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Das war wirklich kein leicht zu lesendes Buch. Total fokussiert und absolute Ruhe waren bei dieser Lektüre Pflicht, damit ich der Geschichte folgen konnte. Aber es hat sich absolut gelohnt! Der Schreibstil ist wirklich eigen und schwer zu erklären, aber es hat sich angefühlt wie in einem großen dunklen Schloss ohne Licht. Ich musste den Weg zu der jungen Protagonistin suchen. Vorsichtig herantasten, auf der Suche nach der richtigen Tür, blind vertrauen, Türen öffnen, lugen, langsam aufklarend neue Dorfbewohner kennenlernen, sehen, welche komische Eigenschaften diese besitzen, welche veralteten Ansichten sie haben, weiterziehen und schauen, wohin ich gehen muss und wie viel Türen ich noch öffnen soll, bis ich mehr von der Erzählerin lese. Die Protagonistin ist 11 Jahre alt, sitzt unter einem Lkw und beobachtet, wie die Menschen um sie herum beim Umzug helfen. Sie sitzt unter dem Lkw, weil sie sich versteckt. Und sie versteckt sich, da sie das letzte Mal Verstecken mit ihrer bosnischen Freundin Luca spielt. Und dabei erinnert sie sich an einige Ereignisse ihres Lebens auf dem Gasthof Gratschbacher Hof. Sie erzählt die Geschichten verschiedener Menschen des Dorfes, Freunde und Familie. Und dabei erinnert sie sich immer wieder an das traumatische Ereignis mit Franz, einem frisch zugezogenen Jungen, der beim Spielen im Wald mit der Erzählerin und anderen Kindern ums Leben kam. Ich musste bei diesem Buch lernen, blind darauf zu vertrauen, dass im Verlaufe der Erzählung alle Fragezeichen aufgelöst werden. Denn nicht immer wusste ich, wo genau ich mich befinde. So hab ich bestimmt mehr als die Hälfte des Buches gelesen, bis ich verstanden hatte, das die Erzählerin alles an diesem einem Umzugs(nachmit)tag erzählt. Das bestimmte Gegenstände, sie dazu anregen zu erzählen. Und während all dieser Erzählung hab ich mich oft gefragt, ob ich was überlesen habe und manche Sätze mehrmals gelesen, um wieder festzustellen, dass ich nichts überlesen hatte, sondern die Erzählung einfach schon im vollen Gange war und ich warten muss, bis ich versteh von wem oder von was ich gerade einen Ausschnitt des Lebens beschrieben bekomme. Auch hab ich etwas gebraucht, um zu verstehen, dass die Erzählerin kein Erzähler ist, denn wirklich Mädchen will sie nicht sein und Luca mag sie auch mehr als nur freundschaftlich. Herrlich find ich auch den Kärntner Dialekt, der hier immer wieder miterzählt wird und auch die bosnischen Wörter. Wer keine stringente Handlung braucht, der/die wird hier mit einer herrlich melancholischen Geschichte belohnt. Eine Geschichte, in der die raue Natur viel liebevoller ist als so mancher Dorfbewohner. Ich hab so viel zurückbekommen für die ganze Mühe beim Lesen. S.78 „Am liebsten hätte ich den Vorgang wiederholt. Mich zweimal, dreimal, viermal rasiert. Ich wollte die Schichten meiner Kindheit nacheinander absagen und so mein erwachsenes und autonomes Selbst, das schon ungeduldig darunter wartete, endlich hervorholen.“ S.109 „Dem Wald ist es gleich. Was er nicht mag, ist, wenn Menschen ihren Dreck liegen lassen, obwohl schon so manche Ameisenkolonie ihr Glück in einer Coladose gefunden haben soll. Das ist allerdings ein kurzfristiges Glück. S.198/199 „Und weil die Oma Politiker generell abstoßend fand, ging sie mit meinem Opa auf einen Getreidekaffee und heiratete ihn. Dass sie mit Hitler, „dea wär da liabare gwesn“, einen offeneren und humaneren Mann gehabt hätte, stellte sich erst nach dem Krieg heraus, sagte sie, „sunst häd i eh den Hitla gnumma“, und lachte.“
7. Mai 2025
Das war wirklich kein leicht zu lesendes Buch. Total fokussiert und absolute Ruhe waren bei dieser Lektüre Pflicht, damit ich der Geschichte folgen konnte. Aber es hat sich absolut gelohnt! Der Schreibstil ist wirklich eigen und schwer zu erklären, aber es hat sich angefühlt wie in einem großen dunklen Schloss ohne Licht. Ich musste den Weg zu der jungen Protagonistin suchen. Vorsichtig herantasten, auf der Suche nach der richtigen Tür, blind vertrauen, Türen öffnen, lugen, langsam aufklarend neue Dorfbewohner kennenlernen, sehen, welche komische Eigenschaften diese besitzen, welche veralteten Ansichten sie haben, weiterziehen und schauen, wohin ich gehen muss und wie viel Türen ich noch öffnen soll, bis ich mehr von der Erzählerin lese. Die Protagonistin ist 11 Jahre alt, sitzt unter einem Lkw und beobachtet, wie die Menschen um sie herum beim Umzug helfen. Sie sitzt unter dem Lkw, weil sie sich versteckt. Und sie versteckt sich, da sie das letzte Mal Verstecken mit ihrer bosnischen Freundin Luca spielt. Und dabei erinnert sie sich an einige Ereignisse ihres Lebens auf dem Gasthof Gratschbacher Hof. Sie erzählt die Geschichten verschiedener Menschen des Dorfes, Freunde und Familie. Und dabei erinnert sie sich immer wieder an das traumatische Ereignis mit Franz, einem frisch zugezogenen Jungen, der beim Spielen im Wald mit der Erzählerin und anderen Kindern ums Leben kam. Ich musste bei diesem Buch lernen, blind darauf zu vertrauen, dass im Verlaufe der Erzählung alle Fragezeichen aufgelöst werden. Denn nicht immer wusste ich, wo genau ich mich befinde. So hab ich bestimmt mehr als die Hälfte des Buches gelesen, bis ich verstanden hatte, das die Erzählerin alles an diesem einem Umzugs(nachmit)tag erzählt. Das bestimmte Gegenstände, sie dazu anregen zu erzählen. Und während all dieser Erzählung hab ich mich oft gefragt, ob ich was überlesen habe und manche Sätze mehrmals gelesen, um wieder festzustellen, dass ich nichts überlesen hatte, sondern die Erzählung einfach schon im vollen Gange war und ich warten muss, bis ich versteh von wem oder von was ich gerade einen Ausschnitt des Lebens beschrieben bekomme. Auch hab ich etwas gebraucht, um zu verstehen, dass die Erzählerin kein Erzähler ist, denn wirklich Mädchen will sie nicht sein und Luca mag sie auch mehr als nur freundschaftlich. Herrlich find ich auch den Kärntner Dialekt, der hier immer wieder miterzählt wird und auch die bosnischen Wörter. Wer keine stringente Handlung braucht, der/die wird hier mit einer herrlich melancholischen Geschichte belohnt. Eine Geschichte, in der die raue Natur viel liebevoller ist als so mancher Dorfbewohner. Ich hab so viel zurückbekommen für die ganze Mühe beim Lesen. S.78 „Am liebsten hätte ich den Vorgang wiederholt. Mich zweimal, dreimal, viermal rasiert. Ich wollte die Schichten meiner Kindheit nacheinander absagen und so mein erwachsenes und autonomes Selbst, das schon ungeduldig darunter wartete, endlich hervorholen.“ S.109 „Dem Wald ist es gleich. Was er nicht mag, ist, wenn Menschen ihren Dreck liegen lassen, obwohl schon so manche Ameisenkolonie ihr Glück in einer Coladose gefunden haben soll. Das ist allerdings ein kurzfristiges Glück. S.198/199 „Und weil die Oma Politiker generell abstoßend fand, ging sie mit meinem Opa auf einen Getreidekaffee und heiratete ihn. Dass sie mit Hitler, „dea wär da liabare gwesn“, einen offeneren und humaneren Mann gehabt hätte, stellte sich erst nach dem Krieg heraus, sagte sie, „sunst häd i eh den Hitla gnumma“, und lachte.“
7. Mai 2025






