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Romane

Was man sät

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Über das Buch

Kurz vor Weihnachten bemerkt die zehnjährige Jas, dass der Vater ihr Kaninchen mästet. Sie ist sich sicher, dass es dem Weihnachtsessen zum Opfer fallen wird. Das darf nicht passieren. Also betet Jas zu Gott, er möge ihren älteren Bruder anstelle des Kaninchens nehmen. Am selben Tag bricht ihr Bruder beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und ertrinkt. Die Familie weiß: Das war eine Strafe Gottes, und alle Familienmitglieder glauben, selbst schuld an der Tragödie zu sein. Jas flieht mit ihrem Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen.

Was bedeuten Familie, Glaube, Zusammenhalt? Wie kann man anderen beistehen, wenn man mit den eigenen Dämonen zu kämpfen hat? Lucas Rijneveld hat einen gewagten, einen kräftigen und lebendigen Roman geschrieben, der unsere innersten Gewissheiten hinterfragt.

Editionen (2)

ISBN9783518763025
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum11.09.19
Seitenzahl240

Rezensionen & Bewertungen

79 Bewertungen

10 Rezensionen

3,5

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  • 2,5

    Schwierige Themen, schwieriges Buch

    Als Jas merkt, dass der Vater ihr Kaninchen mästet, bittet sie Gott, lieber ihren Bruder zu nehmen. Am gleichen Tag bricht dieser beim Schlittschuhlaufen im Eis ein und stirbt. Jas und ihre Geschwister bleiben mit ihrer Trauer und dem Verlust allein … Puh, bin ich froh, dass ich mit diesem Buch fertig bin. Und irgendwie habe ich jetzt das Bedürfnis lange zu duschen und in die Sonne zu gehen. Alles in diesem Roman hinterlässt das Gefühl einer schmierigen Schmutzschicht, zeitweise hat es mich bei dem Beschriebenen wirklich geekelt. Jas und ihre beiden Geschwister werden vernachlässigt, fast bis an den Rand der Verwahrlosung. Die Mutter verschwindet in ihrer Trauer von Tag zu Tag mehr, der Vater lebt nach Bibelversen und empfindet mehr Zuneigung zu seinen Kühen, als zu den Kindern. Die Themen sind neben Trauer und Trauerbewältigung vielfältig und durchweg düster. Tiere werden gequält und getötet, die Kinder quälen sich selbst und einander, bis zu sexuellem Missbrauch. Jas Sprache schwankt dabei zwischen kindlich naiv und vulgär, dabei fällt es schwer, Sympathie zu entwickeln, weil fast in jedem Satz irgendetwas Ekel auslösendes vorkommt, egal ob es um Mahlzeiten oder Körperausscheidungen geht. Empfehlen kann ich dieses Buch eigentlich überhaupt nicht. Die Themen sind durchaus wichtige, aber die Umsetzung finde ich persönlich einfach furchtbar. Wer es dennoch versuchen möchte, sollte als Leserin oder Leser absolut gefestigt sein, und mit den teils verstörenden Darstellungen umgehen können.

    17. Dez. 2025

  • mitch_fr
    mitch_fr

    30 Follower

    3,0

    Derb, vulgär, morbide, schonungslos und gleichsam verletzlich. Eine leichte Urlaubslektüre war das definitiv nicht!

    🧥💩🧼🍑🛐 Eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle, meistens leicht anwidernd. Dieses Buch verdient alle nur erdenklichen Triggerwarnungen: Das Einzige, was hier nicht vorkommt, ist Drogenmissbrauch. Ganz klar, schließlich sind die Hauptprotagonisten der Geschichte (allen voran die 12-jährige Jas) ja erst im frühen Teenager-Alter und wachsen „behütet“ auf dem elterlichen Bauernhof in einer streng Orthodox-calvinistischen Gemeinde auf… »Kaum haben Jas und ihre Familie von Matthies fatalem Unfall auf dem Eis erfahren, sind sie sich sicher: Das war eine Strafe Gottes. Alle Familienmitglieder glauben, selbst Schuld an der Tragödie zu tragen. Die Mutter hört auf zu essen, der Vater beschäftigt sich nur mehr mit dem Vieh im Stall. Und Jas flieht mit ihrem Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen.« Es fällt mir schwer, mit eigenen Worten zu beschreiben, was hier passiert und ich weiß auch gar nicht, ob ich das überhaupt will. Daher sollen die unten aufgeführten Zitate helfen, die Geschichte der jungen Jas zwischen Pubertät, Vater und Gott, Geschwisterliebe und und sträflicher Vernachlässigung zu skizzieren. (Achtung, kann Spuren von Spoilern enthalten! Alle Zitate sind selektiert aus dem ursprünglichen Zusammenhang genommen und in der Reihenfolge größtenteils neu angeordnet!) Das Mädchen: Ich habe auch keine Sehnsucht nach Jungs, sondern nach mir selbst, so was darf man aber nie verraten, genau wie das Passwort für dein Nokia, damit keiner dich heimlich knacken kann. … Ich weiß nicht, was ich in meinen Gedanken will, außer dass Vater und Mutter wieder fröhlich werden und sich eines Tages wieder paaren, damit Mutter wieder isst und beide nicht sterben. Wenn ich diese Mission erfüllt habe, kann ich beruhigt auf die andere Seite. … Erst als mir der Tierarzt zuzwinkert, merke ich, dass meine Augen voller Tränen sind. Ich denke an die Naturkundestunde in der Schule über Neil Armstrong, den ersten Menschen auf dem Mond, daran, wie der sich gefühlt haben muss, als jemand sich zum ersten Mal in seinem Dasein die Mühe gemacht hat, ihm näher zu kommen. Vielleicht ist der Tierarzt auch ein Astronaut, und jemand wird sich endlich die Mühe machen nachzuschauen, wie viel Leben noch in mir ist. Ich hoffe auf ein gutes Gespräch. Nur weiß ich nicht, welchen Anforderungen ein gutes Gespräch genügen muss. … Es wird still. Nur die Gewalt in mir macht Lärm. Sie wächst und wächst, genau wie der Kummer. Nur verlangt Kummer nach mehr Raum, wie Belle gesagt hat, und Gewalt nimmt ihn sich einfach. … Als ich weggehe, hinterlasse ich eine Spur im Schnee. Immer öfter hoffe ich, dass jemand mich findet. Dass jemand mir hilft, mich selbst zu finden, und sagt: kalt, kalt, lau, warm, wärmer, heiß. Der Vater: »Niemand kann zwei Herren dienen: Er wird den ersten hassen und den zweiten lieben, oder er wird dem einen treu ergeben sein und den anderen verachten ...« Er vergaß, dass wir ja schon zwei Herren dienen: Vater und Gott. Ein dritter kann es kompliziert machen, aber darum kümmern wir uns später. … Vater steigt die Leiter wieder hinunter, ich blicke auf seinen Mittelscheitel, sein Kopf sieht aus wie ein Schlitzschraubenkopf. Manchmal würde ich ihn gern in den Boden bohren, damit er nur noch zwei Dinge tun kann: zuschauen und zuhören, sehr viel zuhören. … Zum ersten Mal merke ich, dass ich meine Muskeln ebenfalls angespannt habe und Vaters Kopf am liebsten wie eine Stahlfeder in die Tinte tauchen und dann einen hässlichen Satz damit schreiben würde oder einen, der von Matthies handelt und wie sehr ich ihn vermisse. Sofort erschrecke ich von meinen Gedanken, »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gibt.« … Manchmal, wenn Vater mir Gute Nacht wünschen kommt, steckt er mir die Zunge ins Ohr. Das ist weniger schlimm als der Finger mit der grünen Seife, aber trotzdem. Ich weiß nicht, warum er das macht, vielleicht ist es so wie bei dem Deckel des Vanillepuddingpäckchens, den er jeden Abend mit der Zunge sauber leckt, sonst ist es eine Verschwendung, findet er, und genauso ist es vielleicht mit meinen Ohren, ich vergesse oft, sie mit einem Wattestäbchen zu reinigen. … Ich will nicht an Vaters Finger in mir denken und beiße von dem Donut ab, den er uns gerade gegeben hat. … Und einen ganz kurzen Moment lang hoffe ich, dass Vater zu mir kommt und mich fest an sich zieht, so dass sich die Druckknöpfe seines Overalls auf meiner Wange abzeichnen, so dass ich mich in dem Verlangen verlieren kann, ihn fest zu packen, doch das Einzige, worin ich mich jetzt verlieren kann, ist im Verlust. Der Tod: Ich weiß nicht, ob ich stark genug bin, dem Tod jetzt zu begegnen. Vor Gott dürfen wir nur in unserer Sonntagskleidung erscheinen, wie das beim Tod ist, weiß ich nicht. … Vater hat uns schon von klein auf vor Quecksilber gewarnt, das sei ein schneller Tod, sagte er. Dadurch habe ich gelernt, dass man langsam und schnell sterben kann und dass beides Vor- und Nachteile hat. … So wird sich der Tod anfühlen, wie ein endloser Fall ohne Wiederaufstehen. Die Schwester: Hannas Stimme klingt auf einmal verbittert. Ist sie eifersüchtig? Ich lege meine Hände links und rechts an ihre Hüften. Ein Schubs, und sie stürzt ins Wasser. Dann könnte ich sehen, wie Matthies unters Wasser geraten ist, wie das je hat passieren können. Und dann tue ich es. … Stühle können nicht sagen, wie sehr sie jemanden lieben. Und niemand weiß, dass ich es bin: Jacke, getarnt als Klappstuhl. … Die gelbe Strickmütze meiner Schwester versinkt langsam wie die untergehende Sonne. Ich will nicht, dass sie untergeht. Ich will mich wie ein Eispickel in sie bohren, mich an ihr festnageln. Ich will sie retten. Doch Stühle können nicht retten. Sie können nur schweigen und warten, bis jemand kommt und sich auf ihnen ausruht. … Ich stehe auf und verstecke die nasse Socke unter meinem Bett bei den nassen Unterhosen, setze die Kröten in meine Jackentasche und gehe in Hannas Zimmer. Die Tür ist angelehnt. Sie liegt mit dem Rücken zu mir. Ich gehe rein und schiebe meine Hand unter das Nachthemd, auf den unteren Teil ihres nackten Rückens. Sie hat Gänsehaut, es fühlt sich an wie eine Lego-Platte, ich könnte mich auf ihr festklicken und nie mehr loslassen. … Hanna antwortet nicht, und ich beginne mir Sorgen zu machen. Sie reckt ihr Kinn hoch, kneift die Augen zusammen, beißt sich auf die Unterlippe, stöhnt noch einmal und lässt sich neben mich fallen. Sie ist völlig verschwitzt, eine Haarsträhne klebt ihr seitlich am Gesicht. Es sieht so aus, als habe sie Schmerzen, und auch wieder nicht. Ich versuche, Erklärungen für ihr Verhalten zu finden. Kommt das daher. weil ich sie ins Wasser geschubst habe? Bricht sie gleich aus ihrer Haut wie ein Schmetterling aus seinem Kokon? Um danach an die Fensterscheibe zu knallen oder zwischen Obbes Händen zu sterben. … Wenn Vater uns so erwischt, wird er die Bibel aus der Esstischschublade nehmen und aus Römer lesen: »Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.« Mit ebendiesem Mund haben wir uns heute Nacht geküsst, Hanna drang mit ihrer Zunge bei mir ein, als suchte sie nach den Worten, die sie selbst nicht hatte. So kann man eine Sündenschuld dem Herzen verweigern, nie aber dem Haus. … Ich schüttle wild den Kopf. Küssen ist etwas für alte Leute, die machen das, wenn sie keine Worte mehr finden können, dann verschließen sie sich gegenseitig die Lippen.

    10. Nov. 2025

  • kristine
    kristine

    40 Follower

    1,0

    Anstrengend, verstörend, eklig... Das Buch benötigt Triggerwarnungen! Keine Ahnung, was ich da gelesen habe.

    24. Jan. 2026

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Lucas Rijneveld

Lucas Rijneveld, 1991 in Nordbrabant geboren, gilt als die wichtigste junge niederländische Stimme. 2015 veröffentlichte er den preisgekrönten Lyrikband Kalbskummer, 2019 folgte Phantomstute. Für seinen Debütroman Was man sät erhielt Rijneveld 2020 den International Booker Prize, sein zweiter Roman Mein kleines Prachttier stand monatelang auf der Bestsellerliste. Rijneveld lebt in Utrecht.

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