perspektivlosigkeit immer mehr.
Es geht um Alltagsrassismus, vielen Problemen denen Migranten ausgesetzt sind, und den sich aufgrund dessen verändernden Strukturen innerhalb einer Familie.
Der Schreibstil ist sehr einfach, und unaufgeregt. Bisweilen bleibt einem trotz des Humors das Lachen im Halse stecken weil die Situation einfach nur traurig und bitter ist für die Betroffenen.
Es geht um Identität, dem Wunsch nach Anerkennung, Dazugehörigkeit, Wertschätzung usw. Alles was selbstverständlich sein sollte, hier aber leider immer wieder hart erkämpft werden muss. Besonders die Scham des Vaters hat mich sehr berührt.
18. Apr. 2025
3 von 52 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Toxische Pommes
Toxische Pommes heißt im wahren Leben Irina und arbeitet als Juristin in Wien. Sie hat Hunderttausende Follower auf TikTok und Instagram und spielt ihr Kabarettprogramm "Ketchup, Mayo & Ajvar - Die sieben Todsünden des Ausländers" vor ausverkauften Häusern in Österreich und Deutschland. 2024 ist ihr Debütroman Ein schönes Ausländerkind bei Zsolnay erschienen.